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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Creizenach (Theod. Adolf) - Crelle
Gemeindeleben aus seiner starren Abgeschlossenheit
gegen das nationale Leben zu befreien. Als er
1825 einen Nuf als Prediger und Lehrer an die
israel. Realschule in Frankfurt a. M. erhielt, wirkte
er im Verein mit gleichgesinnten Kollegen, besonders
dem jüd. Historiker Iost, durch Wort und Schrift für
seine Ideen und verteidigte sich gegen die Angriffe
der Anhänger des altorthodoxen Judentums in um-
fänglichen Streitschriften. Er starb 5. Aug. 1842.
Unter C.s theol. Schriften verdient vor allem Er-
wähnung der "Echulchan Aruch (d. h. angerichteter
Tisch) oder Encyklopäd. Darstellung des Mosaischen
Gesetzes, wie es durch die rabbin. Satzungen sich
ausgebildet hat, mit Hinweisung auf die Reformen,
welche durch die Zeit nützlich und möglich geworden
sind" (4 Bde., Franks. 1833-40).
Creizenach, Theod. Adolf, Sohn des vorigen,
Dichter und Literarhistoriker, geb. 16. April 1818
zu Mainz, studierte in Gießen, Göttingen und Heidel-
berg, wurde dann Lehrer am israel. Philanthropin
in Frankfurt a. M. Diese Stelle verlor er durch
seinen übertritt zum Protestantismus (1854), wor-
auf er 1859 Lehrer an der höhern Bürgerschule,
1863 Professor der Geschichte am Gymnasium zu
Frankfurt wurde. C. starb 5. Dez. 1877. Seine
schlichten, elegischen Verse ("Dichtungen", Mannb.
1839: "Gedichte", Franks. 1848; 2. Aufl. 1851)
wurzeln im Judentum des Dichters: er möchte sein
Volk durch die Freiheit heben und wahrhaft deutsch
machen. Als gründlicher Kenner Goetbes hat er
sich durch seine Ausgabe des "Briefwechsels zwischen
Goethe und Marianne von Willemer" (2. Aufl.,
Stuttg. 1878) bewährt. - Sein Sohn Wilhelm
MichaelAntonC., Literarhistoriker, geb. 4. Juni
1851 zu Frankfurt a. M., studierte in Göttingen und
Leipzig, wurde 1875 Privatdocent in Leipzig, 1883
außerord., 1886 ord. Professor in Krakau. Er ver-
öffentlichte: "Versuch einer Geschichte des Volksschau-
spiels von Doktor Faust" (Halle 1878), "Zur Ent-
stehungsgeschichte des neuern deutschen Lustspiels"
(ebd. 1879), "Die Vühnengeschichte des Goetheschen
Faust" (Franks, a. M. 1881), "Der älteste Faust-
Prolog" (Krakau 1887), "Die Schauspiele der engl.
Komödianten" (Stuttg. 1889), "Geschichte des neuern
Dramas" (Bd. 1, Halle 1893).
Crelinger, Auguste, geb. Düring, Schauspie-
lerin, geb. 7. Okt. 1795 zu Berlin, trat 4. Mai 1812
zum erstenmal als Margareta in Ifflands "Hage-
stolzen" mit Erfolg auf dem Berliner Hoftheater auf.
Doch erst unter Graf Vrühl (seit 1814), und seitdem
sie sich 1817 mit dem Eckauspieler Wilh.Stich lgeb.
1794) vermählt hatte, bildete sie sich zu einer Schau-
spielerin ersten Ranges aus. Nachdem sie Paris be-
sucht und die Bekanntschaft Talmas und der Mars
gemacht hatte, begann sie glänzende Gastspiele auf
allen bedeutendem Theatern Deutschlands und in
Petersburg. Nach dem Tode Stichs (1824) hei-
ratete sie den Bankier Otto C. und wirkte bis zu
ihrem 5<Mhrigen Jubiläum an der Berliner Hof-
dühne. Eine herrliche Gestalt, ein schöner Kopf, ein
feuriges Auge, ein klangvolles Organ nebst durch-
gebildeter Sprache unterstützten die Künstlerin, deren
vorherrschend rhetorische Anlagen auf Rollen hoch-
tragischen Stils hinwiesen. Sie zog sich 1863 von
der Bühne zurück und starb 11. April 1865 zu Berlin.
Ihre beiden Töchter erster Ehe, Bert ha (geb.
4. Okt. 1818 zu Berlin) und Klara Stich (geb.
24. Jan. 1820 zu Berlin), bildeten sich unter ihr
zu trefflichen Schauspielerinnen. Beide betraten die
Bühne 1834 auf dem Königstädtischen Theater zu
Berlin; doch entsagte Vertha, nachdem sie hier und
am Hoftheater wie am Stadttheater zu Hamburg
engagiert gewefen war, 1844 der Bühne. Sie starb
18. Aug. 1876 zu Hamburg. Klara, die 1848 den
Schauspieler Franz Hopps (geb. 1810, gest. 6. Juli
1849), 1860 den Hofschauspieler Liedtke heiratete,
war seit 1835 Mitglied des Hoftheaters und genoß
in naiv-fentimentalen Rollen die volle Gunst des
Berliner Publikums. Sie starb 1. Okt. 1862 zu Berlin.
Crell, Nikolaus, kursächs. Kanzler, geb. um 1550
zu Leipzig, wo sein Vater Professor der Rechte war,
besuchte die Fürstenschule zu Grimma, studierte zu
Leipzig die Rechte und hielt dort jurist. Vorlesungen.
1584 dem Kurprinzen Christian (s. Christian I.,
Kurfürst von Sachsen) als Rat und Führer bei-
gegeben, wurde C. nach dessen Regierungsantritt
(1586) Geheimrat und 1589 Kanzler. Die fast un-
umschränkte Gewalt des Bürgerlichen verstimmte
den Adel, die Geistlichkeit verfeindete sich C. durch
seine Bemühungen, die streng luth. Richtung, welche
seit 1574 und besonders seit der Einführung der
Konkordienformel die Herrfchaft hatte, wieder zu
verdrängen. Den Predigern ward 28. Aug. 1588
geboten, das Gezänke auf der Kanzel zu vermeiden;
die Hauptführer des Luthertums wurden entlassen,
ein Katechismus in Melanchthonischem Geiste ein-
geführt, eine Bibel mit calvinisierenden Anmer-
kungen herausgegeben (die sogenannte C.sche Bibel).
C. veranlaßte auch den Kurfürsten, die Hugenotten
in Frankreich mit Geldmitteln zu unterstützen. So-
bald aber Kurfürst Christian I. 1591 gestorben
war, brach der Unwille gegen C. los. Friedrich Wil-
helm, Herzog von Sachsen-Altenburg, Vormund
des minderjährigen Christian II., entsetzte ihn so-
fort feines Amtes und ließ ihn auf den König-
stein in Haft bringen. C. ward angeklagt, er habe
den Kurfürsten zum Calvinismus verführt, zum
franz. Kriege verleitet, dem Kaifer entfremdet und
mit dem Lande entzweit. Nach zehnjährigem Prozeß
wurde C. vom böhm. Appellationsgericht in Prag,
an das zuletzt die Akten geschickt worden waren,
zum Tode verurteilt und 9. Okt. 1601 auf dem
Iüdenhofe zu Dresden enthauptet. - Vgl. Richard,
Der kurfürstliche sächs. Kanzler Nikolaus^C. (2 Bde.,
Dresd. 1859); Calinich, Zwei sächs. Kanzler (Chemn.
1868); Brandes, Der Kanzler C., ein Opfer des
Ortbodorismus (Lpz. 1873).
Crelle, Aug. Leop., Mathematiker und Bau-
techniker, geb. 11. März 1780 zu Eichwerder bei
Wriezen, bildete sich, ohne eine Lehranstalt zu be-
suchen, fast ausschließlich durch Lektüre. Er zeigte
besondere Neigung für mathem., später auch für
staatswissenschaftliche Studien; äußere Verhältnisse
wiesen ihn aber auf das Wegebaufach. Nachdem
er bei dem preuß. Staatsbauwesen mehrere unter-
geordnete Stellungen bekleidet hatte, wurde er später
zum Geh. Oberbaurat und Mitglied der Oberbau-
direktion ernannt. Die meisten von 1816 bis 1826
im preuß. Staate ausgeführten Kunststrahen wur-
den unter seiner Mitwirkung, sowie später die Ber-
lin-Potsdamer Eisenbahn nach seinem Entwürfe
gebaut. C. ward 1828 zum Mitgliede der Aka-
demie der Wissenschaften erwählt. Nachdem er 1849
seiner geschwächten Gesundheit wegen dem Staats-
dienste entsagt hatte, starb er 6. Okt. 1855 zu Ber-
lin. Wichtig für die Geschichte der Mathematik ist
C.s Begründung des "Journals für reine und an-
gewandte Mathematik".
Artikel, die man unter C vermikt. sind unter K aufzusuchen.