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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dahlin - Dahlmann
Violett- und Dunkelpurpur darstellt. Auch das
reine oder leicht mit Gelb, Grün, Rosa oder Pur-
pur überhauchte Weiß ist nicht selten. Durch lang-
jährige sorgfältige Zuchtwahl sind mehrere Klassen
erzielt worden. Man unterscheidet hinsichtlich der
Größe der Blumen großblumige und Liliput-
oder kleinblumige, hinsichtlich der .höhe der Pflan-
zen hohe und Zwerggeorginen. Am beliebtesten ^
sind in Deutschland dieLiliput- und die Zwerggeorgi-
nen, in England möglichst großblumige Sorten. Die
neueste Klasse ist die der Kaktusgcorginen, die
mit ihren langen, schmalen und spitzen Blumenblät-
tern Ähnlichkeit mit der Blume eines (^i-6N8 8i)6cio
5i88imu8 haben. Nachdem dieFüllung und Form der
Sorten mit gefüllten Blumen bis zur höchst mög-
lichen Vollkommenheit gebracht worden ist, hat sich
von England aus das Bestreben verbreitet, einsach
blühende Sorten in verschiedenen Farben zu erzielen
und sind bereits zahlreiche Sorten mit einfarbigen
roten, fchwarzroten, gelben, weihen und mit gestreif-
ten Blumen gezüchtet worden. Der Hauptsitz der
Georginenkultur in Deutschland ist die Stadt Kö-
stritz. Zwei der dortigen Züchter, Ch. Deegen und
I. ^ieckmann, haben sich während ihrer ganzen
Lebenszeit ausschließlich mit der Kultur und Ver-
vollkommnung der Georginen beschäftigt und sich in
dieser Beziehung die hervorragendsten Verdienste
erworben. Trotzdem die Georgine zur denkbar größ-
ten Vollkommenheit gebracht worden ist, hat die Zahl
ihrer Liebhaber und ihre Verwendung als Zierpflanze
in neuerer Zeit gegen srüher bedeutend abgenommen.
Ihre passendsten Plätze sind Rabatten, große Blu-
mengärten und einfach gehaltene Hausgärten, da-
gegen läßt sie sich wegen ihres steifen und hohen
Wuchses nicht gut auf Vlumenparterren und andern
modernen Schmuckplätzen und in landfchaftlich ge-
haltenen Anlagen verwenden. Dagegen benutzt man
die Zwcrg-Liliputgeorginen zur Topfkultur und die
Blumen einfarbiger weißer, roter und gelber, sowobl
gefüllter wie einfach blühender Sorten zur Binderei.
Für diesen Zweck werden in den Handelsgärtnereien
einzelne zur Gewinnung von Schnittblumen in
großen Mengen kultiviert.
Man vermebrt die Georginen durch Teilung des
Knollenbüschels, aus Samen und aus Stecklingen.
Die Knollen werden im November, nachdem man
einige Tage vorher die Stengel abgeschnitten, aus
der Erde gehoben und, an der Luft abgetrocknet, an
einem dunkeln, frostsichern, weder zu feuchten, noch
zu trocknen Ort aufbewahrt. Die gebräuchlichste
Art der Vermehrung ist die Stecklingszucht. Zu die-
i'em Behuf werden im März oder April die Knollen
in ein warmes Beet gelegt und die infolgedessen
zahlreich auftretenden Triebe, wenn sie 3 - 5 cni
lang geworden, mit einem Stückchen der Knolle ab-
geschnitten, in kleine Töpfe gesteckt und in einem ge-
schlossenen Warmbeet gehalten, später in größere
Töpfe gepflanzt und allmählich an die Luft gewöbnt.
Die Vermehrung durch Aussaat ist bei gefüllt blü-
denden Sorten nur für Georginenzüchter von In-
tereffe, welche neue Varietäten zu gewinnen hoffen,
dagegen für alle Sorten mit einfachen Blumen zu
empfehlen. Die Samen gelangen, nachdem sie im
März oder April ins Mistbeet gesät und die jungen
Pflänzchen Mitte Mai ins freie Land gepflanzt wor-
den sind, schon von Mitte Sommer ab zur Blüte,
sodaß man nur wenige besonders schöne borten zu
durchwintern braucht, alle andern aber jährlich aus
Samen ziehen kann. In derselben Weise werden v.
gracilid O,'t//. und I). /iniÄpHni Acx^i., zwei niedrig
bleibende Arten mit ganz kleinen einfachen Blüten,
behandelt. I). imp6riali8 AocK. ist eine 3-4 in
boch werdende Art mit sehr großen weißen, rötlich
gestrichelten Blüten: sie gelangt jedoch in Deutsch-
land nur sehr selten zur Blüte.
Dahlin, soviel wie Inulin.
Dahlmann, Friedr. Christoph, Geschichtsfor-
scher, ged. 13. Mai 1785 zu Wismar, bezog, durch
verwandtschaftliche Verhältnisse dazu bestimmt, 1802
die Universität zu Kopenhagen, um sich philol. Stu-
dien zu widmen. 1803 ging er nach Halle, wo be-
sonders F. A. Wolf Einfluß auf ihn gewann, 180l<
nach Dresden, wo er mit Heinr. von Kleist in ein
freundschaftliches Verhältnis trat und von wo er
mit diefem die österr. Schlachtfelder durchwanderte.
Nachdem D. 1810 zu Wittenberg die philos. Dok-
torwürde erworben, habilitierte er sich zu Kopen-
bagen und hielt Vorlesungen über Aristophanes.
Daneben begann er eingehendere histor. Studien,
denen er sich seit seiner Berufung 1812 als außer-
ord. Professor der Geschichte nach Kiel vorzugsweise
zuwandte. Seit 1815 Sekretär der schlesw.-holstein.
Prälaten und Ritterschaft, trat er eifrig für deren
Nechte und gegen die dän. Negierung auf, wobei er
immer auf dem Boden der Gefchichte und des kon-
kreten Rechts fußte. Dies veranlaßte ihn zum
gründlichen Studium des positiven Staatsrechts
sowie besonders der Geschichte und Zustände des
Mittelalters. 1829 nahm D. den Ruf als Professor
der Staatswissenschaften in Göttingen an. Auch
wirkte er seit 1831 mit Kraft und Eifer gegen Reak-
tion wie gegen Revolution, und war wefentlich für
das Zustandekommen des hannov. Grundgesetzes von
1833 thätig. Die Achtung seiner Mitbürger und das
Zutrauen der Regierung machten ihn zu einer ein-
flußreichen Person des Göttinger Nniversitäts- und
hannov. Staatslebens. Als der neue König Ernst
August 1. Nov. 1837 die Verfassung von 1833 auf-
hob, protestierte D. an der Spitze von fechs Kollegen
gegen die itmen angesonnene Verletzung ihres auf
diese Verfassung geschworenen Eides und mußte
deshalb mit ihnen, 14. Dez. 1837 des Amtes ent-
setzt, Göttingen und Hannover verlassen. D. wen-
dete sich nach Jena und erhielt 1842 einen Ruf
als ord. Professor der Geschichte und Staatswissen-
schaften nach Bonn. Hier bielt er mit großem Er-
folge Vorlesungen über Politik sowie namentlich
auch über die Geschichte der Englischen und der
Französischen Revolution. An dem Zustandekom-
mender Germanistcnversammlungen, 1846 in Frank-
furt a. M. und 1847 in Lübeck, hatte D. wesmtlichen
Anteil. Die Revolution von 1848 rief ihn ins
öffentliche Leben zurück. Zum Vertrauensmann
Preußens beim Bundestage ernannt, half er den
Verfafsungsentwurf der Siebzehner ausarbeiten,
den man vorzugsweise als sein Werk betrachten
darf. In die Deutfche Nationalverfammlung ge-
wählt, ward er einer der Führer der Partei, die
einen Deutschen Bundesstaat mit preuh. Erbkaiser-
tum ohne Osterreich wollte und wirkte dafür bei der
Ausarbeitung der deutschen Reichsverfassung im
Verfassungsausschuß. Der Malmöer Waffenstill-
stand , desi'en Verwerfung er bei der ersten Verhand-
lung (5. Sept. 1848) durchsetzte, brachte ihn in Zwie-
spalt mit seinen polit. Freunden. Die ihm übertragene
Aufgabe, ein neues Ministerium zu bilden, gelang
ihm nicht. Als nach der Ablehnung der Reichsver-
fassung vom 28. März seitens Preußens ein großer