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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cerumen - Cervantes Saavedra

Kartäusermönchen bezogen. Eingeweiht wurde die C. 3.Mai 1497, doch dauerte der Bau bis 1542 und im 17. Jahrh. wurden noch einige Anbauten gemacht. 1782 hob Kaiser Joseph II. das Kloster auf; 1843 wurde es den Mönchen wieder übergeben, ist aber jetzt ganz aufgehoben und das Gebäude zum Nationaleigentum geworden. Die Kirche, in Form eines dreischiffigen lat. Kreuzes erbaut, ist 77 m lang und 54 m breit; an der rechten Seite befinden sich sieben, an der linken sechs Kapellen, zwei an den Enden des Querschiffs, eine größere mit dem Hauptaltar am obern Ende des Hauptschiffs, während eine großartige Kuppel sich auf 10 schlanken Pfeilern über dem Centrum des Kreuzes wölbt. Die prachtvolle Façade, deren Entwurf von Ambrogio Borgognone (da Fossano) aus dem J. 1473 stammt, gehört zu den glänzendsten Werken der Frührenaissance. Ganz in weißem Marmor ausgeführt, ist sie überreich mit Skulpturen geschmückt; so zieren schon den Sockel Reliefs und Medaillons und sind die Mittelstützen der Fenster als reiche Kandelaber gestaltet. Dazu kommen in den Nischen zahlreiche Statuen (s. Tafel: Italienische Kunst II, Fig. 6). Denselben Überreichtum an Bildwerken, die sich alle durch Zartheit und sinnvolle Anmut auszeichnen, gewähren auch verschiedene Monumente im Innern der Kirche. Unter den Bildhauern, die für die Ausschmückung der C. wirkten, befinden sich auch Andrea Fusina und Antonio Amadeo, der im Verein mit Giacomo della Porta und andern das Grabmal des Stifters nach dem Entwürfe von Galeazzo Pellegrini (1490) ausführte. Ferner enthält die C. die Grabmäler des Lodovico Moro und seiner Gemahlin Beatrice d'Este. Die Wände der Kapelle, in welcher der prachtvolle Hauptaltar (1510) steht, sind von Dan. Crespi 1630 mit Fresken geschmückt. In der neuen Sakristei befindet sich eine Himmelfahrt Mariä von Andrea Solario, in einer der Kapellen die Kreuzigung Christi von Ambrogio Borgognone (1490). Von Bedeutung sind ferner die Klosterräume; der große Kreuzgang mißt 125 und 102 m; seine 128 Arkaden (23 zu 48) ruhen auf Marmorsäulen; an den drei Seiten liegen die 24 Zellenhäuschen, je mit drei Zimmern und einem Gärtchen. Vgl. Die C. bei Pavia (20 photograph. Originalaufnahmen von A. Noack in Genua, Lpz. 1882). - 2) C. di Val d'Ema, ungefähr 4 km südlich von Florenz, 1341 von Niccolò Acciajuoli gegründet, enthält die prachtvollen Grabmäler der Familie Acciajuoli (s. d.), darunter das des Stifters Niccolò von Orcagna (1366), und im Kapitelsaal eine treffliche Freske: Christus am Kreuz (1505) von M. Albertinelli.

Cerūmen (neulat.), Ohrenschmalz; ceruminös, voll Ohrenschmalz, diesem ähnlich.

Cerussa, s. Bleiweiß.

Cerussīt, s. Weißbleierz.

Cerutti (spr. tsche-), Giuseppe Antonio Gioachimo, franz. Schriftsteller, geb. 13. Juni 1738 zu Turin, war Professor am Jesuitenkollegium zu Lyon. Als Anhänger der Revolution gab er in Paris die einflußreiche gemäßigte Wochenschrift "La feuille villageoise" und verschiedene Broschüren heraus. Nach dem Tode seines Gesinnungsgenossen Mirabeau trat er in die Legislative und starb 2. Febr. 1792. Bekannt ist seine "Apologie de l'institut et de la doctrine des Jésuites" (Par. 1762; neue Ausg. 1846). Seine "Œuvres diverses" (3 Bde.) erschienen zu Paris 1793.

Cervant., Abkürzung bei Pflanzennamen, bedeutet Vicente Cervantes, Professor der Botanik zu Mexiko, gest. daselbst 26. Juli 1829; er schrieb über mexik. Pflanzen, besonders über die Stammpflanzen des Kautschuks.

Cervantes Saavēdra, Miguel de, einer der größten span. Dichter, wurde wahrscheinlich 9. Okt. 1547 zu Alcala de Henares geboren. Seine Eltern, Rodrigo de C. (gest. 1579) und Leonor de Cortinas, gehörten dem kleinen Adel an und lebten in beschränkten Verhältnissen. Die Familie siedelte bald nach Madrid über. 1568 veröffentlichte dort der Humanist Lopez de Hoyos einen Band Epicedien auf den Tod der Königin Elisabeth, an denen sein Schüler Miguel de C. mit sechs kleinen Gedichten beteiligt war; im selben Jahre wurde dieser wegen eines Streithandels ausgewiesen. 1569 begleitete er den spätern Kardinal Aquaviva als Kämmerling nach Italien, 1570 befand er sich auf der Flotte, die Nikosia entsetzen sollte, 1571 als freiwilliger Gemeiner an Bord der Marquesa in der Seeschlacht von Lepanto. Schwere Verwundungen, deren eine ihm die linke Hand verstümmelte und den Arm lähmte, hielten ihn nicht ab, Don Juan 1572 vor Tunis, 1573 vor Goleta und 1574 bei dem Zug nach Genua zu folgen, bis er sich Ende 1575 wieder nach Spanien einschiffte. Die Galeere wurde von einem algier. Kreuzer nach hartnäckigem Widerstand genommen; den Empfehlungsschreiben Don Juans und des Herzogs von Sessa, die C. bei sich führte, verdankte er die Erhaltung seines Lebens; zugleich aber knüpfte sich daran die Forderung eines unmäßigen Lösegeldes. Eine erste, zu geringe Summe, welche die Familie aufbrachte, diente zur Befreiung seines Bruders Rodrigo, während er selbst mit außerordentlicher Kühnheit und Beharrlichkeit Pläne zur Flucht, ja zur Überrumpelung der Stadt ins Werk zu setzen versuchte. Erst am 19. Sept. 1580 gelang die Auslösung. C. diente nun in Portugal und gegen die Azoren, fand dann zeitweilige Verwendung in Rentengeschäften des Ritterordens von Santiago. Derartige Kommissionen schafften ihm von da ab seinen Lebensunterhalt neben seiner litterar. Thätigkeit. Diese eröffnete er jetzt mit dem Schäferroman "Galatea", der Febr. 1584 die Druckerlaubnis erhielt, 1585 erschien. C. begann in einem Alter zu schreiben, in dem die früh entwickelten südl. Talente meist schon auf ihrem Höhepunkt stehen. Wo er sich gegebenen Mustern anschließt, hemmt ihm der Mangel an Technik die Freiheit der Bewegung und er bleibt hinter dem zurück, was wir, auch in einer seinem Wesen nicht entsprechenden Form, von seiner Begabung und Erfahrungsfülle erwarten könnten. Sein Schäferroman zeigt alle Mängel der Stilgattung und entschädigt kaum in Einzelheiten den heutigen Leser. Die der Vermutung nach darin gefeierte Hirtin Catalina de Palacios (gest. 1626) war 12. Dez. 1584 seine Gattin geworden. Von Esquivias, ihrem Heimatsort, wandte C. sich bald nach Madrid und brachte dort, nicht ohne Beifall, eine Reihe von Schauspielen zur Aufführung, von denen "Los tratos de Argel" und die bedeutende "Numancia" erhalten, von sieben weitern nur die Titel bekannt sind, der Rest spurlos verschwunden ist. Das alles überglänzende Auftreten Lopes de Vega ließ ihn die Feder niederlegen, zumal nun auch die Sorge für Mutter und Schwestern auf ihm lag. 1588-93 diente er in Sevilla als Kommissar unter den Proveedoren der ind. Flotte,

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]