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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Canada (Staat)

Canadier sich gleichwohl am Aufstande der übrigen engl. Kolonien in Nordamerika nicht beteiligten, mag der Quebec-Akte des J. 1774 zuzuschreiben sein, die nicht allein Religionsfreiheit gewährleistete, sondern dem Klerus Zehnten und Gefälle wiedergab, die Katholiken amtsfähig machte, canad. Regimenter einrichtete, in denen die Seigneurs avancieren konnten, und die alte Civilgesetzgebung herstellte, die auch bisher in Kraft geblieben ist. Unzufrieden zog sich die abgesetzte Tory-Oligarchie in die Wildnis an den Seen zurück und gründete die unter dem Namen des "Familienkompakts" bekannte gesellschaftlich-polit. Verbrüderung, die jahrelang in diesen Landesteilen geherrscht hat.

Die Trennung des Landes in zwei Provinzen, Untercanada (Quebec) und Obercanada (Ontario), erfolgte 1791. Im ganzen bildete der Ottawa die Grenze zwischen den beiden Provinzen. Obercanada schloß den größten Teil der engl. Kolonisten ein, die von den durch den Unabhängigkeitskrieg aus den Vereinigten Staaten vertriebenen Tories bedeutend vermehrt wurden, und war in Counties oder Ridings und Distrikte eingeteilt. Untercanada enthielt den größten Teil der franz. Kolonisten und bestand aus drei Haupt- und zwei kleinen Distrikten, die in eine sich stets vermehrende Anzahl Counties zerfielen. Jede Provinz erhielt eine Gesetzgebung mit wählbarem Unterhaus und ernanntem Rat und Statthalter. Die Verwaltung wurde in oligarchischer, in Obercanada in bigott-hochkirchlicher, in Untercanada in bigott-prot. Weise geführt. 1812 - 14 suchten die Vereinigten Staaten während des Krieges mit England C. zu erobern. Durch die militär. Unfähigkeit der amerik. Oberbefehlshaber blieb jedoch das noch sehr sparsam bevölkerte Land siegreich. Als im engl. Parlament 1822 der Antrag gestellt wurde, beide Provinzen wieder zu vereinigen, erhoben die franz. Canadier namentlich in Untercanada heftige Klagen über Begünstigung und Bevorzugung des engl. Interesses. Noch höher steigerte sich die Unzufriedenheit, als durch die Lehnsakte von 1826 die bisherige Verfassung der Seigneurie aufgehoben wurde. In der Hauptsache hielt sich dennoch das Feudalsystem bis ins J. 1854. Da keine gründliche Reform zu stande kam, so faßte endlich 1836 die Gesetzgebende Versammlung von Untercanada unter der Leitung des beredten Papineau den Beschluß, bloß für die nächsten sechs Monate der Regierung die Steuern zu bewilligen, ihre fernere Erhebung aber von der Bedingung abhängig zu machen, daß das Recht, die gesetzgebende Versammlung zu wählen und die vollziehenden Behörden zur Verantwortung zu ziehen, dem Volke gewährt werde. Dieselbe Forderung stellten auch die Demokraten Obercanadas, welche, unter William Lyon Mackenzies Führung, mannigfache Beschwerden über die Anmaßungen und Bedrückungen von seiten der aristokratischen Partei erhoben. Als das brit. Parlament die Forderungen abschlug, entstand in Quebec Tumult, und die Versammlung von Untercanada verweigerte alle Steuern, bis die Entscheidung des Parlaments zurückgenommen sei. Der Gouverneur löste die Versammlung auf, und es kam (1837), zuerst in Montreal, zu einem Kampfe zwischen beiden Parteien. Auch in Obercanada entstanden Unruhen, die aber leicht unterdrückt wurden. Infolge dieses Aufstandes wurde auf den Rat des mit der Untersuchung betrauten Lord Durham durch die Akte vom 23. Juli 1840 eine neue Verfassung verkündigt. Die Gouvernements Ober- und Untercanada wurden zu einem Gouvernement C. unter einem Governor-general, dem in Militärangelegenheiten die Gouverneure (Lieutenant-governors) der übrigen vier östl. Provinzen von Britisch-Amerika untergeordnet waren, vereinigt und das ganze Regierungssystem dem englischen nachgebildet. 1847 wurde die Verantwortlichkeit der Regierung in der von England dem Gouverneur Lord Elgin erteilten Anweisung, den Rat seiner Minister anzunehmen, anerkannt. Am 1. Aug. 1848 ward durch brit. Parlamentsakte die Bestimmung über den ausschließlichen Gebrauch der engl. Sprache widerrufen. Die Bill, welche zur Entschädigung der während der Ausstände von 1837 und 1838 von Untercanada erlittenen Verluste auch Obercanada herbeizog, stieß auf den heftigsten Widerstand der von Sir Allan M'Nab geführten toryistischen oder "sächsischen" Partei, erlangte aber, nach einem Ministerwechsel und einer Kammerauflösung im März 1849, von der Majorität der engl. Vertreter die Bestätigung. Als 25. April 1849 die Bill auch von dem Gouverneur gutgeheißen wurde, brach, wie schon vorher (22. März) in Toronto, noch an demselben Tage zu Montreal der offene Aufstand aus, bei dem das Parlamentshaus samt Bibliotheken und Archiven durch Brand vollständig zerstört wurde. Seit dieser Zeit wechselte der Regierungssitz von vier zu vier Jahren zwischen Toronto und Quebec. Als permanente Hauptstadt bestimmte 1857 die Königin auf Ersuchen der Canadier das halb in Ober-, halb in Untercanada gelegene Ottawa. In der bis 1860 reichenden Periode wurde das Feudalsystem abgeschafft und der Civildienst reorganisiert, und C. erhielt von der brit. Regierung die Vollmacht, eigene Tarife festzusetzen. Da Obercanada trotz seines täglich wachsenden Übergewichts über Untercanada im Parlament nicht mehr Stimmen als dieses hatte, aber in eine Abänderung der Vertretung nicht willigen wollte, so suchte jenes auf Umwegen zu einer Verbesserung der polit. Lage zu gelangen und bahnte nach verschiedenen erfolglosen Versuchen (1856 - 64) endlich die Bildung eines neuen weitern Bundes C.s und der ihm benachbarten Provinzen an. Die Regierung Großbritanniens kam diesen Bestrebungen entgegen, weil eine festere Vereinigung ihrer sämtlichen nordamerik. Besitzungen das einzige Gegengewicht gegen die wachsende Macht der Vereinigten Staaten zu bilden versprach. So machte 1864 das canad. Ministerium selbst den Vorschlag, daß die sechs Kolonien von Britisch-Nordamerika einen Bund schließen, dagegen in ihrer Lokalverwaltung unabhängig bleiben sollten. Der Vorschlag fand vielseitig Anklang, und 10. Okt. 1864 trat ein Delegiertenkongreß sämtlicher Kolonien in Quebec zusammen und faßte in den berühmten "72 Resolutionen" den Beschluß der Vereinigung, der den gesetzgebenden Versammlungen der einzelnen Kolonien zur Genehmigung vorgelegt wurde. Obwohl die Prinz-Edward-Insel und Neufundland den Antrag abwiesen, sandten die Regierungen der verschiedenen Provinzen Delegierte nach England, um die Genehmigung der Krone für die von ihnen entworfene gemeinsame Verfassung zu erlangen, und 22. Mai 1867 erklärte eine königl. Proklamation das Dominion of C. mit dem 1. Juli 1867 als zu Recht bestehend. Anfangs bildeten die vier Provinzen Ontario, Quebec, Neuschottland und Neubraunschweig den neuen Bund;

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