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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Charpentier; Charpie; Charpiewatte; Charput

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Charpentier (Joh. Friedr. Wilh. Toussaint von) - Charput

richt, trat dann zu Paris bei einem Kupferstecher in die Lehre und erfand mit Hilfe der Mechanik, die er ebenfalls eifrig trieb, die getuschte Manier im Kupferätzen. Er verkaufte dieses Geheimnis dem Grafen Caylus, und die Französische Akademie sprach ihm zugleich die Priorität der Erfindung gegen den Schweden Floding zu. Die ältesten Blätter der Tuschmanier, die C. selbst ausgeführt, sind: Perseus und Andromeda nach Vanloo; die Enthauptung des heil. Johannes nach Guercino; eine Spinnerin; ein Schäfer; eine Bettlerin; das ital. Konzert; das Kinderbacchanal nach Jan de Witt u. s. w. Der Hof verlieh ihm den Titel eines königl. Mechanikers und ließ ihm eine Werkstätte einrichten, wo er eine zum allgemeinen Gebrauch gelangte Feuerspritze, mehrere wichtige Maschinen in Bezug auf die Herstellung von Feuerwaffen, eine neue Art von Signallaternen auf Leuchttürmen u. s. w. erfand. Während der Revolution erfand er eine Maschine, die sechs Flintenläufe zugleich bohrte, desgleichen eine Metallschneidemaschine, und erhielt dafür von der Direktorialregierung 24000 Frs. nebst der Oberleitung des Atelier de Perfectionnement. Er starb in Armut 22. Juli 1817 zu Blois.

Charpentier (spr. scharpantĭeh), Joh. Friedr. Wilh. Toussaint von, Berg- und Hüttenmann, geb. 24. Juni 1738 zu Dresden, studierte in Leipzig die Rechte und Mathematik, wurde 1767 Lehrer der Mathematik an der Bergakademie zu Freiberg, 1773 Bergkommissionsrat und Oberbergamtsassessor und 1784 Direktor des Alaunwerks zu Schwemsal im jetzigen preuß. Reg.-Bez. Merseburg. Im folgenden Jahre ging er nach Ungarn, um die neue Amalgamiermethode zu prüfen, und erhielt nach seiner Rückkehr den Auftrag, den Bau des großen Amalgamierwerks zu Freiberg nach seinem Plane zu leiten. Kaiser Joseph erhob ihn 1791 in den Reichsadelstand; 1800 wurde er Vice-, 1801 wirklicher Berghauptmann und starb 27. Juli 1805 zu Freiberg. C. hat sich um die wissenschaftliche Betreibung des Bergbaues sehr verdient gemacht und förderte eifrig die geognost. Untersuchung des Landes. Neben seiner «Mineralog. Geographie der kursächs. Lande» (Lpz. 1778) verdienen die «Beobachtungen über die Lagerstätte der Erze» (ebd. 1799) und die «Beiträge zur geognost. Kenntnis des Riesengebirges» (ebd. 1804) Erwähnung.

Charpentier (spr. scharpangtĭeh), Marc Antoine, franz. Komponist, geb. 1634 zu Paris, ging 1649 als Maler nach Rom und wurde dort durch Carissimi für die Tonkunst gewonnen. Durch diesen gründlich gebildet, kehrte er nach Paris zurück, bekleidete verschiedene Kapellmeisterstellen und starb im März 1702. Er schrieb außer Kirchenwerken 15 Opern und einige «Tragédies spirituelles» für das Jesuitenstift, konnte aber trotz überlegener allgemeiner Bildung auf der Bühne gegen Lully, dessen bedeutendster Gegner er war, nicht aufkommen.

Charpentier (spr. scharpangtĭeh), Toussaint von, Berg- und Hüttenmann und Entomolog, Sohn von Joh. Friedr. Wilh. Toussaint von C., geb. 22. Nov. 1779 zu Freiberg, besuchte die Bergakademie daselbst, studierte dann seit 1797 zu Leipzig die Rechte und ging 1802 als Bergsekretär nach Preußen, wo er 1810 Oberbergrat in Schlesien wurde. 1828 Viceberghauptmann von Schlesien, 1830 Berghauptmann und Direktor des westfäl. Bergamts in Dortmund, kehrte er 1835 als Berghauptmann nach Schlesien zurück. Er starb 4. März 1847 zu Brieg. Außer mehrern Schriften geognost. und bergwissenschaftlichen Inhalts lieferte er auch schätzbare Arbeiten über Entomologie. Dahin gehören besonders: «Horae entomologicae» (Bresl. 1825), «Libellulinae Europaeae» (Lpz. 1840) und «Orthoptera» (10 Hefte, ebd. 1841‒43). Auch machte er sich durch eine neue Ausgabe von Espers Werken: «Die europ. Schmetterlinge» (5 Tle. in 6 Bdn. nebst Suppl., Erlangen 1829‒39) und «Die ausländischen Schmetterlinge» (16 Hefte, ebd. 1830) verdient.

Charpentier, G., & E. Fasquelle (spr. scharpangtĭeh, faßkéll), franz. Verlagsbuchhandlung, gegründet von Gervais Charpentier, geb. 2. Juli 1805, der 1838 ein bequemes engl. Format in Oktodez (nach ihm «Format Charpentier» genannt) in den franz. Buchhandel einführte und in demselben in wenig Jahren eine Bibliothek («Bibliothèque Charpentier») von 400 Bänden herausgab. Er begründete und redigierte auch das «Magazin de librairie», aus dem später die «Revue nationale» hervorging, und schrieb mehrere buchhändlerische Schriften. Nach seinem Tode (14. Juli 1871) übernahm das Geschäft sein Sohn Georges Charpentier, geb. 1846 in Paris, der ein Vaudeville «La Folie persécutrice» (Par. 1870) schrieb, und dem 1890 E. Fasquelle als Teilhaber beitrat. Die «Bibliothèque Charpentier» umfaßte im März 1892 977 Bände (zu 3 Frs. 50 Cent.), enthaltend franz. und ausländische Klassiker (letztere in franz. Übersetzung), Romane, nationalökonomische Werke, Memoiren, Reisen u. s. w.; neuerdings sind darin auch die Werke Zolas und seiner Schule vertreten. Daneben bestehen eine «Petite Bibliothèque Charpentier» in Zweiunddreißigstelformat (67 Bde. zu 4 Frs.), eine «Nouvelle Collection» mit moralischer Tendenz (11 Bde.), außerdem illustrierte Ausgaben der Werke von Chenier, Daudet, Musset u. a.

Charpie (frz.), Scharpie, Carbasa, Linteum carptum, die durch Zerrupfen der Leinwand gewonnenen Fäden, welche früher als Verbandmittel bei Wunden, Geschwüren, Eiterungen u. s. w. angewendet wurden. Gegenwärtig ist die Anwendung der C. gänzlich verlassen worden, da dieselbe gewöhnlich Infektionsstoffe enthält und dadurch Veranlassung zum Auftreten von Wundinfektionskrankheiten und Wundfieber geben kann; man bedient sich deshalb an ihrer Stelle lieber der gereinigten, durch Kochen in Alkalien entfetteten Baumwolle (Charpiewatte, Bruns’ Verbandwatte), der sog. englischen C. (Lint), eines gewebten filzigen Baumwollstoffs, ferner locker gewebter Baumwollzeuge (sog. Verbandmull oder hydrophiler Verbandstoff), der Holzwolle, der Jute u. s. w. Alle diese modernen Verbandstoffe können mit antiseptischen Mitteln, z. B. mit Jodoform, Sublimat u. s. w., imprägniert werden oder aber sie werden durch heißen Wasserdampf von 100° C. sterilisiert, d. h. die in ihnen enthaltenen schädlichen Mikroorganismen (Pilze) werden auf diese Weise abgetötet. Über ihre Anwendungsweise s. Wunde.

Charpiewatte, s. Charpie.

Charput, Hauptstadt des türk.-asiat. Mutessariflik Mamuret-ül-Aziz in Kurdistan, 30 km im NNO der Tigrisquelle und 8 km im S. vom Murad-su, dem südl. Hauptarm des Euphrat, auf einer Hochebene mit vorzüglichem Weinbau, Leinsamen- und Baumwollkultur, hat 30‒35000 E., eine amerik. Missionsstation, eine uralte Kirche und ein Jakobitenkloster mit merkwürdigen Bibelhandschriften.

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]