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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Chamillart; Chamisso; Chamois; Chamoisīt; Chamomilla; Chamonix

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Chamillart - Chamonix

Erfolg Marryats in der Darstellung des Seelebens veranlaßte C., sich auf demselben Gebiete zu versuchen. Er that dies nicht ohne Glück, obgleich er den Humor seines Vorbildes nicht besaß. Seine besten Romane sind: "Ben Brace, the last of Nelson’s Agamemnons" (3 Bde., Lond. 1836 u. ö.) und "The Arethusa" (3 Bde., ebd. 1837). Er veröffentlichte noch die Romane: "Life of a sailor" (3 Bde., ebd. 1832), "Jack Adams" (3 Bde., ebd. 1838), "Tom Bowline" (3 Bde., ebd. 1839), "Trevor Hastings" (3 Bde., ebd. 1841), "Passion and principle" (3 Bde., ebd. 1842), "The perils of beauty" (3 Bde., ebd. 1843), "Count Königsmark" (3 Bde., ebd. 1845) u. a., und besorgte eine neue, bis zur Schlacht von Navarino geführte Ausgabe von James’ "Naval history of Great Britain" (6 Bde., ebd. 1837 u. 1861). Als Augenzeuge der Pariser Februartage schrieb C. "Review of the French Revolution of 1848" (ebd. 1849), später "My travels, or an unsentimental journey through France, Switzerland and Italy" (3 Bde., ebd. 1855).

Chamillart (spr. schamijahr), Michel de, franz. Minister, geb. 1651, gest. 1721, wurde 1699 von Ludwig XIV. zum Finanzminister, 1701 auch zum Kriegsminister ernannt; er paßte in das eine Amt so wenig wie in das andere, stand den gewaltigen zweifachen Aufgaben des drängenden Spanischen Erbfolgekrieges" hilflos gegenüber und führte den Staatshaushalt weiter abwärts. 1708 erhielt er seine Entlassung. - Vgl. von Noorden, Europ. Geschichte im 18. Jahrh., 3. Bd. (Lpz. 1882); Esnault, Michel de C. Correspondance et papiers inédits (2 Bde., Par. 1884).

Chamisso (spr. scha-), Adelbert von, eigentlich Louis Charles Adelaide de C. de Boncourt, deutscher Lyriker, auch als Naturforscher bekannt, geb. 30. (oder 27.) Jan. 1781 auf Schloß Boncourt in der Champagne, wanderte infolge der Revolution 1790 mit seinen Eltern nach Deutschland aus, wurde 1796 Page bei der Gemahlin Friedrich Wilhelms II. von Preußen, 1798 Fähnrich und 1801 Lieutenant in einem Berliner Regiment. Als seine Eltern nach Frankreich zurückkehrten, blieb C. in Berlin. Mit Varnhagen, Hitzig u. a. gab er hier einen "Musenalmanach" (3 Jahrg., 1804-6; Neudruck des Jahrg. 1806, hg. v. Geiger, Berl. 1889) heraus. 1805 machte er den Weserfeldzug mit, wurde in Hameln gefangen, nahm 1808 seine Entlassung aus dem preuß. Heer und lebte dann in Berlin, bis er 1810 als Professor nach Napoléonville berufen wurde. Als sich diese Aussicht zerschlug, ging er mit Frau von Staël nach Genf und Coppet, wo er naturhistor. und mediz. Studien begann. Er setzte diese seit dem Herbst 1812 in Berlin fort und begleitete 1815-18 Otto von Kotzebue auf der von Graf Romanzow veranstalteten Reise um die Welt. Nach der Rückkehr erhielt er in Berlin eine Anstellung als Adjunkt am Botanischen Garten, wurde dann Vorsteher der königl. Herbarien und 1835 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Mit Schwab und Gaudy leitete er seit 1832 den "Deutschen Musenalmanach", ein milder Helfer junger Talente. Er starb 21. Aug. 1838. In Berlin wurde ihm 1888 auf dem Monbijouplatz ein Denkmal gesetzt. Als Naturforscher lieferte C. schätzbare Beiträge zur Völker- und Länderkunde in seinen "Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise unter Kotzebue" (3. Bd. von Kotzebues "Entdeckungsreise", Weim. 1821) und in dem Tagebuch seiner "Reise um die Welt", ferner botan. Arbeiten, wie die "Übersicht der nutzbarsten und schädlichsten Gewächse, welche wild oder angebaut in Norddeutschland vorkommen" (Berl. 1827). Seine letzte wissenschaftliche Schrift handelt "Über die hawaiische Sprache" (Lpz. 1837), ein Zeugnis seiner außerordentlichen Begabung für fremde Sprachen. Höher steht er als Dichter. Sein herbes Lebensschicksal, das ihm früh Heimat und Muttersprache raubte, seine edle aber spröde Natur prägt sich in seinen Schöpfungen aus, nicht zum wenigsten in dem originellen Märchen "Peter Schlemihl", das zuerst 1814 im Druck erschien, in verschiedene Sprachen übersetzt (ins Französische durch C. selbst, Par. 1838) und durch Cruikshank geistvoll illustriert wurde. Auch durch viele seiner Gedichte, Balladen und Romanzen geht ein düsterer und schmerzlicher Zug. Wie ganz er aber Deutscher geworden, lehren seine tiefen und innigen, auch formell hochstehenden Lieder ("Frauen-Liebe und -Leben", von Schumann komponiert, "Die alte Waschfrau", "Schloß Boncourt" u. a.). Seine Lieblingsform war die Terzine, in der er seine berühmte Romanze "Salas y Gomez" schrieb. Die "Gedichte" erschienen zuerst 1831 in Leipzig (23. Aufl., Berl. 1886; illustrierte Ausgabe ebd. 1874); zwei Liedercyklen hat K. Thumann illustriert: "Frauen-Liebe und -Leben" (20. Aufl., Lpz. 1891) und "Lebens-Lieder und -Bilder" (8. Aufl., ebd. 1888). C.s "Werke" (hg. von Hitzig, 6 Bde., ebd. 1836-39; 6. Aufl., Berl. 1874) enthalten zugleich seine Biographie und seine Briefe. Neuere Ausgaben besorgten H. Kurz (1869), Hesekiel (1879), Max Koch (1882), R. Böttcher (1890). - Vgl. Fulda, C. und seine Zeit (Lpz. 1881); G. Hofmeister, A. von C. (Berl. 1884); E. du Bois-Reymond, A. von C. als Naturforscher (Lpz. 1889); Varnhagen, Briefe von C. u. a., Bd. 1 (ebd. 1867).

Chamois (frz., spr. schamǒá), Gemse; gemsenfarbig, gelbbraun, sämisch.

Chamoisīt, s. Chamosit.

Chamomilla, Kamille, s. Matricaria.

Chamonix (spr. schammonnih) oder Chamouny. 1) Hochthal der Landschaft Faucigny im franz. Depart. Haute-Savoie, bewässert von der Arve (s. d.), ist vom Col de Balme (s. d.) bis zur Arveschlucht unterhalb Les Ouches ungefähr 24 km lang, durchschnittlich 2 km breit und hat die Richtung von NO. nach SW. Rechts von den schroffen Felswänden der Kette der Aiguilles Rouges und des Brévent, links von den steilen Nadeln und den Firnkuppen des Montblanc-Massivs eingeschlossen, ist C. eins der großartigsten Thäler der Alpen. Die ausgezeichnetsten Punkte sind auf der rechten Thalseite die Flegère (1806 m) und der Mont-Brévent (2525 m), welche neben dem Col de Balme die lohnendste Aussicht auf das Thal und die Riesenkette des Montblanc gewähren; auf der linken Seite die Gletscher du Tour, d’Argentière, des Bossons und du Bois, letzterer mit dem aussichtsreichen Montanvert, der Mer de Glace und der Quelle des Arveyron (s. d.). Früher gemieden und mit seiner Umgebung unter dem Namen Les Monts Maudits verrufen, nur hier und da von den Bischöfen von Genf besucht, wurde das Thal, seit 1741 die Engländer Wyndham und Pococke die landschaftliche Schönheit desselben kennen lernten, immer häufiger bereist und wird jetzt alljährlich von Tausenden von Touristen besucht. Topographisch und naturhistorisch untersucht wurde es namentlich von Saussure

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