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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Carbonaria - Carbonsäuren

der "Wald", in welchem die "Wölfe", d. h. die gewaltthätigen Fürsten hausten. Eine größere Anzahl von Hütten bildete eine Provinz; so bestanden in Unteritalien die salernitanische und die neapolitanische; in Frankreich zählte man 20 Provinzen. Die Gesamtheit dieser bildete in den einzelnen Ländern die "Republik". Die Aufnahme geschah unter eigentümlichen Gebräuchen und stufenweise; es gab Lehrlings-, Gehilfen- und Meisterabteilungen; die höchsten Grade erlangten nur wenige, und alle übrigen Mitglieder waren eidlich zur Verschwiegenheit, Treue und zu unbedingtem Gehorsam gegen die Obern verpflichtet. Der Ursprung der C. ist dunkel; Botta hält sie für ursprünglich unteritalisch; andere, wie Colletta, leiten sie von den Freimaurern und Illuminaten (s. d.) her und denken an Einführung aus der Schweiz, Deutschland oder Frankreich (s. Philadelphen). Die Zahl der C. war zwischen 1815 und 1820 in Italien jedenfalls sehr beträchtlich; angegeben werden bis zu 600 000. Für die europ. Polizei waren sie lange das Schreckgespenst, aber auch ganz gegen ihren Willen die besten Verbündeten bei der Niederhaltung der Völker, vor allem Italiens. - Vgl. (S. Bartholdy) Denkschriften über die geheimen Gesellschaften im mittäglichen Italien und insbesondere über die C. (anonym, Stuttg. u. Tüb. 1822); Del governo austriaco, società segrete e polizia (Capolago 1850); Greco, Il tentativo dei C. di Calabria citeriore nel 1813 (Cosenza 1866).

Carbonaria, s. Carbonari.

Carbonat, Varietät des Diamants, s. Carbon.

Carbonate, Bezeichnung für kohlensaure Salze.

Carbonation, s. Saturation.

Carbondale (spr. kárb'ndehl), Ortsname in den Vereinigten Staaten von Amerika. Darunter: 1) C., Stadt im County Lackawanna in Pennsylvanien, nordöstlich von Scranton, hat (1890) 10 833 E., Kohlengruben, Eisengießerei und Fabrikation von Eismaschinen. - 2) C., Ort im County Jackson in Illinois, nördlich von Cairo, Eisenbahnknotenpunkt, hat 2382 E. und eine höhere Schule.

Carboneum, der Kohlenstoff (s. d.). - C. sulfuratum, Schwefelkohlenstoff.

Carbonianum edictum heißt ein Abschnitt des prätorischcn Edikts (des sog. edictum perpetuum, s. Edictum) angeblich nach einem Prätor Carbo. Durch das Edikt wurde bestimmt, daß ein Unmündiger, welcher zu den (von dem Prätor als solche anerkannten) Noterben zu gehören behauptet, welchem aber das Kindesverhältnis zum Erblasser und aus diesem Grunde der Erbanspruch bestritten wird, den Besitz der Erbschaft für die Dauer der Unmündigkeit und die Aufschiebung der Entscheidung des Erbschaftstreites bis zum Eintritt der Mündigkeit (Pubertät) erlangt, sofern dies innerhalb eines Jahres nach erhobenem Streite beantragt wird. In die neuern Gesetzgebungen sind entsprechende Vorschriften nicht aufgenommen.

Carbonicus (neulat.), kohlensäurehaltig, kohlensauer.

Carbonide, die Verbindungen des Kohlenstoffs, die organischen Verbindungen. Je nach der Anzahl der Kohlenstoffatome, die den Kohlenstoffkern (s. d.) bilden, unterscheidet man Monocarbonide und Polycarbonide, letztere Di-, Tri-, Tetra-, Penta-, Hexa- u. s. w. Carbonide genannt.

Carbonische Formation, s. Steinkohlenformation.

Carbonisieren, in der Wollwarenindustrie ein Verfahren, das bezweckt, die Wolle von vegetabilischen Stoffen zu befreien, und darauf beruht, daß Wolle der Einwirkung von Säure widersteht, während die vegetabilischen Körper dadurch zerstört werden. C. kommt zur Anwendung, um manche Wollen, die mit Kletten, den Samentöpfen von Disteln durchsetzt sind, zur Verarbeitung geeigneter zu machen. Solche Wollen werden in ein Bad einer vierprozentigen Schwefelsäure getaucht und bei einer Temperatur von 110 bis 120° C. getrocknet. Hierdurch wird die organische Substanz der Kletten zerstört, während die Wolle erhalten bleibt. Außerdem kommt das C. bei der Herstellung der Kunstwollen aus gemischten Geweben zur Verwendung. Diese, ebenfalls mit Schwefelsäure imprägniert und bei hoher Temperatur getrocknet, werden dabei so verändert, daß alle Baumwolle verkohlt oder doch zerstört wird, ein kräftiges Waschen genügt dann, um die Reste der Baumwolle zu beseitigen. - In der Sodaindustrie versteht man unter C. das Einblasen von Kohlensäure in die Rohsodalauge, um das darin enthaltene Ätznatron in Carbonat überzuführen.

Carbonit, Bezeichnung für eine ganze Reihe neuerer Sprengstoffe, die in der Hauptsache aus Nitrobenzol, Kieselgur oder Cellulose, Kalisalpeter und Barytsalpeter bestehen. Sie sind graubraun und besitzen das spec. Gewicht 1,3. Gegen Stöße und Erschütterungen sowie gegen Hitze und Kälte soll das C. ziemlich unempfindlich sein. Bei der Explosion entwickelt es mehr schädliche Gase als Kieselgurdynamit.

Carbonsäuren nennt man in der organischen Chemie alle Säuren, die das Radikal COOH oder Carboxyl enthalten. Die einfachste der C. ist die Ameisensäure, HCOOH, in der das Carboryl mit einem Atom Wasserstoff verbunden ist. Dieses außerhalb des Carboxyls stehende Wasserstoffatom ist durch verschiedene Radikale vertretbar. Tritt an die Stelle desselben Methyl, CH3, so entsteht die Methylcarbonsäure oder Essigsäure, CH3.COOH; wird der Wasserstoff der Ameisensäure durch Äthyl, C2H5, substituiert, so bildet sich die Äthylcarbonsäure oder Propionsäure, C2H5.COOH. Alle diese Säuren, deren Zahl sehr groß ist, enthalten nur einmal die Carboxylgruppe, sie werden demnach Monocarbonsäuren genannt. Denkt man sich ferner in der Ameisensäure das vertretbare Wasserstoffatom durch Carboxyl ersetzt, so entsteht die Oxalsäure, ^[img], eine Säure, die aus zwei Carboxylgruppen besteht und die einfachste Dicarbonsäure ist. Wie das einwertige Radikal Äthyl eine Carboxylgruppe bindet, ebenso vereint sich auch das zweiwertige Radikal Methylen, CH2, mit zwei Carboxylgruppen und bildet damit die Methylendicarbonsäure oder Malonsäure, COOH.CH2.COOH. Dreiwertige Radikale bilden Tricarbonsäuren; so geht das Radikal C3H3 durch Bindung von drei Carboxylgruppen in die Aconitsäure, C3H3(COOH)3, über. In der Carboxylgruppe ist das Wasserstoffatom mit Leichtigkeit durch Metalle oder andere Radikale, z. B. Alkoholradikale, vertretbar, wobei Salze oder Ester entstehen. Tritt in der Essigsäure, CH3.COOH, Kalium an die Stelle des Wasserstoffs der Carboxylgruppe, so entsteht das essigsaure Kalium, CH3.COOK; wird das Wasserstoffatom durch Äthyl ersetzt, so bildet sich der Essigsäure-Äthylester, CH3.COOC2H6. Auf gleiche Weise verhalten sich die Carboxyle der Dicarbonsäuren und Tricarbonsäuren. Die Zahl der in einer Säure enthaltenen