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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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China (Unterrichtswesen)

kommen waren. 1552 kam der berühmte Jesuit Franciscus Xaverius nach C., starb aber bald danach, ohne selbst den ersten Grund zu der christl. Mission gelegt zu haben. Ihm folgten 1579 M. Ruggiero und bald nachher M. Ricci, ebenfalls der Gesellschaft Jesu angehörend, als eigentliche Gründer des röm.-kath. Christentums in C., sowie bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrh. viele andere Jesuiten, unter ihnen viele durch Gelehrsamkeit ausgezeichnete Männer, die durch zahlreiche Schriften Land und Volk, Sprache und Litteratur der Chinesen in Europa zuerst näher bekannt machten. Die große Klugheit in ihrem Auftreten, die Gewandtheit, mit der sie den christl. Begriff von Gott der Anschauung der Chinesen von der Gottheit anzupassen verstanden, ihre Duldsamkeit gegen altherkömmliche Gebräuche, z. B. gegen die göttliche Verehrung der Vorfahren und des Confucius, die Pracht des in seiner äußern Form dem Buddhismus ähnlichen röm.-kath. Kultus verschafften dem Christentum zunehmende Verbreitung unter dem Volke, während eine Anzahl Missionare sich in Peking und selbst an dem Hofe des Kaisers durch ihr mathem. und astron. Wissen, ihre Kenntnisse in der Mechanik und, wie z. B. Vater Schall aus Köln, durch Geschicklichkeit in der Stückgießerei großes Ansehen erlangten. Diese Erfolge der Jesuiten erregten die Eifersucht anderer geistlicher Orden, namentlich der Franziskaner und Dominikaner. Sie traten bei Papst Clemens XI. als Kläger gegen die Jesuiten auf, und dieser sandte den Legaten Tournon nach C., um die Handlungsweise der Jesuiten zu untersuchen, den chines. Christen aber alle Teilnahme an den einheimischen, altherkömmlichen Ceremonien zu untersagen. Der Kaiser Schöng-tsu nahm sich der Jesuiten an und verbannte alle andern Missionare sowie auch Tournon. Die Sendung eines zweiten Legaten, des Patriarchen Mezzabarba, 1720 war ebenfalls erfolglos. Jung-tschöng, der Nachfolger von Schöng-tsu erklärte sich gegen das Missionswesen überhaupt, und von nun an trat eine fast ununterbrochene Verfolgung des Christentums ein. Fast vollständig vernichtet ward die kath. Mission, als 1805 eine Karte der Provinz Schan-tung, die man zur Schlichtung eines bischöfl. Streites nach Rom schicken wollte, von den chines. Behörden mit Beschlag belegt wurde. 1814 wurde der Bischof Dufresne enthauptet. Nachteilig auf das Missionswesen, das aller Verfolgungen ungeachtet im geheimen fortbestand, wirkte auch der erste Krieg der Engländer (1840-42) ein, bis durch die Verträge von Tien-tsin vom 26. und 27. Juni 1858 sowie die nachträgliche Konvention zu Peking vom 24. und 25. Okt. 1860 den Angehörigen christl. Glaubensgenossenschaften Sicherheit der Person und des Eigentums sowie freie Ausübung ihrer Religion, den in das Innere reisenden Missionaren, wenn sie mit Pässen versehen, wirksamer Schutz zugesichert wurde; auch sollte der Übertritt und die Ausübung der christl. Religion erlaubt und straflos sein. Ungeachtet dieser Bestimmungen gab der Haß der Bevölkerung gegen die Europäer und die Erbitterung der Gelehrten, besonders der Verehrer von Confucius, gegen die Missionare auch noch später Veranlassung zu blutigen Auftritten. 1870 wurden franz. Missionare und chines. Christen zu Tu-sang in der Provinz Sze-tschwan und 21. Juni desselben Jahres zu Tien-tsin 28 europ. und 40 chines. Katholiken ermordet. Die Schätzung der Gesamtzahl der kath. Chinesen schwankt zwischen einer halbe und zwei Millionen. Christl. Gemeinden bestehen in den Provinzen Sze-tschwan, Kiang-nan und Fu-kien. Ende der sechziger Jahre gab es apostolische Vikare in den Provinzen Fu-kien, Schan-tung, Jün-nan, Kwei-tschou, drei in Sze-tschwan, drei in Pe-tschi-li, je einen in Kiang-nan, Ho-nan, Kiang-si, Tsche-kiang, Hu-nan, Hu-pe, Schen-si, Schan-si und einen apostolischen Präfekten für Kwang-tung, Kwang-si und Haí-nan. In Fu-kien sind span. Dominikaner, in Schan-tung ital. Franziskaner, dergleichen in Hu-nan, Hu-pe, Schen-si und Schan-si, in Jün-nan, Kwei-tschou, Sze-tschwan, Kwang-tung und Kwang-si Mitglieder der franz. Mission (Congrégation des Missions étrangères), in Kiang-nan und einem Teile von Pe-tschi-li Jesuiten, in Pe-tschi-li und Ho-nan Lazaristen. Damals zählte man mit Hongkong 158 europ., 169 einheimische Priester, 325000 Gemeindeglieder und 15 Seminare. Nach einer neuern Angabe sollen unter 41 Bischöfen 664 europ. und 559 eingeborene Priester stehen (1881). Ungleich jünger ist die evangelische Mission in C., die erst zu Anfang des 19. Jahrh. mit der Übersetzung der Heiligen Schrift begann, aber erst nach dem Frieden von Nan-king festen Fuß fassen konnte. Außer verschiedenen englischen und amerikanischen sind auch deutsche Gesellschaften daran beteiligt, und zwar letztere auch an der Bekehrung der Miao-tze. Können sich die prot. Missionen auch in der Anzahl der Bekehrten nicht mit den katholischen messen, so haben sie doch durch Verbreitung von Bildung im allgemeinen, durch Ärzte und Krankenhäuser und durch Beförderung unserer Kenntnis von Land, Sprache und Bevölkerung desto mehr gewirkt.

Der Islam verbreitete sich schon früh in C. Wenn auch die Sage, daß ein altes Grab in Kanton dasjenige eines Oheims Mohammeds sei, wohl auf Verwechselung beruht, so berichtet doch die chines. Geschichte über eine Plünderung Kantons durch Araber und Perser 758, und die arab. Berichte der Reisenden Suleiman und Ibn Wahb aus dem 9. Jahrh. lassen auf die Anwesenheit von Mohammedanern in großer Menge schließen. Mitte des 14. Jahrh. wurde die Kantoner Moschee umgebaut; der stehengebliebene Turm soll Mitte des 7. Jahrh. vorhanden gewesen sein. Mohammed. Gemeinden giebt es auch in Ning-po, Shang-hai, Nan-king, Kai-föng, Peking, namentlich aber in Schen-si, Kan-su und Jün-nan, sodaß man vor dem großen Aufstande der sechziger Jahre wohl 3-4 Mill. annehmen konnte. - Von Juden in C. im 9. Jahrh. reden die oben genannten arab. Berichte. W. Martin sah auf seiner Reise durch Kai-föng 1866 ein Denkmal mit der Zeitbestimmung Lung-hing (1163-65), welches die Erbauung eines jüd. Tempels berichtet. Die noch vorhandenen Nachkommen der alten jüd. Gemeinde konnten ihre Gesetzrollen nicht mehr lesen. Ihr letzter Rabbiner war 30-40 Jahre zuvor gestorben. Die ersten Juden sollen schon zur Zeit der Han eingewandert sein.

Unterrichtswesen. In jeder Provinz ist ein von dem Gouverneur derselben unabhängiger Generalstudiendirektor angestellt, unter dessen Ressort alle Lehranstalten der betreffenden Provinz mit ihrem Lehrer- und Schülerpersonal gehören. Dieser Lehranstalten hat jede Bezirks- oder Kreisstadt mindestens eine. Außer den Staatsschulen befinden sich allenthalben, selbst in kleinsten Flecken und Dörfern, entweder von der Gemeinde unterhaltene Volksschulen,

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