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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brückenechsen - Brückenprobe

Brückenechsen (Rhynchocephalia), eine Ordnung von Echsen, deren einziger Vertreter, die sog. Brückenechse, Tuatera (Hatteria punctata Gray), nur auf den Inseln Neuseelands heimisch und auch da nur noch selten ist und einige ausgesprochene Merkmale der niedriger stehenden Wirbeltierklassen besitzt. Es sind dies vor allem das mit dem Schädel fest verbundene Quadratbein, die bikonkaven Fischwirbel und der Mangel besonderer Begattungsorgane im männlichen Geschlecht. Über die Schläfengrube verläuft eine Knochenbrücke, und im Zwischenkiefer (vorn im Maule) steht jederseits ein großer breiter Schneidezahn. Am nächsten stehen diesem merkwürdigen Tiere im Skelettbau die fossilen Gattungen Hyperodapedon und Rhynchosaurus. Die Brückenechse wird mehrere Fuß lang und ist grünlichschwarz gefärbt, mit großen gelben und kleinen weißen Flecken; längs der Rückenmitte zieht ein Kamm zusammengedrückter Dornen. Die Brückenechse ist augenscheinlich im Aussterben.

Brückenkanal, s. Aquädukt.

Brückenkeller, s. Zugbrücke.

Brückenkopf, eine Befestigung, welche die über einen Fluß führenden Brücken gegen feindliche Angriffe decken, Angriffsunternehmungen auf dem jenseitigen Ufer begünstigen und einen Rückzug über den Fluß sichern soll. Die Hauptverschanzungen eines B. liegen also jenseit des Flusses und müssen von diesseitigen Werken (Batterien) gut bestrichen werden; für größere Truppenmassen legt man eine zusammenhängende Reihe im Halbkreise vorgeschobener Befestigungen an, die einen entsprechend großen Raum vor der Brücke einschließen, während die Brücke selbst eine besondere kleine Befestigung (Brückenschanze, Brückensicherung) zu ihrer unmittelbaren Deckung erhält. Die von den Preußen 1864 erstürmten Düppeler Schanzen waren ein großartiger B., welcher der auf Alsen stehenden dän. Armee den Übergang nach dem Festlande sicherte. Fast alle an größern Flüssen liegenden Festungen sind als (meist doppelte) B. zu betrachten. Im besondern nennt man wohl z. B. Deutz den B. von Köln, Castel den von Mainz, Malghera den von Venedig.

Brückenpfeiler nennt man die Teile einer Brücke, die das Brückentragwerk (s. d.) sowohl wie durch diese die Brückenbahn (s. d.) zu tragen haben. Sie bilden also den unterstützenden Teil der Brücke. Die Pfeiler sind entweder Endpfeiler oder Mittelpfeiler; die Endpfeiler haben meist außer dem Auflagerdruck der Brücke auch noch den Schub des dahinter liegenden Erdreichs aufzunehmen. Die hölzernen Pfeiler für geringere Höhen sind entweder Pfahljoche, welche aus einzelnen in die Erde gerammten, durch Querbalken verbundenen Piloten bestehen, oder aufgesetzte Joche, die sich aus einem steinernen Grundbau und einem darüber stehenden Holzjoche aufbauen. Bei Brücken von bedeutenden Höhen sind die einzelnen Pfeiler untereinander der ganzen Höhe nach durch Langhölzer verbunden, um sie dadurch standhafter zu machen, oder es wird jedem einzelnen Pfeiler die nötige Standbarkeit gegeben, indem man die Säulen desselben durch gitterwerkartig angebrachte Balken verbindet; erstere heißen verbundene Joche, letztere Gitterpfeiler. Bei den Landjochen wird dem Erddruck durch hölzerne Verankerungen entgegengewirkt. Eiserne Pfeiler sind in neuerer Zeit vielfach zur Anwendung gelangt. Man unterscheidet Säulenpfeiler; Pilotenpfeiler; Röhrenpfeiler, welche letztere aus zwei oder mehrern Röhren bestehen, von denen jede einzelne meist auf pneumat. Wege gegründet wird (s. Grundbau); Gitterpfeiler, welche aus vier oder mehrern auf einem Steinsockel ruhenden, durch Gitterwerk verbundenen Säulen bestehen (sie sind für hohe Pfeiler die zweckmäßigste Konstruktion); Schichtenpfeiler, die aus einzelnen kassettenartigen Gußstücken sich aufbauen; Portalpfeiler bei Kettenbrücken u. s. w. Die größte bisher erreichte Höhe (107 m) haben die Pfeiler der Brücke über den Rio Loa der Antofagasta-Bahn. Die Steinpfeiler, welche als Unterstützung für hölzerne, eiserne und steinerne Brückenträger zur Anwendung gelangen, sind gleichfalls entweder Erd- oder Mittelpfeiler. Während letztere bei hölzernen oder eisernen Balkenträgern, abgesehen vom Winddrucke, nur Vertikalkräfte aufzunehmen haben, tritt bei steinernen Bogen ein Horizontalschub hinzu. Mit Rücksicht auf die Standfähigkeit unterscheidet man in diesem Falle wohl noch zwischen gewöhnlichen Mittelpfeilern und sog. Gruppenpfeilern, welche letztere so stark gemacht werden, daß sie den Schub des von der einen Seite drückenden Gewölbes auch dann mit Sicherheit aufzunehmen vermögen, wenn das von der andern Seite gegen sie gestellte Gewölbe durch irgend welche Zufälligkeiten eingestürzt sein sollte. Bei den Brücken früherer Zeiten, z. B. bei den Römerbrücken, wurden sämtliche Mittel- oder Zwischenpfeiler so stark ausgeführt; neuerdings spart man aber an den Baukosten der Brücken wesentlich dadurch, daß man bei der statischen Untersuchung der Pfeiler auf den Gegendruck des andern Gewölbes rechnet.

Brückenprobe, Probebelastung, die bei eisernen Eisenbahnbrückcn übliche Vorsichtsmaßregel, die vor Ingebrauchnahme (Inbetriebsetzung) der Brücke ausgeführt wird und darin besteht, daß man die Wirkungen einer Probebelastung, deren Größe der größten voraussichtlichen spätern Verkehrslast entspricht, untersucht. Man mißt dabei die bei der Belastung entstehenden Durchbiegungen, sowie Seitenschwankungen der Hauptträger und vergleicht die Größe dieser Deformationen mit den bei der Berechnung der Brücke vorausbestimmten resp. als zulässig angenommenen Werten der Deformationen. Außerdem achtet man auf etwa entstehende Überanstrengungen oder Defekte der einzelnen Konstruktionsteile und Verbindungsstellen. - Die gesamte durch die Probebelastung hervorgerufene lotrechte Durchbiegung der Hauptträger besteht aus einer bleibenden und einer elastischen, d. h. mit dem Verschwinden der Last vorübergehenden Durchbiegung. Die letztere läßt sich theoretisch vorausberechnen, und die bei der B. beobachtete größere oder geringere Übereinstimmung der wirklichen elastischen Durchbiegung mit der vorausberechneten hat daher vorzugsweise wissenschaftliches Interesse. Die bleibende Einsenkung jedoch ist mehr ein Maß für die Güte der Bearbeitung und Montierung der Brückenteile; man kann sie nicht vorausberechnen, sondern nur die zulässigen auf Erfahrung beruhenden Maximalwerte dafür angeben. Diese betragen für die Mitte der Träger 1/5000 bis 1/4000 der Spannweite, während man für die Seitenschwankungen 1/10000 als zulässig annimmt. - Die Art der Probebelastung ist bei Brücken bis zu 40 m Spannweite folgende: Drei schwerste Lokomotiven werden, aneinander gekuppelt,