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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Damascenen - Damascieren
Pair von Frankreich und Generallieutenant, dann
Kommandant der 18. Militärdivision. Nachdem er
30. Mai 1825 den Herzogstitel erhalten, starb er
ohne Erben 5. März 1829.
Roger, Graf von D., des vorigen Bruder, geb.
1765, ging nach Rußland und erhielt dort Anstel-
lung. Er zeichnete sich im Türkenkriege (1787-91)
durch Wegnahme eines Admiralschiffs, ferner beim
Sturme auf Oczakow und Ismail aus und wurde
zum Obersten befördert. D. fchloh sich 1791 den
franz. Prinzen in Koblenz an und nahm hierauf in
der Armee Conde^s, der ihm von 1795 an den Be-
fehl über die Legion Mirabeau anvertraute, an allen
Feldzügen gegen die Republik teil. Als der Krieg
zwifchen Frankreich und Neapel ausbrach, führte er
unter dem General Mack eine neapolit. Division,
die einzige, die einen geordneten Rückzug bewerkstel-
ligte. 1801 führte er ein neapolit. Korps im Kirchen-
staate, trat 1805 in neapolit. Dienst und kämpfte
1806 mit Auszeichnung in Calabrien. Er ging
später nach Wien und 1814 nach Paris zurück, wo
ihn Ludwig XVIII. zum Generallieutenant und Gou-
verneur von Lyon und 26. Dez. 1815 zum Pair und
Herzog erhob. 1815 wurde er in die Deputierten-
kammer gewählt. Als Befehlshaber der 19. Militär-
division zeigte er bei den Unruhen in Grenoble roya-
listischen Eifer, war aber feiner Partei nicht ener-
gisch genug, weshalb er Canuel Platz machen muhte.
Er starb 18. Sept. 1823. - Die herzogl. Linie er-
losch 29. Mai 1846.
Ange Hyacinthe Marence, Baron von D.,
geb. 30. Sept. 1785 zu Paris, folgte in der Revo-
lution feiner Familie nach Deutfchlano, dann nach
Ruhland, wo er in die Armee eintrat und seit 1805
als Offizier alle Feldzüge gegen die Franzosen mit-
machte. Nach der Restauration der Vourbons trat
er in die franz. Armee, wurde MareA)al-de-Camp,
1815 Generallieutenant und Kommandant der
8. Militärdivision in Marseille. Er befehligte 1823
eine Division im span. Feldzuge, woraus er 1824
die Leitung des Kriegsministeriums übernahm. Da
er aber den ungerechten Maßregeln gegen die alten
Offiziere des Kaiferreichs widerstrebte, übertrug ihm
Villele im Okt. 1824 das Departement des Aus-
wärtigen, das er bis zum 4. Jan. 1828 behielt.
Später ward D. zum Gouverneur des Herzogs von
Bordeaux ernannt, dem er 1830 in die Verbannung
folgte. Einige Jahre darauf kehrte D. nach Frank-
reich zurück, wo er auf dem Lande den Wissenschaften
lebte und 6. Mai 1862 starb.
Damascenen, Damascener Pflaumen,
eine Gruppe des Siegelfchen Pflaumensystems,
Früchte von rundlicher Gestalt mit stumpf-fpitzigem
Stein. Man unterfcheidet die echten D. mit weich-
baarigen ^ommertrieben von den zwetfchcnartigen
D. mit kahlen Sommertrieben; zu den erstern ge-
hören die frühe Reineclaude, die frühe Aprikosen-
pflaume und die Herrenpflaume; zu letztern die grohe
Reineclaude, Althanns Reineclaude, Iefferson, bun-
ter Perdrigon u. a. (S. auch ^In^sopli^iium.)
Damascenerklingen, Klingen von besonderer
Verstellungsart, die sich durch grohe Elasticität bei
groyer Härte und äußerlich durch eine eigentümliche
bunte, wellenförmig gewässerte Zeichnung, den sog.
Damast, auszeichnen (s. Damascieren). Gute D.
sind bei außerordentlicher Härte und Festigkeit sel-
ten dem Zerspringen ausgesetzt, dringen in weiche
Körper tiefer ein als andere Klingen und zeigen,
wenn sie gegen harte Körper, z. V. zum Abhauen
starker eiserner Nägel verwendet werden, kaum eine
Verletzung der Schneide. ^und Damascenen.
Damascener Pflaumen, s. OW-^opliviWni
Damascener Nose, s. Damaskus.
Damascener Stahl, s. Damascieren.
Damascener Traube, s. Damaskus.
Damascenus, s. Johannes^Chrysorrhoas.
Damascieren (von der ^tadt Damaskus),
eine seit dem 15. Jahrh, aus dem Orient nach
Europa übertragene Bearbeitungsart des Stahls
(Damascener Stahl oder Damaststahl).
Diese besteht im allgemeinen in emer Ve^chweihung
mehrerer koblenstoffreicher Stahlplatten oder von
Drähten verschiedener Sorten bei äußerst langsamer
Abkühlung. Die Platten werden durch Drehen und
Knicken eng ineinander verflochten, vorher aber
mit Säuren verfchiedenartig behandelt. Es zeigen
sich dann im fertigen Stahl "wurmbunte", unregel-
mäßige, gewässerte Linien, welche nicht wie bei
curop. Fälschungen nur ausgeätzt (s. Atzen, Bd. 2,
lH. 66d), sondern dem ^tahl selbst eigentümlich
sind. Die Frage, ob in Damaskus diese Stahlart,
aus der namentlich die Damascenerklingen ls.d.) ge-
fertigt wurden, erfunden worden sei, ist vielfach
umstritten worden. Sicher ist, daß schon Nebukad-
nezar und im 14. Jahrh. n. Chr. Timur-Lenk die
Waffenschmiede von Damaskus nach der Eroberung
der Stadt entführten, und daß diese dauernd eine
der wichtigsten Handelsplätze für Waffen war. Die
Fabrikation stammt wahrscheinlich aus Nordindien.
Es sind noch alte ind. Dolche und Schwerter er-
halten. Jetzt ist die Fabrikation im Orient eine
verbreitete, weniger in Damaskus selbst als in
Persien und darüber hinaus im Osten, in Cborassan,
Schiras, Ispahan, Kerman, Herat und Meschhed.
Der Stahl wird meist aus Golkonda in Indien be-
zogen und oft mit dem sehr harten und spröden pers.
(Htahl gemischt. So vereinigt die zu fertigende
Klinge die Härte des pers. Stahls mit der Elasticität
des indischen. Die europ. Behandlung mit rascher
Abkühlung würde auch den ind. Stahl spröde machen.
In Persien macht man ihn rotglühend und wickelt
ihn in nasses Tuch. Die Klingen werden, wenn sie
ihre Form erhalten haben, 6-8 Tage lang in eine
mäßige Hitze gegeben, welche durch trocknen Dünger
von Küben und andern Tieren gleichmäßig erhalten
wird. Dieser Dünger soll auch die Salze entbalten,
welche zur Entwicklung der eigentümlichen Eigen-
schaften für notwendig gehalten werden. Den aus
dem Ofen genommenen Stahl läßt man sich ruhig
abkühlen und poliert ihn sodann. Damit bat er
seine Schneidigkeit und seine Biegsamkeit erbal-
ten, aber noch nicht den Damast, die wellige
Zeichnung. Diese hervorzurufen, bedarf es noch
einer neuen Behandlung, einer 'Atzung mit Vitriol,
oder einem andern Ätzmittel. Das Verfahren der
Damascierung wird auch auf Gewehrläufe in An-
wendung gebracht. Der hohe Kostenpunkt verbietet
die Anwendung damascierter Stücke im Wasfenge-
brauch der Armee. - Die Damascenerklingen kamen
schon im frühen Mittelalter nach Europa, wo sie seit
dem 17. Jahrh, in Frankreich nachgeahmt wurden
und zwar für Klingen, Gewehrläufe und andere
Gegenstände. Allein immer ist es nur Imitation
auf der Oberfläche, weder der echte Damast noch der
echte Stahl. Namentlich seit den fünfziger Iabren
haben (5louet, Crivclli, Bre'ant und vor allem
An'ossow es iu dieser Nachahmung weit gebracht.
Man unterscheidet in Europa: Banddamast