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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brutto - Brutus
blühenden Kolonien Hipponium, Mcdma, Rhegium,
Lokri, Proton u. a. gegründet hatten. 272 v. Chr.
tauien die Brutticr in die Gewalt der Römer. Im
zweiten Punischen 5lriege verbanden sie sich mit den
Karthagern, verloren aber nach deren Niederlage
ihre Unabhängigkeit, indem sie zu Staatssklaven
iLi-nttiHiii 80rvi) erklärt wurden und den Dienst der
Liktoren, Gerichtsdicner u. s. w. verrichten mußten.
Brutto, d. i. unrein, ein dem Italienischen ent-
lehnter Ausdruck, wird vorzüglich in Zusammen-
setzungen gebraucht, z.V. Vruttogewi ch t, d.i. das
Gewicht der Ware mit Inbegriff der Umhüllung (Em-
ballage), meist abgekürzt in 1^" odcrN?. Brutto-
einnahme, im Gegensatz zur Nettoeinnahme, heißt
diejenige Einnahme, von der noch die Unkosten u. s. w.
hinwcgzunehmen sind, um zur reinen Einnahme zu
gelangen. Ebenfo spricht man von einer Vrutto-
steuer, von einem Bruttoerträge, und im See-
wesen von einer Bruttofracht als dem Erwerb eines
Schiffs einschließlich der Ausrüstungskosten u.s. w.
In Beziehung auf das Gewicht von Waren ist der
ebenfalls italienische, besonders in Österreich und
Süddeutschland üblicheNameSporco mit V. gleich-
bedeutend. (S. Netto.)
Brüttröge, kalifornische, s. Fischzucht.
Brutus, Decimus Iunius, ein Teilnehmer an
der Verschwöruug gegen Cäsar, geb. um 84 v. Chr.,
hatte sich in den gallischen wie in den bürgerlichen
Kriegen ausgezeichnet und war als bevorzugter Lieb-
ling Cäsars von diesem mit Gunst und Ehren über-
häuft worden. Trotzdem übernahm er in der Ver-
schwörung die Rolle, den zögernden Cäsar zu über-
reden, in den Senat zu geben. Nach Cäsars Tode
verteidigte cr das cisalpinische Gallien gegen An-
tonius, ward aber von seinem Heere verlassen und
auf Antonius' Befehl durch einen Gallier getötet.
In Ciceros "Npistolao ad fumiIiki-63" ist ein Teil
des Briefwechsels zwischen B. und Cicero enthalten.
56 v. Chr., als er bei Gelegenheit des Venetcrkriegcs
am Ocean weilte, entdeckte er die Scilly-Inseln.
Brutus, Lucius Iunius, in der röm. Eagen-
geschichte der Sohn des Marcus Iunius undder
Tochter des ältern Tarquinius. Da das Wort
I)ruw3, das in der ältern lat. Sprache "ernsthaft"
bedeutete, nach dem spätern Sprachgebrauch denBe-
grisf "schwerfällig", "gcistesarm" angenommen hatte,
so entstand gegen Ende der Republik die Sage,
L. Iuuius hätte sein Leben vor den Verfolgungen
des Königs Tarquinius Supcrbus, der alle Glieder
dieser Familie wegen ihrer Ansprüche auf den Thron
zu vertilgen suchte, nur dadurch retten können, daß
er sich blödsinnig stellte, und deshalb hätte er den
Beinamen V. bekommen. Aus Anlaß einer in Rom
aufgebrochenen Pest begleitete er die Söhne des
Tarquinius zu dem Orakel nach Delphi. Auf die
Frage der Königssöhne, wer nach des Vaters Tode
in Rom herrschen würde, antwortete die Priesterin:
Wer zuerst die Mutter küßt. Die Söhne des Tar-
quinius beschlossen, das Los entscheiden zu lassen.
B. dagegen warf sich zu Boden und berührte mit
seinen Lippen die Mutter Erde. Nach dem Tode der
Lucretia (s. d.) setzte V. die Entthronung des Königs,
der sich im Lager außerhalb der ^tadt befand, und
die Verbannung der königl. Familie durch. An Stelle
des Königs sollten fortan zwei Konsuln auf ein Jahr
die höchste Gewalt ausüben; B. und Tarquinius
Collatinus wurden (509 v. Chr.) die ersten Kon-
suln-. Als Tarquinius Superbus von Tarquinii
aus eine Verschwörung in Rom anstiftete, in welche
außer andern vornehmen Jünglingen auch die bei-
den Söhne des V. verwickelt wurden, verurteilte V.
seine eigenen Söhne gleich den andern Verschwore-
nen zum Tode und wohnte der Vollstreckung des
Urteils selbst bei. Nunmehr zog Tarquinius mit
einem von den Städten Veji und Tarquinii gestell-
ten Heere gegen Rom. V. führte die Reiterei dem
Feinde entgegen, ihm gegenüber befehligte Aruns,
des Tarquinius Sohn. Nährend des Gefechts, das
für die Römer siegreich endete, durchbohrten sich beide
Führer gegenseitig mit ihren Lanzen (509 v. Chr.).
Aufs feierlichste ward B. bestattet und später errich-
tete die Republik auf dem Kapitol sein Bild von Erz,
in der Mitte der sieben Könige. Auf röm. Münzen
ist der Kopf des V. oft abgebildet.
Brutus, Marcus Iunius, der bekannteste unter
den Mördern Cäsars, stammte aus einem plebejischen
Geschlecht, war 85 oder 79 v. Chr. geboren und ein
Sohn des Marcus Iunius V. und der Stiefschwester
des Cato Uticensis, Servilia, die in engen Be-
ziehungen zu Cäsar stand. Schon im Altertum ward
B. von vielen für einen natürlichen ^ohn des Cäsar
gehalten. Zur zweiten Gemahlin nahm cr Porcia,
die Tochter von Cato Uticensis. V. war anfangs
ein Gegner des Pompejus, der seinen Vater bei
dem Aufstand des Lcpidus getötet hatte, schloß
sich ihm später an, trat aber nach der unglücklichen
Schlacht bei Pharsalus 48 v. Chr. auf die ^eite
Cäsars, der ihm für das 1.4(i die Verwaltung des
cisalpinischcn Gallien, für 44 die städtische Prätur
übertrug, nach deren Verwaltung er Macedonien
als Provinz erhalten sollte. Dennoch ward V. ein
Haupt der Verschwörung gegen Cäsar, für die ihn
Cassius (s. d.) gewann. Aber als Cäsar ermordet
war, gelang es B. und seinen Mitverschworenen
nicht, das Volk mit sich fortzureißeu. Antonius,
dessen gleichzeitige Ermordung V. verhindert hatte,
wußte durch das Vorlesen des Testaments Cäsars
das Volk zur Wut und Rache gegen die Mörder
desselben zu reizen. V. ging hierauf nach Athen
und setzte sich in den Besitz der Provinz Macedonicn,
sowie fast der ganzen dort und in den angrenzenden
Landschaften befindlichen Truppenmacht. Er über-
wältigte 43 v. Chr. Gajus Antonius, den Bruder
des Triumvirs, und nahm ihn gefangen. Dann
ging er nach Asien, wo er sich mit dem siegreichen
Cassius vereinigte, mit dem zusammen cr vom Senat
die Obergewalt über alle Statthalterschaften im
Osten verliehen erhalten hatte. In Rom erlangten
jedoch die Triumvirn Antonius, Octavian und Le-
pidus bald die Oberhand. Sämtliche Verschworene
wurden verurteilt und ein Heer gegen V. und Cas-
sius ausgerüstet. Letztcrc zogen über den Hellespont
und sammelten ihr Heer, 19 Legionen und 20 000
Reiter stark, in den Ebenen von Philippi in Mace-
donien, wo die Triumvirn Antonius und Octavian
mit ihren Legionen im Herbst des I. 42 v. Chr. er-
schienen. In'einer ersten Schlacht siegte V. über das
Heer des Octavian; Cassins aber ward von Antonius
geschlagen und tötete, den Sieg des B. nicht kennend,
sich selbst. Etwa 20 Tage später ward B. durch den
Ungestüm seines Heers zu einer zweiten Schlacht
genötigt, in der er völlig unterlag. Da er scine
Sache verloren sah, stürzte er sich in scin Schwert.
Von V.' Reden und Schriften sind nur wenige
Bruchstücke noch vorhanden; dagegen ist sein Brief-
wechsel mit Cicero in zwei Büchern erhalten. Die
Echtheit der Briefe ist bezweifelt worden, aber mit
Unrecht. Einzig dcr Brief an Octavian ist gefälscht.