Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

384
Cloisonné - Cloppenburg
Spater schuf er vier kolossale Bronzegruppen von
Rossebändigern auf der Anitschkowbrücke in Peters-
burg. Zwei davon lieh Kaiser Nikolaus für den
König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wieder-
holen, die vor dem Schlosse zu Berlin Aufstellung fan-
den. Von C. v. I. ist auch die kolossale Bronzestatue
des Großfürsten Wladimir in Kiew und die Bronze-
büste des Kosakenhetmans Grafen Platow in Nowi-
tscherkask. Zu seinen letzten Arbeiten gehören die über
9 m hohe, 7. Juli 1859 enthüllte Reiterstatue des
Kaisers Nikolaus in Petersburg und das Denkmal
des Fabeldichters Krylow. C. v. I. starb als Pro-
fessor der Petersburger Akademie 8. Nov. 1867 auf
dem Gute Chalala in Finland.
Sein Sohn Michael Petrowitsch, Baron C.
v. I., russ. Genremaler, geb. 1835 zu Petersburg, be-
suchte die dortige Akademie, deren Mitglied er 1867
wurde. Unter seinen Bildern sind hervorzuheben:
Tauffeierlichkeit in Rußland, Gebet vor der Taufe,
Nähzimmer im Franziskanerkloster. - Ein Ver-
wandter von ihm ist der russ. Landschaftsmaler Mi-
chael Konstantinowitsch, VaronC. v.J., geb.
1836 in Petersburg, auf der dortigen Akademie ge-
bildet und seit 1864 Professor daselbst. Unter seinen
Gemälden zeichnen sich wegen ihrer Lichtwirkungen
aus: Rückkehr vom Felde, Viehherde in der Steppe,
und Eine Straße im Herbstregen.
Cloifonnö (frz., spr. klöass-), s. Email.
^loka (spr. schlo-), in der ind. Metrik eine vier-
zeilige Strophe, speciell der altepische Vers der Inder,
der ursprünglich aus der viermaligen Wiederholung
eines achtsilbigen Verses mit oiiambischem Ausgang
bestand. In dieser Form (Anuschtubh) ist der H. be-
reits in der vediscken Poesie gebräuchlich. Um jedoch
die ermüdende Monotonie der stets wiederkebrenden
Iamben zu vermeiden, wurde in späterer Zeit folgen-
des Schema gangbar: .... ^>---------- s> .... j
^ - ^> - II (zweimal), welches bei Kunstdichtern
noch verschiedenen Gesetzen unterliegt. - Vgl.Olden-
berg in der "Zeitschrift der Deutscheu Morgenlän-
dischen Gesellschaft", Bd. 35 u. 37.
Elölla, in der sagenhaften ältesten Geschichte
Roms der Name einer edeln röm. Jungfrau, die
mit andern Jungfrauen und Knaben dem König
Porsenna als Geisel übergeben wurde. Sie täuschte
die Wachen und schwamm den übrigen Mädchen
voran über den Tiber; alle entkamen glücklich zu
den Ihrigen. Die Römer schickten sie jedoch auf
Porsennas Verlangen zurück. Dieser aber, den
der Mut der Jungfrau mit Bewunderung erfüllte,
gab die C. frei und erteilte ihr auch die Erlaubnis,
einen Teil der Geiseln mit sich zu nebmen, worauf
sie die Minderjährigen auswählte. Eine Statue auf
der 3aoi-a, via, welche eine zu Pferde sitzende Frau
darstellte, sollte ihr zu Ehren errichtet sein.
Elonakilty, ^tadt in der irischen Grafschaft
Cork, an der sandigen und gefährlichen Bai von C.,
hat (1891) 3220 E'., Getreide-, Leinen- und Garn-
handel. In der Nähe ein kelt. Steinkreis.
Clonmel, Hauptstadt der irischen Grafschaft
Tipperary, 45 kin im NW. von Waterford, an beiden
Ufern und auf den Moire- und Long-Inseln des
schiffbaren Suir, über den drei kleinere Brücken
führen, Eisenbahnknotenpunkt, hat (1891) 8480 E.,
eine restaurierte got. St. Mary-Kirche, einen Ge-
richtshof, Irrenhaus, Kaserne, litterar. Institut mit
Kunstscbule' große Getreidemühlen, Brauereien und
Brennereien und wichtigen Handel mit Butter (über
w000 Fässer jährlich) und Getreide. - C. war früher
Festung, deren Werke durch Cromwell nach harter
Belagerung 1650 geschleift wurden; 1848 war die
Stadt Mittelpunkt des Aufstandes von Smith
O'Brien. Hier wurde 1713 Lawrence Sterne geboren.
Elontarf, Stadt und besuchtes Seebad in der
irischen Grafschaft Dublin, 5 Km im ONO. von
Dublin, am nördl. Ufer der Dublin-Bai, hat (1891)
5104 E., ein Schloß und Fischerei. Hier wurden
1014 die Dänen von Vrian Borovinhe besiegt.
Cloots, Joh. Vaptista, Baron von, gewöhnlich
Anacharsis C. genannt, ein schwärmerischer
franz. Revolutionär, geb. 24. Juni 1755 auf Schloß
Gnadenthal bei Cleve, erhielt von feinem 11. Jahre
an seine Erziehung in Paris. Durch eifriges Stu-
dium der Alten war er für die antike Demokratie
begeistert, schrieb gegen die offenbarten Religionen
und sprach in Paris für die radikale Revolution, die
Abschaffung der Feudalrechte, den Rhein als Grenze
Frankreichs u. dgl., bis ihn die Regierung Lud-
wigs XVI. aus Paris entfernte. Nun bereiste er ganz
Europa, überall seine demokratischen Anschauungen
predigend, in Belgien den Aufruhr gegen Joseph II.
schürend, in Spanien gegen die Inquisition eifernd,
und kehrte im Juli 1789 nach Paris zurück. Hier er-
blickte er in der Französischen Revolution die Erfül-
lung seiner Wünsche. Er nannte sich den Redner des
Menschengeschlechts (oi-atem- äu ^sni^ kumaiii), pe-
titionierte oft bei der Nationalversammlung, schrieb
tobende Artikel in die "(Hroni^ue äs ?3.ri8" und
erschien 19. Juni 1790 an der Spitze einer Anzahl
Pariser Gamins und Dienstleute, die in den Phan-
tasiekostümen civilisierter und wilder, lebender und
vergangener Völker die Abgeordneten des Erdkreises
vorstellten, vor der Versammlung, um ihr eine Dank-
adresse für die Erhebung gegen die Tyrannen der Welt
zu überreichen und die Aufnahme aller zu Paris be-
findlichen Fremden in die franz. Gemeinschaft zu er-
bitten. In Anspielung auf seine Reisen nahm er den
Vornamen Anacharsis an. Sept. 1792 wählte ihn
das Oise-Departement in den Konvent, wo er sehr
bald eine radikale Reform in Politik und Religion
beantragte. Bei der Verurteilung Ludwigs XVI.
stimmte er "im Namen des Menschengeschlechts" für
den Tod. Später wurde er auf Betrieb Robespierres
aus dem Iakobinerklub als Reicher, Fremder und
Aristokrat ausgeschloffen, in die Anklage gegen die
Hsbertisten (s. d.) verwickelt und 24. März 1794
hingerichtet. Er hinterließ eine Menge Schriften,
die sämtlich den überspanntesten Charakter tragen
und von denen etwa "(^rtimäe ä68 pi-6uv68 äu
Ng.doin6ti8iii6" (Lond. 1780), "Vwux ä'uu A9.II0-
pkii6" (1786), "I^orateur än F6nr6 kuin3.iQ, 011
ä6p6e1i68 du ?lU88i6I1 01oot8 3.U ?ru83i6ll Ü6V2-
K6I-FU (1791) und "La,868 cOQ8tituti0Qll6ii68 ät^ 13.
i-6Md1iHU6 äu A6NI-6 Kundin" (1793) zu nennen
sind. - Vgl. Avenel, ^113.^3.1-813 0., oi-atsni- äu
F6N1-6 dnm3.iu (Par. 1865).
Cloppenburg. 1) Amt im oldenb. Verwal-
tungsbezirk Oldenburg, hat 854,34 ^km, (1890)
22186 (11115 männl., 11071 weibl.) E., 10 Ge-
meinden, 85 Vauerschaften und zerfällt in die Amts-
gerichtsbezirke C. und Löningen. - 2) Amtsstadt im
Amt C., an der Soeste und der Linie Oldenburg-
Osnabrück der Oldenb. Eisenbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Oldenburg) und einer
Oberförsterei, hat (1890) 2174 E., darunter 204
Evangelische und 30 Israeliten, Post zweiter
Klasse, Telegraph, kath. und evang. Pfarrkirche,
vereinigte Ackerbau- und böhere Bürgerschule, kath.
Artikel, die man unter E venniht, sind unter K aufzusuchen.