Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cabra; Cabrāl; Cabrēra

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Cabra - Cabrera

Nordamerikas, die er "Terra de prima vista" nannte, und weiter die St. Johns-Insel. Wahrscheinlich traf er auf die Küste von Labrador. Eine zweite Expedition mit 5 Schiffen ging 1. April 1498 ab und kehrte wahrscheinlich im Herbste zurück. Die Resultate sind nicht bekannt geworden. Giovanni C. oder John Cabot, wie er in England hieß, starb 1498 oder 1499. - Sebastian C., geb. 1472 zu Venedig, machte nach des Vaters Tode um 1503 noch eine Fahrt, trat aber, nach dem Tode des Königs Heinrich VII. (1509), 1512 in span. Dienste. Ferdinands des Katholischen Tod 1516 vereitelte seinen Plan, die nordwestl. Durchfahrt nach Asien zu suchen. Hierauf trat er wieder in engl. Dienste und führte 1517 ein Geschwader nach Labrador, wo er aber durch die Feigheit seines Unterbefehlshabers Thomas Pert zur baldigen Rückkehr genötigt ward. Von neuem trat er nun in span. Dienste und sollte 1526 ein Geschwader nach den Molukken führen; aber er kam nur bis zum La-Plata, weshalb er nach seiner Rückkehr durch den Indischen Rat auf 2 Jahre nach Oran verbannt wurde. 1544 entwarf er in Sevilla seine berühmte Weltkarte (vgl. Jomard, Les Monuments de la géographie, Par. 1862). Gegen Ende 1547 verließ er heimlich Spanien und ging wieder nach England, wo ihm Eduard VI. das Amt eines Oberaufsehers über das Seewesen erteilte. Noch 1555 wurde er der Urheber und Beförderer einer Expedition der Merchants Adventurers, welche den Handel der Engländer nach Rußland begründete, indem Rich. Chancelor am Bord der Bonaventura im Hafen von Archangelsk einlief. C. starb kurz nach 1557 zu London. - Vgl. d'Avezar, Les navigateurs terreneuviens Jean et Sébastien C. (Par. 1869); Nicholls, Life, adventures and discoveries of Seb. C. (Lond. 1869); H. Harrisse, Jean et Sébastien C. (Par. 1882).

Cabra, Stadt in der span. Provinz Cordoba in Andalusien, 75 km im SO. von Cordoba, zwischen phantastisch gestalteten Felsen unweit nördlich vom Flusse C., einem rechten Nebenfluß des Genil, in einem öl- und weinreichen Thal an der im Bau befindlichen Linie Puente-Genil-Jaen der Andalus. Eisenbahn, hat (1887) 13390 E., eine Moschee aus der Maurenzeit (jetzt Kirche), mehrere Klöster, Hospital, höhere Schule und Theater; Landwirtschaft, Leinenindustrie und Töpferei.

Cabrāl, Antonio Bernardo da Costa, s. Costa Cabral.

Cabrāl, Pedro Alvarez, der Entdecker Brasiliens, geb. um 1460, stammte aus einer alten edeln portug. Familie, wurde von König Emanuel von Portugal nach Vasco de Gamas glücklicher Rückkehr von der ersten Seereise zum Befehlshaber der nach Ostindien ausgerüsteten Flotte von 13 Schiffen mit 1500 Mann ernannt. Er segelte 9. März 1500 aus dem Hafen von Lissabon ab, nahm jedoch, um die Windstillen an der Küste von Guinea zu vermeiden, von den Kapverdischen Inseln an eine etwas westl. Richtung, sodaß er in den Äquatorialstrom des Atlantischen Oceans geriet und an die Küste des bis dahin unbekannten Landes Brasilien geführt wurde, das er am 21. oder 24. April 1500 für seinen König in Besitz nahm und Terra da Santa Cruz benannte. Am folgenden Tage lief er in eine Bai ein, welcher er den Namen Porto-Seguro gab. Nachdem er ein Schiff mit der Nachricht der Entdeckung in die Heimat abgesendet hatte, machte er sich auf, nach Indien, dem eigentlichen Ziele seiner Reise, zu steuern, verlor aber 29. Mai 1500 durch Sturm zunächst vier seiner Schiffe nebst Mannschaft, darunter den berühmten Seefahrer Bart. Diaz (s. d.), und bei der Weiterfahrt noch drei andere Schiffe. Er landete in Calicut, wo er in einem von den eifersüchtigen arab. Kaufleuten erregten Aufstande 50 Mann verlor; zur Strafe dafür setzte C. die im Hafen liegenden ind. Schiffe in Flammen und eröffnete eine Kanonade auf die Stadt. Bei dem auf den Fürsten von Calicut eifersüchtigen Radscha von Kotschin fanden die Portugiesen aufrichtigeres Entgegenkommen. Zu Kotschin (südlich von Calicut) und in dem nördlich von Calicut an der Küste gelegenen Kannanur legte C. Faktoreien an. Somit schloß C. die ersten für Portugal so wichtigen Handelsverbindungen mit Ostindien, und mit einer reichen Ausbeute ind. Produkte begab er sich auf die Rückfahrt. Im Sept. 1501 lief er wieder in den Hafen von Lissabon ein. C. starb um 1526. Seine Reise findet sich beschrieben in Ramusios "Navigazioni e viaggi", Bd. 1 (Vened. 1554; neuer Abdruck 1835).

Cabrēra, eine der span. Balearen (s. d.), 14 km im SW. von der Südspitze Mallorcas, von der sie eine wenig tiefe inselreiche Meerenge trennt, ist 16,4 qkm groß, gebirgig, sehr gesund, bedeckt mit Buschwald von Cistus, Arbutus u. s. w. und hat ihres Fischreichtums wegen viel von Palma aus besuchte Küsten, an ihrer Nordwestseite einen durch ein altes Schloß gedeckten guten, in neuerer Zeit zur Quarantäne oft benutzten Hafen und außer der kleinen Besatzung nur einige Bauern als Bewohner. - C., Insel bei Sardinien, s. Caprera.

Cabrēra, Don Ramon, Graf von Morella, karlistischer Generalkapitän, geb. 31. Aug. 1810 zu Tortosa, widmete sich dort theol. Studien, verließ aber die geistliche Laufbahn, als Don Carlos seinen Aufruf erließ, und trat 1833 als Guerrillaführer auf. Nachdem sich C. in Valencia und Aragon furchtbar gemacht, folgte er im Sept. 1836 Gomez nach Andalusien, ging aber, da er bei Don Carlos nicht die gehoffte Beachtung fand, wieder nach Aragon zurück, wo seine Truppe durch die Übermacht der Christinos (s. d.) 1. Dez. bei Rincon del Soto vernichtet, er selbst schwer verwundet wurde. Schon nach einigen Monaten hatte er eine neue Streitmacht von 10000 Mann beisammen. Rasch wandte er sich nun nach Valencia, wo er 18. Febr. 1837 bei Buñol und 19. März bei Burjasot, unweit Valencia, den Christinos schwere Niederlagen beibrachte. Wiewohl bei Torre-Blanca gänzlich geschlagen und abermals verwundet, erschien er doch bald wieder im Felde und unterstützte im Mai Don Carlos auf dessen Zuge gegen Madrid mit großem Geschick. Zur Belohnung ward er von Don Carlos zum Grafen von Morella sowie zum Generallieutenant und Generalgouverneur von Aragon, Valencia und Murcia erhoben. Nach Marotos Übergange (Aug. 1839) gedachte C. den Widerstand fortzusetzen, sah sich aber genötigt, 6. Juli 1840 mit 8000 Mann ebenfalls nach Frankreich überzutreten. Hier zerfiel er mehr und mehr mit der Umgebung Don Carlos', sodaß ihn dieser Mai 1842 förmlich absetzte. Nachdem Don Carlos 1845 auf seine Thronrechte zu Gunsten seines Sohnes, des Grafen Montemolin, verzichtet hatte, ging C. mit letzterm nach England. 1848 erregte er in Catalonien einen karlistischen Aufstand, mußte indes nach dem Treffen bei Pasteral 27. Jan. 1849 schwer verwundet Zuflucht in Frankreich suchen. Von hier ging er im August wieder nach London, unterstützte

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