Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

297

Chronoskop und Chronograph

dieser Punktreihe können aber auf dem Streifen noch weitere Punkte hervorgerufen werden dadurch, daß der Beobachter in dem Moment, dessen Zeit bestimmt werden soll, durch den Druck auf einen Knopf den Stromkreis eines zweiten Elektromagneten E′ (mit Feder F′) schließt, wodurch dessen Anker A′ einen Eindruck auf den Streifen macht. Durch Ausmessen der linearen Entfernung dieses Punktes vom nächsten Sekundenpunkte ist dann der Zeitmoment des Stromschlusses leicht zu ermitteln. B B sind die galvanischen Elemente. In neuerer Zeit hat man die Punktreihe vermittelst Ersetzung der Stahlspitzen durch Farbschreiber und Seitlichstellen der Elektromagneten in eine fortlaufende Linie mit zackenförmigen Ausbiegungen an Stelle der Sekundenpunkte umgewandelt. Am weitesten verbreitet sind die Chronographen von Hipp in Neuchâtel.

Durch Einführung der Chronographen in die messende Astronomie haben namentlich die Beobachtungen der Durchgänge der Gestirne durch den Meridian eine durchgreifende Änderung erfahren. Während früher der Astronom bei solchen Beobachtungen die Sekundschläge seiner Uhr zählen und die Zehntelsekunde, zu welcher der Stern die einzelnen Fäden des Fadennetzes im Fernrohr passierte, schätzen mußte (Beobachtung nach Auge und Ohr), hat er nach dem neuern Beobachtungsverfahren (Registriermethode oder Beobachtung nach Auge und Hand) nur nötig, im Moment des Durchganges des Sterns durch den Faden auf einen Knopf zu drücken, wodurch dieser Zeitpunkt auf dem Streifen des Apparates registriert wird. Hierdurch wird einerseits eine größere Beständigkeit in der "persönlichen Gleichung" des Beobachters gewährleistet, andererseits können die Beobachtungen in rascherer Folge ausgeführt werden, und es kann so mit dem nämlichen Zeitaufwand ein größeres Beobachtungsmaterial gesammelt werden.

Die selbstthätig registrierenden Apparate verdanken ihre Entwicklung namentlich den Bemühungen, die Geschwindigkeit von Geschossen zu bestimmen. Den ersten Versuch hierzu, und zwar unter Anwendung elektromagnetischer Wirkung, unternahm 1838 die königliche preuß. Artillerie-Prüfungskommission. Das erste brauchbare Instrument jedoch ist 1840 von Wheatstone erfunden und später von Hipp verbessert: ein Uhrwerk, das Tausendstel einer Sekunde angiebt, indem der eine Zeiger vor einem hundertteiligen Zifferblatte in einer Sekunde zehnmal umläuft. Dieser Zeiger wird nun zu Anfang der zu messenden Zeit in das Gangwerk eingeschaltet und zu Ende der Zeit wieder ausgeschaltet, sodaß man nachträglich die Zahl der durchlaufenen Teile ablesen kann (daher ist dieser Apparat auch als Chronoskop aufzufassen). Die Einschaltung des Zeigers wird dadurch bewirkt, daß beim Austritt der Kugel aus dem Laufe die Leitung eines galvanischen Stroms, der einen Elektromagnet erzeugt, durch Zerreißen eines Drahtes unterbrochen wird. Hierdurch verliert der Elektromagnet die Kraft, einen Anker anzuziehen. Sobald dies der Fall ist, kann auch der Anker jenen Zeiger nicht mehr hemmen, wodurch dieser in Umlauf gerät. Sobald jedoch, bei der Ankunft der Kugel an der Scheibe, durch den auf die Scheibe ausgeübten Druck eine neue metallische Verbindung hergestellt und dadurch der Strom wieder geschlossen wird, entsteht wieder jener Elektromagnet, der den Zeiger durch Anziehung des Ankers hemmt und somit ausschaltet. Die spätern dauernd registrierenden Apparate haben gewöhnlich einen mit Papier überzogenen sich drehenden Cylinder (resp. Scheibe), auf dem die Markierung durch einen elektromagnetisch bewegten Punktierstift erfolgt. - Bei dem 1844 von Werner Siemens (damals Artillerie-Offizier) konstruierten Funkeninduktor (vgl. Poggendorfs Annalen, Bd. 66, 1845, S. 435) ist der sich drehende Cylinder berußt, und die Markierung der Zeitpunkte erfolgt durch elektrische Funken, die aus ihn überschlagen und an den betreffenden Stellen den Ruß entfernen; aus dem Abstande der Marken wird dann die Zeit bestimmt. Hierzu muß man die gleichförmige Geschwindigkeit des durch ein Uhrwerk bewegten Cylinders kennen; andernfalls läßt man auch eine schwingende Stimmgabel während der ganzen zu messenden Zeit eine wellenförmige Spur auf der Platte oder dem Cylinder beschreiben, sodaß man nur die Anzahl der zwischen den Marken befindlichen Wellen abzulesen braucht. - Die zeitmessende Strecke kann auch zwischen elektromagnetisch gegebenen Marken an einem fallenden Pendel (Navez 1852; vgl. seine Schrift, Sur l’appareil électro-ballistique, Par. 1859) oder an einem fallenden Stabe (Leboulengé 1864) liegen. Der Chronograph (Flugzeitmesser) von Leboulengé (belg. Kapitän) wird jetzt zur Messung von Geschoßgeschwindigkeiten allgemein gebraucht und hat folgende Einrichtung. Von einer galvanischen Batterie führen zwei elektrische Stromzweige durch den Chronographen nach zwei vor dem Geschütz in einem bestimmten Abstand (z. B. 50 m) voneinander aufgestellten Rahmen, durch die das Geschoß hindurchfliegt, indem es dabei durch Zerreißen eines Drahtes die Leitung unterbricht. Diese beiden kurz nacheinander erfolgenden Stromunterbrechungen, aus deren Zeitunterschied sich die Geschwindigkeit leicht ergiebt, kommen im Meßapparat (s. vorstehende Fig. 2) in folgender Weise zur Wirkung. Der den ersten Rahmen durchlaufende Stromzweig umfließt einen Elektromagneten a, der durch magnetische Anziehung den Fallstab c so lange trägt, als der Strom geschlossen ist, ihn jedoch fallen läßt, sobald beim Durchschlag des Geschosses durch den ersten Rahmen infolge der Stromunterbrechung der Elektromagnet a unmagnetisch wird. Der zweite Stromzweig umfließt den Elektromagneten e, der in analoger Weise das kleine Fallgewicht f trägt. Dieses hängt über einer Platte g der in umstehender Fig. 3 in vergrößertem, Maßstab

^[Abb.]Fig. 2.

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]