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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brüchte - Brück (Bezirk und Stadt)
Glimmerschiefer, Basalt, Hornblendcschiefer, Sand-
stein u. s. w. 2) Thonige B., wie Porphyr, Grau-
wackcn- und Thonschiefer u. s. w. 3) Kalkige B.,
wie Marmor, Übergangskalk, Muschelkalk, Lias,
Jurakalk, Kreide u. s. w. Für 1 cdm Bruchstein-
mauerwerk braucht man 1,25 bis 1,3 cdm geschichtete
B. und ^ cdm Mörtel. Der Preis der'B. ist ver-
schieden je nach Pachtzins des Bruches, Brecher-und
Fuhrlohn-, z. V. gelten für Kalksteine aus den Nü-
dersdorfer Brüchen bei Berlin folgende Preise:
1 odm kostet am Orte des Bruches je nach Größe
der Steine 6-8 M., Wasscrfracht bis Berlin 1,70 M.
pro Kubikmeter und Anfuhr bis zur Baustelle etwa
1 M. pro Kubikmeter; 1 cdm Granit kostet in Berlin
15-18 M. Das Mauern mit B. ist die älteste Vau-
form, die sog. Kyklopischen Mauern (s. Kyklopen)
sind aus mächtigen B. aufgeführt.
Brüchte, s. Brüche.
Vrnokus, Käfer, s. Samenkäfer.
Bruchweide, s. Weide.
Vrucia, Name des 323. Planetoiden.
Brucm, ein Alkaloid von der Zusammensetzung
O23 H26 ^2 l>4, ist ein ständiger Begleiter des Strych-
nins und kommt besonders in den Früchten der
Strychnosarten vor. Aus denselben wird es durch
Auskochen mit oralsäurehaltigem Wasser ausge-
zogen. Das krystallisierte B. enthält 4 Moleküle
Krystallwasser, ist schwer löslich in Wasser, leichter
löslich in Alkohol, unlöslich in Äther, in Salpeter-
säure mit schön roter Farbe löslich (Unterscheidungs-
merkmal vom Strychnin). Es wirkt, wie das Strych-
nin, schon in sehr kleinen Dosen giftig, doch nicht so
energisch wie jenes. B. verbindet sich mit fast allen
Säuren zu krystallisierbaren Salzen. Das B. ist
wahrscheinlich ein Abkömmling des Chinolins.
Bructt oder Talkhydrat, ein in rhomboedri-
schen tafelartigen Krystallen, gewöhnlich in schaligen
und stengeligen Aggregaten ausgebildetes Mineral,
sehrvollkommen nach demperlmuttcrglänzendenbasi-
schen Pinakoid spaltbar, in dünnen Vlättchen bieg-
sam, und von der Härte 2, dabei farblos, graulich-
und grünlichweiß; chemisch besteht es aus Magne-
siumhydroxyd, II2NF O2, mit 69 Proz. Magnesia
und 21 Proz. Wasser, doch zeigt sich infolge von
beginnender Umwandlung oft auch ein Gehalt an
Magnesiumcarbonat. In Säuren ist es leicht und
vollkommen löslich; es findet sich unter anderm zu
Hoboken in Neujersey, Lancasterund Teras in Penn-
sylvanien, auch bei Predazzo in Südtirol.
Brück. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Ober-
bayern, hat (1890) 22726 (11185 männl., 11541
weibl.) E., 57 Gemeinden mit 150 Ortschaften. -
2) B. in Oberbayern, auch Fürstenfeld-
bruck, Flecken und Hauptort des Bezirksamts B.,
links ander Amper, 23 km westlich von München, an
der Linie Kempten-München der Vayr. Staatsbah-
nen, hat (1890) 3222 (1661 männl., 1561 weibl.) E.,
darunter 163 Evangelische, in Garnison (321 Mann)
ein Bataillon abwechselnd des 1. und 2. Infanterie-
regiments, Post, Telegraph, Bezirksamt, Amts-
gericht (Landgericht München), Forstmeisterei, Auf-
schlageinnehmerei, Garnisonlazarett, Nemontcdepot
und Viehmärkte. V. ist Geburtsort der Erzgießer
Stiglmayer und Ferd. von Miller sowie des Re-
demptoristcnpaters Anton Miller. Zu V. gehört
die ehemalige Cistercienserabtei Fürstenfeld, 1266
von Herzog Ludwig dem Strengen zur Sühne für
die Hinrichtung seiner Gemahlin Maria von Vra-
bant gestiftet, 1803 säkularisiert, jetzt Kaserne: die
schöne Klosterkirche wurde 1718 - 41 unter Leitung
des Architekten Giovanni Antonio Viscardi, des
Verschönerers von Nymphenburg, erbaut.
Brück an der Leitha. 1) Bezirkshauptmann"
schaft in Niederösterreich, hat 650,12 ykm, (1890)
62629 (31245 männl.,31384weibl.)E.,6343Häuscr
und 14029 Wohnparteicn in 61 Gemeinden mit
64 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke B.,
Hainburg und Schwcchat. 1880 hatte sie mit den
inzwischen der Gemeinde Wien einverleibten Teilen
80524 (40277 männl., 40247 weibl.) E., darunter
574 Evangelische, 78938 Katholiken und 709 Israc-
liten. - 2) Stadt und Sitz der Vezirkshauptmann-
schaft B., liegt an den südl. Abhängen der zwischen
Donau und Leitha gelagerten Höhen, angesichts des
jenseit der letztern aufsteigendenLeithagebirges(157m
hoch), etwa 321cm im SW. von Prehburg und 40 km
im SO. von Wien, an den Linien Wien-B. (42 km),
B.-Hainburg (20 Km) der Österr.-Ungar. Staats-
bahn und Budapest-B. (220 km) der Ungar. Staats-
bahnen, hat (1890) mit dem Echloßbez'irk 4570 E.,
in Garnison (354 Mann) das 21. niederösterr.
Feldjägerbataillon, Post, Telegraph, Bezirksgericht
(231 (ikm, 18 Gemeinden und Ortschaften, 18 212 E.),
Platztommando, Armeeschiehschule, 2 Kirchen, ein
schönes, der gräfl. Harrachschen Familie gehöriges
Schloß mit Resten röm. Bauwerke, einem vor-
trefflichen botan. Garten, einer botan. Bibliothek
und sehenswerten Parkanlagen und ein ehemaliges
Augustinerkloster (Wohnung des Kaisers während
der Truppenübungen). Die alte Stadtmauer samt
Zwinger besteht noch. Bei V. werden jährlich die
Garnisonen Niederösterreichs zu großen militär.
Übungen in einem großen, mit Baracken ausgestat-
teten Übungslager zusammengezogen. - Daß
der Ort schon den Römern bekannt und von ihnen
besetzt war, ist unzweifelhaft. Die Straße von (^'-
uuiiwm (s. d.) nach ^luteuum führte durch B. -
Vgl. Klose, V. a. d. Leitha (Wien 1855).
Brück an der Mur. 1) Bezirkshauptmannschaft
in Steiermark, hat 2155,?i ykm, (1890) 65877
(34127 männl., 31750 weibl.) E., darunter 668
Evangelische und 104 Israeliten, 7543 Häuser und
12871 Wohnparteien in 38 Gemeinden mit 193 Ort-
schaften und umfaßt die Gerichtsbezirte Aflenz,
V., Kindberg, Mariazell und Mürzzuschlag. -
2) Stadt und Sitz der Vezirkshauptmannschaft B.,
42 km nordwestlich von Graz, in 465 m Höhe,
am Einfluß der Mürz in die Mur und an den
Linien Wien-Graz und V.-Leoben (17 km) der
Österr. Südbahn, hat (1890) 3802, als Gemeinde
5905 E., in Garnison (257 Mann) das 4. Bataillon
des 27. steirischen Infanterieregiments "Leopold II.,
König der Belgier", Post, Telegraph, Bezirksge-
richt (537 ykm, 13 Gemeinden, 76 Ortschaften,
20512 E.), einen großen Hauptplatz mit schönem
schmiedeeisernem Brunnen (17. Jahrh.), got. Pfarr-
kirche (15. Jahrh.) mit dem Grabmal Herzog Ernsts
des Eisernen (gest. 1424), Rathaus, altes Schloß
(Herzogshof, 14. Jahrh.) mit roman. Säulenhallen
und Loggia, Theater, Krankenhaus, Bürgerspital,
Fachschule für Holzindustrie, Sparkasse; Eisen-
werke, sowie Fabrikation von Eisenwaren und
Papier; Kunstmühle. Außerhalb der Stadt die
Ruinen der alten Herzogsburg Lands krön (1792
abgebrannt). Nördlich von B. endigt das malerische
Tragößthal.
Brück, Bezirk und Stadt im schweiz. Kanton
Aargau, s. Vrugg.