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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cymen - Cynewulf
Eymcn oder Cymin, s. Cymol.
Cymogcn, der schon bei 0" siedende Anteil des
Petroleums, der zur Herstellung von künstlichem Eis
Verwendung findet.
Cymöl, Cymen, Cymin, ein aromatischer
Kohlenwasserstoff von der Zusammensetzung (^oHi4
und besitzt die Konstitution eines Normalpropyl-
^ ^ ^0Ü2-(N2'(^3 (1) paramethylbenzols. Es
^"4-^^^ ^ findet sich neben Cumi-
nol (s. d.) im Nömischkümmelöl und in einigen
andern ätherischen Ölen. Es entsteht ferner aus
Kampfer bei der Destillation mit Phosphorsäure-
anhydrid und ist die Grundsubstanz vieler Terpene
ff. d.) von der Zusammensetzung ^"Iiis, ans denen
es durch Entziehung von 2 Wasserstoffatomcn ge-
wonnen werden kann. Das C. ist eine farblose
ölige, in Wasser unlösliche Flüssigkeit vom Siede-
punkt 175" und angenehmem Geruch. Man hat
das C. auch auf synthetischem Wege dargestellt, es
findet sich aber nicht, wie einige mit ihm isomere
Kohlenwasserstoffe, im Steinkoblenteer.
Cymophcnöl, s. Carvalrol. >Blütenstand).
Cymös, in Form einer Trugdolde (c^nm, s.
O^inotkoa, Lausassel, s. Asseln.
O^niotkoiÄao, auf Fischen parasitisch lebende
O^naiinrns, s. Gepard. ^Asseln (s. d.).
V^nanoknin I>., Pflanzengattung aus der
Familie der Astlepiadeen (s. d.) mit gegen 18 vor-
zugsweise in der tropischen und warmen gemäßigten
Zone beider Hemisphären verbreiteten Arten' es
sind teils Holzgewächse, teils Kräuter, meist Schling-
pflanzen. Sie haben gegenständige, ausdauernde,
herzförmige Blätter, zwifchcn den Blattstielen
stehende gestielte Doldentraubeu und glatte Balg-
früchte voll geschwänzter Samen. Die am häufigsten
weih oder rosenrot gefärbten Blüten bestebcn aus
einem fünfblätterigen Kelch, einer radförmigen
Blumenkrone mit fünflappigem Saum und einer
zehnlappigcn Nebenkrone. Alle Arten enthalten
einen weißen, scharfen Milchsaft. Aus dem (I
M0u8p6iiHcuni _^. und 0. ÄoMuin ^. (beide in
Südeuropa) bereitet man in Südfrankreich das
franz. Scammonium (s. d.). Die in Deutschland
einheimische Schwalbenwurz, auch Hunds-
würger genannt, (^. viucetoxicuni ^., war offi-
zinell, da die Wurzel brechenerregend wirkt.
v^nara. ^., Pflanzengattung aus der Familie
der Kompositen (s. d.) mit etwa 6 Arten, die zu-
meist in den Mittelmeerländern vorkommen. Es
sind distelähnliche Gewächse mit großen fiederscknit-
tigen, stachligen Blättern und ansehnlichen Blü-
tenköpfchen, die blaue oder violette, selten weihe
Blüten enthalten. Die wichtigste Art ist die Arti-
schocke, 0. 8eo1vinu8 ^., von der die jungen
Blütenköpfe (f. Tafel: Gemüse IV, Fig. 13)'in
der verschiedensten Zubereitung als Gemüse ge-
gessen werden. Sie ist im südl. Europa seit langer
Zeit in Kultur, und es giebt deshalb eine ganze
Reihe von^Spielarten. Die für diesen Zweck be-
liebtesten borten sind: die große grüne und die
große violette französische, die große grüne von
Neapel und die große grüne von Laon. Der eigent-
lich eßbare Teil ist der dicke, fleischige Fruchtboden
oder sog. Käse. Auch ißt man den untern ver-
dickten Teil der Hüllschuppen. Die Blütenkörbchen
werden zu diesem Behufe, bevor sie sich öffnen, ab-
geschnitten und, in Wasser oder Fleischbrühe gekocht
oder mit Butter geröstet, als Gemüse verspeist, wohl
auch mit Essig und Ol als Salat; in Italien werden
meistens nur die fleischigen Fruchtböden gegessen,
und zwar nicht in Fleischbrühe oder Wasser, sondern
in Ol gekocht. Die Kultur der Artischocke erfordert
große Sorgfalt und kann nur in Gegenden von mil-
dem Klima mit Erfolg betrieben werden. Man si??5e/
sie daber vorzüglich in Frankreich und Südeuropa
verbreitet, in Deutschland namentlich in den Rhein-
gegcnden, auch in Österreich. Die Pflanzen werden
entweder aus Samen oder aus Wurzelsprossen an-
gezogen. Man steckt die Pflänzlinge in 0,6 in von-
einander entfernten Rcihen, jede Pflanze in 1,25
bis 1,00 ui Entfernung von der nächsten, in gut-
gedüngte, kräftige, milde Dammerde. Die Entnahme
dieser Wurzelsprossen geschieht im März, die Ernte
der Köpfe Ende August (in Deutschland). Man läßt
nur die am Ende des Stengels und der Hauptäste
sich bildenden Vlütenkörbchen (die Hauptköpfe) sich
entwickeln, alle übrigen bricht man ab, damit erstere
recht groß und schön werden. Nach der Ernte bricht
man die Stengel nahe am Boden ab, entfernt im
Spätberbst alle noch vorhandenen Wurzelblätter
und bildet über jedem Stock einen Erdhaufen, be-
deckt ihn wohl auch noch mit Mist, um ihn gegen
die Winterkälte zu schützen. Es wird auch noch eine
andere Art der Gattung (>. als Gemüsepflanze ge-
bant, die sog. Kardy, Kardonen oder span.
Artisch ocke (0.0Hväuneu1u8 ^.), eine sehr dornige
Staude, von der nicht die Blütentöpfe, die bei ihr
viel kleiner sind, sondern die fleifchigen Stiele der
großen grundständigen Blätter als Gemüse dienen.
Gute hierzu geeignete Sorten sind: die große von
Tours (s. Tafel: Gemüse IV, Fig. 12),'die breit-
rippige Puvis und die große sicil. Kardone.
Eynareen oder C y n aroc e p hälen, s. Kom-
positen.
Eynegctik (grch.), Iagdkunst.
Cyncwulf (Kynewulf), der einzige angelsäcks.
Dichter, der sich in seinen Dichtungen nennt. In
Runen steht sein Name in den Gedichten "Leben der
Juliane", "Elene oder die Auffindung des Kreuzes
Christi" und in einem Gedichte, das man früher für
eine Hymnensammlung hielt, jetzt als "Christ"
bezeichnet. Außerdem hat Leo (Hallesches Pro-
gramm 1857) glaubhaft zu machen gesucht, daß
das erste der erhaltenen angelsächs. Rätsel "Cy-
newulf" ergiebt. Einen Teil der Rätselsammlung
darf man C. zuschreiben. Außerdem gehört C.
noch ein Teil der Dichtung "l^ntlil^c" zu, viel-
leicht auch "?1i0^nix" und "Höllenfahrt Christi",
beide nach lat. Vorlagen. Ohne genügende Gründe
wurden C. zugeschrieben:^ "Andreas", "Vision vom
Kreuze"; "Wanderer", "Seefahrer", "^lanuH or^l-
ta8", "^lÄnnN^rcle", "^iHnnainoli", "Ruine". Über
C.s Leben ist nichts überliefert; es muh in das
8. Jahrh, fallen; daß er ein Nordhumbrier war, ist
nicht erwiesen, doch nicht unwahrscheinlich. Grimm
hält C. für einen Schüler Aldhelms, d. h. ebenfalls
im 8. Jahrh, und in Westsachsen lebend. Dietrich
und Grein nahmen (ohne Beweis) an, daß der
Dichter von etwa 737 bis 780 Bischof zu Lindisfa-
rena e war, dann dem Amte entfagte und in der
Stille fein Leben beschloß. Doch manches in seinen
Werken spricht dagegen. Aus diesen ergiebt sich:
C. lebte im 8. Jahrh, lange in weltlichem Treiben,
wohl als fahrender Volkssänger; damals entstan-
den seine Rätsel. Später erst ward er einer from-
men Richtung gewonnen. Wahrscheinlich hatte er
eine Klosterschule besucht. Herausgegeben wurden
C.s Gedichte von Grein in der "Bibliothek der angel-
Artikel, di? man mitl'r C vermißt, sind unter K aufzusuchen.