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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bulgaris - Bulgarische Sprache und Litteratur
(0 Bde., Petersb. 1836; deutsch von Vrackel, Vd.
1 - 3, Niga 1839 - 41); endlich "Erinnerungen"
sttV08i)0iniuI.mjg.", 6 Vde., Petersb. 1844-49;
deutsch vonNe'inthal und Clemcnz, 6 Bde., Jena
1858 - 61).
Bulgaris, Demetrius, griech. Staatsmann,
geb. 13. Jan. 1803 zu Hydra, zeichnete sich schon
als Jüngling im griech. Befreiungskriege aus und
gehörte 1831 zu denjenigen, die den Sturz Kapo-
distrias' herbeiführten, worauf er einige Zeit Ma-
rincminister war; jedoch trat er nach der Ankunft
des Königs Otto aus dem Staatsdienst. Nach der
Revolution von 1843 Mitglied des Senats, war
er vom April 1847 bis März 1848 unter Kolcttis,
dann unter Tzavellas Marincminister, dann vom
Okt. 1848 bis Jan. 1849 im Kabinett Kanaris Fi-
nanzminister. Nach dem orient. Kriege vom Könige
mit der Bildung eines Kabinetts betraut, über-
nahm er 11. Okt. 1855 das Präsidium desselben
und das Ministerium des Innern, stellte die Ord-
nung im Innern her, bewirkte die Aufhebung der
Occupation des Landes, trat jedoch 25. Nov. 1857
zurück. Seitdem war er iln Senat der hervorragendste
Führer der Opposition gegen die bayr. Dynastie
und wurde Okt. 1862 beim Äusbruch der Revolution
mit Nufos und Kanaris zum Mitglied der Regent-
schaft ausgerufen. Als aber die Linke unter Grivas
in der Nationalversammlung mit Zustimmung von
Kanaris der Regentschaft ein Mißtrauensvotum
erteilte und im Febr. 1863 einen Teil der Armee
zur Emponmg brachte, der sich bald das ganze
übrige Heer anschloß, wurde V. mit Rufos zum
Rücktritt veranlaßt. Der neue König Georg be-
traute ihn 6. Nov. 1863 mit der Bildung eines
Kabinetts; doch trat er 17. März 1864 wieder
zurück. Seitdenl war er noch fünfmal Ministerprä-
sident (1865, 1866, 1868, 1871, 1874); 1869 hatte
er wegen seiner Unterstützung des kretischen Äuf-
standes abtreten müssen. Nach seinem letzten Sturze
(9. Mai 1875) wurde von der neugewählten Kam-
mer ein erfolgloser Prozeß gegen V. und sein Ka-
binett eingeleitet. Seitdem hielt er sich vom polit.
Wirken fern und starb 11. Jan. 1878 zu Athen.
Bulgaris, Eugenios, neugriech. Pädagog und
Theolog, geb. 1716, war seit 1750 Lehrer in Ianina,
1753 - 58 Leiter der Akademie auf dem Athos.
Hier durch Intriguen der Türken vertrieben, wurde
er Direktor der Patriarchatsschule in Konstantinopcl.
Als er auch diese nach 2 Jahren verlassen mußte,
wandte er sich nach Leipzig und Berlin. Durch Fried-
rich II. an Katharina II. von Rußland empfohlen,
wurde er von dieser zumErzbischof vonCherson ge-
macht. Er starb 1806 im Alexander-Newskij-Kloster.
B. war ein universaler Geist und beherrschte die
Bildung seiner Zeit. Seine Lehrbücher der Logik
und Metaphysik haben seinem Volke geistiges Leben
gegeben, seine theol. Werke werden noch jetzt ge-
braucht, seine Übersetzungen aus abcndländ. Litte-
raturen machten diese den Griechen bekannt. Sein
Stil galt bis zu Kora'l's Zeit für musterhaft. - Vgl.
Gudas, Vloe. n"p"XXviX2c. etc., Vd. 2 (Athen 1874).
Bulgarische Eisenbahnen. Sämtliche Eisen-
bahnen im Fürstentum Bulgarien sind Staatsbahnen
und stehen seit 1. Jan. 1890 unter dem Ministerium
der öffentlichen Arbeiten in Sofia; die Länge betrug
(Ende 1890) 494 1cm. Die Bahn von Nustschuk
nach Varna (225 1cm) ist von einer engl. Aktien-
gesellschaft mit Zinsbürgschaften des türk. Staates
gebaut und 7. Nov. 1866 eröffnet. 1886 hat der
bulgar. Staat das Eigentum gegen Zahlung von
44,5 Mill. Frs. Gold erworben. Die Bahn von
Caribrod über Sofia, Vakarel und Velova nach
Earanbei (1601cm in Bulgarien, 111cm in Ost-
rumelicn) wurde als letzte Strecke der Durchgangs-
linie Konstantinopel-Wien (s. Onentbahnen) 28.Iuni
(10. Juli) 1888 eröffnet. Die feierliche Eröffnung
des internationalen Verkehrs erfolgte 1. (13.) Aug.
1888. Die Strecke Vakarel-Velova (53,61cm) ist
von der Compagnie Vitalis erbaut und von der
bulgar. Regierung gepachtet, während die in Ostru-
mclicn bclcgene Strecke Vclova-Saranbei (10,<i Icm)
von der Vetricbsgcscllschaft der Orientalischen Eisen-
bahnen erworben ist. Im Mai 1890 wurde die
Strecke Iamboli-Vurgas (109 1cm) als Fortsetzung
der türk. Zweigbahn Tirnova-Iamboli eröffnet.
Die Gesamteinnahme betrug (1890) 2 596520 Frs.
und zwar für Caribrod-Velova 1409259, Nust-
schuk-Varna889308 und Iamboli-Vurgas 297953
Frs. Doch reicht diese Noheinnahme ohne Abzug
der Betriebsausgaben noch nicht zur Verzinsung
des gesamten Anlagekapitals von 81,248 Mill. Frs.
aus, wozu noch die jährliche Pacht von 139500 Frs.
für die Strecke Vakarel-Vclova tritt. Von diefem
Anlagekapital entfallen 18,4?i Mill. Frs. auf Cari-
brod-Vakarel, 52,777 Mill. Frs. auf Nustschuk-
Varna und 10 Mill. Frs. auf Iamboli-Vurgas.
Werden die in Numelicn bclegenen Strecken der
Compagnie der Orientalischen Bahnen Velova-
Hermanli (129 Icm) und Tirnova-Semenli-Iamboli
(106 Icm) den V. E. hinzugerechnet, so beträgt die
Länge aller 1891 im Betriebe befindlichen Bahnen
729 1cm. Nach den Beschlüssen der Sobranje ist in
Südbulgarien (Numelien) der Bau einer Bahn von
Pbilippopcl über Eski-Zagra, Ieni-Zagra und
Slivno nach Iamboli (130 1cm) geplant.
Bulgarische Sprache und Litteratur. Die
bulgar. Sprache, ein Zweig der slaw. Sprachen,
wird gesprochen im Fürstentum Bulgarien, in Ost-
rumelien, Maccdonien und Thrazien (soweit es von
Bulgaren bewohnt ist); die Sprachgrenze bildet im
Norden die Donau, im Westen ungefähr die polit.
Grenze gegen das Königreich Serbien bis Vranja,
von da der Schardagh und der aus dem See von
Ochrida strömende Drin; im Süden eine Linie vom
Südende des Sees von Ochrida über Kastoria nach
Saloniki. Man unterscheidet zwei .Hauptdialekt-
gruppen: Ostbulgarisch und Westbulgarisch,
dcrcn uugefähre Begrenzung durch den Lauf des
Isker bis Orchaniö, von da durch eine Linie über
Vakarcl, Ichtiman, Vanjsko, Nevrokop, Seres ans
Llgäische Meer gegeben wird. In der Geschichte der
bulgar. Sprache hat man drei Perioden anzuneh-
men: das Altbulgarische (s. Kirchenslawisch);
das Mittelbulgarische, schon in Handschriften
des 12. Jahrh, nachweisbar; daraus das heutige
Neubulgarische, das die Deklination so gut wie
ganz verloren hat und seine Casus mit Hilfe von
Präpositionen bildet, wie die roman. Sprachen. Das
Neubulgarischc wird mit dem kyrillischen Alphabet
geschrieben, jedoch herrscht das größte Schwanken in
der Orthographie. Das beste Hilfsmittel zum Er-
lernen der heutigen Sprache ist Cankof, "Grammatik
der bulgar. Sprache" (Wien 1852; mit lat. Schrift
und konsequenter Orthographie). Ein Wörterbuch
gab heraus I. A. Vogoroff u. d. T.: "^reiiZko-
diFHi'Zici i 1)iFar8ic<>ti'6ii8icii'öciii1c" ("Bulgar.-franz.
und franz.-bulgar. Wörterbuch", Wien 1869; sehr
unvollkommen): besser ist das russ.-bulgar. Wörter-