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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ciudād-Reāl; Ciudād-Rodrīgo; Ciudād-Victorĭa; Çiva; Civetta; Civette; Civiale; Cividāle del Friūli; Civīl; Civilehe

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Ciudad-Real (in Mexiko) - Civilehe

Sierra Morena. Hier liegen die Quecksilber- (Zinnober-) Bergwerke von Almaden. Die Umgegend von Valdepeñas im SO. ist durch ihren Wein berühmt. Hauptstrom ist der Guadiana. Vgl. Hervás y Buendia, Diccionario historio-geografico de la provincia de C. (Madr. 1892). – 2) Hauptstadt der Provinz C., liegt in einer fruchtbaren Ebene zwischen dem Guadiana und dessen Zufluß Jabalon, in 650 m Höhe, an den Linien Madrid-C.-Badajoz und Alcazar-C. (114 km), ist Sitz eines Bischofs, hat (1887) 14702 E., mehrere Kirchen, Hospitäler und Klostergebäude, ein Instituto, einen Stiergefechtscirkus; Woll- und Zeugweberei, Öl- und Mehlfabrikation sowie Lederindustrie. Wichtig für ganz Spanien sind die Esel- und Maultiermärkte. – C. wurde 1264 von Alfonso el Sabio gegründet und befestigt. Im 16.Jahrh. sank die Stadt durch die Austreibung der Moriskos. Am 27. März 1809 schlugen bei C. die Franzosen unter Sebastiani die Spanier unter Urbino.

Ciudād-Reāl in Mexiko, s. San Christobal de los Llanos.

Ciudād-Rodrīgo, Bezirksstadt und Grenzfestung gegen Portugal in der span. Provinz Salamanca (Leon), 27 km von der Grenze entfernt, auf steilem Fels am Agueda und an der Bahnlinie Salamanca-Portug. Grenze, ist Sitz eines Bischofs, hat (1887) 8330 E., ein Schloß, auf dem Marktplatze drei röm. Säulen und Reste einer Wasserleitung, ein Kollegium, bischöfl. Seminar und Fabrikation von Wollzeugen, Leder und Leinwand, besonders aber von Seife, die als Jabon de piedra versendet wird. Die Stadt ist jetzt verarmt. – C., 1150 vom Grafen Rodrigo Gonzales Giron gegründet, wurde im Spanischen Erbfolgekriege 30. Mai 1706 von den Engländern erobert, aber schon 4. Okt. 1707 von den Franzosen unter Bay wiedergenommen. 10. Juli 1810 ergab sich die Festung nach tapferer Verteidigung durch Hervasti an Masséna. Am 7. Jan. 1812, nachdem Massénas Nachfolger Marmont die Besatzung auf 1900 Mann verringert hatte, erschien Wellington unvermutet mit 35000 Mann vor ihren Thoren und erstürmte sie schon am 19. Jan. Der heftige Kampf kostete zwei engl. Generalen das Leben. Die Festung wurde Stützpunkt der erfolgreichen Operationen der Engländer, und Wellington wurde von den span. Cortes zum Herzog von C. und Granden erster Klasse ernannt.

Ciudād-Victorĭa, ehemals Nuevo Santander, Hauptstadt des mexik. Staates Tamaulipas, am Abfall des Hochlandes gegen Osten, in der Nähe des Flusses Santander, hat 8000 E.

Çiva (Schiwa), einer der Hauptgötter der spätern ind. Religion, der mit Wischnu und Brahma die ind. Dreieinigkeit, Trimūrti (s. d.), bildet. Ç. ist hervorgegangen aus dem alten vedischen Gotte Rudra und hat wie dieser zwei Seiten, eine furchtbare und eine gnädige, auf die sein Name «der Gnädige» hinweist. Als sein Sitz galt der Kailāsa, der nördlichste Gipfel des Himalaja, wo er von Genien aller Art umgeben war; seine Frau ist Durgā, seine Söhne Gaṇeça und Kārttikēja. Sein Symbol ist das Lingam. Abgebildet wird er mit einem oder fünf Köpfen, drei Augen, von denen das eine sich auf der Stirn befindet, und gewaltigem Haare, das in eine Flechte zusammengebunden ist. Um den Hals trägt er einen Kranz von Totenschädeln, in den Händen seinen Bogen oder den Dreizack oder eine Muschel u. a.; bekleidet ist er mit einem blutigen Felle.

Civetta (spr. tschiw-), der höchste Gipfel der Agordinischen Dolomite im Südtirolischen Hochlande (s. Ostalpen). Sie erhebt sich als breites, zackiges Felsmassiv südöstlich vom Alleghesee zwischen Val Agordo und Val di Zoldo zu 3220 m und wurde zuerst von Tuckett und Frenchey mit Melchior und Jakob Anderegg 31. Mai 1867, seitdem nicht allzuhäufig erstiegen.

Civette (frz., spr. ßiwett), s. Zibethkatzen.

Civiale (spr. ßiwĭahl), Jean, franz. Arzt, geb. im Juli 1792 zu Thiézac im franz. Depart. Cantal, studierte in Paris Medizin und widmete sich seit 1817 unter Leitung Dupuytrens am Hôtel-Dieu besonders dem Studium der Krankheiten der Urinwege. Seinen Ruf begründete er durch die Erfindung der Lithotripsie (Entfernung der Blasensteine auf unblutigem Wege). Nach zahlreichen Versuchen an Leichnamen, den Blasenstein durch mechan. Zerkleinerung zu zerstören und auszuführen, gelang ihm 1824 die erste Operation dieser Art an einem Lebenden. Deshalb erhielt er 1826 von der Akademie einen Preis von 6000 Frs., und 1827 wurde ihm der Monthyonpreis von 10000 Frs.zuerkannt. Seitdem heilte C. in solcher Weise eine große Anzahl von Steinkranken, und seine Methode kam allmählich überall mit Erfolg zur Anwendung. C. ward 1847 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften erwählt. Er starb 13. Juni 1867 zu Paris. Er schrieb: «Sur la lithotritie» (Par. 1827; 2. Aufl. 1848; deutsch Bresl. 1827), «Parallèle des divers moyens de traiter les calculeux» (Par. 1836; deutsch Berl. 1837), «Traité pratique sur les maladies des organes génito-urinaires» (3 Bde., Par. 1837‒40; 3. Aufl. 1858‒60; deutsch Lpz. 1843), «De l’urétrotomie» (Par. 1849), «Résultats cliniques de la lithotritie pendant les années 1860‒64» (ebd. 1865), «La lithotritie et la taille» (aus seinem Nachlaß, ebd. 1870).

Cividāle del Friūli (spr. tschiw-), Hauptstadt des Distrikts C. (38637 E.) der ital. Provinz Udine, an der Linie Udine-C. d. F. (16 km) der Venet. Baugesellschaft, hat (1881) 4262, als Gemeinde 8205 E., in Garnison 4 Compagnien des 7. Regiments Alpentruppen, eine Brücke (aus dem 15. Jahrh.) über den zum Isonzo gehenden Natisone, einen dreischiffigen Dom aus dem 15.Jahrh., im Archiv des Domkapitels sehr wertvolle Handschriften (Codex der Evangelien aus dem 5. Jahrh.), ein Museum mit röm. und langobard. Altertümern und in der Nähe im Ursulinerinnenkloster eine reich ausgestattete Kapelle der heil. Geltrudis. Die Einwohner treiben Kattun- und Leinweberei. – C. d. F., wahrscheinlich das röm. Forum Julii (woraus Friaul entstand), war lange Zeit Sitz langobard. Herzöge und seit 1419 im Besitze der Venetianer.

Civīl (lat.), bürgerlich; höflich, gesittet; mäßig, billig; auch soviel wie privatrechtlich (s. Bürger). Das Civil ist in der Soldatensprache Bezeichnung für die bürgerliche Kleidung; dann auch für alle Personen, die nicht dem Soldatenstand angehören.

Civilehe, bürgerliche Ehe, diejenige Form der Eheschließung, nach der die Rechtskraft der Ehe gemäß den Vorschriften des bürgerlichen Rechts durch die Mitwirkung eines Standesbeamten bedingt ist (§. 41 des Reichsgesetzes vom 6. Febr. 1875). Den Gegensatz bildet die kirchliche Eheschließung. Man unterscheidet zwischen obligatorischer, fakultativer und Not-Civilehe. Letztere kam im Laufe der Entwicklung vielfach als Aushilfsmittel vor, in-^[folgende Seite]

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