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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cassius Dio - Castel (bei Saarburg)

dessen er einen Triumph über die Herniker feierte, stellte er beim Volke den Antrag, das Gemeindeland, dessen Nutznießung bisher ausschließlich die Patricier, höchstens auch einige reichere Plebejer besaßen, teils zu Gunsten der Staatskasse zu verpachten, teils an die ärmern Bürger Roms und der Latinischen Bundesgenossenschaft zu verteilen. Einmütig erhob sich der Adel gegen diese Neuerung; es gelang demselben auch, das niedere Volk gegen den Antragsteller aufzuwiegeln; so ward C. des Hochverrats und des Strebens nach der Königsherrschaft angeklagt und hingerichtet. - Vgl. Mommsen, Röm. Forschungen, Bd. 2 (Berl. 1879).

Cassius Dio, griech. Historiker, s. Dio Cassius.

Cassĭus' Goldpurpur, s. Goldpurpur.

Cassivellaunus, ein kelt. Fürst in Britannien, der die Cassier im N. der Themse beherrschte und bei dem zweiten britannischen Feldzuge Julius Cäsars 54 v. Chr. den Römern lange tapfern Widerstand leistete und sich zuletzt zu nomineller Unterwerfung verstand.

Cassu, s. Katechu.

Cast (engl.), in der Metallurgie: gießen und als Participium: gegossen; Cast-iron (spr. eirn), Gußeisen; Cast-steel (spr. stihl), Gußstahl; Cast-work, Gußwerk.

Castagné (spr. -anjeh), Gemeinde, s. Caldonazo.

Castagnetten (ital., spr. -anjetten), kleine Klappern, bestehend aus zwei Holzstückchen von der Gestalt halber Kastanienschalen, die durch ein Band verbunden sind, das man um den Daumen wickelt. Indem man die übrigen Finger schnell an ihnen abgleiten läßt, entsteht ein tremolierender Ton, besonders zur Markierung des Rhythmus beim Tanze geeignet. Etwas Ähnliches war das Krotalon (s. d.) der Alten. Die C. stammen wahrscheinlich aus dem Orient, wo sie als Nakkâra beim Tanzen sehr beliebt sind, und kamen durch die Mauren nach Spanien, wo sie den Namen Castañetas und Castañuelas wegen ihrer Ähnlichkeit mit Kastanien erhielten. Besonders häufig sind sie in Spanien, in Südfrankreich und Süditalien, namentlich sind sie für span. und neapolit. Tänze (Bolero, Tarantella) bezeichnend. Meister im «Schlagen» der C. sind die Andalusier.

Castagno (spr. -ánjo), Andrea del, ital. Maler, geb. 1390 in Mugello bei Florenz, gest. 19. Aug. 1457 in Florenz, schließt sich in der Formgebung und Modellierung an Masaccio an. Er ist breit und wuchtig in der Zeichnung, streng, ja derb im Gesichtsausdruck, aber von großer Phantasie und geschickt in der Perspektive. Sein bestes Werk: Die Hinrichtung der gegen die Mediceer verschworenen Adligen, ist nicht mehr vorhanden; dagegen ein Abendmahlsbild in Fresko in Sta. Appollonia, das Reiterbildnis des Niccolò da Tolentino im Dom, die Kolossalfiguren berühmter Männer aus der Villa Pandolfini zu Leguaja im Bargello zu Florenz. Die Erzählung Vasaris, daß C., von dem Maler Domenico Veneziano in den Besitz des Geheimnisses der damals in Italien noch selten geübten Öltechnik gesetzt, denselben ermordet habe, um die Kunst allein zu verstehen, ist erfunden.

Castaldi, Pamfilo, ital. Buchdrucker und Arzt, geb. in Feltre, war nach einer ziemlich späten Überlieferung dort bald nach 1456 mit Druckversuchen beschäftigt und ebenso nach 1463 in Capodistria, wo er als Arzt angestellt war. Anfang 1472 wird er als Drucker in Mailand erwähnt, siedelte damals aber nach Venedig über, wo er noch 1474 (27. April) am Leben war. Er gilt manchen Italienern als Erfinder der Buchdruckerkunst und erhielt 1868 als solcher sogar ein Denkmal in seiner Vaterstadt. - Vgl. Fumagalli, La questione di Pamfilo C. (Mail. 1891). ^[Spaltenwechsel]

Castalĭo, s. Castellio, Sebastian.

Castalla (spr. -allja), Stadt in der span. Provinz Alicante, 22 km im NW. von Jijona am Abhange eines kegelförmigen Berges, in 672 m Höhe und am Flusse C. (Monnegre), der zwischen Alicante und Villajoyosa in das Mittelländische Meer mündet, in dem fruchtbaren, Hoya de C. genannten Becken gelegen, hat (1887) 4127 E., Post, Telegraph, ein maur. Schloß, Leinwandweberei und Brennerei.

Castanĕa, s. Edelkastanie.

Castaños (spr. -ánjos), Don Francisco Xaver de, Herzog von Baylén, span. General, geb. 22. April 1756, aus einer vornehmen Familie in Biscaya, erhielt in Preußen seine militär. Ausbildung. Nach Spanien zurückgekehrt, stieg er im Heere bis zum Obersten, diente mit Auszeichnung 1794 in der Armee von Navarra unter Caro, wurde 1796 General, nachher aber mit mehrern andern Offizieren aus Madrid verbannt. Bald wieder angestellt, war er 1802 Kommandant von Gibraltar. Bei der Erhebung gegen die Franzosen 1808 befehligte er die Armeen von Andalusien, zwang den franz. General Dupont de l' Etang zur Kapitulation von Baylén (s. d.) 22. Juli, wurde aber im November bei Tudela geschlagen, worauf er einige Jahre außer Dienst war. Erst 1811 wurde er wieder an die Spitze einer span. Armee berufen, die er unter Wellingtons Oberbefehl besonders in der Schlacht bei Vittoria ruhmvoll führte. Nach Ferdinands Ⅶ. Rückkehr wurde er Generalkapitän von Catalonien, befehligte 1815 das zum Einrücken in Frankreich bestimmte Heer, legte aber 1816 seine Stelle nieder. 1823 wurde er wieder zum Generalkapitän ernannt und 1825 in den Staatsrat berufen, wo er das System der Mäßigung gegen die Karlisten unterstützte. Später ward er Präsident des Rats von Castilien und 1833 zum Herzog von Baylén erhoben. Nach Ferdinands Ⅶ. Tode widersetzte er sich dem Minister Zea-Bermudez in betreff der Successionsbestimmungen. Er lebte seitdem vom Hofe entfernt, bis er nach Esparteros Sturze 1843 an Arguelles' Stelle zum Vormund der Königin Isabella erwählt wurde. 1845 ward er Senator; doch übte er seines hohen Alters wegen keinen polit. Einfluß mehr aus. Er starb 24. Sept. 1852.

Castanospérmum Cunn., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen. Es ist bis jetzt nur eine in Australien vorkommende Art bekannt, das C. australe Cunn., der australische Kastanienbaum, ein ziemlich hoher Baum mit unpaarig-gefiederten lederartigen Blättern und großen gelben, in Trauben stehenden Blüten. Die in langen holzig-lederartigen Hülsen steckenden Samen sind ziemlich groß und werden geröstet vielfach in Australien gegessen; sie schmecken ähnlich wie Kastanien.

Castel oder Kastel, Dorf im Kreis Saarburg des preuß. Reg.-Bez. Trier, auf einer hohen Bergplatte, die von der Saar steil aufsteigt, hat (1890) etwa 300 E., eine kath. Pfarrkirche und auf einem vorspringenden Felsen eine alte Kapelle, in der König Friedrich Wilhelm Ⅳ. als Kronprinz 1838 die Gebeine des 1346 bei Crécy gefallenen Königs Johann von Böhmen in einem schwarzen Marmorsarkophag beisetzen ließ.