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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cassel

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Cassel (in Frankreich) - Cassel (Paulus Stephanus)

Asyl für gefallene Mädchen, Speise- und Suppenanstalt, Volksküche und Kaffeestube.

Industrie und Gewerbe. Die Henschelschen Maschinenbauwerkstätten mit bedeutendem Lokomotiven- und Turbinenbau (1892: 1965 Arbeiter) und die Fabrik für mathem. und physik. Instrumente von Breithaupt sind weltbekannt; ferner erstreckt sich die Industrie auf mechan. Weberei, Fabrikation von Eisenbahnwagen, Maschinen, Eisenmöbeln und Eisschränken, Klavieren, Gold- und Silberwaren, Messern, Porzellan, Tabak, Leder, Handschuhen, Wachstuch, Möbeln, Chemikalien, Buntpapier, Kartonnagen und Papierwaren, Zündhölzern und Brauerei. C. ist Sitz der 5. Sektion der Papierverarbeitungs-, der 3. der Lederindustrie-, der 5. der Hessisch-Nassauischen Baugewerks-, der 18. der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft und Sektion Cassel-Stadt der Hessisch-Nassauischen Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft.

Handel. C. hat eine Handelskammer für die Stadt und den Landkreis C., eine Reichsbankstelle, 16 Bank- und Wechselgeschäfte, je einen Kredit-, Gewerbe-, Vorschuß-und Spar-, allgemeinen Vorschußverein, eine städtische Sparkasse und eine solche für den Landkreis, eine Beamten-Spar- und Vorschuß-, eine Landeskreditkasse, eine National-Viehversicherungs-Gesellschaft sowie 2 Messen und 4 Jahrmärkte, darunter einer mit Wollmarkt.

Verkehrswesen. C. hat einen Centralbahnhof, in der Oberstadt einen Güterbahnhof und einen Bahnhof in der Vorstadt Bettenhausen und liegt an den Linien C.-Hannover (166,1 km), C.-Gießen-Frankfurt a. M. (200 km), C.-Bebra (58,2 km), C.-Schönfelde-Schwerte (189,7 km), C.-Nordhausen-Halle a. S. (217,6 km) und der Nebenlinie C.-Waldkappel (49,9 km) der Preuß. Staatsbahnen. 1890 gingen 100267 t Güter ab und 314113 t kamen an. Eine Dampfstraßenbahn (5,509 km, jährliche Beförderung etwa 990000 Personen) verbindet C. mit Wilhelmshöhe; außerdem besteht eine Pferdebahn (6,5 km, 920000 Personen). - C. besitzt zwei Postämter erster Klasse, ein Bahnpostamt, ein Telegraphenamt erster Klasse und Fernsprecheinrichtung mit 325 Sprechstellen.

Vergnügungsorte und Umgebung. Dicht vor der Stadt im S. und in Verbindung mit dem Orangerieschloß, in dem zur westfäl. Zeit öfters Hofbälle und Maskeraden gegeben wurden, befindet sich die Aue (Karlsaue), ein 1709 nach Plänen des Pariser Gärtners Le Nôtre angelegter Park mit schönen Bäumen und dem vom Landgrafen Karl (gest. 1730) 1720-28 erbauten Marmorbade (s. Tafel: Bäder Ⅰ, Fig. 5) mit Marmorskulpturen des Franzosen Monnot. Als Luftkurort gewinnt Wilhelmshöhe (s. d.) eine immer größere Bedeutung; südwestlich der Aue das Schlößchen Schönfeld oder Augustenruhe, und 8 km entfernt in einem anmutigen Thale das Lustschloß Wilhelmsthal. Die etwa 3 km entfernte Kaltwasserheilanstalt Bad Wolfsanger ist durch Omnibus mit C. verbunden.

Geschichte. Eines Ortes Chassala wird schon 913 in einer Urkunde König Konrads Ⅰ. gedacht. Der Landgraf Hermann der Jüngere von Thüringen bestätigte 1239 den Bürgern von C. aufs neue ihre Rechte und Freiheiten. Philipp der Großmütige verstärkte die Befestigungen der Stadt, Landgraf Karl legte 1688 die Oberneustadt an. Im Siebenjährigen Kriege wurde C. mehrmals von den Franzosen besetzt; 7. Nov. 1762 nahmen Friedrichs d. Gr. ^[Spaltenwechsel] Verbündete nach langer Belagerung die von den Franzosen verteidigte Stadt; bald nachher wurden die Festungswerke abgetragen. Nach dem Tilsiter Frieden ward C. 1807 die Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Westfalen. Nach kurzer Beschießung mußte die Stadt 30. Sept. 1813 dem General Tschernitschew übergeben werden, der sie aber bald wieder räumte. Jedoch kehrte König Jérôme nur auf wenige Tage zurück. Nach seiner Flucht hielt am 21. Nov. Kurfürst Wilhelm Ⅰ. von Hessen seinen Einzug. Am 19. Juni 1866 wurde C. von preuß. Truppen unter General von Beyer besetzt und ist seitdem preußisch.

Vgl. Piderit, Geschichte der Haupt- und Residenzstadt C. (Cass. 1844; 2. Aufl. 1882); Hahndorf, C. vor fünfzig Jahren (ebd. 1863); Fr. Müller, C. seit siebzig Jahren (2 Bde., ebd. 1876-79); A. Duncker, Landgraf Wilhelm Ⅳ. von Hessen und die Begründung der Bibliothek zu C. (ebd. 1881); Oberbeck, Touristenführer für die Umgebung von C. (5. Aufl., ebd. 1886); H. Brunner, C. im Siebenjährigen Kriege (ebd. 1884); Führer durch C., Wilhelmshöhe und Umgebung (8. Aufl., ebd. 1887); Woerls Reisehandbücher, Führer durch C. und Umgebung nebst Wilhelmshöhe (2. Aufl., Würzb. 1888); Dehn-Rothfelser und Lotz, Die Baudenkmäler im Regierungsbezirk C. (Cass. 1870); ders., Das Gemäldegaleriegebäude in C. (Berl. 1879).

Cassel (spr. -ßéll), Castel, Hauptort des Kantons C. (117,52 qkm, 13 Gemeinden, 13595 E.) im Arrondissement Hazebrouck des franz. Depart. Nord, 45 km nordwestlich von Lille, in 157 m Höhe (daher auch Mont-Cassel genannt), an der Linie Hazebrouck-Dünkirchen-Ghyvelde der Franz. Nordbahn, hat (1891) 2596, als Gemeinde 3931 E., Post, Telegraph, ein schönes Stadthaus (einst Sitz der Stände von Flandern), vier Kirchen, ein Collège; Fabrikation von Hüten, Spitzen, seidenen und wollenen Strümpfen und starken Viehhandel. - C., das Castellum Morinorum der Römer, später Casselum, zeigt in der Umgebung noch Reste einer Römerstraße. In der Nähe siegte 1071 Robert der Friese über Philipp Ⅰ. von Frankreich, 1328 König Philipp Ⅵ. über die Flamländer. Am 11. April 1677 wurde hier Wilhelm von Oranien von den Franzosen geschlagen. C. ist Geburtsort Vandammes.

Cassel, David, Historiker, geb. 7. März 1818 zu Glogau, studierte in Breslau und Berlin, war 1846-79 Leiter der Dina-Nauenschen Erziehungsanstalt zu Berlin, daneben 1862-73 an der dortigen israel. Lehrerbildungsanstalt, wurde 1872 Docent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, wo er 23. Jan. 1893 starb. C. schrieb: «Leitfaden für den Unterricht in der jüd. Geschichte und Litteratur» (8. Aufl., Frankf. a. M. 1890), «Geschichte der jüd. Litteratur» (2 Bde., Berl. 1872-73) und «Lehrbuch der jüd. Geschichte und Litteratur» (Lpz. 1879) und gab ältere Werke der jüd. Litteratur heraus, so das Buch «Kusari» des Juda ha-Levi (mit deutscher Übersetzung und deutschem Kommentar; 2. Aufl., Lpz. 1869) und das Buch Meor Enajim des de Rossi (s. d.).

Cassel, Paulus Stephanus, früher Selig, evang. Theolog und Schriftsteller, geb. 27. Febr. 1821 in Großglogau, jüd. Abkunft, wurde, nachdem er in Berlin studiert hatte, Rabbiner, redigierte 1850-56 die «Erfurter Zeitung», ließ sich 1855 taufen, war bis 1859 Bibliothekar an der königl. Bibliothek in Erfurt und lebte dann in Berlin und Friedenau, wo er zuerst Gymnasialoberlehrer und seit

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]