Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Brutto; Brüttröge; Brutus

638

Brutto - Brutus

blühenden Kolonien Hipponium, Medma, Rhegium, Lokri, Kroton u. a. gegründet hatten. 272 v. Chr. kamen die Bruttier in die Gewalt der Römer. Im zweiten Punischen Kriege verbanden sie sich mit den Karthagern, verloren aber nach deren Niederlage ihre Unabhängigkeit, indem sie zu Staatssklaven (Bruttani servi) erklärt wurden und den Dienst der Liktoren, Gerichtsdiener u. s. w. verrichten mußten.

Brutto, d. i. unrein, ein dem Italienischen entlehnter Ausdruck, wird vorzüglich in Zusammensetzungen gebraucht, z. B. Bruttogewicht, d. i. das Gewicht der Ware mit Inbegriff der Umhüllung (Emballage), meist abgekürzt in ^[img] oder ^[img]. Bruttoeinnahme, im Gegensatz zur Nettoeinnahme, heißt diejenige Einnahme, von der noch die Unkosten u. s. w. hinwegzunehmen sind, um zur reinen Einnahme zu gelangen. Ebenso spricht man von einer Bruttosteuer, von einem Bruttoerträge, und im Seewesen von einer Bruttofracht als dem Erwerb eines Schiffs einschließlich der Ausrüstungskosten u. s. w. In Beziehung auf das Gewicht von Waren ist der ebenfalls italienische, besonders in Österreich und Süddeutschland übliche Name Sporco mit B. gleichbedeutend. (S. Netto.)

Brüttröge, kalifornische, s. Fischzucht.

Brutus, Decimus Junius, ein Teilnehmer an der Verschwörung gegen Cäsar, geb. um 84 v. Chr., hatte sich in den gallischen wie in den bürgerlichen Kriegen ausgezeichnet und war als bevorzugter Liebling Cäsars von diesem mit Gunst und Ehren überhäuft worden. Trotzdem übernahm er in der Verschwörung die Rolle, den zögernden Cäsar zu überreden, in den Senat zu geben. Nach Cäsars Tode verteidigte er das cisalpinische Gallien gegen Antonius, ward aber von seinem Heere verlassen und auf Antonius' Befehl durch einen Gallier getötet. In Ciceros "Epistolae ad famiiares" ist ein Teil des Briefwechsels zwischen B. und Cicero enthalten. 56 v. Chr., als er bei Gelegenheit des Veneterkrieges am Ocean weilte, entdeckte er die Scilly-Inseln.

Brutus, Lucius Junius, in der röm. Sagengeschichte der Sohn des Marcus Junius und der Tochter des ältern Tarquinius. Da das Wort brutus, das in der ältern lat. Sprache "ernsthaft" bedeutete, nach dem spätern Sprachgebrauch den Begriff "schwerfällig", "geistesarm" angenommen hatte, so entstand gegen Ende der Republik die Sage, L. Junius hätte sein Leben vor den Verfolgungen des Königs Tarquinius Superbus, der alle Glieder dieser Familie wegen ihrer Ansprüche auf den Thron zu vertilgen suchte, nur dadurch retten können, daß er sich blödsinnig stellte, und deshalb hätte er den Beinamen B. bekommen. Aus Anlaß einer in Rom ausgebrochenen Pest begleitete er die Söhne des Tarquinius zu dem Orakel nach Delphi. Auf die Frage der Königssöhne, wer nach des Vaters Tode in Rom herrschen würde, antwortete die Priesterin: Wer zuerst die Mutter küßt. Die Söhne des Tarquinius beschlossen, das Los entscheiden zu lassen. B. dagegen warf sich zu Boden und berührte mit seinen Lippen die Mutter Erde. Nach dem Tode der Lucretia (s. d.) setzte B. die Entthronung des Königs, der sich im Lager außerhalb der Stadt befand, und die Verbannung der königl. Familie durch. An Stelle des Königs sollten fortan zwei Konsuln auf ein Jahr die höchste Gewalt ausüben; B. und Tarquinius Collatinus wurden (509 v. Chr.) die ersten Konsuln. Als Tarquinius Superbus von Tarquinii aus eine Verschwörung in Rom anstiftete, in welche außer andern vornehmen Jünglingen auch die beiden Söhne des B. verwickelt wurden, verurteilte B. seine eigenen Söhne gleich den andern Verschworenen zum Tode und wohnte der Vollstreckung des Urteils selbst bei. Nunmehr zog Tarquinius mit einem von den Städten Veji und Tarquinii gestellten Heere gegen Rom. B. führte die Reiterei dem Feinde entgegen, ihm gegenüber befehligte Aruns, des Tarquinius Sohn. Während des Gefechts, das für die Römer siegreich endete, durchbohrten sich beide Führer gegenseitig mit ihren Lanzen (509 v. Chr.). Aufs feierlichste ward B. bestattet und später errichtete die Republik auf dem Kapitol sein Bild von Erz, in der Mitte der sieben Könige. Auf röm. Münzen ist der Kopf des B. oft abgebildet.

Brutus, Marcus Junius, der bekannteste unter den Mördern Cäsars, stammte aus einem plebejischen Geschlecht, war 85 oder 79 v. Chr. geboren und ein Sohn des Marcus Junius B. und der Stiefschwester des Cato Uticensis, Servilia, die in engen Beziehungen zu Cäsar stand. Schon im Altertum ward B. von vielen für einen natürlichen Sohn des Cäsar gehalten. Zur zweiten Gemahlin nahm er Porcia, die Tochter von Cato Uticensis. B. war anfangs ein Gegner des Pompejus, der seinen Vater bei dem Aufstand des Lepidus getötet hatte, schloß sich ihm später an, trat aber nach der unglücklichen Schlacht bei Pharsalus 48 v. Chr. auf die Seite Cäsars, der ihm für das J. 46 die Verwaltung des cisalpinischen Gallien, für 44 die städtische Prätur übertrug, nach deren Verwaltung er Macedonien als Provinz erhalten sollte. Dennoch ward B. ein Haupt der Verschwörung gegen Cäsar, für die ihn Cassius (s. d.) gewann. Aber als Cäsar ermordet war, gelang es B. und seinen Mitverschworenen nicht, das Volk mit sich fortzureißen. Antonius, dessen gleichzeitige Ermordung B. verhindert hatte, wußte durch das Vorlesen des Testaments Cäsars das Volk zur Wut und Rache gegen die Mörder desselben zu reizen. B. ging hierauf nach Athen und setzte sich in den Besitz der Provinz Macedonien, sowie fast der ganzen dort und in den angrenzenden Landschaften befindlichen Truppenmacht. Er überwältigte 43 v. Chr. Gajus Antonius, den Bruder des Triumvirs, und nahm ihn gefangen. Dann ging er nach Asien, wo er sich mit dem siegreichen Cassius vereinigte, mit dem zusammen er vom Senat die Obergewalt über alle Statthalterschaften im Osten verliehen erhalten hatte. In Rom erlangten jedoch die Triumvirn Antonius, Octavian und Lepidus bald die Oberhand. Sämtliche Verschworene wurden verurteilt und ein Heer gegen B. und Cassius ausgerüstet. Letztere zogen über den Hellespont und sammelten ihr Heer, 19 Legionen und 20 000 Reiter stark, in den Ebenen von Philippi in Macedonien, wo die Triumvirn Antonius und Octavian mit ihren Legionen im Herbst des J. 42 v. Chr. erschienen. In einer ersten Schlacht siegte B. über das Heer des Octavian; Cassius aber ward von Antonius geschlagen und tötete, den Sieg des B. nicht kennend, sich selbst. Etwa 20 Tage später ward B. durch den Ungestüm seines Heers zu einer zweiten Schlacht genötigt, in der er völlig unterlag. Da er seine Sache verloren sah, stürzte er sich in sein Schwert. Von B.' Reden und Schriften sind nur wenige Bruchstücke noch vorhanden; dagegen ist sein Briefwechsel mit Cicero in zwei Büchern erhalten. Die Echtheit der Briefe ist bezweifelt worden, aber mit Unrecht. Einzig der Brief an Octavian ist gefälscht.