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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Condé (Geschlecht) - Conde (Ludwig I. von Bourbon, Prinz von)
werden kann, hat (1891) 2840, als Gemeinde 4772 E.,
Post, Telegraph, ein schönes Zeughaus, ein Kom-
munal-College; Brauereien, Gerbereien, Ölraffine-
rien, Schiffbau, ein großes Steinkohlenentrepot und
Steinkohlengruben. Die Festung wurde durch De
Ville und Vauban angelegt. - C. wurde 880 von
den Normannen erobert, 1478 von Ludwig XI., 1580
vom Prinzen von Oranien, 1649 und 1676 von
den Franzosen erobert, welche^ die Stadt im Nim-
wegener Frieden behielten. (^. Conde', Fürstenge-
schlecht.)- 2)Condö-sur-Noireau (spr.ßürnöar-
roh), Hauptstadt des Kantons C. (104,83 ^m, 11 Ge-
meinden, 11902 E.) im Arrondissement Vire des
Depart. Calvados, 42 km südwestlich von Caen,
am Zusammenfluß des Noireau und der Drouance
und an der Linie Mayenne-Domfront-Caen der
Franz. Westbahn, hat (1891) 6139, als Gemeinde
6764 E., Post, Telegraph, Handelsgericht, Gcwerbe-
kammer, eine Bronzestatue des Admirals Dumont
d'Urville, mechan. Webereien, Fabrikation von Woll-
und Baumwollzeugen, Tafel- und Vettzeugen und
Spitzen. - 3) C. oder Vieur-Conde' (spr. wiöh),
Dorf im Kanton C., Arrondissement Valenciennes
des Depart. Nord, 2 km nördlich von Conde'-sur-
l'Escaut, an der an dieFranz. Nordbahn anschließen-
den Lokalbabnlinie Somain-Peruwelz, hat (1891)
3446, als Gemeinde 6977 E., Post, Telegraph,
Schiffbau, Zuckerfabrikationund Steinkohlengruben.
Eonde(spr. kongdeh), franz. Fürstengeschlecht, hat
den Namen von der Stadt Conde (s. d.) im Hennegau,
die im 14. Jahrh, durch Heirat an die Vourbonen
und zwar an den Zweig Vendöme siel. Ludwig I.
(s. den folgenden Artikel), Bruder Antons von Na-
varra, legte sich zuerst den Namen eines Prinzen
von C. bei.
Ihm folgte sein erstgeborener Sohn, Heinrichl.,
Prinz von C., geb. 1552, der mit dem Prinzen von
B^arn (nachher Heinrich IV.) an der Spitze der Hu-
genotten stand. Die Vermählung Heinrichs von
Bsarn führte beide Prinzen 1572 an den Hof. Als
Verwandte Karls IX. wurden sie in der Bartholo-
mäusnacht verschont; doch mußten sie den reform.
Glauben abschwören. 1574 trat C. zum Calvinis-
mus zurück, ging nach England und Deutschland,
knüpfte überall Verbindungen für seine Partei an
(s. Hugenotten) und war in dem folgenden Jahr-
zehnt deren entschlossenster und unruhigster Führer,
in jede Bewegung der franz. und europ. Politik
tief verwickelt. In feiner letzten Zeit überragte ihn
der aufsteigende Einfluß Heinrichs von Navarra
(s. Heinrich IV.) mehr und mehr: es scheint, daß er
auch ihm gegenüber Selbständigkeitsgelüste beibe-
hielt. Erstarb, plötzlich und allem Anschein nach
an Gift, zu St. Jean d'Angely 5. März 1588.
Sechs Monate nach seinem Tode, 1. Sept. 1588,
gebar seine Gemahlin, Katharina von La Tre-
mouille, Heinrich II., Prinzen von C. Derselbe
lebte die ersten 8 Jahre zu La Rochelle, bis ihn
Heinrich IV. an den Hof bringen und in der kath.
Religion, zu der auch feine Mutter übergetreten
war, erziehen ließ. Der Prinz heiratete 1609 Char-
lotte von Montmorency, die gefeiertste Schönheit
des Hofs. Der König liebte die Dame felbst und
hatte die Ehe mit dem abhängigen Vetter eingeleitet,
um dessen Rechte an der lungen Frau alsbald an
sich zu bringen. C. floh jedoch mit seiner Gemahlin
nach den Niederlanden, warf sich dem feindlichen
Spanien in die Arme und kehrte erst nach dem Tode
Heinrichs nach Frankreich zurück. Nun war er in
der Minderjährigkeit Ludwigs XIII. der gefähr-
lichste der Empörer wider die königl. Obergewalt;
erst geschlagen und eingesperrt, schloß er mit Maria
von Medici Frieden; nachher ging er zu Richelieu
über, dessen überlegenem Genius er bis an dessen
Tod treu blieb; auch nachher hielt er zu Anna von
Österreich und Mazarin. Die Hugenotten hatte er
die zwanziger Jahre hindurch eifrig bekriegen helfen.
Er starb 1646. Sein zweiter Sohn, Armand,
wurde Stifter des Nebenzweigs Conti (s. d.); sein
ältester Sohn und Nachfolger war Ludwig II. von
Vourbon, Prinz von C. (s. d.).
Des letztern ältester Sohn aus der Ehe mit Claire
Clsmence de MaW-Breze', Nichte des Kardinals
Richelieu, Heinrich III. Julius, Prinz von C.,
geb. 1643, führte bis 1686 den Titel eines Herzogs
von Enghien und war, wie die meisten C., Groß-
meister des königl. Hauses. Er focht an der Seite
seines Vaters in den Niederlanden und starb 1. April
1709 zu Paris, nachdem er wohl 20 Jahre hindurch
geistesschwach gewesen.
Ihm folgte sein Sohn, Ludwig III. von C.,
Herzog von Bourbon und von Enghien, geb. 1668.
Er heiratete eine natürliche Tochter Ludwigs XIV.,
Mademoiselle de Nantes, und starb 1710.
Ludwigs III. zweiter Sohn, Karl von C., Graf
von Charolois, geb. 19. Juni 1700, floh, 17 I. alt,
heimlich aus Frankreich, um unter dem Prinzen
Eugen gegen die Türken zu kämpfen. Er starb 1760
zu Paris unverehelicht.
Dessen jüngerer Bruder, Ludwig von C., Graf
von Clermont, geb. 1709, kämpfte als General im
Siebenjährigen Kriege unglücklich und starb 1771.
Der Nachfolger Ludwigs III. und das Familien-
haupt war dessen ältester Sohn, Ludwig Hein-
rich, Herzog von Vourbon und von Enghien,
geb. 1692, der indessen den Titel eines Prinzen von
C. nie geführt hat (er hieß der Herzog von Vourbon-
Conds). Nach dem Tode des Herzogs von Orleans
ernannte ihn der junge Ludwig XV. 1723 zum ersten
Minister. Er war unbegabt, von einer ehrgeizigen
Maitresse beherrscht. Im Innern zeigte sich neben
Verfolgung der Protestanten und Iansenisten ein
interessanter Anlauf zur Verallgemeinerung und
Ausgleichung der Steuern, der lebhaftem Wider-
stände begegnete. C. erreichte nichts; 1726 entließ
ihn der König auf Anstiften seines Erziehers Fleury.
C. zog sich hierauf auf fein Landgut Chantilly zurück,
wo er 1740 starb.
Sein Sohn war Ludwig Joseph, Prinz von
C. (s. d.). Mit dem Sohne des letztern, Ludwig
Heinrich Joseph, Prinzen von C. (s. d.), dem
Vater des Herzogs von Enghien (s. d.), erlosch
1830 die Linie der Bourbon-Conde". Den Tilei eines
Prinzen von C. führte fpäter noch der älteste Sohn
des Herzogs von Anmale, Ludwig Philipp Maria
Leopold von Organs, geb. 1845, gest. 1866 zu
Sydney in Australien. - Vgl. Herzog von Aumale,
Hißtoiro ä68 pliQC68 äs 0. psnäaut 168 XVI^ 6t
XVII° 8160168 (Bd. 1-6, Par. 1869-92; deutsch
von I. Singer, Bd. 1, Wien 1890).
Conde (spr. kongdeh), Ludwig I. von Bourbon,
Prinz von, der Stifter des fürstl. Hauses C., ein jün-
gerer Sohn Karls von Vourbon, Herzogs von Ven-
döme (vgl. Vourbon, Bd. 3, S. 375d), Bruder
Antons, Königs von Navarra, geb. 7. Mai 1530,
zeichnete sich schon unter Heinrich II. durch tapfere
Thaten aus. In dem Zwiespalte zwischen den Häu-
sern Guise und Bourbon offener Hugenott gewor-
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.