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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dahme - Dahn
Teil der nahern polit. Freunde D.s ihren Stand-
punkt nur durch freiwilligen Austritt aus dem Par-
lament wahren zu können meinten, fügte sich D.
nur widerstrebend der Mehrheit. An der Verfamm-
lung feiner Partei in Gotha (Juni 1849) nahm er
Anteil, fühlte fich aber von dem festgestellten Pro-
gramm wenig befriedigt. Seine fpätere polit. Wirk-
samkeit befchränkte sich auf die Erste preuß. Kammer,
wo er den Reaktionsbestrebungen der Majorität
entgegentrat, fowie auf die Teilnahme an dem Er-
furter Parlament, in dem er Mitglied des Staaten-
hauses war. Nach dem scheitern der bundesstaat-
lichen Sache zog sich D. aus dem polit. Leben zurück
und widmete sich in Bonn wieder feiner Profeffur
bis zu feinem Tode 5. Dez. 1860. Von seinen Wer-
ken sind besonders hervorzuheben: "Forschungen
auf dem Gebiete der Geschichte" (2 Bde., Altona
1822 - 24), die vorzügliche "Quellenkunde der
deutschen Geschichte" (5. Aufl., hg. von Naitz, Gott.
1883), sein Hauptwerk: "Geschichte von Dänemark"
(3Vde.,Hamb. 1840-43), ferner die "Gefchichte der
engl. Revolution" (7. Aufl., Verl. 1885) und "Ge-
schichte der Französischen Revolution" (3. Aufl., ebd.
1864), die beide groste Verbreitung und Anerkennung
fanden, und endlich als eine Frucht seiner polit. Stu-
dien "Politik auf den Grund und das Maß der ge-
gebenen Zustände zurückgeführt" (Bd. 1, Gott. 1835;
3. Aufl., Lpz. 1847). Seine "Kleinen Schriften und
Reden" wurden (stuttg. 1886) von Varrentrapp
herausgegeben.- Vgl. Springer,Friedrich Christoph
D. (2 Bde., Lpz. 1870-72); F. Nasse, F. C. D. Rede
(Bonn 1885); Waitz, Friedr. Christoph D. Gedächt-
nisrede (Kiel 1885); von Treitschke, Hiftor. und polit.
Aufsätze (5. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1886).
Dahme, Fluß, entfpringt auf dem Niedern Flä-
ming, flieht nach N. durch das Baruther Wiefenthal
und durch Seen, umfchließt die Müggelberge und
mündet als Wendifche Spree bei Cöpenick in die
Spree. Sie ist 41 km lang fchiffbar, weiter oberhalb
schon flößbar. Ihr geht rechts zu der aus dem Schar-
mützelfee kommende 23,25 km lange Stortow-
kanal; links der aus dem Teupitzersce tommende,
15 km fchiffbare Körisfche Schiffahrtsgraben
und die aus dem Mellenfee tommende 21,84 km
lange kanalisierte Notte, welche im N. von Baruth
entspringt, über Mittenwalde und Königs-Wufter-
hausen fließt und 1856 - 65 reguliert worden ist.
Vermittelst der D. soll der Elbe-Spree-Kanal (s. d.)
hergestellt werden.
Dahme, Stadt im Kreis Iüterbog-Luckenwalde
des preuß. Reg.-Bez. Potsdam, 29 km südöstlich
von Iüterbog, an der D. und an der Nebenbahn D.-
Uckro (12,6 km), hat (1890) 5166 evang. E., Post
zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprechverbindung
mit Lebufa und Gut Görsdorf, Amtsgericht (Land-
gericht Potsdam), Superintendentur; Schloß, früher
Sitz der Herzöge von Weihenfels, altes Karmeliter-
kloster mit Kirche, setzt Siechenhaus, zwei Bürger-
schulen, höhere Mädchenschule, landwirtschaftliche
Schule und Versuchsstation; Tuch-, Stiefel- und
Cigarrenfabrikation. - D. kam 1171 an das Erz-
bistum Magdeburg und gehörte dann bis 1815 zu
Kurfachfen. Am 7. Sept. 1813 nahm der preuß.
General Wobefer hier 6000 Franzofen gefangen.
Dahn, Marktflecken im Bezirksamt Pirmafens
des bayr. Reg.-Bez. Pfalz, 18 km im NW. von
Bergzabern, an der Lauter, in dem fchönen wild-
romantifchen Dahnerthale des Wasgenwaldes,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Zweibrücken),
Rent- und Forstamtes, hat (1890) 1311 E., eine kath.
und eine evang. Pfarrkirche; Sägemühlen und Holz-
handel. In der Nähe die Ruinen Altdahn und
Neudahn.
Dahn, Felix, Gefchichtsforfcher, Rechtslehrer und
Dichter, geb. 9. Febr. 1834 zu Hamburg, studierte
1849-53 zu München und Berlin die Rechte, habili-
tierte sich 1857 an der jurist. Fakultät zu Müncken,
ward 1863 zu Würz bürg außerord., 1865 ord. Pro-
fessor, 1872 Professor für deutsches Recht, Etaats-
recht und Rechtsphilofophie in Königsberg, 1888 in
Vreslau. D. fchrieb: "Die Könige der Germanen.
Wesen und Geschichte des ältesten Königtums der
german. Stämme" (Bd. 1-6, Würzd. 1W1-71),
sein Hauptwerk, zu welchem er 1861-62 in Italien,
namentlich in Mailand und Ravenna, Studien ge-
macht hatte; ferner: "Prokopius von Cäfarea" (Berl.
1865), "Westgot. Studien. Entstehungsgeschichte,
Privatrecht, Strafrecht, Civil- und Strafprozeß und
Gefamtkritik der I.6X VisiFotlioi-nm" (Würzo. 1874),
"Handelsrechtliche Vorträge" (Lpz. 1875), "Deutsches
Rechtsbuch. Ein Spiegel des heutigen bürgerlichen
Rechts in Deutschland" (Nördl. 1876), "Grundriß
des deutfchen Privatrechts" (Lpz. 1878), "Langobard.
Studien" (Bd. 1: "Paulus Diaconus' Leben und
Schriften", ebd. 1876). In der von Giesebrecht ge-
leiteten neuen Ausgabe der europ. Staatengeschichte
von Heeren und Ukert hat D. die "Deutfche Ge-
schichte von der Urzeit bis auf die Teilung zu Ver-
dun 843" bearbeitet (1. Bd. in 2 Abteil., Gotha
1883-88). Für die von Oncken herausgegebene
"Allgemeine Gefchichte in Einzeldarstellungen"
lieferte er die "Urgeschichte der german. und roman.
Völker" (Bd. 1-4, Verl. 1881-90). Ferner hat D.
die "Geschichte der Völkerwanderung" von Wieters-
heim in zweiter, vollständig umgearbeiteter Aus-
lage herausgegeben (2 Bde., Lpz. 1880-81). Dazu
treten: "Die Vernunft im Recht. Grundlagen der
Nechtsphilofophie" (Berl. 1879), "Bausteine. Ge-
sammelte kleine Schriften" (1. bis 6. Reihe, ebd.
1879-84). Außerdem veröffentlichte er die Epen
"Harald und Tbeano" (ebd. 1856) und "DieAmalun-
gen" (Lpz. 1877), ferner "Rolandin. Erzählung in
Verfen" (ebd. 1891), fodann "Gedichte" (Berl. 1857;
2. Aufl. u. d. T. "Jugend-Gedichte", Lpz. 1891).
Seine "Gedichte. Zweite Sammlung" (Stuttg. 1873;
3. Aufl., Lpz. 1883) und "Vierte Sammlung" (zusam-
men mit Therese D., Lpz. 1892) sowie die "Zwölf
Balladen" (ebd. 1874) verraten eine weitreichende
Weltanfchauung, dichterifchen Schwung und glän-
zende Herrfchaft über die Sprache. Au§er mehrern
Novellen ("Kämpfende Herzen", Verl. 1878) fchrieb
er die Erzählungen: "Sind Götter? Die Halfred-
Sigfkaldfaga" (Stuttg. 1874; 5. Aufl., Lpz. 1887),
"Was ist die Liebe?" (1887; 2. Aufl. 1889),
"Friggas Ja" (1888), "Skirnir" (1889), "Odhins
Rache" (1891), "Die Finnin" (1892), den histor.
Roman "Ein Kampf um Rom" (4 Bde., Lpz. 1876;
17. Aufl., ebd. 1891), "Odhins Trost", ein nord.
Roman aus dem 11.Jahrh. (ebd. 1880 u. ö.), "Kleine
Romane aus der Völkerwanderung" (Vd. 1-7, ebd.
1882-90: "Felicitas", "Vissula", "Fredigundis",
"Die schlimmen Nonnen von Poitiers", "Gelimer",
"Attila", "Die Bataver") und die Romane "Die
Kreuzfahrer" (2 Bde., 5. Aufl., Lpz. 1888), "Bis zum
Tode getreu" (ebd. 1888), "Weltuntergang" (ebd.
1889), "Julian der Abtrünnige" (3 Bde., ebd. 1893).
Ferner verfaßte D. die Dramen: "König Roderich"
(Trauerfpiel; 2. Ausg. 1876), "Markgraf Nüdeger