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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chronoskop und Chronograph
dieser Punktreihe können aber auf dem Streifen noch
weitere Punkte hervorgerufen werden dadurch, daß
der Beobachter in dem Moment, dessen Zeit bestimmt
werden soll, durch den Druck auf einen Knopf den
Stromkreis eines zweiten Elektromagneten ^ (mit
Feder I") schließt, wodurch dessen Anker .V einen
Eindruck auf den Streifen macht. Durch Ausmessen
der linearen Entfernung dieses Punktes vom nächsten
Sekundenpunkte ist dann der Zeitmoment des ^trom-
schlusses leicht zu ermitteln. L L sind die galvanischen
Elemente. In neuerer Zeit hat man die Punktreibe
vermittelst Ersetzung der Stahlspitzen durch Farb-
schreiber und Seitlichstellen der Elektromagneten in
eine fortlaufende Linie mit zackenförmigen Ausbie-
gungen an Stelle der Sekundenpunkte umgewandelt.
Am weitesten verbreitet sind die Chronographen von
Hipp in Neuchatel.
Durch Einführung der Chronographen in die mes-
sende Astronomie haben namentlich die Beobach-
tungen der Durchgänge der Gestirne durch den Meri-
dian eine durchgreifende Änderung erfahren. Wäh-
rend früher der Astronom bei solchen Beobachtungen
die Sekundschläge seiner Uhr zählen und die Zehntel-
sekunde, zu welcher der Stern die einzelnen Fäden
des Fadennetzes im Fernrohr passierte, schätzen
mußte (Beobachtung nach Auge und Ohr),
bat er nach dem neuern Veobachtungsverfahren
(Registriermethode oder Beobachtung nack
Auge und Hand) nur nötig, im Moment des
Durchganges des Sterns durch den Faden auf einen
Knopf zu drücken, wodurch dieser Zeitpunkt auf dem
Streifen des Apparates registriert wird. Hierdurch
wird einerseits eine größere Beständigkeit in der "per-
sönlichen Gleichung" des Beobachters gewährleistet,
andererseits können die Beobachtungen in rascherer
Folge ausgeführt werden, und es kann so mit dem
nämlichen Zeitaufwand ein größeres Veobachtungs-
material gesammelt werden.
Die selbstthätig registrierenden Apparate
verdanken ihre Entwicklung namentlich den Be-
mühungen, die Geschwindigkeit von Ge-
schossen zu bestimmen. Den ersten Versuch hierzu,
und zwar unter Anwendung elektromagnetischer Wir-
kung, unternahm 1838 die königliche preuß. Artillerie-
Prüsungskommission. Das erste brauchbare In-
strument jedoch ist 1840 von Wh eatstone erfunden
und später von Hipp verbessert: ein Uhrwerk, das
Tausendstel einer Sekunde angiebt, indem der eine
Zeiger vor einem hundertteiligen Zifferblatts in
einer Sekunde zehnmal umläuft. Dieser Zeiger
wird nun zu Anfang der zu messenden Zeit in das
Gangwerk eingeschaltet und zu Ende der Zeit wieder
ausgeschaltet, sodah man nachträglich die Zahl der
durchlaufenen Teile ablesen kann (daher ist dieser
Apparat auch als Chronoskop aufzufassen). Die Ein-
schaltung des Zeigers wird dadurch bewirkt, daß
beim Austritt der Kugel aus dem Laufe die Lei-
tung eines galvanischen Stroms, der einen Elektro-
magnet erzeugt, durch Zerreißen eines Drabtes un-
terbrochen wird. Hierdurch verliert der Elektro-
magnet die Kraft, einen Anker anzuziehen. So-
bald dies der Fall ist, kann auch der Anker jenen
Zeiger nicht mehr hemmen, wodurch dieser in Um-
lauf gerät. Sobald jedoch, bei der Ankunft der
Kugel an der Scheibe, durch den auf die Scheibe
ausgeübten Druck eine neue metallische Verbindung
hergestellt und dadurch der Strom wieder geschlossen
wird, entsteht wieder jener Elektromagnet, der den
Zeiger durch Anziehung des Ankers hemmt und
somit ausschaltet. Die spatern dauernd registrie-
renden Apparate haben gewöhnlich einen mit Papier
überzogenen sich drehenden Cylinder (resp. Scheibe),
auf dem die Markierung durch einen elektromagne-
tisch bewegten Punktierstift erfolgt. - Bei dem 1844
von Werner Siemens (damals Artillerie-Offizier)
konstruierten Funkeninduktor (vgl. Poggendorfs
Annalen, Bd. 66,1845, S. 435) ist der sich drehende
Cylinder berußt, und die Markierung der Zeitpunkte
erfolgt durch elektrische Funken, die aus ihn über-
schlagen und an den betreffenden Stellen den Ruß ent-
fernen; aus dem Abstände der Marken wird dann
die Zeit bestimmt. Hierzu muh man die gleichför-
mige Geschwindigkeit des durch ein Uhrwerk beweg-
ten Cylinders kennen; andernfalls läßt man auch
eine schwingende Stimmgabel während der ganzen
zu messenden Zeit eine wellenförmige Spur auf der
Platte oder dem Cylinder beschreiben, sodaß man
nur die Anzahl der
zwischen den Mar-
ken befindlichen Wel-
len abzulesen
braucht. - Die zeit-
messendeStrecke kann
auch zwischen elektro-
magnetisch gegebe-
nenMarken an einem
fallenden Pendel
(Navez 1852; vgl.
seine Schrift, 3ui-
i'apMi'kii siectro
dg.11i8tiqu6, Par.
1859) oder an einem
fallendenStabe(Le-
boulengs 1864)
liegen. Der Chrono-
graph (Flugzeit-
messer) von Lebou-
lenge'tbelg. Kapitän)
wird jetzt zur Mes-
sung von GeschojM-
schwindigkeitcn all-
gemein gebraucht
und hat folgende "'
Einrichtung. Von ^-
einer galvanischen
Batterie führen zwei
elektrische ^trom-
zweige durch den
Chronographcnnach
zwei vor dem Geschütz in einem bestimmten Abstand
(z. V. 50 m) voneinander aufgestellten Nahmen,
durch die das Geschoß hindurchfliegt, indem es
dabei durch Zerreißen eines Drahtes die Leitung
unterbricht. Diese beiden kurz nacheinander erfol-
genden Stromunterbrechungen, aus deren Zeitunter-
schied sich die Geschwindigkeit leicht ergiebt, kommen
im Meßapparat (s. vorstehende Fig. 2) in folgender
Weise zur Wirkung. Der den ersten Rahmen durch-
laufende Stromzweig umfließt einen Elektromagne-
ten 2, der durch magnetische Anziehung den Fall-
stab c so lange trägt, als der Strom geschlossen ist,
ihn jedoch fallen läßt, sobald beim Durchschlag des
Geschosses durch den ersten Rahmen infolge der
Stromunterbrechung der Elektromagnet a unmagne-
tisch wird. Der zweite Stromzweig umstießt den
Elektromagneten 6, der in analoger Weise das kleine
Fallgewicht lträgt. Dieses hängt über einer Platte g
der in umstebcnder Fig. 3 in vergrößertem, Maßstab
Fig. 2.
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufmucken.