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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Buchanisten - Buchara (Land)

Jones" fußt und mehrere hundert Mal hintereinander in London gespielt wurde. Ferner wurden zum Teil sehr populär: "Fascination, an improbable comedy" (1888, mit Harriet Jay), "Joseph's sweetheart" (1888), ein treffliches Bühnenstück, an Fieldings "Joseph Andrews" angelehnt, "Partners" (1888), fünfaltiges Lustspiel nach A. Daudet, "A man's shadow" (1889), nach Marys und Grisiers "Roger la Honte", "That Doctor Cupid" (1889), "Miss Tomboy", nach J. Vanbrughs (s. d.) "The relapse". Das dramat. Gedicht "The bride of love" (1891) beruht auf "Amor und Psyche" (s. Apulejus). "The poetical works of R. B." erschienen (3 Bde., London) 1874 und 1884. Auch lieferte B. viele Artikelserien über Zeitfragen in die Londoner Tagesblätter, z. B. 1890 in "The Daily Telegraph" über "Is the marriage contract eternal?", ein Buch "A look round literature" (1887) und "The coming terror and other essays and letters" (1891), eine Sammlung geistreicher Studien über sociale und litterar. Tagesfragen.

Buchanisten, s. Buchan (Elisabeth).

Buchan-Neß, s. Buchan (Küstenstrich).

Buchara, Bokhara, Bochara oder Bucharei, zwei Länder jenseit des Amu-darja oder Oxus in Mittelasien. Die Große Bucharei oder das Chanat von B. ist der südöstl. Teil von Westturkestan oder Turan (s. Russisch-Turkestan) und wird von den seit 1500 hier herrschenden türk. Usbeken auch Usbekistan genannt. Unter der Hohen oder Kleinen Bucharei versteht man zuweilen, obwohl dieser von der ursprünglichen arischen Bevölkerung der Bucharen oder Tadschik entnommene Name im Lande selbst unbekannt ist, Ostturkestan (s. d.) oder Turfan. Das mohammed. Chanat B. (die Große Bucharei) hat im N. gegen die Ausläufer des Thian-schan, im O. gegen das Hochland von Pamir keine festen orographischen Grenzen, im S. und SW. werden diese vom Amu-darja gebildet. Seine polit. Umgebung ist im N. Russisch-Turkestan, im O. das Pamirgebiet, im S. Afghanistan, im W. Russisch-Turkmenien und im NW. das Chanat Chiwa. Der so umgrenzte Raum enthält etwa 205 000 qkm. (S. Karte: Inner-Asien beim Artikel Asien.)

Oberflächengestaltung. Zum großen Teil von schwarzen oder gelben Flugsandwüsten, hier und da von festen lehmigen Strecken und niedrigen kahlen Bergzügen eingenommen, beschränken sich die angebauten Landschaften auf die Flußthäler, namentlich des Amu-darja und seiner zahlreichen nördl. Zuflüsse, besonders des wasserreichen Serafschan, der, von O. kommend, die Umgebungen der Hauptstadt B. bewässert, sowie auf die Abhänge der östl. Gebirgsketten. Die letztern, zum Thianschansystem gehörig, bilden die Karategin- und Hissar-Berge und die Gebirgszüge von Darwas. Fruchtbare Oasen sind Karschi, Kitab, Schaar, Tschiraktschi u. s. w.

Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Obgleich zwischen dem 36. und 41.° nördl. Br. und nur 345-377 m ü. d. M. gelegen, bringt das Klima, abgesehen von den gemäßigten Gebieten der östl. Gebirge, bei sehr warmen Sommern (bis +38° C.) strenge Winterkälte (bis -23° C.); auch fällt bisweilen fußtiefer Schnee, wogegen es selten, meist nur im Frühling, regnet und die Trockenheit künstliche Bewässerung der Felder nötig macht. - Von Pflanzen wird außer Getreide Baumwolle, Tabak, Gemüse und Obst gebaut. Berühmt sind die Farbepflanzen und die Früchte, auch die Seidenraupenzucht wird mit Erfolg betrieben. B. besitzt Reichtümer an Mineralien: wie Steinkohlen, Kupfer, Eisen, Blei, Schwefel u. dgl. Von Tieren sind zu erwähnen: Schafe, Ziegen, Kamele, Pferde, Esel, Yaks. Die Viehzucht ist bedeutend.

Die Bevölkerung beträgt, die Nomadenhorden eingerechnet, etwa 1,8 Mill. Seelen und besteht aus den kriegerischen, dem türk. Stamme angehörigen Usbeken (etwa 200 000), welchen der Emir oder Herrscher angehört und die den größten Teil der Armee bilden; den seßhaften, von iran. Ureinwohnern abstammenden Tadschik (600 000), einigen nomadisierenden Kirgisen, Karakalpaken und Turkmenen; zu erwähnen sind ferner Hindu als Wechsler und Händler, Afghanen als Händler und Söldlinge, Araber, Nachkommen der vom dritten Chalifen von Bagdad bei der Eroberung von Turkestan dahin geführten Krieger; ferner Perser, die meist von den Teke-Turkmenen als Sklaven nach B. gebracht worden sind, und etwa 10 000 Juden, die als Händler und Handwerker in den Städten wohnen. Nach Abtrennung von Samarkand giebt es nur noch zwei Städte von Bedeutung, die Hauptstadt Buchara (s. d.) und Karschi mit etwa 20 000 E.; außerdem hat das Land noch ungefähr 20 kleinere Orte, von denen zunächst Kermine im Thale des Serafschan an der Straße von der Hauptstadt nach Samarkand als befestigter Mittelpunkt des am besten angebauten und an Vegetation reichsten Kreises des Chanats, dann Hissar im O., in dessen Citadelle der Schatz des Emirs aufbewahrt wird, wegen seiner guten Messer- und Schwertklingen, und Tschardschui mit der großen Eisenbahnbrücke über den Amu, wegen seiner Pferdemärkte zu erwähnen sind. Eine von NW. nach SO. fortschreitende, die Hauptstadt bereits stark bedrohende Versandung hat den nördl. Teil des Chanats in der neuesten Zeit sehr entvölkert; die Auswanderung richtet sich besonders nach dem russ. Samarkand hin.

Geistige Kultur. Bei strengsten äußern Formen herrscht große Sittenverderbnis; doch zeichnet sich das Land vor andern mittelasiatischen durch zahlreiche Schulen und eine verhältnismäßig gute Bildung aus, während die Frauen eine noch untergeordnetere Stellung einnehmen als in andern mohammed. Ländern, und die Zustände des Staates hängen bei der nur durch die fanatische Geistlichkeit beeinflußten Gewalt des Emirs von der Persönlichkeit des letztern ab. Die Bucharen sind strenggläubige Sunniten wie die Afghanen und Turkmenen, und deshalb abgesagte Feinde der schiitischen Perser.

Industrie besteht eigentlich nur in der Form der Hausindustrie und der gewöhnlichen Handwerke, dagegen ist der Handel durch Karawanen stark entwickelt, und es kommen namentlich Baumwolle, Reis, Seide, Indigo, auch Pelzwaren zur Durch- und Ausfuhr, Baumwollgarn und Baumwollwaren, Eisen, Zucker, Leder und Häute aus Rußland zur Einfuhr. Die russ. Einfuhr nach B. beziffert sich auf etwa 4½ Mill. Rubel jährlich, die Ausfuhr auf dieselbe Summe. Durch die 27. Mai 1888 eröffnete Strecke Tschardschui-B.-Samarkand der Transkaspischen Eisenbahn (s. d.) gewinnt B. einen Verkehrsweg, welcher gleichzeitig das Land für die europ. Kultur aufzuschließen beginnt. Von Katta-Kurgan zur Hauptstadt führt eine Telegraphenlinie. - Das stehende Heer des Emirs besteht jetzt nur aus etwa 10 000 Sarbassen (Fußtruppen) und aus