Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

647
Buchanisten - Buchara (Land)
llou68" fußt und mehrere hundert Mal hinterein-
ander in London gespielt wurde. Ferner wurden zum
Teil sehr populär: "^H8oiii3.ti0Q, au impi-0dI.d1o
e0M6(1)'" (1888, mit Harnet Iay), "<l086pk'ü 8^66t-
lit^rt" (1888), ein treffliches Bühnenstück, an Fiel-
dings "^08epli ^iiär">v8" angelehnt, "?g.i'tll6l8"
(1888), fünfattiges Lustspiel nach A. Daudet, "^.
ni3.Q'ä äd".ä0>v" (1889), nach Marys und Grisiers
"1^61- lg. H0Qt6", "^dut Oocwi- c^upiä" (1889),
"^Ü88 lomdo)'", nach I. Vanbrughs (s. d.) "Iiiö
i'6lap86". Das dramat. Gedicht "^1i6 driäk ol love"
(1891) beruht auf "Amor und Psyche" (s. Apulejus).
"1Ii6 P06ticu<1 N0!'1<3 of lt.. V." erschienen i3 Bde.,
London) 1874 und 1884. Auch lieferte B. viele
Artikelferien über Zeitfragen in die Londoner
Tagesblätter, z. B. 1890 in "liw vaii)' leiesrapii"
über "18 tii6 M3.ri'iuZ6 comrg>ot etoi'u^i?", ein Buch
"^ looii rouull Iit6!3.wl6" (1887) und tt^ds com-
iuF terroi- 3.nä otiier 6883.^8 kuä I6tt6l3" (1891),
eine Sammlung geistreicher Studien über sociale
und litterar. Tagesfragen.
Buchanisten, f. Vuchan (Elisabeth).
Buchan-Neß, s. Vuchan (Küstenstrich).
Buchara, Bokhara, Bochara oder Bu-
ch ar ei, zwei Länder jenseit des Amu-darja oder
Oxus in Mittelasien. Die Große Buch arei oder
das Chanat von B. ist der südöstl. Teil von
Westturkestan oder Turan (s. Russisch-Turkestan)
und wird von den seit 1500 hier herrschenden türk.
Usbeken auch Usbekistan genannt. Unter der
Hohen oder Kleinen Bucharei versteht man
zuweilen, obwohl dieser von der ursprünglichen
arischen Bevölkerung der Bucharen oder Tadschik
entnommene Name im Lande selbst unbekannt ist,
Ostturkestan (s. d.) oder Turfan. Das mohammeo.
Chanat B. (die Große Bucharei) hat im N. gegen
die Ausläufer des Thian-schan, im O< gegen das
Hochland von Pamir keine festen orographischen
Grenzen, im S. und SW. werden diese vom Amu-
darja gebildet. Seine polit. Umgebung ist im N.
Russisch-Turkestan, im O. das Pamirgebiet, im S.
Afghanistan, im W. Russisch-Turkmenien und im
NW. das Chanat Chiwa. Der so umgrenzte Raum
enthält etwa 205 000 ykui. (S. Karte: Inner-
Asien beim Artikel Asien.)
Oberflächengestaltung. Zum großen Teil
von schwarzen oder gelben Flugsandwüsten, hier und
da von festen lehmigen Strecken und niedrigen kahlen
Bergzügen eingenommen, beschränken sich die ange-
bauten Landschaften auf die Fluhthäler, namentlich
des Amu-darja und seiner zahlreichen nördl. Zu-
flüsse, besonders des wasserreichen Serafschan, der,
von O. kommend, die Umgebungen der Hauptstadt
B. bewässert, sowie auf die Abhänge der östl. Ge-
birgsketten. Die letztern, zum Thianschansystem ge-
hörig, bilden die Karategin- und Hissar-Berge und
die Gebirgszüge von Darwas. Fruchtbare Oasen
sind Karschi, Kitab, Schaar, Tschiraktschi u. s. w.
Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Obgleich
zwischen dem 36. und 41.° nördl. Br. und nur 345-
377 m ü. d. M. gelegen, bringt das Klima, abge-
sehen von den gemäßigten Gebieten der östl. Ge-
birge, bei sehr warmen Sommern (bis -^38" 0.)
strenge Winterkälte (bis -23° 0.); auch fällt bis-
weilen fußtiefer Schnee, wogegen es selten, meist nur
im Frühling, regnet und die Trockenheit künstliche
Bewässerung der Felder nötig macht. - Von
Pflanzen wird außer Getreide Baumwolle, Tabak,
Gemüse und Obst gebaut. Berühmt sind die Farbe-
pflanzen und die Früchte, auch die Seidenraupen-
zucht wird mit Erfolg betrieben. B. besitzt Reich-
tümer an Mineralien: wie Steinkohlen, Kupfer,
Eisen, Blei, Schwefel u. dgl. Von Tieren sind
zu erwähnen: Schafe, Ziegen, Kamele, Pferde, Esel,
Uaks. Die Viehzucht ist bedeutend.
Die Bevölkerung beträgt, die Nomadenhorden
eingerechnet, etwa 1,8 Mill. Seelen und besteht aus
den kriegerischen, dem türk. Stamme angehörigen
Usbeken (etwa 200000), welchen der Emir oder
Herrscher angehört und die den größten Teil der
Armee bilden; den seßhaften, von iran. Ureinwoh-
nern abstammenden Tadschik (600000), einigen
nomadisierenden Kirgisen, Karakalpaken und Turk-
menen', zu erwähnen sind ferner Hindu als Wechs-
ler und Händler, Afghanen als Händler und Söld-
linge, Araber, Nachkommen der vom dritten Cha-
lifen von Bagdad bei der Eroberung von Turkestan
dahin geführten Krieger; ferner Perser, die meist
von den Teke-Turkmenen als Sklaven nach B. ge-
bracht worden sind, und etwa 10000 Juden, die
als Händler und Handwerker in den Städten
wohnen. Nach Abtrennung von Samarkand giebt
es nur noch zwei Städte von Beoeutuug, die
Hauptstadt Buchara (s. d.) und Karschi mit etwa
20000 E.; außerdem hat dav Land noch ungefähr
20 kleinere Orte, von denen zunächst Kermine im
Thale des Serafschan an der Straße von der Haupt-
stadt nach Samarkand als befestigter Mittelpunkt
des am besten angebauten und an Vegetation reich-
sten Kreises des Chanats, dann Hissar im O., in
dessen Citadelle der Schatz des Emirs aufbewahrt
wird, wegen seiner guten Messer- und Schwertklin-
gen, und Tschardschui mit der großen Eisenbahn-
brücke über den Amu, wegen seiner Pferdemärkte zu
erwähnen sind. Eine von NW. nach SO. fort-
schreitende, die Hauptstadt bereits stark bedrohende
Versandung hat den nördl. Teil des Chanats in der
neuesten Zeit sehr entvölkert; die Auswanderung
richtet sich besonders nach dem russ. Samarkand hin.
Geistige Kultur. Bei strengsten äußern For-
men herrscht große Sittenverderbnis; doch zeichnet
sich das Land vor andern mittelasiatischen durch
zahlreiche Schulen und eine verhältnismäßig gute
Bildung aus, während die Frauen eine noch unter-
geordnetere Stellung einnehmen als in andern mo-
bammed. Ländern, und die Zustände des Staates
hängen bei der nur durch die fanatische Geistlichkeit
beeinflußten Gewalt des Emirs von der Persönlich-
keit des letztern ab. Die Bucharen sind strenggläu-
bige Sunniten wie die Afghanen und Turkmenen,
und deshalb abgesagte Feinde der schiitischen Perser.
Industrie besteht eigentlich nur in der Form
der Hausindustrie und der gewöhnlichen Handwerke,
dagegen ist der Handel durch Karawanen stark
entwickelt, und es kommen namentlich Baumwolle,
Reis, Seide, Indigo, auch Pelzwaren zur Durch-
und Ausfuhr, Baumwollgarn und Baumwollwaren,
Eisen, Zucker, Leder und Häute aus Rußland zur
Einfuhr. Die russ. Einfuhr nach B. beziffert sich
auf etwa 4^ Mill. Rubel jährlich, die Ausfuhr
auf dieselbe Summe. Durch die 27. Mai 1888 er-
öffnete Strecke Tschardschui-B.-Samarkand der
Transkaspischen Eisenbahn (s. d.) gewinnt V. einen
Verkehrsweg, welcher gleichzeitig das Land für die
europ. Kultur aufzuschließen beginnt. Von Katta-
Kurgan zur Hauptstadt führt eine Telegraphenlinie.
- Das stehende Heer des Emirs besteht jetzt nur
aus etwa 10 000 Sarbassen (Fußtruppcn) und aus