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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cantate - Canton (Bezirk)

von Konstantinopel, mit dem auch) der bulgarische C. übereinstimmt. Der C. von Tripolis (Nordafrika) hat 100 Rotoli oder 40 Oken = 48,832 kg; in Tunis ist der gewöhnliche C. = 50,7 kg. (Den C. oder Kintār von Marokko s. Artal.) - C. hieß auch früher ein Wein- und Branntweinmaß von 9,91 l in der Provinz Aragonien, und ein solches von 10,77 l in der Provinz Valencia. (S. auch Centinaio, Oka und Rotolo.)

Cantāte (ital. cantata), Gesangstück, s. Kantate.

Cantāte (lat., "singet"), der vierte Sonntag nach Ostern, nach seinem mit Ps. 98, 1 beginnenden Introitus (s. d.).

Cantatōre (ital.), Sänger; Cantatrice (spr. -trihtsche), Sängerin.

Cantatorĭum (lat.), Responsorienbuch (der röm.-kath. Kirche).

Canter (engl., spr. känn-), kurzer Galopp von Pferden. Von einem leichten Sieg bei Wettrennen sagt man, er sei "im C. gewonnen".

Canterbury (spr. kännt'rberri), Stadt und Parlamentsborough (1 Abgeordneter) der engl. Grafschaft Kent, 89 km im OSO. von London, an der Linie Dover-London und mit Ashford, Ramsgate und Whitstable (9 km) durch Bahn verbunden, in einem freundlichen Thale am Stour, dessen Arme und Kanäle sie durchschneiden, hat (1891) 18085 E. Die Stadt ist Sitz des Primas von England, des ersten Peers des Königreichs, der den König krönt, über 20 Bistümer gebietet und gewöhnlich in Lambethhouse in Lambeth an der Themse residiert. C. hat enge Straßen, altertümliche Häuser mit Spitzdächern und Giebelfenstern und besitzt eine herrliche Kathedrale (s. Tafel: Englische Kunst I, Fig. 5 u. 3), 1070 - 1130 erbaut in Form eines doppelten Kreuzes, nach einem Brande 1174 - 85 teilweise neu erbaut und später mehrfach erneuert, 155 m lang, mit 21 m breiten Seitenschiffen und einem 1495 vollendeten Hauptturme von 71,5 m Höhe. Das Innere enthält zahlreiche Denkmäler, altengl. Glasmalereien, das Grab Stephan Langtons, einen reich ausgestatteten Chor und in Trinity Chapel die Gräber Heinrichs IV. und des Schwarzen Prinzen. Die Krypta ist die der ursprünglichen normann. Kirche. Überall finden sich Erinnerungen an den in der Kathedrale 1170 ermordeten Thomas a Becket. Außerdem besitzt C. ein an Stelle des Klosters des heil. Augustinus, des ersten Erzbischofs, neu erbautes Missionary College mit Bibliothek, eine zum Teil aus der Zeit der Königin Bertha (um 600 n. Chr.) stammende St. Martinskirche, mehrere Hospitäler, ursprünglich für Pilger erbaut, Museum, Stadthaus und röm. Altertümer. Die alte Herberge Checquers Inn, in der Chaucers Pilger übernachteten, litt 1865 durch eine Feuersbrunst. Von Unterrichtsanstalten sind King's School aus dem 7. Jahrh. sowie moderne Freischulen zu erwähnen. Die Bewohner treiben bedeutenden, durch eine Börse unterstützten Handel mit Getreide, Hopfen und Wolle. - C., das röm. Durovernum, war Sitz der angelsächs. Könige von Kent. Hier wurde im 6. Jahrh. das erste engl. Bistum gestiftet, das seit 1170 den Primat erlangte. Außer dem heil. Augustin und Becket sind von den Erzbischöfen Anselm, Stephan Langton, Cranmer und Laud in der engl. Geschichte zu großer Berühmtheit gelangt. - Vgl. Willis, Architectural history of C. Cathedral (Lond. 1845); Dean Stanley, Historical memorials of C. (10. Aufl., ebd. 1883).

Canterbury (spr. kännt'rberri), Thomas von, s. Becket, Thomas a.

^[Spaltenwechsel]

Canterbury tales (spr. kännt'rberri tehls), d. i. "Canterbury-Geschichten", Titel des Hauptwerks von G. Chaucer (s. d.) sowie einer Novellensammlung der Schwestern Lee (s. d.).

Cantharellus, s. Eierschwamm.

Cantharĭdae, s. Blasenkäfer und Spanische Fliege.

Cantharidīn, eine organische Substanz von der Zusammensetzung C10H12O4 ^[C_{10}H_{12}O_{4}], die besonders in den span. Fliegen (Kanthariden) und andern Insekten als wirksamer giftiger Bestandteil vorhanden ist, durch Ausziehen mit Chloroform gewonnen wird und in weißen Blättchen krystallisiert. C. schmilzt bei 218° und sublimiert leicht. Es ist von bitterm Geschmack und zieht auf der Haut Blasen. Das cantharidinsaure Kalium ist neuerdings von Liebermann als Mittel gegen die Tuberkulose empfohlen und wird, wie die Kochsche Tuberkulinlymphe, subkutan angewendet.

Canthăris, ältere Benennung für eine jetzt aufgelöste Käfergattung, in welcher die Spanische Fliege (s. d.) und die Telephoriden, eine Familie der Weichhäuter (s. d.), vereinigt waren. Gelegentlich wird C. auch gleichbedeutend mit Telephorus gebraucht.

Cantharus, s. Kantharus.

Canti carnascialeschi (spr. karnaschaléski, "Karnevalslieder") heißen die Maskentanzgesänge für die Karnevalsfeste in Florenz, die Lorenzo de Medici zu einer eigenen Gattung der Kunstlyrik ausbildete. Sie wurden von den Stände, Berufe u. dgl. darstellenden Maskenzügen in den Straßen vorgetragen. Lorenzos Beispiel fand vielfache Nachahmung, und so entstand eine ansehnliche Sammlung dieser eigenartigsten Erzeugnisse ital. Dichtkunst. Sie sind von ausgelassener Fröhlichkeit und oft von anstößiger Zweideutigkeit, wie es der lockern Karnevalssitte entsprach. Es giebt verschiedene Ausgaben; die bekanntesten und besten davon sind: "Trionfi, canti, mascherate o C. c." (Flor. 1559), "C. c., trionfi, carri e mascherate" (2 Bde., Cosmopoli, d. i. Lucca, 1750; abgedruckt von Guerrini, Mail. 1883).

Cantĭcum (lat.), Gesang, Lied, ist insbesondere Bezeichnung für die auf der antiken Bühne unter Flötenbegleitung vorgetragenen Einzelgesänge. Sie wurden in Rom nicht von den Schauspielern ausgeführt, sondern von besondern Sängern. Im weitern Sinne bedeutet C. dann alle von den Schauspielern selbst gesangartig vorgetragenen Partien der Schauspiele. - Vgl. Grysar, Über das C. und den Chor in der röm. Tragödie (in den "Sitzungsberichten" der Wiener Akademie der Wissenschaften, 1855).

Cantĭcum Canticōrum, s. Hohes Lied.

Cantilever-Brücken (engl., spr. känntilihwer), s. Eisenbrücke.

Cantire, Cantyre oder Kintyre (spr. kännteir), der südl. Teil einer Felsenhalbinsel an der Westküste Schottlands, in der Grafschaft Argyll, erstreckt sich, 7 - 19 km breit, 68 km weit von N. nach S., und kommt mit dem Mull of C. Irland auf 21 km nahe. Durch den Loch Tarbert und den Isthmus von Kilcalmonell ist C. von dem Knapdale genannten nördl. Teil getrennt. Letzterer ist durch den zwischen Loch Fyne und Jura-Sund angelegten, 14,4 km langen, für Schiffe bis 200 t fahrbaren Crinan-Kanal (15 Schleusen) vom Festlande abgeschnitten. Auf der Ostküste von C. liegt Campbeltown (s. d.).

Cantĭum, lat. Name von Kent.

Canto (ital.), s. Cantus; C. fermo, s. Cantus firmus.

Canton (Bezirk), s. Kanton.

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]