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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Christophanie - Christophorus (Christusträger)
Fürsten, namentlich auch Franz I. von Frankreich,
verwendeten sich für ihn, doch verlief der schwäb.
Bundestag im Dez. 1533 zu Augsburg noch erfolg-
los. Nach der glücklichen Rückführung Ulrichs in
sein Land begab sich (5. zmn Vater; allein Mischellig-
keiten mit diesem führten ihn bald in die Dienste
des Königs von Frankreich. Nach 8 Jahren rief
ibn Ulrich von dort zurück, übergab ihm die Statt-
halterschaft von Mömpelgard und vermählte ihn
15,44 mit der Prinzessin Anna Maria vonAnsbach.
Wegen der Teilnahme Ulrichs am Krieg der Schmal-
kaldener gegen den Kaiser erhob König Ferdinand
von neuem Anspruch auf Württemberg als ver-
wirktes österr. Afterlehen. Der Prozeß schwebte noch,
als Ulrich starb und C. sofort die Regierung antrat
(Nov. 1550). Erst durch den Passauer Vertrag 1552
erhielt C. gegen Anerkennung der Afterlehnsherr-
schaft Österreichs und Zahlung einer Vertragssumme
von 250000 II. das Land Württemberg für sich und
seine männlichen Erben. (5. war während des Fürsten-
aufstands gegen Karl V. neutral geblieben und daun
an die Spitze des Heidelberger Bundes süddentscher
und rbein. Fürsten beider Konfessionen (1553) ge-
treten, der zum Schutz der Mitglieder zunächst gegen
Markgraf Albrecht von Brandenburg errichtet
wurde. Obwohl C. 1551/52 das Trienter Konzil be-
schickte, führte er doch, feit den dreißiger Jahren für
das Evangelium gewonnen, nach dem Fall des In-
terims die württemb. Reformation endgültig durch,
wobei er, selbst von theol. Interessen erfüllt, eine
streng luth.Richtung (Dogmavon der Ubiquitäti 559)
einhielt. Dem entsprach auch seiue friedliche Ver-
mittelung gegenüber dem außerdeutschen Protestan-
tismus, besonders zu Gunsten der Hugenotten. Auch
ergriff er jede Gelegenheit, das Evangelium friedlich
auszubreiten, nicht nur in deutschen Gebieten, son-
dern auch in Italien (Vergerio), Polen, den südslaw.
Ländern (Primus Trüber). Als Landessürst hat C.
für das Rechtsleben durch fein "Landrecht" (1555),
für das Verfassungsleben durch seine Anerkennung
des Tübinger Vertrags und seine Regelung des
ständigen kontrollierenden Ausschusses der Land-
stände (1554), für Kirche und Unterricht durch die
Visitationsordnung (1553), die große Kirchenord-
nung (1559), die Klosterordnung (1556) bahnbre-
chend gewirkt. Die vormals kath. geistlichen Güter
vereinigte er zu einem "allgemeinen Kirchengut",
das zur Bestreitung kirchlicher und sonst "gottgefäl-
liger" Zwecke selbständig verwaltet wurde. Die evan-
gelisierten Klöster verwandelten sich in Unterrichts-
anstalten zur Ausbildung von Theologen. Auch die
vorhandenen Ansätze zur Volksschule wußte C. zu
entwickeln. Er starb 28. Dez. 1568. Auf dem Schloß-
platz in Stuttgart wurde 23. Juni 1889 sein Erz-
standbild (von Paul Müller) enthüllt. - Vgl. Psister,
Herzog C. zu Württemberg (2 Tle., Tüb. 1820);
Kugler, C., Herzog zu Württemberg (2 Bde., Stuttg.
1869-72); Briefwechsel zwischen C., Herzog von
Württemberg, und Petrus Paulus Vergerius. Hg.
von von Kausler und Schott (in der "Bibliothek des
Litterar. Vereins in Stuttgart", Bd. 124, 1875);
Wichert, Aus der Korrespondenz Herzog Albrechts
von Preußen mit dem Herzog C. von Württemberg
(Königsb. 1877).
Ehristophänie (grch.), Erscheinung Christi.
Ghristophe, Henri, Negerkönig von Haiti, geb.
6. Okt. 1767 auf Samt Christopher, einer der Kleinen
Antillen, kam schon in semer Jugend nach Haiti.
Bei dem dortigen Negeraufstande (s. Haiti) 1794
Mrtilel, die man mtter C vrr
trat er sogleich auf Seite der Schwarzen und zeich-
nete sich durch seine Kühnheit und Thatkraft aus.
Toussaint l'Ouverture (s. d.) machte ihn zum Bri-
gadegeneral und zum Gouverneur einer Provinz.
Unter C.s und Dessalines' (s. d.) Führung wurden
die Versuche der Franzosen, die Insel wiederzuer-
obcrn, zurückgeschlagen. Nach Dessalines' Tode
wurde C. Febr. 1807 zum Präsidenten der Republik
Haiti gewäblt, doch konnte er nicht hindern, daß sich
der ganze Süden und Westen unter dem Mulatten
Mion (s. d.) als selbständige Republik konstituierte.
1811 ließ sich (5. als Heinrich 1. zum König von
Haiti krönen und erlieh den (^ocis Henri, eine ge-
schickte Anpassung des ^nä6 ^poieoii an die Ver-
hältnisse seines Reichs. Als Pstion 1818 gestorben
war, erneuerte C. seine Versuche, die ganze Insel
wieder unter seiner Herrschaft zu vereinigen; jedoch
ließ ihn ein Soldatenaufstand an feiner Rettung
verzweifeln, und, um den Meuterern nicht in die
Hände zu fallen, erschoß er sich 8. Okt. 1820.
Ehriftopher (Saint), Insel der Kleinen An-
tillen, s. Saint Christophcr.
Christophe und Montigny-Mitrailleuse,
eine 1869 in Belgien und Osterreich eingeführte,
nach ihren Erfindern benannte Mitrailleuse belg.
Ursprungs und nach demselben Grundsatz gebaut wie
die nach ihr konstruierte bekaunte franz. Mitrailleuse
(canon 9. dalieö); sie besteht aus einem Bündel
von 37 Gewehrläufen, die alle gleichzeitig von
hinten geladen werden, indem man einen gefüllten
Patronenhalter (Stahlplatte mit 37 mit den Ge-
wehrläufen korrespondierenden Löchern, in denen
die Patronen stecken) einsetzt. Der Abfeuerungs-
mechanismus, ein Kasten mit Schlagstiften, die
unter dem Druck von ebenso vielen ^yirHlfedern
stehen, wird durch einen Handhebel fest hinter den
Patronenhalter geschoben, von letzterm nur durch
eine dünne Stahlplatte getrennt, die das Vor-
schnellen der Schlagstifte verhindert. Wird diese
Stahlplatte nach unten geschoben, so wird ein
Schlagbolzen nach dem andern frei, trifft auf die
vor ihm befindliche Patrone und entzündet sie.
Nach erfolgtem Abschießen wird der Mechanismus
wieder zurückgezogen und nach dem Ersatz des leeren
Patronenhalters durch einen vollen wieder vorge-
schoben. Die Stahlplatte hebt sich durch Federkraft
von selbst. Das Feuern erfolgt also in Lagen von
37 Schuß, und da in einer Minute etwa 8 Lagen
abgegeben werden können, wird eine Feuergeschwin-
digkeit von etwa 296 Schuß erreicht. Das Geschütz
ist durch die neuern Mitrailleusenkonstruktionen
überholt, wird daher nur noch für nedenftch^che
Festungszwecke benutzt. ^manos l.
Christophöros, Kaiser von Vyzanz, s. Ro-
Ehristophörus (grch., d. h. Christusträger),
ein in der röm.-tath. am 25. Juli, in der griech.-
kath. Kirche am 9. Mai gefeierter Heiliger. Nach
deu ältern Quellen lebte er zu Samos in Lycien,
bekehrte viele Heiden zum Christentum und erlitt
den Märtyrertod unter dem Kaiser Decius (oder
dem König Dagnus). Nach einer aus dem Mittel-
alter stammenden "?a.88io" war C. hundsköpfig
und von riesiger Größe (12 Ellen). Vom König
Dagnus ins Gefängnis geworfen, bekehrte er
während seiner Martern noch viele Tausende. Ver-
geblich auf einem glühenden Rost gebraten, sollte
er durch Pfeilschüsse getötet werden, aber starte
Winde wehten die Pfeile auseinander. Nach der
mit Zügen der altgerman. Mythologie versetzten
niißt, sind unter K aufzusuchen.