Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

717
Dampf (Dunst)
Quecksilbersäule von dieserLängc das Gleichgewicht) -
bei 0" 4,0 mm; bei 50" 92 mm, bei 100 760 min,
also soviel wie der Druck der Atmosphäre. Mit der
Zunahme der Temperatur steigt die Spannkraft
auf 2 Atmosphären (also 2 X 760 min Queck-
silberhöhe) bei 120,6" <ü.; auf 5 Atmosphären bei
152,22" (^.; auf 10 Atmosphären bei 180,3" ^'. u. s. w.
In ähnlicher Weise, wie beim D. des Wassers, miftt
man auch die Spannkraft des D. anderer Flüssig-
keiten, z. V. des Alkohols, Llthers u. dgl. m., indein
man einige Tropfen derselben in das Vakuum eines
Barometers d" aufsteigen läßt und dann die durch
die entsprechenden D. bewirkte Herabdrückung < De-
pression) 8 der Quecksilbersäule in d" durch Ver-
gleichuug mit dem Quecksilberstande im Barometer
d für die eben stattfindende Temperatur mißt. Für
die aus verschiedenen Substanzen gebildeten D. sind
die Spannkräfte für gleiche Temperaturen sebr ver-
schieden; so z. V. beträgt die Spannkraft der Wasser-
dämpfe bei 25" <^. 23,"; mm, der Altoboldämpfe
59,4 mm, der Ätherdämpfe 526,!" mm. Die Spann-
kraft der D. ist bei derselben Temperatur um so
größer, bei je niedrigerm Wärmegrad die betreffende
Flüssigkeit siedet, und steigt bei D. jeder Art mit der
Temperatur. Zur Messung der Spannkraft
derD. für Temperaturen unter dem Siede-
punkt verwendet man Tampsbarometer, die
sich auch für Temperaturen uuterhalb dev Ge-
frierpunktes leicht und zweckmäßig verändern
lassen. Um die Spannkraft von D. über
dem Siedepunkte zu bestimmen, läßt man die
in geschlossenen Gefäßen (z. B. in einem Pa-
pinschen Topf, einem Dampfkessel u. dgl.m.)
entwickelten D. auf Manometer (s. d.) oder
Druckventile drücken und mißt den ent-
sprechenden Druck bei der stattfindenden
Temperatur; hierher gehört ein sehr ein-
facher Apparat (s. Fig. 2), bei dem in dem
kürzern, zugeschmolzenen Glasarm über dem
Quecksilber die zu verdampfende Flüssigkeit
sich befindet. Wird dieser kurze Arm er-
wärmt, so bilden sich D., die, wie bei einem
Manometer, die Quecksilbersäule im längern
Nohr heben, wodurch man aus dem Niveau-
Fig. 2. unterschied beider Quecksilbersäulen die
Spannkraft der D. messen kann.
Die D., die sich aus den Flüssigkeiten entwickeln,
erlangen, wenn das Gefäß, worin sie sich zugleich
mit der Flüssigkeit befinden, erwärmt wird, eine
bestimmte Spannkrast, die, solange noch Flüssigkeit
im Überschüsse vorhanden ist, einzig und allein von
der Temperatur abhängt, jedoch in rascher steigen-
dem Verhältnis als diese letztere zunimmt. <^. bri-
tische Temperatur.) Eine Vergrößerung des Raums
vermindert bei unveränderter Temperatur die
Spannkraft der D. nicht, indem sich sofort aus der
noch vorhandenen Flüssigkeit neue D. so lange ent-
wickeln, bis die frühere Spannkraft vollständig
wiederhergestellt ist. Ebenso erzeugt eiue Verklei-
nerung des mit den D. angefüllten Naums bei un-
veränderter Temperatur keine Vergrößerung der
Spannkraft, weil ein Teil der D. sich sofort nieder-
schlägt, kondensiert oder verflüssigt, bis der Nest die
ursprüngliche Spannkraft wieder erreicht hat. Die
Spanntraft von D., die noch mit ihrer Flüssigkeit
in Berührung sind, läßt sich also bei derselben Tem-
peratur weder vermindern noch vermehren, weil die
D. immer wieder denselben Grad ihrer Sättigung
herzustellen vermögen; man nennt diesen konstanten
größten Druckwerk des gesättigten D. das Mari-
mum der Spannkrast bei der zugehörigen Tem-
peratur. Dieses Marimum ist jedesmal gemeint,
wenn von Spannkraft der D. bei einer bestimmten
Temperatur die Rede ist; es findet sich in den Spann-
kraststabellen (von Magnus 1843, Negnault 1847
u. a.) in Millimetern Quecksilber neben den zuge-
hörigen Temperaturen eingetragen. Nach dem Bis-
herigen kann man sagen: D., die bei einer bestimm-
ten Temperatur das Marimum der Spannung
sowie aucb der Dichte besitzen, sind für diefe Tem-
peratur gesättigt; haben dagegen die D. das bei
einer bestimmten Temperatur mögliche Marimum
von Spannkraft und Dichte nicht, so nennt man sie
ungesättigt, weil der sie umschließende Naum
noch D. bis zur Erreichung des Maximums der
Spannkraft (des Sättigungsdrucks) und der mari-
malen Dichte (der Sättigungsdichte) aufnehmen
könnte. Die ungesättigten D. können in einem ge-
schlossenen Gefäße nur dann vorhanden sein, wenn
kein Überfluß der verdampfenden Flüssigkeit mehr
da ist. lim die Spannkraft der uugesättigten jener
der gesättigten D. gleich zu machen, muß man die
Temperatur der ungesättigten bis zu einem gewissen
Grade erhöhen, weshalb die ungesättigten D. auch
ü berhitzteD. heißen. Die letztern lassen sich durch
Zusammendrückung oder Erkaltung, oder durch beide
zugleich in gesättigte D. überführen. Solange jedoch
die überhitzten D. noch weit von ihrem Sättigungs-
zustande entfernt sind, befolgt ihre Spannkraft in Be-
zug auf die Verkleinerung oder Vergrößerung ihres
Volumens sowie auf Temperaturveränderung alle
Gcfetze der Gase, sodaß heutzutage wissenschaftlich
zwischen überhitzten D. und Gasen kein wesentlicher
Unterschied mebr besteht; im praktischen Leben nennt
man jedoch die sehr leicht kondensierbaren luftförmi-
gen Körper D., während die schwieriger kondensier-
baren luftförmigen Körper Gafe Heisien. Die Spann-
kraft der D. bleibt für gleiche Temperaturen dieselbe,
der Naum im verschlossenen Gefäße (Fig. 1 u. 2) ober-
balb der Flüssigkeit, in dem sie sich bilden können,
mag mit Luft oder Gasen angefüllt oder luftleer fein.
(S. Daltonfches Gesetz.)
Die Verdampfungswärme oder Dampf-
wärme, d. i. die Wärmemenge, die zur Verwand-
lung der Flüssigkeiten in D. verbraucht wird und
ehedem latente Wärme der D. genannt wurde,
ist sür die verschiedenen Flüssigkeiten verschieden.
Man glaubte srüher, daß die Wärmemenge, die
verbrauckt wird, um 11<F Wasser von 0" in D. zu
verwandeln, wenn es auf verschiedene Temperaturen
erhitzt wird, dieselbe sei, und daß sie nahe 640 Kalo-
rien betrage. Negnault hat indes nachgewiesen, daß
1 kF Nasser von 0", wenn es bei 0" verdampft, nur
606 Kalorien, wenn es aber von 0" bis 100" (?. er-
hitzt und bei dieser letztem Temperatur verdampft
wird, 636 Kalorien verbraucht. Die bloße Umwand-
lung des Wassers von 100" in D. von 100" erfordert
demnach 536 Kalorien, da 100 Kalorien für die Er-
wärmung von 0" auf 100" gebraucht werden. Al-
kohol, Äther und Terpentinöl verbrauchen eine weit
geringere Wärmemenge bei ihrem Verdampfen. Die
genaue Beobachtung der Vorgänge beim Verkochen
des Wassers, das Stehenbleiben des Thermometers
trotz der unausgesetzten Zuführung von Wärme
durch die Feuerung, fowie der große Verbrauch an
Kühlwasser beim Destillieren führten Black 1760 zur
Entdeckung der Dampfwärme. Steigt die Temperatur
eines Gefäßes mit Wasser von </ auf einer Feuerung