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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bundsteg - Bunge
Die Beschaffenheit dieses Vundcszeichens wird ver-
schieden angegeben. Nach einigen wnrde vor den
Banern ein Schuh als Feldzeichen hergetragen; nach
andern hatten sie eine Fahne halb weiß, halb blan,
in der Mitte war das Bild des Gekreuzigten, wie
er dem heil. Georg erscheint, anf einer Seite ein B.,
auf der andern ein kniender Bauer, über dessen
Haupte die Worte "Nichts denn die Gerechtigkeit
Gottes" standen.
Bundsteg heißt in der Buchdruckerei der Raum
zwischen den gegenüberstehenden leiten der Schrift-
formen, durch dessen Mitte bei bedruckten Bogen
die mit eincm Faden versehene Heftnadel des Buch-
binders geht. Die Breite des B. muß in einem be-
stimmten Verhältnis zu der des Seitenrandes stehen.
Bundu (Bunda), Negerstamm in Angola (s. d.).
^?,n<?., bei naturwissenschaftlichen Bezeichnun-
gen Abkürzung für Alexander von Bunge (s. d.).
Bungalow (spr. bönggelo), engl. Schreibung für
Bangalow, das hinduftan. dau^i^, d. h. "benga-
lisch", im engern Sinne "bengalisches Hans". Die
Engländer verstehen unter V. ein einzelstehendes,
leicht gebautes Haus ohne Stockwerke. Die meisten
europ. Häuser in Truppenkantonnements und Sana-
torien sind B. Eine besondere Art der V. sind die
Dak-Bangla (engl. Dawk-Vungalow), Rast-
häuser, welche durch ganz Indien zur Aufnahme
von Reisenden von der Regierung eingerichtet sind.
Vni^3.ru3, malaiisch Lun^rum-I'HNHii, s.
Felsenschlangen.
Bunge, die einfache Reuse (s. d.).
Bunge, Alerandervon, Botaniker, geb. 24. Sept.
(6. Okt.) 1803 zu Kiew, studierte in Dorpat Medizin
und Naturwissenschaften, begleitete dann seinen
Lehrer von Ledebour nach Sibirien und bereiste
1826 den öftl. Altai. Schon während der Reise zum
Arzt für die Kolywano-Woskresenskischen Bergwerke
ernannt, fand er Gelegenheit, erst von Varnaul,
nachher von (Vmjeinogorsk aus die interessantesten
Punkte des Altai zu besuchen. Hier traf er auch
1829 mit Humboldt zusammen, auf dessen Empfeh-
lung er von der Petersburger Akademie aufgefordert
wurde, sich der 1830 nach Peking abgehenden geist-
lichen Mission als Naturforscher anzuschließen. V.
brachte von seinem achtmonatigen Aufenthalt in
Peking eine reiche, in der "^num^i-atio ^lÄntaruin
<1U3.8 in Oliink Zo!'63.1i eolle^it" (Pctersb. 1831) und
der "?iHnt3.ruin UoiiFti0iic0'O1iiii6U8iuni äseHZ I"
(Kasan 1835) beschriebene botan. Ausbeute nach
Irkutsk zurück. Nachdem er im Auftrage der Peters-
burger Akademie im Sommer 1832 eine zweite Reise
durch den o'stl. Altai unternommen, deren botan.
Ausbeute im "Verzeichnis der 1832 im o'stl. Altai-
gebirge gesammelten Pflanzen" (Petersb. 1836) nie-
dergelegt ist, kehrte er 1833 nach Petersburg zurück
und wu.rde außerord. Professor der Botanik in Kasan.
Von hier aus bereiste V. 1835 die Wolgasteppe bis
in das astrachanische Gouvernement. Er ging 1836
als ord. Professor der Botanik und Direktor des
Votanischen Gartens nach Dorpat. Im Dez. 1857
schloß er sich der wissenschaftlichen Expedition an,
welche die Untersuchung Chorassans zum Zweck hatte.
Eine kurze, vorzugsweise pflanzengeogr. Verhältnisse
schildernde Skizze dieser Reise findet sich in Peter-
manns "Geogr. Mitteilungen" (Heft 6, 1860).
Er kebrte 1859 nach Dorpat zurück, trat 1867 in
den Ruhestand und starb 18. Juli 1890 in der Nähe
des Gutes Aß in Esthland. Von B.s Arbeiten sind
noch zu nennen: "Veitrag zur Kenntnis der Flora
Rußlands und der Steppen Centralasiens" (Petersb.
1851), "I00I168 plkmtHi-uiu Q0V3.1'UM 6tc", Beschrei-
bung der von A. Lehmann in Centralasien gesam-
melten Pflanzen, in "Arbeiten des Naturforscher-
vereins zu Riga", Bd. 1 (Riga 1851), "^mg.rieum
8p6ei68" (Dorp. 1852), "^iiHdH86u.i'um r6vi8io"
(Petersb. 1862), "Die Arten der Gattung 0ou8i"
uig." (ebd. 1865), "<36ii6ri8 ^8ti-H^1i 8P60168 Z6i-oii-
W56H6 I 6t II" (ebd. 1868 u. 1869), "Die Gattung
^cHntdoIiinon" (ebd. 1872), "I^diö.t3.6 P6i'8ic^6"
(ebd. 1873), "8p6cw8 ZEHEi-w 0xMopi8" (ebd. 1874),
sowie kleinere monogr. Versuche über Nekinops,
llelioti-opium, Dion^iH u. dgl. m.
Bunge, Friedr. Georg von, Rechtshistoriker,
Bruder des vorigen, geb. zu Kiew 13. März 1802,
studierte in Dorpat die Rechte, ward 1822 Lektor
der russ. Sprache an der Universität, habilitierte
sich 1823 als Privatdocent der Rechte daselbst, ward
1831 zum außerord. und bald darauf zum ord.
Professor ernannt. 1842 wurde B. Bürgermeister
und Syndikus der Stadt Reval und 1856 als Ober-
beamter in die zweite Abteilung (für Kodiftkation)
der eigenen Kanzlei des Kaisers nach Petersburg
berufen. 1865 nahm B. seine Entlassung und sie-
delte zuerst nach Gotha, 1879 nach Wiesbaden über.
Er veröffentlichte: "Beiträge zur Kunde der liv-,
esth- und kurländ. Recktsquellen" (Riga 1832), "Dar-
stellung der gegenwärtigen Verfassung der Stadt
Dorpat" (ebd. 1827), "über den Sachsenspiegel, als
Quelle des mittlern und umgearbeiteten livländ.
Ritterrechts" (ebd. 1827), "Forsckungen auf dem
Gebiete der liv-, esth- und kurländ. Rechtsgeschichte"
(Dorp. 1838), "Das rüm. Recht in den deutschen
Ostseeprovinzen Rußlands" (ebd. 1833), "Das liv-
und estbländ. Privatrecht" (2 Tle., ebd. 1838:2. Aufl.,
Reval 1847-48), "Das kurländ. Privatrecht" (Reval
1851), "Einleitung in die liv-, esth- und kurländ.
Rechtsgeschichte" (ebd. 1849), sowie die mit Madai
veranstaltete "Sammlung der Rechtsquellen Liv-,
Esth- und Kurlands", Abteil. 1 (2 Bde., Dorp. 1845
-46). Mit Madai gab er auch "Theoretisch-prak-
tische Erörterungen aus den in Liv-, Esth- und Kur-
land geltenden Rechten" (5 Bde., ebd. 1839-53)
heraus. V. war Hauptredacteur der "Dorpater
Jahrbücher für Litteratur, Statistik und Kunst"
(5 Bde., Lpz. u. Dorp. 1833 - 35), begründete
1836 die histor.-statist. Zeitschrift "Das Inland",
gab von 1842 bis 1854, später in Gemeinschaft
mit I. Paucker, das "Archiv für die Geschichte
Liv-, Esth- und Kurlands" in sieben Bänden heraus
und begann 1852 die Herausgabe des "Liv-, esth-
und kurländ. Nrkundenbuchs", welches er bis zum
I. 1423 (Bd. 1-6, Reval u. Riga 1853-73) fort-
führte. Die von ihm besorgte Redaktion der Pri-
vatrechte Liv-, Esth- und Kurlands erhielt 13. Juli
1865 Gesetzeskraft. Als Einleitung dazu dient seine
"Geschichte des liv-, esth- und kurländ. Privatrechts"
(Petersb. 1862). Er veröffentlichte außerdem eine
"Geschichte des Gerichtswesens und Gerichtsver-
fahrens in Liv-, Esth- und Kurland" (Reva! 1874),
"Das Herzogtum Esthland unter den Königen von
Dänemark"(Gotha 187 7),"Die Stadt Riga im 13.und
14. Jahrh." (Lpz. 1878), "Altlivlands Rechtsbücher"
(ebd. 1879), "Baltische Gesckichtsstudien" (2 Hefte,
ebd. 1875), "Liv-, esth- und kurländ. Urkundenregeften
bis zum 1.1300" (ebd. 1881). - Vgl. Grciffenhagen
Dr. ^ur. Friedr. Georg von B. (Reval 1891).
Bunge, Nikolaus von, rusj. Nationalökonom
und Minister, geb. 1823 in Kiew, studierte daselbst,