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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brücke des Barolius - Brückendecke
berg, von wo er 1849 als Professor der Physiologie
und mikroskopischen Anatomie nach Wien über-
siedelte. 1879 wurde er zum Mitgliede des österr.
Herrenhauses ernannt, in dem er ^sich der Ver-
fassnngspartei anschloß. B. trat im Sommer 1890
in den Ruhestand und starb 7. Jan. 1892 in Wien.
Seine Verdienste waren durch Verleihung^hoher
Orden und des Nitterstandes geehrt worden, deinen
wissenschaftlichen Nuf begründete V. mit der "Ana-
tom. Beschreibung des Äugapfels" (Berl. 1847),
der er eine lange Reihe von Abhandlungen über
verschiedene Gegenstände der Anatomie und Physio-
logie, namentlich den Gesichtssinn, Blut und^Kreis-
lanf, Verdauungsorgane, Physiologie der ^prackc
teils in Fachzeitschriften, teils in den "Denk-
schriften" und "Sitzungsberichten" der Wiener
Akademie folgen ließ. Bahnbrechend wirkten B.s
"Grundzüge der Physiologie und Systematik der
Eprachlautc" (Wien 1856; 2. Aufl. 1870): ferner
"Neue Methode der phonetischen Transskription"
(ebd. 1863), welche dazu dienen soll, die Laute
nach ihrem wirklichen Lautwert abzubilden. Das
Wesentliche dieses neuen Systems besteht darin, daß
die einzelnen Typen, mit denen gedruckt wird, keine
Bnchstabensind, sondern nur Zeichen für dieStcllung
der einzelnen beim Sprechen thätigen Organe, ans
denen dann erst die Buchstaben' zusammengesetzt
werden. Später erschienen: "über Ergänzungs-
farben und Kontrastfarben" (Wien 1865), "Die
Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunst-
gcwerbe bearbeitet" (Lpz.1866; 2. Aufl. 1887), "Die
physiol. Grundlagen der nenhochdentschen Vcrs-
kunst" (Wien 1871), "Vorlesungen über Physiologie"
(2 Bde., ebd. 1873 - 74; 4. Aufl. 1885 - 87),
"Bruchstücke aus der Theorie der bildenden Künste"
(Bd. 28 der "Internationalen wissenschaftlichen Bi-
bliothek", Lpz. 1877), "Schönheit und Fehler der
menschlichen Gestalt" (Wien 1891), "Wie behütet
man Leben und Gesnndhcit seiner Kinder?" (3. Aufl.,
ebd. 1892).
Vrücke des Varoilus (I>ou3 V^rolii) wird
bisweilen der Hirnknoten nach dem ital. Arzt
Costanzo Varolio (geb. 1543, gest. 1575) ge-
nannt <s. Gehirn).
Brückenau. 1) Bezirksamt im bayr. Neg.-Vez.
Unterfranken, bat (1890) 13109 (6347 männl.,
6762 wcibl.) E., 32 Gemeinden mit 109 Ort-
schaften , darunter 1 Stadt. - 2) Bezirksstadt im
Bezirksamt V., 28 kin im NW. von Kissingen, in
298 in Höhe, an der vordern Sinn, nach dem Brande
von 1876 neu aufgebaut, an der Nebenbahn Iossa-
V. (17 km), hat (1890) 1548 E., darunter 64 Evan-
gelische und 52 Israeliten, Post, Telegraph, Be-
zirksamt, Amtsgericht (Landgericht Würzburg),
Forst- und Rentamt, Papier-, Schneidemühlen und
6 Jahrmärkte.
Nahe dabei Bad V. in dem reizenden Tbalc der
Sinn. Die drei Quellen sind die Brückenauer oder
Stahlquelle, ein erdig-salinisches Eisenwasscr, die
Wernarzcr und Sinnberger Quelle, alkalisck-crdige
Säuerlinge. Sie werden zum Trinken wie zum
Baden benutzt; die Stahlquelle hauptsächlich gegen
Vlutarmut, Muskclschwäcke, chronische Nerven-
leiden und Bleichsucht, oft als Nachkur für Kissinger
Brunncngäste; die Wcrnarzer Quelle gegen Magen-
katarrh, Erkrankungen des Kcblkopfes und der
Lunge sowie gegen Harnleiden. Außerdem werden
Moorbäder verabreicht. Das Bad hat besonders
als Lieblingsauftnthalt des Königs Ludwig I. von
Bayern durch Verschönerungen gewonnen. Ein
neues Vadehaus wurde 1822 erbaut und 1882
durch Einrichtung von Dampfheizung musterhaft
ausgestattet. In Kothenund Niedcnbcrg, beide 9 km
vom Bade entfernt, befinden sich ebenfalls Sauer-
brunnen, welche jedoch nur als Trinkwasser be-
nutzt werden. - Vgl. Gegenbaucr, Fulda und das
Rbongcbirge mit seinen Bädern (Fulda 1847);
Wehner, Bad B. und seine Kurmittel (2. Aufl.,
Würzb. 1886).
Brückenbahn nennt man den Teil der Brücke,
der, von dem Vrückentragwerk (s. d.) und den
Brückenpfeilern (s. d.) getragen, die eigentliche
Strafte für das Verkehrsmittel bildet, für dessen
Zwecke die Brücke errichtet wurde. Sie wird bei
Steindrucken wie in der freien Strecke hergestellt;
bei Holz- und Eisenbrücken für Straßen besteht die
Konstruktion aus einem hölzernen oder eisernen
Gerippe, meist aus Quer- und Längsträgern zu-
sammengesetzt, über dem die Fahrbahntafcl (aus
Holzboblen, Steinplatten, gußeisernen Platten,
Vlechkalotten, Wellblech, Zorreseiscn u. a. kon-
struiert) ruht und die eigentliche Brücken decke
(den Fahrbohlenbelag, die Chaussierung, ein Holz-
oder Steinpflaster) trägt. Bei Eisenbahnbrücken
ruhen die Schienen auf Längs- oder Querschwcllcn.
Die Vrückendecke einer Kriegsbrücke besteht aus
den Strcckbalkcn, dem Belag (Bretter,. Stangen)
und der Nödclung (Vorrichtungen zur Befestigung
des Belages auf den Balken). Das Geländer soll
mehr dem Auge der Mannschaften und Pferde Be-
ruhigung verschaffen, als gegen Hinunterdrängen
sickern; zu diesem Zweck genügen dünne leicht-
befestigte Stangen oder Leinen.
Brückenberg, Kolonie im Kreis Hirschberg des
vreuft. Neg.-Vez. Liegnitz, im SW. von Schmicde-
berg, am nörol. AbHange des Nicscngebirges, in
753 in Höhe, eins der höchstgclegcnen Dörfer Preu-
ßens, gehört zur Gemeinde Gebirgsbanden
(576 E.),hat246E., darunter etwa40Katholiken,und
ist über den Bergrücken zerstreut, der vom Mittagstcin
zum KräberZberg zieht; als klimatischer Kurort für
Nerven- und Lungenleidende wird V. jährlich von
etwa 400 Personen besucht. Friedrich Wilhelm IV.
errichtete hier auf Anregung der Gräsin Neden (gest.
1854) 1844 die Kircke W ang(885m), eine alteHolz-
kirchc, die aus Valders in Norwegen hierher über-
tragen, ergänzt und aufgebaut wurde; der neue Kirch-
turm und ein Springbrunnen stehen daneben.
Vrückenbrüder (I^i'öi-68 pontil^, I^ti-63 pon-
tiüe68), eine religiöse Brüderschaft, gegen Ausgang
des 12. Jahrh, in Südfrankreich entstanden, um an
den besuchtesten Ubergangspunkten großer Ströme
Hospize anzulegen, Fähren zu unterhalten und
Brücken zu banen. Ob der später kanonisierte Hirt
Venczet Stifter oder nur Mitglied der Vrücken-
brüderschaft gewesen sei, ist ebenso ungewiß als dcr
Anteil, den ihm die Sage an dem um 1180 vollen-
deten Bau der Nhönebrücke zu Avignon beilegt.
Die Gesellschaft wurde 1189 von Papst Clemens III.
bestätigt: ihr Abzeichen war ein weißes Kleid mit
zwei Brückenbogen und einem (^pitzhammer auf der
Brust. Mit zunehmendem Neicktnm in Verfall ge-
raten, ward sie von Pins II. aufgehoben. Auch in
andern Ländern existierten Vereine mit demselben
Zweck, nur unter andern Namen. - Vgl. Grcgoire,
Ii^cii6rcli63 1n8t01'i<1U68 8U1' 168 00NFl(^Hti0Q3
d03^it3.1iöl-63 äo3 1?1'6I'L8 IX)Ntiko8 (Par. 1818).
Brückendecke, s. Brückenbahn.