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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bukanier - Bukarest

straße getrennt. Im Westen der Insel der brauchbare Carola-Hafen. B. ist für die Kolonisation Neuguineas von besonderm Werte, da die sehr dichte Bevölkerung (auf 15 000 geschätzt) bisher die besten und willigsten Arbeiter abgiebt.

Bukanier, s. Flibustier.

Bukanieren, s. Boucanieren.

Bukardie (grch.,"Ochsenherz"), die Herzhypertrophie (s. d.).

Bukarest (rumän. Bucuresi, spr. bukurescht), Hauptstadt des Königreichs Rumänien (früher nur der Walachei) und Residenz des Königs, im Distrikt Ilfow 82 m ü. d. Schwarzen Meer an beiden Ufern der Dimbovija, 44° 25' nördl. Br. und 26° 6' 9'' östl. L. von Greenwich, 280 km westlich vom Schwarzen Meer entfernt, hat einen Umfang von 28 km und einen Flächenraum von 30 qkm. Da B. schutzlos in der Ebene liegt und besonders dem heftigen Nordostwind (crivēţu) und Südwind (austru) preisgegeben ist, so ist das Klima sehr veränderlich. Der vorherrschende Wind ist ONO., die mittlere Jahrestemperatur beträgt 10,60°, im Sommer oft über 40°, im Winter über -20°, der Luftdruck im Mittel 754,08 mm. Der Anblick der Stadt ist freundlich und malerisch durch die vielen Gärten ringsum sowie die meist mit hellglänzendem Blech gedeckten Häuser und die kuppelförmigen Türme der Kirchen. Im Innern dagegen und namentlich in den Vorstädten treten noch viele Mängel orient. Städte hervor, elende Lehmhütten, krumme und enge, staubige oder schmutzige Gassen. Die Dimbovija ist seit 1887 reguliert und hat auf beiden Seiten mit Bäumen bepflanzte Chausseen; von den 12 Brücken sind fünf aus Eisen und sieben aus Stein. B. hat 17 313 Häuser und 194 633, nach andern 225 000 E. (fast ein Drittel Fremde), darunter 170 000 Griechisch-Katholische, 15 000 Römisch-Katholische, 11 000 Protestanten, 25 000 Israeliten, 1500 Armenier und 500 Mohammedaner. B. ist nach Konstantinopel und Budapest die bevölkertste Stadt des südöstl. Europa; die Rumänen nennen sie das "Paris des Orients". Seit 1885 wird an der Befestigung B.s auf Anregung und zum Teil nach Entwürfen des belg. Generals Brialmont gearbeitet. Die Fortifikationslinie hat einen Umkreis von 72 km. Die Befestigungen sollen aus 18 Gürtelforts bestehen in einer mittlern Entfernung von 13 km vom Mittelpunkt der Stadt. Zwischen den Forts und der Stadt soll eine innere Umwallung erbaut, Stadt und Forts durch unterirdische Gänge miteinander verbunden und mit beweglichen Geschütztürmen ausgerüstet werden. Die Gesamtkosten dieser Befestigung wurden auf 80 Mill. M. veranschlagt.

^[Abb.]

Straßen, Plätze, Denkmäler. Die Anzahl der Straßen und Gassen, von denen 57 in den Vorstädten nur geschottert, 507 mit gewöhnlichen Steinen, andere dagegen, namentlich die nach dem Centrum hin gelegenen mit Quader- oder Ziegelsteinen von künstlichem Basalt, mit Trottoirs von Steinplatten, künstlichem Basalt und Beton gepflastert sind, beträgt 797 mit einer Gesamtlänge von 416 km. Die größten und schönsten sind der Boulevard, der die Stadt bereits von O. nach W. durchquert; Calca Victorici, die Lipscani (Leipzigerstraße) und die Karlsstraße; die drei letztgenannten Straßen sind zugleich die bedeutendsten in Bezug auf Gewerbe, Handel, Verkehr und Architektur. Die aus Erz gegossene Reiterstatue des Woiwoden Michael des Tapfern (gest. 1601) ist 1876 gegenüber dem Universitätsgebäude errichtet, ebendaselbst in gleicher Entfernung von jener rechts die Marmorstatue des Vaters der rumän. Litteratur, Jón Eliad Radulescu (1802-72), und links die des Erweckers der nationalen Schule in der Walachei, Georg Lazar (1779-1823), beide 1886 eingeweiht; ferner die Marmorstatue des Fürsten Cantacuzeno, des Erbauers des alten Kolzaspitals, und die der Fürstin Balascha, der Stifterin des Brankoveanspitals (die beiden letztern von dem deutschen Bildhauer C. Storck ausgeführt).

Kirchen. B. hat 119 griech.-orthodoxe, 3 röm.-kath. und 2 prot. Kirchen (eine deutsch-evang. und eine ungar.-reform.), ferner 1 große und 5 kleine Synagogen und 18 Bethäuser; unter ihnen sind hervorzuheben die Metropolitankirche (1656 erbaut, 1834 restauriert), die Stavropoleoskirche (1724 erbaut), die Dómna Balascha (1880), die St. Gheorghe-, St. Spiridonkirche und die neue kath. Kathedrale St. Joseph.

Weltliche Bauten sind das königl. Palais, das Universitätsgebäude, Nationaltheater (7-800 Plätze), einzelne Ministerien, das Tribunal, der Kassationshof, das "Athenäum", die Landschaftsbank, die Nationalbank, die Depositenkasse und die Münze; ferner die Militärschule, das Arsenal, die Staatsdruckerei, die Alexander Cuza- und Malmeson-Kaserne, die großen Hospitäler der Ephorie- und Brankovanostiftungen; unter den Privatgebäuden sind hervorzuheben: die Palais der Prinzen Stirbey und Sutzo, das Palais der österr.-ungar. Gesandtschaft und die großen Hotels.

Verwaltung. An der Spitze steht der Gemeinderat (ein Bürgermeister [Philipescu], 3 Stellvertreter und 17 Mitglieder). B. wird in fünf Kommissionen oder Bezirke eingeteilt, die nach den Farben: rot, grün, gelb, blau und schwarz, benannt werden. Jede dieser Kommissionen umfaßt mehrere Mahalaen oder Unterbezirke und Vorstädte, insgesamt 93. Die Polizei zählt 16 Offiziere und 1068 Mann. Die Feuerwehr ist mangelhaft. Abflußkanäle haben 157 Straßen. Für gutes Trinkwasser hat man durch Anlage einer Wasserleitung zu sorgen begonnen. Der größte Teil der Stadt ist mit Gas (100 km Leitungen, 4199 Flammen) beleuchtet, das von dem Gaswerk bei Filaret zur Stadt geführt wird; doch giebt es noch über 3000 Petroleumlaternen. Das königl. Palais, das National- und Ephorietheater, der Theaterplatz, der Boulevard, das Schlachthaus und einige andere öffentliche und Privatgebäude sowie der Kisseleffgarten haben elektrische Beleuchtung (258 Lampen), die noch weiter ausgedehnt wird.

Finanzen. Das Budget der Stadt belief sich 1892/93 auf 10 511 014 Frs. Die direkten Steuern betrugen 2,6, die indirekten 4,8 Mill. Frs.; auch wird ein Octroi erhoben. Die Verwaltung erfordert 1,38, die Armen- und Gesundheitspflege 0,34, Pflaster, Wasser und Beleuchtung 3,06, Polizei 1,07, Schulen 0,59, Straßenreinigung 0,43 Mill. Frs. Die Schuld beträgt 72 223 000 Frs. und erfordert einen Betrag von 4,09 Mill. Frs. Annuitäten.

Behörden. B. ist die Residenz des rumän. Königs und der Sitz des Metropoliten der autokephalen Kirche Rumäniens, der gesetzgebenden