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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Canquoinsche Paste; Canrobert; Canstadt; Canstatt

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Canquoinsche Paste - Canstatt

ans Ruder kam. Die äußere Veranlassung zu seinem Rücktritt war seine Weigerung, dem Wunsche des Königs, der seiner Tochter den Titel "Prinzessin von Asturien" erteilen wollte, zu willfahren. Im übrigen gehörte es zu dem System dieses Staatsmannes, dem namentlich die Versöhnung der mächtigen Karlistenpartei mit der konstitutionellen Monarchie am Herzen lag, daß die Konservativ-Liberalen und die mit den dynastischen Demokraten verbundenen Liberalen sich in der Regierung ablösen sollten. Bei den Neuwahlen desselben Jahres ward C. von Madrid in die Cortes gewählt, wo er als erklärter Führer der "konservativ-liberalen Partei" und als bedeutender Redner die erste Stelle in der Opposition gegen Sagastas Regierung einnahm.

Dem seit Okt. 1883 berufenen Ministerium Posada de Herrera, das die Einführung des allgemeinen Stimmrechts und die Reform der Verfassung in sein Programm aufnahm, trat C. sehr entschieden entgegen. Als das Kabinett Posada dann zurücktreten mußte, wurde C. wieder mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt und übernahm 18. Jan. 1884 die Präsidentschaft desselben. Er bezeichnete als das Ziel seines Strebens die Sicherung der Ordnung und der Freiheit und die Befestigung der Monarchie. Durch Auflösung der Cortes verschaffte er sich bei den Neuwahlen eine regierungsfreundliche Mehrheit. Als nach dem Tode des Königs dessen Witwe, Marie Christine, die Regentschaft übernahm, reichte das Ministerium C. sein Entlassungsgesuch ein, worauf Sagasta 26. Nov. 1885 die Ministerpräsidentschaft übernahm. C. wurde bei Wiedereröffnung der Cortes 26. Dez. 1885 zum Präsidenten der Kammer gewählt. Seine entschiedene Opposition gegen Einführung des allgemeinen Stimmrechts, die ihm seitens der Volksmassen in Barcelona, Saragossa, Madrid und Sevilla unliebsame Kundgebungen zuzog, sein anspruchsvolles Auftreten, das ihm bei Hofe übel ausgelegt wurde, sowie die Geschicklichkeit Sagastas, der seine Stellung durch die Annäherung an die Ordnungs-Republikaner von der Farbe Castelars zu stärken verstand, vereitelte 1888 und 1889 C.' Bemühen, wieder an die Regierung zu kommen. Erst als im Juli 1890 das Ministerium Sagasta seine Entlassung nahm, wurde C. wieder an die Spitze des Ministeriums berufen. Er mußte aber bereits im Dez. 1892 Sagasta aufs neue weichen. C., der schon 1860 in die Akademie der Geschichte und 1867 in die königl. Spanische Akademie aufgenommen wurde, hat sich auch als Schriftsteller und Gelehrter hervorgethan. Von seinen Werken sind zu nennen: "La campana de Huesca" (1852; 2. Aufl. 1854), "El solitario y su tiempo. Biografia de Serafin Estébanez Calderon, y critica de sus obras" (2 Bde., Madr. 1883), "Problemas contemporáneos" (ebd. 1884), "Estudios del reinado de Felipe IV" (Bd. 1 u. 2, ebd. 1888-90) und die unter seiner Leitung erscheinende "Historia general de España" (ebd. 1890 fg.).

Canquoinsche Paste, eine früher vielfach angewandte Ätzmasse behufs chem. Zerstörung krankhafter Gewebe, bestehend aus 1 Teil Zinkchlor und 2-4 Teilen Mehl, mit wenig Wasser zu einem dicken Brei gemengt.

Canrobert (spr. kangrobähr), Francois Certain de, Marschall von Frankreich, geb. 27. Juni 1809 zu St. Cerré in der Auvergne, trat 1826 in die Militärschule von St. Cyr und 1828 als Unterlieutenant in die Infanterie, kam 1835 als Freiwilliger nach Afrika und diente dort gegen Abd el-Kader. 1839 nach Frankreich zurückgekehrt, bildete er aus übergetretenen Karlisten ein Fremdenbataillon, wurde bei der Organisation der Chasseurs d'Orléans in diese Truppe versetzt und kehrte 1841 nach Afrika zurück, wo er 1845 zum Oberstlieutenant und 1847 zum Obersten und Kommandanten des Zuavenregiments befördert wurde. In dieser Stellung schlug er den Aufstand in der Oase Zaadscha Nov. 1849 nieder, wurde 1850 zum Brigadegeneral befördert und erhielt eine Brigade der Armee von Paris. Bei dem Staatsstreiche vom 2. Dez. 1851 leitete er als Adjutant Napoleons die militär. Maßregeln in der Hauptstadt und wurde zum Divisionsgeneral befördert. Im Orientkrieg nahm er teil an der Schlacht an der Alma und übernahm 26. Sept. im Lager an der Tschernaja den Oberbefehl, als Saint-Arnaud die Armee verließ. Zerwürfnisse mit Lord Raglan veranlaßten ihn während der Belagerung von Sewastopol seine Entlassung einzureichen, doch blieb er in der Krim und übernahm 19. Mai wieder den Befehl über seine Division. Aug. 1855 wurde er zurückberufen, 18. März 1856 zum Marschall ernannt und in vertraulicher Mission nach Stockholm gesendet, um ein Bündnis mit Schweden abzuschließen. Als Jan. 1858 die Militärdivisionen Frankreichs unter fünf Generalkommandos gestellt wurden, erhielt C. das dritte in Nancy. Im Italienischen Kriege von 1859 befehligte er das 3. Korps. Zur Schlacht von Magenta kam nur ein Teil desselben. Bei Solferino war C. bestimmt, die aus Mantua ausrückenden Truppen des Feindes zu beobachten, und leistete dem Marschall Niel nicht rasch genug Unterstützung, worüber es später zwischen beiden Generalen zu bittern Erörterungen kam. Nach dem Kriege kehrte C. nach Nancy zurück, erhielt aber 1861 das 4. Armeekorps in Lyon und 1865 das Generalkommando von Paris. C. hatte schon damals erkannt, daß das franz. Heerwesen einer gründlichen Reform bedürfe, weshalb er die auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen des Kriegsministers Marschall Niel thunlichst unterstützte und namentlich für möglichste Beschleunigung der neuen Infanteriebewaffnung eintrat. Als der Deutsch-Französische Krieg von 1870 ausbrach, befehligte er das 6. Armeekorps. Nach den ersten Niederlagen erhielt C. 9. Aug. Befehl, sich mit der Rheinarmee bei Metz zu vereinigen, was ihm indes nur noch mit einem Teile seines Korps gelang. C. führte sein Korps in der Schlacht bei Vionville (16. Aug.), verteidigte 18. Aug. St. Privat und wurde sodann in Metz eingeschlossen, wodurch er 27. Okt. in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Bei Abschluß des Präliminarfriedens von Versailles kehrte C. nach Frankreich zurück und nahm an der Neuformation des franz. Heers Anteil. Später wurde er Mitglied des obersten Kriegsrats, legte aber diese Stelle Juni 1873 nieder. In den Verhandlungen des Prozesses Bazaine trat er 1873 als Belastungszeuge gegen den Angeklagten auf. C. war seit 1879 Mitglied des franz. Senats, bewarb sich aber bei den Neuwahlen 1894 nicht wieder um ein Mandat.

Canstadt, württemb. Stadt, s. Cannstatt.

Canstatt, Karl Friedr., Mediziner, geb. 11. Juli 1807 in Regensburg, studierte seit 1823 zu Wien, Würzburg und Heidelberg Medizin und ließ sich 1831 in seiner Geburtsstadt als Arzt nieder. Um die Cholera zu beobachten, begab er sich 1832 nach Paris, hierauf nach der Schweiz und endlich nach

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