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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brückenschanze - Bruckenthal
zunächst langsam so weit auf die Brücke gefahren,
daß für die Trägcrmitte die größte Anstrengung,
also auch Durchbiegung hervorgebracht wird. Nach-
dem diese ruhige Belastung eine Zeit lang gewirkt
hat, werden die Lokomotiven einigemal erst mit
mäßiger, dann mit der größten zulässigen Geschwin-
digkeit über die Brücke hin und her gefahren. Bei
größern Spannweiten als40m werden noch schwere
Güterwagen oder weitere Lokomotiven angehängt.
Bei kontinuierlichen Trägern werden bei der Probe
mit ruhenden Lasten diese so über die einzelnen Fel-
der verteilt, daß die größten positiven und negativen
Einbiegungen entstehen.
Die Messung der Deformationen geschieht sehr
einfach z.V. dadurch, daß man in der Nähe der Träger-
mitten feststehende Schreibtafcln anbringt, deren
Ebene senkrecht zur Brückenachse steht. Am besten
wird die Schreibtafel d (s. Fig. 1) an einem in die
Erde eingerammten mit Streben versteiften Pfabl ;i
befestigt.' Auf der Schreibtafel ruht, durch eine Feder
Fig. 2. Fig. 3.
beständig angedrückt, die Spitze eines mit der Trager-
mitte durch den Arm c fest verbundenen Schreib-
stiftes. Diefer zeichnet dann, wenn die Brücke be-
fahren wird, sowohl die lotrechten Durchbiegungen
als die Seitcnschwantungen selbstthätig und zwar
in wahrer Größe auf. Es entstehen Diagramme
von der inFig.^u.Z wicdcrgegebenen Form. Fig.'2
gilt für langsame, Fig. .''> für schnelle Befahrung;
in beiden Fällen ist a die Nulllage, auf welcher der
Stift vor der Belastung stand; d ist der tiefste Punkt
und entspricht der größten Durchbiegung: c der
Punkt, auf dem der Stift uach der Entlastung stehen
bleibt. Es wird also dnrch ae die bleibende, durch
do die elastische Durchbiegung in ihrer wahren
Größe dargestellt, während durch die gesamte Breite
k li des Diagramms die marimale Seitenschwankung
ebenfalls in wahrer Größe angegeben wird. Es
kann auch die (^chreibtafel mit dem Träger und der
Stift mit der Erde verbunden sein, wobei man ganz
dieselben Diagramme erhält. Außer diefen einfachen
^chreibvorricktungen hat man auch sog. Deflek-
tions- oder Durchbiegungsmesser, welche die
lotrcckteu und seitlichen Deformationen getrennt uud
gewöhnlich vergrößert aufzeichnen, außerdem in der
Regel ein Uhrwerk besitzen, das die Echreibfläche,
die auf einer Trommel aufgewickelt ist, senkrecht zur
Durchbiegungsrichtung vor der Schreibspitze vor-
bcibewcgt. Hierdurch zeigen die Diagramme den
ganzen Verlauf der Eiusenkung in Bezug auf die
Zeit. Solche Dcstektionsmcsscr sind von Fräntcl,
Askcnasy, Trau u. a. konstruiert worden. In neuerer
Zeit bestimmt man neben den Einbiegungen auch die
Spannungen in den einzelnen Konstruktionsteilen,
was mit besondern Apparaten, den Dehnungs-
zeicknern, geschieht, wovon die Konstruktionen
von Fränkel, Horch und Deistler zu erwähnen sind.
Von großem störendem Einfluß auf die Belastungs-
probe ist die Witterung; hauptsächlich üben die
Sonnenstrahlen einen bedeutenden Einfluß. Bei
der gewöhnlichen Anordnung der Balkenbrücke mit
Fachwerksträgern ist nämlich in der Ncgel eineGur-
tuug den Souuenstrahlen aufgesetzt, während die
andere von der Fahrbahn beschattet wird. Der be-
schienene Gurt dehnt sich stärker aus als der be-
schattete, es tritt eine Krümmung des Trägers ein,
die sehr beträchtlich sein kann. Mohr beobachtete
zwiscken Obergurt und Untergurt einen Temperatur-
unterschied bis zu 20" (^., was einer Durchbiegung
von etwa '-^7 der Spannweite entspricht. Selbst
plötzlich auftretende wärmere oder kältere Lustströ-
muugen rufen Deformationen der Träger hervor.
Aus diesen Gründen werden B. nur bei bedecktem
Himmel und möglichst ruhiger Luft vorgenommen;
auch ist es vorteilhaft, die Dauer der Messungen
möglichst zu beschränken.
Bei der V. ist ein Vertreter der betreffenden Eifen-
babnvcrwaltung und ein Vertreter der Vrückenbau-
anstalt zugegen. Diese unterzeichnen das über die
Messungen und deren Befund geführte Protokoll
und, nachdem alle etwaigen Mängel sofort abgestellt
und ihre Beseitigung nötigenfalls durch eine zweite
Probebclastung bewiesen ist, wird die Brücke für be-
triebsfähig erklärt, und e^ erfolgt dann die Abrech-
! nuug mit der Brückcnbananstalt, jedoch wird eine
, schon bei der Vergebung des Baues gestellte Kaution
! von 5 bis 10 Proz. der Bausumme zurückbehalten,
bis nach Jahresfrist (in manchen Fällen auä) nach
längerer Zeit) eine zweite Untersuchung stattgesuw
den bat, womit dann die Brückenbananstalt aller
! Verpflichtungen bezüglich der Haltbarkeit der Brücke
entboden ist.
Die weitere Überwachung der Brücke geschieht
ausschließlich von seittn der Eisenbahnoerwaltuug
durch periodische Revisionen, die teils jährlich, teils
in größern Zeitabschnitten und dann genauer vor-
genommen werden. Die jährlichen Revisionen er-
strecken sich auf die Untersuchung des äußerlichen
Zustandes der Brücke, soweit er durch eiugehcnde
Besichtigung festgestellt werden kann. Es wird da-
bei untersucht, ob die einzelnen Glieder irgendwelche
nachteilige Veränderung zeigen, ob der Anstrich sich
in gutem Zustand befindet, ob sich Roststellen, Risse
nnd sonstige Beschädiguugcn vorfinden u.s.w. Bei
den größern Revisionen, die meist aller4oder5Jahre
stattfinden, wird außer diesen änßcrlichen Besichti-
gungen eine eingehende Belastungsprobe vorge-
nommen. Die Ergebnisse aller dieser regelmäßigen
Prüfungen werden in das für jede Brücke angelegte
Prüfungsbnck, das auch eine genaue Zeichnung der
Brücke enthält, eingetragen. <S. Eifenbahnunfälle.)
Brückenschanze (Brücke nficherung), s.
Brückenkopf.
Brückcnstation, s. Bahnhöfe (Bd. 2, S.292a).
Brückenstcge, Kriegsbrücken (s.d.), die einzelnen
Fußgängern den Übergang ermöglichen sollen; ihre
Breite ist bis zu 1 m.
Vruckenthal, Samuel, Freiherr von, österr.
Staatsmann, geb. 26. Juli 1721 zu Löschkirch in