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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Crédit foncier - Credner (Herm.)
soviel wie ihm denselben gutbringen, gutschreiben,
oder es dafür erkennen.
vrea.it to"oibr (frz., spr. kredih fonghleh),
Bodenkredit, s. Bodelltreditbaulcn.
Vreüit mo'bilisr (frz., spr. kredih mobilseh),
däusige Bezeichnung für Kapitalgesellschaften, deren
Geschäftsbetrieb darin besteht, selbst wieder die Be-
gründung von Gesellschaften für Unternehmungen
von allgemeinem oder lokalem Interesse, sowie die
Umwandlung von Privatunternehmungen iil Aktien-
gesellschaften zu vermitteln und zu bewirken, die
Aktien und Obligationen dieser Gesellschaften, fowie
überhaupt Anleihen zu übernehmen und unterzu-
bringen, börsengängige Papiere zur Ermöglichung
der Prolongation der Börsengeschäfte zu beleihen
lsog. Reportgeschäft, f. d.). An die Wirksamkeit
solcher Institute haben sich im Falle derUngemessen"
heit des rein spekulativen Bankbetriebes oft unheil-
volle Katastrophen geknüpft. Dies gilt insbeson-
dere von dem Institut, von dessen Namen die all-
gemeine Bezeichnung von Banken mit den gekenn-
zeichneten Geschäftskreisen als Kreditmobilierbanken
entlehnt ist, der 1852 von den Gebrüdern Pereire
in Paris unter Begünstigung Napoleons, damals
noch Präsidenten der Republik, und Staatsgeneh-
migung mit einem Kapital von 60 Mill. Frs.
gegründeten soci^to ^ouer^ls äu 0. in. Sie
sollte die mit dem Napoleoniscben Regiment an-
brechende H'lra der allgemeinen Wohlfahrt illustrie-
ren. Nach dem mit Genehmigung der Regierung
veröffentlichten Programm war sie bestimmt, Han-
del und Industrie mit Kapital zu unterstützen und
den öffentlichen wie privaten Kredit zu spornen. Sie
sollte fest verzinsliche Obligationen bis zu 600 Mill.
Frs. gegen Erwerb von Aktien und Obligationen
industrieller Unternehmungen ausgeben dürfen.
Diese auszugebenden Obligationen waren zum
größten Teile zu langer Befristung bestimmt, sodaß
ihre Rückzahlung nur gkichen Scbritt mit der Ein-
lösung der in ihrem Portefeuille befindlichen Aktien
und Obligationen zu halten braucbte. Diese fest
verzinslichen Werte sollten im Verkehr die Papiere
mit schwankender Dividende und wechselndem Kurse
ersetzen. Gerade wegen ihrer langen Befristung im
Vergleich zu den Noten anderer Banken, deren jeder-
zeitige Zahlbarkeit denselben auch nur auf kurze
Zeit Kapitalanlagen gestattete, sollte die Baul be-
fähigt sein, bei Krisen die wichtigsten Dienste zu
leisten, ohne selbst von ihnen etwas zu fürchten zu
haben. Als dem Repräsentanten einer großen An-
zahl von Unternehmungen wurde ihr der Charakter
einer Versicherungsgesellschaft vindiziert. Zum
Zwecke der Prolongationen der Börsengeschäfte von
Monat zu Monat sollte sie die börsengängigen Ef-
fekten zu ihrem ganzen Werte beleihen. Anscheinend
schwebte als das letzte Ziel die Umwandlung aller
Privatunternehmungen in Aktiengesellschaften und
die Beherrschung derselben wie der Börse durch das
Institut vor. Von diesen Plänen ist nichts weiter
zur Ausführung gekommen, als daß der (^ ni. in der
Zeit von 1852 bis 1856 allerdings eine große Reihe
von Aktienunternehmungen in Frankreich wie im
Auslande, zum Teil von umfassender Bedeutung,
insbesondere Eisenbahn-, Gas-, Omnibus-, Dampf-
schiff-, Immobiliengesellfchaften teils sckuf, teils
reorganisierte, die hierdurch entfachte Spekulation
durch das Treiben der Aktien und ihren Verkauf
mit Agio benutzte und in diefen Jahren durch diese
Agiotage und Vörsenspiel hohe Dividenden, 1855
etwa 40 Proz., erzielte. Die Ausgabe der Obliga-
tionen wurde bereits 1855 von der schließlich unruhig
gewordenen Regierung beanstandet und erfolgte erst
1864 und nur in Höhe von 60 Mill. Frs. 1857
folgte dem übertriebenen Aufschwünge ein gewalti-
ger Rückschlag und, nachdem die Jahre 1862 und
1863, letzteres mit 25 Proz. Dividende, wieder einen
nicht nachhaltigen Aufschwung gebracht hatten, trat
1866 ein fast gänzlicher Verfall des Unternehmens
ein, der durch eine Kapitalverdoppelung eher noch
verschlimmert wurde. Die Aktien zu 500 Frs.,
welchem den ersten Jahren einen Kurs von 17-1800
erreicht hatten und 1866 noch auf 880 standen, san-
ken Ende 1867 auf 140. Die Pereires mußten sich
von der Leitung des Unternehmens zurückziehen und
wurden ebenso wie die übrigen Verwaltungsräte in
Prozesse verwickelt, die zu ihren Ungunsten endeten.
Die 1871 auf neue Grundlagen gestellte Gesellschaft
(die alte Gesellschaft ist aufgelöst und der Nest ihres
Vermögens unter neuen Kapitaleinlagen in eine
neue Gesellschaft gleichen Namens eingebracht) hat
seitdem ein geräuschloses Dasein geführt. Einen
ähnlichen, nur weit jähern Verlauf hatte das Unter-
nebmen der Iluiou ^6U6i-Hio in Paris, die 1880 die
größten Tageserfolge hatte, aber schon 1882 zusam-
meubracb. Unter dem Eindrucke der Erfolge des
<?>. m. entstanden in den fünfziger Jahren in Deutsch-
land, und zwar auch in kleinen Residenzen, sowie
in Österreich, begleitet von allen Erscheinungen des
Grüiiduligsfiebers, zahlreiche Kreditmobilierbanken,
meist Kreditanstalten genannt. Von ihnen haben
sich einige, besonders die 1853 gegründete Bank
für Handel und Industrie in Darmstadt, die 1856
entstandene Asterr. Kreditanstalt und die Leipziger
Kreditanstalt, infolge vorsichtiger und geschickter Ge-
schäftsführung mit Erfolg behauptet. - Vgl. Aycard^
lli"wir6 6n 0. m., 1852-67 (Par. 1867).
Crcditon (spr. kreddlt'n) oder Kirton, Markt-
flecken in der engl. Grafschaft Devon, 11 km im NW.
von Excter, am Creedy, nahe seiner Mündung in die
Exe, nach den Bränden 1743 und 1769 neu angelegt,
hat (1891) 4207 E., eine schöne qot. Kirche; Schuh-
fabrikation und Ackerbau. Früher war die Woll-
manufattur bedeutend. - C., Geburtsort des heil.
Vonifatius sum 680), war in angelsächs. Zeit (909
-1050) Bischofssitz.
Credner^Herm., Geolog, geb. 1. Okt. 1841 zu
Gotha als ^ohn des durch seine Arbeiten über
Thüringen und Hannover bekannten Geognosten
Heinrich C., studierte in Clausthal, Vreslau und
Göttingeu, subrte dann eine Anzahl geolog.-Paläon-
tolog. Untersuchungen über die Umgegend von
Hannover und von St. Andreasberg aus, die er
monographisch behandelte, und bereiste 1864-68
die ö'stl. und centralen Regionen Nordamerikas zum
Zwecke geolog. Studien, deren Ergebnisse er in der
"Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft",
dem "Neuen Jahrbuch für Mineralogie" und andern
Zeitschriften niederlegte. 1869 habilitierte er sich an
der Universität Leipzig und wurde 1870 zum außer-
ord., 1877 zum ord. Honorarprofessor, 1881 zum
Oberbergrat, 1891 zum Geh. Vergrat ernannt. Seit
1871 ist er auch Direktor der geolog. Landesunter-
suchung des Königreichs Sachsen, deren Organisa-
tion ihm schon 1870 übertragen worden war. C.s
Publikationen behandeln das Oligocän, die archäi-
schen und Ganggebilde sowie die permischen Stego-
cephalen Sachjens; namentlich aber haben die Unter-
suchungen C.s zur Lösung der Glacialfrage wesent-
Artikel, die man unter E vermißt, sind unter K aufzusuchen.