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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Claudia - Claudier
Landschaft. Von Claude Lorrain), Landschaft
mit Polyphem, Acis und Galatea 1657; in Peters-
burg: Ruhe auf der Flucht 1654, Jakob und Rabel
am Brunnen 1655: in München: Verstoftung Ha-
gars 1668, ßagar und Ismael. Um sich gegen die
zahlreichen Kopien und Nachahmungen seiner Bilder
zu schützen, sammelte (5. L. die Skizzen seiner Gemälde
oder leichte Sepiakopien nach ihnen in ein Buch,
welches er sein "Bück derWahrheit" (I^id6i-v6i-it:Ui8)
nannte. Doch ist es nicht vollständig. Dieser kostbare
Schatz ist in den Besitz des Herzogs von Devonshire
in England gekommen; John Boydell gab die Samm-
lung in treuer Nachbildung heraus (Lond. 1774
-77). C. L. hat auch 42 landschaftliche Radie-
rungen hinterlassen, nachgebildet in dem Werte
"Naux-torteg äe (^. 1^. i'6proäiiit63 6t ;)iil>li663 Mi'
^mmnI-DiilHilä", mit Text von Duplessis (Par.
1875); ferner sind von ihm 500 Handzeichnungen
bekannt, davon gegen 400 in England. - Vgl. Mao.
Mark Pattison, l^. 1,., 8a vie 6t 868 wnvi63 (Par.
1884; mit unbrauchbarem Verzeichnis der Werke);
Dullea, (^näc ^6Ü66 ä6 Loii-Hin (Lond. 1887).
Elaudia, Name des 311. Planetoiden.
Claudia (Claude de France), Gemahlin
Franz' 1. von Frankreich, geb. 14. Okt. 1499 als
älteste Tochter Ludwigs Xli. und Annas von Bre-
tagne, Erbin der erst durch ihre Mutter der Krone
Frankreich zugebrachten Provinz Bretagne, wurde
dem noch jüngern Karl von Österreich, dann, im
Sinne der franz. Einheit, dem franz. Thronfolger
Franz von Angouleme (s. Franz 1.) 1506 verlobt,
den sie 1514 heiratete. Eine polit. Rolle bat sie als
Königin nicht gespielt. Sie starb 1524. Von ihren
Söhnen bestieg Heinrich II. 1547 den Tbron.
Claudianus, Claudius, der letzte heidnische
röm. Dichter von größerer Bedeutung im 4. Jahrh,
n. Chr., war zu Alerandria geboren und kam 395
nach Rom, wo er am Hofe des Honorius lebte und
namentlich an Stilicko einen Gönner fand. Er ge-
langte zu ansehnlichen 'Amtern und selbst zu der
hohen Würde eines röm. Patricius. Sein Geburts-
jahr sowie die Zeit seines Todes sind unbekannt;
wahrscheinlich hat er den Fall Etilichos (408) nicht
überlebt. Von seinem Standbild auf dem Forum Tra-
jans in Rom ist noch die Inschrift erbalten. Erhal-
ten sind von ihm Idvllcn, eine Anzahl Epigramme,
Episteln, ferner eine Reihe von Dichtungen pane-
gyrischen Inhalts (auf Honorius, Etilicho und dessen
Gattin Serena u. a.), aber auch Spottgedichte auf
Rusinus und Eutropius, die Günstlinge des Kaisers
Arcadius. Sein Hauptwerk ist das Epos "Der
Raub der Proserpina" in drei Büchern. Von der
"Gigantomachie" des C. sind nur 129 Verse er-
balten. Von den andern Gedichten verdient sein
Hochzeitsgedicht auf die Vermählung des Honorius
mit Maria, der Tochter Stilichos, nebst dem An-
bange meisterhafter Fescenninen genannt zu werden.
C. bekundet als Dichter schöpferische Kraft, frucht-
bare Phantasie und Sinn für künstlerische Form.
Dem Studium der großen Dichter des goldenen
Zeitalters verdankt er die Leichtigkeit und^Korrckt-
beit der Diktion und den wohlklingenden Versbau.
Von C.' grieck. Dichtungen sind nur einige Epi-
gramme auf uns gekommen, wenn diese nebst einem
Stück einer griech. < Gigantomachie" nickt viel-
mehr von einem jüngcrn C., vielleicht einem ^ohne
des ältern, herrühren. Mehrere Stücke in den Aus-
aaben und Handschriften, darunter einige cbristl.
Inhalts, sind sicher unecht. Im Mittelalter wurde
Artikel, die man unter C ver
C. bewundert und vielfach nachgeahmt. Eine kritische
Ausgabe aller Gedichte lieferten Jeep ß Bde., Lpz.
1876-79) und Birt (in den " ^lonumenta 66I--
mNnia6 1n8t0i'ica", ^lictoi'68 Hnti<^ui88imi, Bd. 10,
Berl. 1892). übersetzt sind sie vonWedekind lDarmst.
1868). - Vgl. Rosa, ^lanäio Olauäiaiio (Ancona
1873); Hodgkin, <?. tllo Ia8t ol td6 Roman posts
(Ncwcastle 1875).
Claudianus Mamertus, christl. Dichter und
Philosoph, gest. um 474, war der jüngere Bruder
des heil. Mamertus, Bischofs von Vienne, der ihn
zum Priester weihte und als Gehilfen in der Ver-
waltung seines Bistums verwandte. Er widmete
sich besonders der Regelung der Liturgie und dem
Unterricht des Klerus, war Verfasser und Verbreiter
der jetzt noch in manchen kath. Kirchen drei Tage
vor Himmelfahrt gesungenen sog. "Kleinen Litur-
gien". Auck dichtete er Hvmnen; wahrscheinlich
stammt der Passionshvmnus "I'aiiß^ liuFua. Flo
ii08i > von ihm. Unter seinen philos. Schriften ist
die bekannteste "I>6 8wtn anim^6" (hg. von P.
Mosellanus, Bas. 1520', mit Noten von C. Varth,
Zwickau 1655). Gesamtausgabe der Werke des C.
M. von Engelbrecht (im < ^oi-pn3 Zei-ipwi-uin 6col6-
3ia8tic0i'uni ilUinoi'uni", Bd. 11, Nien 1885). -
Vgl. Engelbrecht, Untersuchungen über die Sprache
des (5. (Wien 1885).
Claudier oder, wie der Name später auch ge-
schrieben wurde, Clodier ist der Name zweier röm.
Geschleckter, eines patrieiscken und eines plebeji-
schen. Das erstere wanderte angeblich 504 v. Chr.
(wahrscheinlich schon früher) unter Attus Clau-
sus aus dem Sabinerlande in Rom ein und ward
unter die patricischen Geschlechter aufgenommen,
nachdem Attus Clausus seinen Namen in Appius
Claudius verwandelt hatte. Er ließ als Konsul
495 die verschuldeten Plebejer, die sein Kollege P.
Servilius durch das Versprechen der Aushebung
der Schuldhaft zum Kriegsdienste gegen die Volsker
bewogen batte, nach der Rückkehr vom siegreichen
Feldzuge wieder in die Schuldhaft abfübren und
gab dadurch mit Veranlassung zum Auszug der
Plebs auf den Heiligen Berg 495 v. Chr. Sein
Enkel war der Decemvir Appius Claudius (s. d.).
Ein berühmtes Mitglied des Geschlechts ist fer-
ner Appius Claudius Cäcus (der Blinde), Cen-
sor von312 bis 311v. Chr. Appius, der nach Momm-
sen zuerst die Censussätze, wonach die Bürger in
die Klassen verteilt wurden, statt in Morgen Grund-
besitz in Geld ansetzte, erwarb sich um die untern
Volksklassen Verdienste durch Verteilung der Frei-
gelassenen und der nicht grundbesitzenden, freige-
borenen Bürger (1nnnii68) in alle Tribus und Klassen,
sowie durch Aufnahme von Söhnen (oder Enkeln)
von Freigelassenen in den Senat. Doch schon 311
wurden die neuen Senatoren wieder entfernt, und
304 die Freigelassenen auf die vier städtischen Tribus
beschränkt. Er machte auch durch Anlegung der
Appischen Straße (s. d.) und Wasserleitung den
Anfang mit den großartigen gemeinnützigen Bauten
Roms. In hohem Alter erblindet, machte er sick
nock bock verdient um den Staat, als er 280 v. Chr.
den Senat, der bereits den von Cineas, dem Ge-
sandten des Pyrrbus, angebotenen Frieden anzu-
nebmen geneigt war, dnrck eine berühmt gewordene,
zu Ciceros Zeit noch erdaltene Rede bewog, die
Räumung Italiens zur unerläßlichen Bedingung zu
macken. -Sein Sohn, Publius Claudius Pul-
cher, ließ als Konsul 249 v. Cbr., als er die kar-
mißt, sind unt^'r K auszusuchen.