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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Császár - Csik
Ferse und Fußspitze, Zusammenschlagen der Sporen
und Klatschen der Hände auf die Csizmen (Stiefel)
ausgeführt. Allmählich gestalten sich die Bewegun-
gen lebhafter und raufchen zu stürmischer Schnelle
auf, wobei dann der Tänzer seine Tänzerin umfaßt
und sich mit ihr im Wirbel dreht oder sie ihm ent-
flieht und er sie verfolgt, bis er sie erhascht und
dann den Wirbeltanz wiederholt. Zum C. gehört
Zigeunermusik, denn nur der ungar. Musiker ver-
steht es, die oft mit kurzer Note beginnenden Arten
der Tanzmelodien richtig zu betonen. Die ältesten
Csärdäsmelodien sind bei F. Paix, "Orgeltabulatur"
(1583) und in Heckels "Lautenbuch" (1562) erhalten
(abgedruckt bei Fr. Böhme, "Geschichte des Tanzes
in Deutschland", Lpz. 1886, Bd. 2). Eine reiche
Serie alter und neuer Csärdäsmelodien enthält das
dreiaktige Ballet "Csardas" von Eug. Sztojanovits
(Budapest 1890).
Esäszär(spr.tschahßahr), Franz, ungar. Schrift-
steller und Dichter, geb. 9. Juli 1807 in Zala-Eger-
szeg, war erst Lehrer, dann Notar beim Wechsel-
gericht in Fiume, 1846-49 Beisitzer des Wechsel-
gerichts in Pest. C. veröffentlichte mehrere Werke
über ungar. Wechfelrecht und das ungar. Konkurs-
verfahren, außerdem "Ital. Reisen" (Ofen 1844), ein
"Mytholog. Wörterbuch" (Pest 1844) und "Der
Hafen von Fiume" (2 Bde., ebd. 1842 - 43). Von
seinen "Gedichten" (2. Aufl., ebd. 1846), die sich
durch korrekte Form auszeichnen, sind namentlich
die in ital. Manier geschriebenen Sonette und Ma-
trosenlieder schätzenswert. Auch übersetzte er meh-
rere ital. Meisterwerke (von Alfieri, Veccaria, Sil-
vio Pellico, Dante) ins Ungarische. Im März 1850
gründete er das angesehene polit. Tageblatt "?63ti
^apio" ("Pester Tageblatt"). C. war auch Mitglied
der Ungarischen Akademie und der Kisfaludy-Ge-
sellschaft. Er starb 17. Aug. 1858.
Esatad (spr. tschättahd), Groß-Gemeinde im
ungar. Komitat Torontäl, nordöstlich von Hatzfeld,
hat (1890) 3066 deutsche kath. E., bedeutenden Acker-
bau und ausgezeichnete Pferdezucht. C. ist Staats-
gut und Geburtsort des Dichters Nikolaus Lenau.
Eseber oder Tseber, Tschcber, d. i. Eimer,
ein bis 1. Mai 1854 gesetzlich gewesenes Weinmaß
im Biharer Komitat des Königreichs Ungarn. Der
große C. (^3.^ 0.) hatte 100 ungar. Halbe oder
Icze --- 84,84 1; der kleine C. (Tis 0.) 50 ungar.
Halbe ^ 42,421, war also die Hälfte des großen C.
Cfenger (fpr. tfchennger), Groß-Gemeinde und
Sitz des Htuhlbezirks C. (23775 E.) im ungar. Ko-
mitat Szatmar, am linken Ufer der Szamos, nahe
dem Ecscdsumpf, hat (1890) 3111 magyar., meist
reform. E. und bedeutenden Tabakbau.
Esengery (spr. tsche'nngeri), Anton, ungar.
Publizist und Staatsmann, geb. 2. Juni 1822 in
Grohwardein, absolvierte die jurist. Studien teils
in seiner Vaterstadt, teils in Pest, worauf er sich der
polit. Laufbahn zuwandte, für die er sich zuerst im
Komitat, dann am Prehburger Reichstage vorbe-
reitete. Von 1845 bis 1848 war C. Redacteur des
"?6Lti HiriNp" ("Pester Journal"), folgte Ende 1848
der unqar. Regierung nach Debreczin und war einige
Zeit Ministenalrat. Ende 1849 kehrte er nach Pest
zurück. 1851 erschien unter seiner Redaktion "^la."
^) ai- 826Q0K0K 68 Lt^tuäkLi'iiHk" (deutsch: "Ungarns
Redner", Lpz. 1852), eine Reihe meisterhafter Cha-
rakteristiken ungar. Staatsmänner; 1851 übersetzte
er Macaulays "Engl. Geschichte" (neue Aufl. 1874,
eine der vollendetsten Übersetzungen) in ungar.
Sprache; 1857 gründete er die "Vuäapöäti 826NI6"
("Vudapester Revue"), die er bis 1869 redigierte.
Auch auf focialem Gebiete entfaltete er eine rastlose
Thätigkeit, wirkte für die Gründung landwirtschaft-
licher und Gewerbevereine, schrieb über Volksbanken
und Sparkassen und hatte einen Hauptanteil an der
Schöpfung des ungar. Bodenkredit-Instituts, dem
er bis an seinen Tod als Direktor angehörte. 1861 ins
ungar. Parlament gewählt, war er der vertrauteste
Freund Franz Deäks und eins der einflußreichsten
Mitglieder der Deäk-Parlei. C. starb 13. Juli 1880.
Vonseinen litterar.Arbeitensind noch hervorzuheben:
"Histor. Studien und Charakteristiken" (2 Bde., Pest
1870), "Geschichtschreibung und Geschichtschreiber"
(ebd. 1874), "über die Akademien, insbesondere die
Ungarische" (ebd. 1878), "Denkrede auf Franz Deäk"
(ebd. 1877; deutsch von Heinrich, Lpz. 1877) und
eine Sammlung seiner Reden und Studien über
das Unterrichtswesen (Budapest 1880). Seine "Ge-
sammelten Werke" (5 Bde.) erschienen ebd. 1884.
Esepel (spr. tschepp-), auch Räczkeve genannt,
eine durch den Soroksärer Donauarm gebildete,50km
lange, sehr fruchtbare Insel im ungar. Komitat Pest-
Pilis-Solt-Klein-Kumanien, hat 330 hkni und meh-
rere volkreiche Ortschaften. In alten Zeiten war die
Infel der Sommeraufenthalt der magyar. Herrscher
und pflegte den ungar. Königinnen zum Brautsckatz
gegeben zu werden. Von Karl VI. wurde sie 1721
dem Prinzen Eugen geschenkt, dessen prächtiges
Schloß noch heute im Hauptorte Räczkeve (Groh-
Gcmeinde mit 5861 meist magyar. E., 59 Deutsche)
steht; doch fiel sie 1825 wieder an das österr. Regen-
tenhaus zurück, zu dessen Familiengütern sie jetzt
gehört. Im Herbst 1848 als militär. Position ge-
wählt, umIellachichs Übergang auf das linke Donau-
ufer zu hindern, wurde die Insel namentlich durch die
hier auf Befehl Görgevs 2. Okt. vollzogene standrecht-
liche Hinrichtung des Grafen E. Zichy bekannt.
Cservenka (spr. tscher-), Groß-Gemeinde im
ungar. Komitat Bäcs-Bodrog, in der fruchtbaren
Vacska, am Franzens- oder Bacser-Kanal, hat (1890)
7429 meist deutsche E. (523 Magyaren, 67 Slowaken)
und bedeutenden Getreidebau.
v. 3.1., Abkürzung für OoniMnion ok tk6 8t2.r
ol Inäik (eng!., d. h. Mitglied des Ordens vom In-
difchen Stern, s. Sternorden).
Cfik oder Csikszek (spr. tschikßehk). 1) Komitat
in Ungarn, seit 1876, früher Szekler Stuhl in Sieben-
bürgen, grenzt im N. an das Komitat Bistritz-Naszod,
im O. an die Moldau, im S. an Haromsze'k, im W.
an Udvarhely und Maros-Torda, hat 4493 hkin,
(1890) 114110 magyar. (Szekler) E. (14470 Rumä-
nen, 384 Deutsche), darunter 93415 Römisch- und
18532 Griech.-Katholische, 465 Reformierte und
706 Israeliten, und umfaßt die 4 Stublbezirke
Csik-Szent-Märton,Gyergyö-Tölgves,Csik-Szepviz,
Gyergyo-Szent-Miklös mit 8 Groß- und 51 Mein-
Gemeinden und der Stadt mit geordnetem Magistrat
Csik-Szereda. Die Wälder sind ergiebig an treff-
lichem Eichenholz, das auf der Maros teils in die
südl. Teile Siebenbürgens, teils nach Ungarn geführt
wird. Das Kupferbergwerk zu Szent-Domokos ist
das reichste in Siebenbürgen und liefert jährlich an
60 t Rosettenkupfer. Berühmt ist der Sauerbrunnen
zu Borszs'k (s. d.). Die durch die Tbalmge von Csik-
Szent Kiräly in zwei Thalbecken geschiedene Ebene C.
ist 605-738 m hoch und wird von der Alt (Aluta)
durchflossen. - 2) C., Csik-Szereda, Stadt mit
geordnetem Magistrat und Sitz der Komitatsbehör-
Artikel. die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.