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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bruck (Karl Ludw., Freiherr von) - Brück
Brück, Karl Ludw., Freiherr von, östcrr. Staats-
mann , geb. 8. Okt. 1798 zu Elberfcld, lernte als
Kaufmann, machte in einem preuß. Regiment
1815 denFcldzug gegen Frankreich mit, ging dann
nach London, bereiste Frankreich und kebrte darauf
nach Bonn zurück, wo er auch staatswirtschaft-
liche Vorlesungen an der dortigen Universität be-
suchte. Um am griech. Befreiungskriege teilzuneh-
men, wollte er 1821 über Trieft uach Griechenland,
wandte sich aber in Trieft wiederum dem Kauf-
mannsstande zu und wurde Sekretär einer Ver-
sicherungsgesellschaft. Einer der Hauptbegründer
und zugleich Direktor desÖstcrreichischcnLloyd (s.d.),
trug er durch Geschick und Energie viel zur Entwick-
lung dieser Handelsschöpfung bei. 1848 wurde er
vom deutschgesinnten Teile seiner Mitbürger als
Abgeordneter in die Nationalversammlung nach
Frankfurt gesandt, wo ihn die österr. Negierung zu
ibrem Bevollmächtigten beim Reichsvcrweser, dem
Erzherzog Johann, ernannte. Nach der Wiener Ok-
toberrevolution von 1848 übernahm er im Mini-
steriuni Schwarzenberg-Stadion das Portefeuille
des Handels, in welcher Stellung er auch den Frie-
den mit Sardinien verhandelte und sein Verwal-
tungsdepartement nach einem großartigen Plane
organisierte, der im Okt. 1849 die Bestätigung des
Kaisers erhielt. Am 19. Dez. desselben Jahres er-
folgte seine Erhebung in den Freiherrenstand. Durch
das, was er binnen wenigen Jahren für die Entwick-
lung einer gesunden Handelspolitik geleistet hat, ist er
in Wahrheit der Begründer einer neuen gewerblichen
Epoche im Kaiscrstaate geworden. Die Stattbalte-
reien erhielten neue Agenden für Straßen- und Was-
serbauten, Handelsgerichte wurden eingeführt, Han-
dels- und Gewerbekammern, die Wiener Vörsenkam-
mcr, die Elbzollgerichte in Böhmen, die Central-Sce-
behörde in Trieft, die Ccntraldirektion der Eisenbab-
nen wurden errichtet. Die Generaldirektion der Kom-
munikationsanstaltcn öffnete dem Handel und Ver-
kehr neue Wege; der Deutsch-Österreichische Postvcr-
ein (Vertrag vom 5. Dez. 1851), der Deutsch-Qster-
reichische Telegraphenverein, Zoll- und Handelsver-
trägef1853)wurden geschlossen; die Allgemeine Wech-
selordnung (1852) war B.s Werk. Das System B.s
vertrug sich jedoch mit der polit. Reaktion so wenig,
daß er Ende Mai 1851 seine Entlassung erbat und
erhielt. Er übernahm uun wieder zu Trieft die
Direktion des Lloyd und wurde 1853 mit den Unter-
bandlungen betraut, die die Zollverträge Österreichs
mit Preußen und dem Zollverein zur Folge hatten.
Im Juni 1853 ward er als österr. Internuntius
.nach Konstantinopel gesandt. Noch während des
Orientkrieges, im März 1855, erfolgte indes seine
Zurückberufung nach Wien, um hier das Finanz-
ministerium zu übernehmen.
Trotz seiner energischen, schöpferischen, zum Teil
äußerst kühnen Thätigkeit, konnte es ibm gegenüber
dem polit. System, das den Staat beherrschte, nickt
gelingen, die Finanznot gründlich zu heben. Die
finanziellen Opfer, die 185,9 der Krieg in Italien
auferlegte, erschütterten vollends die Pläne und Be-
rechnungen des Ministers und nötigten ibn zu
Scbritten, die dem österr. Staatskrcdit die härte-
sten Schläge beibrachten. Er sah sich gezwungen, ein
neues Lotterieanl^dcn auszuschreiben, bei welchem
statt 200 nur 70 Mill. gezeichnet wurden; ferner
forderte er einen vollständigen polit. Systemwechsel
und die Verleihung einer Reichsverfassung, wäh-
rend seine GeMfl auf den faktischen Zustand der
Finanzen hinwiesen und diesen der Verwaltung des
Ministers zur Last legten. Dazu kamen die Enthül-
lungen in dem Unterschlcifprozeß Eynattcn (s. d.),
die sckcinbar einen Schatten auf den Minister war-
fen. Unter solchen Verhältnissen sah sich B. ver-
anlaßt, um seine Entlassung nachzusuchen, die er
22. April 1860 in ungnädiger Weise erhielt. B.
faßte in dieser Lage plötzlich den Entschluß, selbst
Hand an sich zu legen. Man fand ihn am Morgen
des 23. April im Bett mit tiefen Schnittwunden am
Halse und den beiden Vorderarmen; er verschied am
Nackmittage. Auf Veranlassung seines Freundes,
des spätern Ministers von Plener, fand eine ge-
naue Untersuchung der B.schcn Verwaltung statt,
die mit einer vollständigen und offiziellen Wieder-
berstellung seines Namens und Andenkens endete.
Nach seinem Tode erfolgte zu seiner Rechtfertigung
die Veröffentlichung seiner anonymen Denkschrift:
"Die Aufgaben Österreichs" (Lpz. 1860); 1877 ver-
öffentlichte I. Heller V.s "Memoiren aus der Zeit
des Krimkricgs" (Wien 1877).
Brück in der Mark, Stadt im Kreis Zauch-
Vclzig des preuß. Reg.-Bez. Potsdam, an einem
aus der Plane zur Nieplitz gebenden Bache, an der
Linie Berlin-Güsten der Preuß. Etaatsbalmen, hat
(1890) 1445 evang. E., Postagentur, Telegraph,
Pfarrkirche; Ackerbau.
Brück,Gregorius,latinisiertP ont a nu s (eigent-
lick Heinse), tursächs. Kanzler, geb. 1483 oder 1486
in Brück bei Witteubcrg, studierte in Wittenberg
und Frankfurt a. O. und erlangte als Kanzler des
Kurfürsten Friedrich des Weisen großen Anteil an
der sächs. Politik. Schon 1521 verhandelte er mit
dem Bcicktvatcr Karls V. auf dem Wormser Reichs-
tage; in Augsburg wirkte er 1530 auf Entstehung
und Ausarbeitung der Augsburgischen Konfession
bestimmend ein. Er schrieb darüber den "Bericht,
was den christl. Glauben zugut auf dem Reichstage
zu Augsburg lluno 1530 gehandelt worden" (gedruckt
in Förstemanns "Archiv für die Geschichte der kirch-
lichen Reformation", Bd. 1, 1831). Auch bei dem
Abscblussc des Schmalkaldischcn Bundes und des
Nürnberger Religionsfriedens war er in hervor-
ragender Weise beteiligt, wie später an der Gestaltung
des kursäcks. Kirchenwesens. Nach der Gefangen-
ncbmung Johann Friedrichs in der Schlacht bei
Mühlberg l24. April 1547) folgte er dessen Sobne
Iobann Friedrich dem Mittlern nach Jena. Wie
die Universität Wittenbcrg, deren Kurator er war,
seiner Fürsorge viel verdankte, so ist die Stiftung
der zu Jena (1548) wesentlich ihm zuzurechnen. B.
starb daselbst 20. Febr. 1557. - Vgl. Wimmer, Viw
^i'^oriil'on^iii (Altenb. 1730) ;Kolde, Der Kanzler
B.(Gotha 1874). -Sein Sohn, Christian V., der
des ältern Kranach Tochter Ursula geheiratet hatte,
wurde als Kanzler Johann Friedrichs des Mittlern
in die Grumbachschcn Händel (s. Grumbach) ver-
wickelt und 18. April 1567 zu Gotha hingerichtet.
Brück, Heinr., kath. Tbeolog, geb. 25. Okt. 1831
zu Vingen am 'Rhein, studierte seit 1851 im bischöfl.
Seminar zu Mainz, empfing 1855 die Priesterweibe,
besuchte zu seiner weitern wissenschaftlichen Ausbil-
dung München und Rom und wurde 1857 Professor
der ^irchengeschichte, seit 1887 auch des Kirchen-
rechts, am bischöfl. Seminar in Mainz, 1889 auch
Domkapitular. Außer dem in streng kath. Geiste ge-
haltenen "Lehrbuch der Kirchengeschichte" (Mainz
1872; 5. Aufl. 1890) schrieb V. u. a.: "Die rationa-
listischen Bestrebungen im kath. Teutschland, beson-