Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Crannōges; Cransac; Cranston; Crantz; Cranz; Cranzkuhren; Craon; Craonne; Crapaud; Crapelet; Crapule; Craquelée; Crashaw

578

Crannoges – Crashaw

Maria die Katholische 1553 den Thron bestieg, wurde C. ins Gefängnis gebracht und als Ketzer zum Tode verurteilt. Während seiner langen Haft schwankend geworden und zur Abschwörung geneigt, erklärte C. im letzten Augenblick, daß nur Todesfurcht ihn verleitet habe, die Wahrheit zu verleugnen. Am 21. März 1556 bestieg er mit Heldenmut den Scheiterhaufen. Seine Werke sind hg. von Jenkins (4 Bde., Oxf. 1834). – Vgl. Strype, Memorials of the life and works of C. (Lond. 1694; neue Ausg., 2 Bde., Oxf. 1840); Todd, Life of C. (2 Bde., Lond. 1831); Collette, Life, times and writings of Thom. C. (ebd. 1887). Todd gab auch C.s Verteidigung der Transsubstantiation (ebd. 1825) und Burton den unter C.s Namen bekannten Katechismus (Oxf. 1829) neu heraus.

Crannōges (kelt.), Holzinseln, kleine Wasserburgen, welche, ähnlich den Schweizer Pfahlbauten, in Seen und Flüssen Schottlands und besonders Irlands vorkommen. Sie stammen aus uralter Zeit und sind wahrscheinlich auf seichten Stellen durch Versenken von großen Steinmassen und Einrammen von Pfählen hergerichtet worden, um als Zufluchtsorte oder feste Burgen zu dienen. Ihre Gestalt ist meist rund, ihr Durchmesser nur etwa 20‒70 m. Man findet in ihnen große Mengen Tierknochen vom Hirsch, Rind, Pferd, Schwein, Schaf u. s. w., auch viele Artefakte von Menschenhand, und zwar sowohl von Stein als auch von Bronze, Eisen und Thon, welche beweisen, daß diese Plätze von der Steinzeit bis ins Mittelalter bewohnt waren.

Cransac (spr. krangsáck), Flecken im Kanton Aubin, Arrondissement Villefranche des franz. Depart. Aveyron, an der Linie Capdenac-Rodez der Franz. Orléansbahn, hat (1891) 3964, als Gemeinde 5653 E., Post, Telegraph, Steinkohlengruben und Mineralquellen, deren Wasser zum Baden benutzt und auch in Flaschen (85000 jährlich) versendet wird. Der nahegelegene Berg Montet hat brennende Kohlenlager, die Schwefeldämpfe von 45 bis 50° C. ausströmen.

Cranston (spr. krännst’n), Ortsbezirk im County Providence des nordamerik. Staates Rhode-Island, südwestlich von Providence, hat 6000 E., Manufakturen und Wohlthätigkeitsanstalten.

Crantz, Heinr. Joh. Nepomuk von, Botaniker, geb. 1722 zu Luxemburg, gest. als Professor der Botanik an der Universität Wien 1799 bei Zeising in Steiermark, schrieb mehrere systematische Werke über die Familien der Umbelliferen und Kruciferen.

Cranz, eigentlich Cranzkuhren, Fischerdorf und königl. Seebad im Kreis Fischhausen des preuß. Reg.-Bez. Königsberg, an der Ostsee, am Südende der Kurischen Nehrung und an der Nebenbahn Königsberg-C. (28,2 km), ist Sitz einer Düneninspektion, eines königl. Domänen-Rentamts und einer Station für Rettung Schiffbrüchiger und hat (1890) etwa 1800 E., Post, Telegraph, Dampfbootverbindung mit Memel; Einrichtungen für warme See- und Moorbäder, Douche- und Sprudelbäder (1891: 6500 Kurgäste), 400 m lange ins Meer hinausführende Strandpromenade, schöne Laub- und Nadelwälder, Lachs- und Flundernfischerei.

Cranzkuhren, s. Cranz.

Craon (spr. krang oder kraóng), Hauptstadt des Kantons C. (213,61 qkm, 13 Gemeinden, 12791 E.) im Arrondissement Château-Gontier des franz. Depart. Mayenne, an dem in die Mayenne gehenden Oudon und der Linie Chémazé-C. (15 km) der Franz. Westbahn, hat (1891) 3544, als Gemeinde 4434 E., Post, Telegraph, ein schönes Schloß (18. Jahrh.), Seidenweberei, Lohgerberei, Mahlmühle und bedeutenden Handel. ^[Spaltenwechsel]

Craon (spr. krang oder kraóng), Moritz von, nordfranz. Dichter des Mittelalters, nachweisbar 1156‒1216, 1174 Herr von Ancenis, ist der Held eines frischen, deutschen Rittergedichts (wohl nach franz. Quelle), das prächtig in die Realität des höfischen Lebens und Liebens einführt (hg. von Haupt in den «Festgaben für Homeyer», Berl. 1871). Einen ähnlichen Stoff behandelt das Fabliau «Le Revenant» von Pierre Danfol.

Craonne (spr. kran oder kraónn), Hauptstadt des Kantons C. (193,11 qkm, 40 Gemeinden, 10023 E.) im Arrondissement Laon des franz. Depart. Aisne, 20 km südöstlich von Laon, am Fuße eines 200 m hohen Berges, hat (1891) 596, als Gemeinde 665 E., Post, Telegraph, Ziegelbrennerei, Mühlen und Mützenfabrikation. C. ist bekannt durch die unentschiedene Schlacht vom 7. März 1814 zwischen Napoleon und der Nordarmee der Alliierten (Blücher, York, Winzingerode).

Crapaud (frz., spr. krappoh), Kröte, auch als Schimpfwort gebraucht; Crapauds du marais (spr. du marräh), Sumpfkröten, Spottname, den in der Französischen Revolution die Bergpartei den Girondisten gab.

Crapelet (spr. krapp’leh), Charles, franz. Buchdrucker, geb. 13. Nov. 1762 in Bourmont bei Chaumont, errichtete 1789 eine Buchdruckerei zu Paris, aus welcher besonders mehrere Pergamentdrucke und Audeberts «Oiseaux dorés» (2 Bde., Par. 1802) hervorgingen. C. starb 19. Okt. 1809 und hinterließ sein Geschäft seinem Sohne Georges Adrien C., geb. 13. Juni 1789, gest. 11. Dez. 1842 in Nizza, der die Buchdruckerei bedeutend erweiterte. Er lieferte Prachtausgaben vieler franz. Klassiker, gab eine Übersetzung von Dibdins «Bibliographical antiquarian and picturesque tour», soweit sie Frankreich betrifft (4 Bde., 1825), und die «Collection des anciens monuments de l’histoire et de la langue française» (13 Bde., 1826‒34) heraus. Auch schrieb er: «Souvenirs de Londres en 1814 et 1816» (Par. 1817), «Observations sur les écrits de Bonald» (1836) und «Des progrès de l’imprimerie en France et en Italie au ⅩⅥ<sup>e</sup> siècle» (1836).

Crapule (frz., spr. -pühl), Gesindel, Pack.

Craquelée (frz., spr. krack’leh), die Bezeichnung für die feinen Risse, die man bei Eisglas (s. d.) und Forellenporzellan (s. d.) als wirksame Dekoration dadurch hervorruft, daß man die noch heißen Gefäße in Wasser taucht, wodurch die Oberfläche eine bedeutend raschere Abkühlung erfährt als die ganze Masse der Wandung, weshalb wegen der raschen Zusammenziehung die Sprünge entstehen.

Crashaw (spr. kräschah), Richard, engl. Dichter, geb. um 1613 in London, gest. um 1650 in Paris, war Sohn eines puritanischen Geistlichen, studierte Theologie und zeichnete sich durch große Beredsamkeit aus, wurde jedoch 1644 aus der Kirche ausgestoßen, weil er sich weigerte, den «Covenant» (s. d.) anzunehmen. Er ging nach Paris, wo er bald in die bitterste Not geriet. Zur kath. Kirche übergetreten, erhielt er ein kleines Amt beim Kardinal Palotta und später eine Stelle als Domherr an Notre Dame de Loreto. C. veröffentlichte eine Sammlung lat. Gedichte: «Epigrammatum sacrorum liber» (1634), ferner «Steps to the Temple», «The delights of the muses» und

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]