Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

625
Brunnersche Drüsen - Bruno I.
knechte", "Das deutsche Reichsvieh", "Keilschriften"
u. s. w. Hieran reihten sich Erzählungen, wie "Des
Genies Malheur und Glück" (2 Bde., 3. Aufl.,
Regensb. 1864), "Diogenes von Azzelbrunn" (2 Bde.,
2. Aufl., ebd. 1864), "Fremde und Heimat" (2 Bde.,
3. Aufl., ebd. 1864). Später folgten Reiseschilderun-
gen, wie "Kennst du das Land? Heitere Fahrten durch
Italien" (Wien 1857), "Aus dem Venediger- und
Langobardenland" (ebd. 1860), "Unter Lebendigen
und Toten, Spaziergänge in Deutschland, Frankreich,
England und derSchweiz" (ebd. 1862; 2.Aufl. 1863),
"Heitere Studien und Kritiken in und über Italien"
(2Tle., ebd. 1866), "Kreuz- und Querfahrten in Ita-
lien" (Würzd. 1888). Ferner: "Hau- und Bausteine
zu einer Litteraturgeschichte der Deutschen" (8 Hefte,
Wien 1885), "Denkpfennige zur Erinnerung an Per-
sonen, Zustände und Erlebnisse vor, in und nach
dem Explosionsjahre 1848" (Würzb. 1886), "Allerlei
Tugendbolde aus der Aufklärungsgilde" (Paderb.
1888), "Die vier Großmeister der Aufklärungs-
theologie: Herder, Paulus, Schleiermacher und
Strauh" (ebd. 1888), "Kniffologie und Psiffologie
des Weltweisen Schopenhauer" (ebd. 1889), "Die
Zofschranzen der Dichterfürsten. Der Goethekult und
dessen Tempeldiener" (Würzb. 1889), "Lessingiasis
und Nathanologie" (Paderb. 1890), "Pechfackel zur
Beleuchtung einiger Prachtexemplare aus dem neu-
evang. Schnüffelbunde" (Wien 1890), "Zwei Busch-
männer jÄörne und Heines Aktenmäßig geschil-
dert" (Paderb. 1891). Nicht ohne Interesse sind
"Clemens Maria Hoffbauer und seine Zeit" (Wien
1858) und "Die Kunstgenossen der Klosterzelle"
(2 Bde., ebd. 1863) wegen der Materialien zur Kir-
chen- und Kunstgeschichte, ebenso "Die theol. Die-
nerschaft am Hofe Josephs II." (ebd. 1868), "Die
Mysterien der Aufklärung in Österreich 1770-1800"
(Mainz 1869), "Der Humor in der Diplomatie und
Regierungskunde des 18. Jahrh." (2 Bde., Wien
1872), "Ein Benediktinerbuch, Geschichte und Be-
schreibung der Venediktinerstifte in Österreich-
Ungarn, Deutschland und der Schweiz" (Würzb.
1881), "Ein Cistercienserbuch" (ebd. 1881), "Ein
Chorberrenbuch. Geschichte der Chorherrenstifte"
(ebd. 1833). Eine Art Selbstbiographie gab er u.d.T.
"Woher? Wohin?" (2 Bde., Wien 1855) heraus.
Eme Sammlung seiner Erzählungen und poet.
Schriften erschien 1864-77 (18 Bde., Rcgensb.;
neue Ausg., ebd. 1890 fg.); eine Biographie V.s
schrieb I. Scheicher (Wien 1888).
Brunnersche Drüsen (6IauäuiN6 Vi-uuneiia-
NH6), die kleinen traubenförmigen Drüsen des Zwölf-
fingerdarms, benannt nach ihrem Entdecker, dem
Anatomen Johann Konrad Vrunner (geb.
16. Jan. 1653, gest. 2. Okt. 1727 als kurfürstlich
pfälz. Leibarzt zu Mannheim). (S. Darm.)
Brünnl, czech. vobrä. Voäa, Markt im Ge-
richtsbezirk Gratzen der böhm. Bezirkshauptmann-
schaft Kaplitz, in 695 in Höhe, am Fuße des Hoch-
walds (1050 ui), ein berühmter Wallfahrtsort, bat
(1890) 550 E., Post, Telegraph, eine alte, angeblich
wunderthätige Eisenquelle und eine 1715 erbaute,
1890 prächtig renovierte Wallfahrtskirche und wird
als Sommerfrische viel besucht. In der Nähe der
Markt Heilbrunn (727 E.) mit Mineralbädern.
Brunnow, Phil., Graf von, russ. Staatsmann,
geb. 31. Aug. 1797 zu Dresden, stammte aus einer
turläuo. Adelsfamilie, trat 1818 in russ. Dienste
und erhielt eine Anstellung im Departement des
Auswärtigen. Nachdem er den Kongressen zu Trop-
Vrockhaus' KouversationZ-Lexikon.. 14. Aufl. III.
pau, Laibach und Verona beigewohnt und eine Zeit
lang als Gesandtschaftssekretär in London fungiert
hatte, nahm er 1828 und 1829 als Civilbeamter an
den Fcldzügen gegen die Türken teil. Zum Staats-
rat ernannt, war er in Petersburg als erster Re-
dacteur des Departements der auswärtigen Ange-
legenheiten thätig, wurde 1839 Gesandter in Stutt-
gart und Darmstadt und ging im Herbst desselben
Jahres nach London, wo er den Vertrag vom 15. Juli
1840 zu stände brachte, durch den vorläufig die
Orientalische Frage beigelegt wurde. Den engl.
Handelsstand suchte er durch den Schiffahrtsvertrag
von 1849 an Rußland zu fesseln, während die Inter-
essen beider Staaten im Norden Europas durch das
Londoner Protokoll vom 8. Mai 1852 solidarisch
verbunden werden sollten. Trotzdem kam es zum
Kriege, und V. verlieft 1854 Kondon. 1855 ward
er Gesandter am Deutschen Äundestag, 1856 Ge-
sandter in Berlin, 1860 wieder Gesandter in London.
Hier nahm er 1864 an der Londoner Konferenz teil,
wobei er eifrig für Dänemark eintrat, aber ohne
Erfolg. Glücklicher war er in der Lösung des Pontus-
vertrags, den Rußland 1870 gekündigt hatte. B.
erhielt 1871 vom Kaiser den Grafentitel, nahm 1874'
seinen Abschied, lebte darauf in Darmstadt und
starb daselbst 12. April 1875.
Brünnow, Franz Frieor. Ernst, Astronom, geb.
18. Nov. 1821 in Berlin, studierte daselbst Mathe-
matik, Astronomie und Physik, promovierte 1843
mit der Schrift "Ds 3.ttra,otioii6 ui0i6on1a.ii" und
arbeitete dann unter Encke an der Berliner Stern-
warte. 1847 wurde er Direktor der Sternwarte Vilk
bei Düsseldorf, 1851 erster Observator an der Stern-
warte in Berlin, 1854 Direktor der neu zu errichten-
den Sternwarte in Ann-Arbor (Michigan, Ver-
einigte Staaten). In Ann-Arbor und später in
Alb'any, wo er 1861-63 als Associate-Direktor
wirkte, gab er ein astron. Journal ("^Ztronomieal
Xotic63") heraus. 1863 kehrte er nach Europa zurück
und übernahm 1866 als kvnigl. Astronom für Irland
und Professor der Astronomie am ^i-init^ lüoiiegs
die Direktion der Sternwarte zu Dunsink bei Dublin.
1874 zog er sich ins Privatleben zurück und starb
20. Aug. 1891 in Heidelberg. Von seinen Arbeiten
sind noch anzuführen die Preisschrift "Nsmoii-s sur
1". couitztö olliptihus äs ä6 Vico" (Amsterd. 1849),
Tafeln der Flora (Berl. 1855), der Victoria (Neuyork
1859) und der Iris (Dublin 1869). Am bekanntesten
aber ist B. geworden durch sein "Lehrbuch der sphä-
rischen Astronomie" (Berl. 1851; 4. Aufl., ebd. 1881).
Brunnthal, Wasserheilanstalt bei Bogenhausen
(s. d.) in Bayern.
Bruno I., der Große, Erzbischof von Köln
und Herzog von Lothringen, jüngster Sohn König
Heinrichs I., Bruder König Ottos I., geb. 925, wurde
in der Utrcchter Kathedralschule für den geistlichen
Stand erzogen. Schon 940 ward B. Kanzler des
Reichs und trat 951 als Erzkaplan an die Spitze
der Hofgcistlichkeit. In demselben Jahre begleitete
er Otto auf seinem ersten Römerzuge; in dem Auf-
stande der Herzöge Liudolf von Schwaben und Kon-
rad von Lothringen stand er seinem königl. Bruder
treu zur Seite. 953 ward V. zum Erzbischof von
Köln gewählt und zugleich zum Herzog von Loth-
ringen erhoben; es gelang ihm nach schweren Käm-
pfen, Konrad zu besiegen und das durch innere
Parteiungen zerrissene Land dauernd zu beruhigen.
Überhaupt übte B. auf alle Regierungsgeschäfte
einen weitgehenden Einfluß. Daneben sorgte er
40