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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dampfmantel - Dampfmaschine
Dampfmantel, Dampfhemd oder Dampf-
jacke, bei Dampfmaschinen die Einrichtung, bei
welcher der Cylinder, bei Kompoundmaschinen auch
der Receiver mit einem Dampfraum umgeben wird,
um die Abkühlung der innern, mit dem wirksamen
Dampf in Verbindung stehenden Flächen des Cylin-
ders u. s. w. während des Betriebes zu verhindern,
oder um dem wirtfamen Dampfe wäbrend der Ar-
deitsperiode Wärme durch die vom Dampfe im
D. erhitzten Cylinderwände zuzuführen. Zur Her-
stellung des D. werden die Cylinderwände doppelt
ausgeführt und die fo entstehenden .hohlräume mit
Dampf gefüllt, den man entweder bindurchströmen
oder stagnieren läßt. Der D. kann sich auch auf die
Cylinderdeckel erstrecken.
Dampfmaschine (frz. marine ^ vapsui-; engl.
8t6am 6NF1N6), eine mcchan. Vorrichtung, durch
welche mittels der durch Wärme (Feuerung) erzeug-
ten Spannkraft des Wasserdampfes mechan. Arbeit
geleistet wird. Die Einrichtungen der heutigen D.
sind am besten verständlich, wenn man ihre geschicht-
liche Entwicklung verfolgt.
Geschichtliches. Die Kenntnis der dem Dampfe
innewohnenden Ausdehnungs- oder Spannkraft ist
sehr alt. Schon vor Anfang der christl. Zeitrechnung
scheint man einige, wenn auch nur höchst unvollkom-
mene Vorstellungen von derselben gehabt zu baben.
Die erste Nachricht von der Anwendung des Wasser-
dampfes zur Erzeugung von Bewegung findet sich
in der u. d. T. "^ii-ituaiinin lider" (Amsterd. 1680)
von Commandino ins Lateinische übersetzten Schrift
des griech. Mathematikers und Mechanikers Heron
von Alerandrien (geb. 120 v. Chr.), der einen durch
Dampf getriebenen Apparat, die Äolipile, befchreibt.
Eine hohle, zum kleinen Teil mit Wasser gefüllte und
um eine Achse drehbare Kugel wurde erhitzt, durch
zwei seitlich gekrümmte Rohre strömte der sich bil-
dende Dampf aus und setzte durch Rückwirkung, nach
dem Princip des Segnerschen Wasserrades, die Ku-
gel in drehende Bewegung. Dieser Apparat bat eine
praktische Bedeutung niemals erlangt. Ebenfalls
Fig. 2.
ohne wirkliche Verwendung ist der Apparat des Ita-
lieners Giovanni Vranca geblieben, bei dem ein
Dampfstrahl aus einem mit Wasser gefüllten erhitz-
ten Gefäß gegen die Schaufeln eines Schaufelrades
getrieben wird und die Bewegung des letztern mit-
tels Räderwerkes auf irgend eine Arbeitsmaschine
übertragen werden kann. Die vorstehende Fig. 1
findet sich in dem Brancaschen Sammelwerk <<1.e
inaeliinL vc>1uni6 nnovo 6tc." (Rom 1629).
Der erste Apparat, welcber die Grundzüge der
beutigen Kolbendampfmaschine zeigt, ist der von
Denis Papin (1690). Der Papinsche Apparat
(nachstehende Fig. 2) besteht aus einem Cylinder 0,
in dem sich ein dicht schließender Kolben X auf
und nieder bewegen läßt. Der Kolben ist mit einer
durch eincn Stab in verschließbaren Qffnuna. ^ ver-
sehen und in seiner obersten Stellung durcb einen
am Deckel ä angebrachten
Riegel 6 festzustellen. In
das Gefäß wird eine kleine
Menge Wasser eingebracht
und durch ein darunter
angezündetes Feuer ver-
dampft, wobei der Kolben
in die Höhe geht, bez.
durch ein Gegengewicht in
die.höhe gezogen wird. Ist
der Kolben in seinem höch-
sten Punkte angekommen,
so wird er durch den Rie-
gel 6 festgehalten und das
Feuer entfernt. Der im
Gefäß befindliche Dampf
verdichtet sich infolge der
Abkühlung zu Wasser, und es entstebt ein luftleerer
Raum unter dem Kolben, fodah dieser nach Lösung
des Riegels durch den äußern Luftdruck mit der ent-
fprechcnden Kraft heruntergedrückt wird, wobei die
Bewegung durch die Kolbenstange 8 und das über die
Rollen r r laufende Seil 8 zu irgend welcherBenutzung
weiter geleitet werden kann. Diefer neue Gedanke fand
zu jener Zeit keine Anerkennung, und die Mängel,
welche der Papinschen Maschine anbafteten, wurden
namentlich von dem engl. Physiker Roden Hoote für
so bedeutend erachtet, daß Papin endlich selbst an
einer nutzbringenden Verwirklichung seiner Idee ver-
zweifelte. Teils mit Benutzung der von Papin an-
gegebenen Methode zur Herstellung eines luftleeren
Raums, teils mit Anwendung der Spannkraft des
Dampfes zur Arbeitsleistung baute Thomas
Savery (1698) eine Maschine, welche zum Heben
von Wasser diente und brauchbare Resultate lieferte.
Mit der Verbesserung dieser Maschine beschäftigte
sich auch Papin, indem er sie für Drebbeweo^nc^n
einzurichten fuchte, ohne jedoch einen nennenswerten
Erfolg zu erzielen, und fo blieb es andern vorbe-
halten, feine Ideen praktifch auszuführen.
Ein erfolgreicher Schritt in dieser Richtung wurde
von den beiden Engländern Newcomen und
Cowley (Patent von 1705) gemacbt, welche den
ursprünglichen Gedanken Papins wieder aufnahmen
und durch Anwendung eines Cylinders mit beweg-
lichem Kolben, der feinen Dampf aus einem be-
sondern Dampfkessel erhielt, die erste wirtlich brauch-
bare D. (mit Rücksicht auf die dabei erfolgende Ver-
wertung des Luftdrucks zur Arbeitsleistung atmo-
sphärische Maschine genannt) erfanden, welche
zur (geradlinigen) Bewegung der Pumpengcnänge
in den Bergwerken und fpäter auch zum Betriebe