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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Buchfinke - Buchhaltung
Kapital" zu bilden, hat bei den franz. Arbeitern
viel Anklang gefunden und ist häufig, und
zwar nicht ganz ohne Erfolg, verwirklicht worden.
Nach der Februarrevolution von 1848 im Depart.
Seine in die Konstituierende Nationalversammlung
gewählt, wurde B. durch den Einstuft der Partei des
"Xktiouai" Präsident dieser Versammlung, entfaltete
jedoch nach dem Attentat vom 15. Mai so wenig
Energie gegen die Empörer, daß er sein Amt nieder-
legen muftte. Seitdem schrieb er: "Ilistoire äs 1a
iormation Ü6 1a, nationulit" fillii^i86" (2 Bde.,
Par. 1859). B. starb 12. Aug. 1865 zu Rhodez
iDcpart. Aveyron). Nach seinem Tode veröffent-
lichten Cerife und Ott seinen "^r^it^ äs Politikus
<;t äs Lcisues 80cial6') (2 Bde., Par. 18lili). - Vgl.
Ein Schüler Saint-Simons (in "Unsere Zeit", Jahrg.
1868, Bd. 4, Abteil. 2).
Buchfinke, s. Finte.
Buchführer, s. Buchhandel (S. 676d).
Buchführung, s. Buchhaltung.
Buchgewerbe, die Gesamtheit der GewerLe, d!?
an der mechan. Vervielfältigung litterar. Erzeug-
nisse und ihrer Ausstattung beteiligt sind, also: Vcr-
lagsbuchhandel, Papierfabrikation, Vuchdruckerei,
andere graphische Künste und Buchbinderei. Ein
Museum für A. befindet fich in Leipzig, auch er-
scheint ein "Buckgewerbeblatt, Monatsschrift für
alle Zweige des Buchgewerbes" (Leipzig, feit 1892).
<^ Centralverein für das gesamte Buchgewerbe.)
Buchgläubigcr, ein Gläubiger, dessen Forde-
rung nur durcb die .Handelsbücher konstatiert ist, im
Gegensatze zu Hypotheken-, Wechsclgläubigern u.s.lv.
Buchhaltung, Buchführuug, beißt im allge-
meinen jede planmäßige Rechnungsführung, welche
den Zweck hat, uns eine klare Einsicht in unsere
Wirtschaftsbewegung und unsere Vermögensvcr-
hältnisse zu verschaffen. Im engern Sinne vorzüglich
vom Standpunkt des Kaufmanns aus begreift man
darunter die nach gewissen Regeln geordnete, in be-
sonders dazu bestimmten Büchern erfolgende Ver-
zeichnung aller Geschäftsvorfälle, zu dem Zweck, zu
jeder beliebigen Zeit nicht nur von der Geschäfts-
führung Rechnung zu geben, sondern auch den
Stand des Vermögens genau zu beurteilen, welcher
letztere in gewissen Zeiträumen, gewöhnlich alljähr-
lich, festgestellt wird. (S. Bilanz.) Man unterfcheidct
zwei Methoden der Buchhaltung: die einfache und
die doppelte oder italienifche B. Die einfache V.
stellt durch das fog. Kontokorrentbuch (s. d.),
welches hier uneigentlich auch Hauptbuch genannt
wird, im einzelnen nur das Verhältnis klar, in
welchem un^er Besitztum zu andern Personen steht;
sie gewährt aber keine genauere Einsicht in die Wert-
ergebnisse aller übrigen Teile des Geschäftsver-
mögens, wenn diese nicht durch eine Reihe von Hilfs-
büchern besonders nachgewiesen werden, was aber
-sehr umständlich und oft nicht ausführbar ist. Die
Vergrößerung oder Verminderung des Vermögens
"ergiebt sich hier in der Hauptsache nur summarisch
aus der Vergleichung der jeweiligen Ergebnisse des
Inventars (s. d.) mit denjenigen der frühern Ge-
schäftsperiodcn. Die doppelte B. dagegen giebt
im Hauptbuche (s. d.), in welchem alle Geschäftsvor-
gänge und Vermögensänderungen eine gedrängte,
systematische Darstellung auf Einzelrcchnungen oder
Konten (s. Conto) finden, genauen Aufschluß über
die einzelnen Teile des Besitztums und die Einzel-
abteilungen der geschäftlichen Thätigkeit, übcr^sach-
liche Wertgegcnstände, Forderungen und schul-
den, Lasten und Erträgnisse und deren Anteil am
Gefamtergebnis. Die Verbindung der anzulegenden
Rechnungen untereinander beruht auf dem Gesetze
der Gleichung, sodaß kein Conto für eine Summe
Schuldner (Debitor) oder belastet (debitiert) werden
kann, ohne daß nicht sofort ein oder mehrere Konten
für den gleichen Betrag Gläubiger (Kreditor) fein
oder erkannt (kreditiert) werden müssen, daher der
Name "doppelte V.". Italienische B. heißt sie
deshalb, weil diese Methode von einem ital. Mönche,
Fra Luea Pacioli oe Borgo, erfunden und 1494 in
seinem zu Venedig erschienenen Werke "3umina cle
aritninktica, Aeom^trill., proportioin st propor-
tionaiitlu) zuerst beschrieben wurde. Die zunächst
sowohl für die einsacke als doppelte B. in Betracht
kommenden Bücher sind diejenigen, in welche die
Geschäftsvorfälle zuerst der Zeitfolge nach eingetra-
gen werden, daher Grundbücher genannt, und
aus welchen sie erst in die andern Bücher übergehen.
^ Die gebräuchlichsten Grundbücher sind: das Me-
morial (s. d.), auch Prima-Nota, in der ein-
fachen Buchführung öfters Journal genannt; das
Cassabuch (s. d.) und in Warengeschäften dasEin -
taufsbuch (s.d.), auch Eingangsfakturenbuch
genannt und das Verkaufs buch (s. d.), welches
zuweilen auch die Namen Ausgangsfakturen-
buck und ^trazze führt. Von hier aus werden
sowohl in der einfachen als auch in der doppelten
B. die Posten sogleich in die bezüglichen Neben-
bücher (Scontro ss. d.1 für Waren, Wechsel,
Effekten u. s. w.) und insoweit dieselben auf das
Recknungsverhältnis zu unsern Geschäftsfreunden
von Einfluß sind, in das Kontokorrentbuch über-
tragen. Während nun in der einfachen V. die buch-
baltcrische Aufgabe damit ihre Erledigung findet,
ist dies in der doppelten B. nicht der Fall. Viel-
mebr werden nach dieser Methode in bestimmten
Zwischcnräumen, gewöhnlich monatlich, alle Posten
der einzelnen Grundbücher nach den Konten und
Beträgen (der weitere Text der Einschreibungen
kann wegbleiben) in ein besonderes Buch, das
Journal (s.d.) übertragen, welches also hier die
Bedeutung eines Sammelbuchcs hat, aus welchem
sie sodann auf die Einzelrechnungen des Haupt-
buches übergehen. Bei der Bildung der Journal-
Posten, dem Iournalisiercn, werden die einzelnen
Posten des betreffenden Grundbuches, insoweit sie
den gleichen Schuldner oder Gläubiger haben, in
z einen Posten zusammengefaßt, wodurch die Ein-
! tragnngen in das Hauptbuch sehr vereinfacht werden
! und die Mühe, welche die Führung des Journals
verursacht, reichlich wieder ausgeglichen wird.
Außerdem werden etwaige Fehler in den Grund-
büchern in der Regel schon beim Übertrag in das
Journal entdeckt, sodaß sie nicht in das Hauptbuch
übergehen. Die Überzeugung, daß die Journal-
Posten richtig in das Hauptbuch eingetragen find,
verschafft man fich durch das sog. Punktieren oder
Kollationieren (s. d.), während die richtige Ver-
teilung der Posten im Hauptbucke aus der sog.
Probe- oderMonatsbilanz(s.Bilanz)ersichtlich
ist. Über die Einrichtung des Hauptbuches und den
Abschluß der Konten desselben s. Hauptbuch. -
Die neuere Zeit ist reich an Versuchen, eine neue
Metbode der V. zu entdecken, oder doch die be-
schriebene Art der doppelten Mctbode zu verein-
fachen. Bei näherer Prüfung aber findet man, daß
! sie entweder nicht viel Neues bringen, oder die Ver-
> einfachung nur auf Kosten der Klarheit und Ge-