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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dänische Sprache und Litteratur

in Schonen gesprochene dän. Mundart ist seit etwa 1660 in eine südschwedische, ein Gemisch von Dänisch und Schwedisch, übergegangen.

Die älteste dän. Sprachlehre verfaßte lateinisch Erik Pontoppidan (Kopenh. 1668); ihr folgten die von Peter Syv (1685), Gerner, "Orthographia Danica" (1679) und "Epitome Philologiae Danicae" (1690) und von Höysgaard (1743 u. 1747), später die von Baden, Bloch, Rask, Petersen, Oppermann, Sörensen, Bentzien, Jessen ("Dansk Grammatik", 1891). Das Dänische in Norwegen wurde trefflich behandelt von Løkke, "Modersmaalets Formlære" (1855) und K. Knudsens "Handbog i den dansk-norske Sproglære" (Krist. 1856). Ferner Th. Möbius, "Dän. Formenlehre" (Kiel 1871), der zugleich einen Überblick über die dän. Grammatiken und Wörterbücher giebt, endlich Poestion, Funk (Lpz. 1889) und Simonsen (Flensb. 1889). - Die dän. Lexikographie beginnt bereits 1519 mit Christiern Pedersens "Vocabularium in usum Danorum". Diesem und andern dän.-lat. Wörterbüchern aus dem 16. Jahrh. schlossen sich später die von Aphelen, J.^[Jacob] Baden, Reisler, G. H. Müller an. Das große, von der Kopenhagener Akademie, Videnskabernes Selskab, herausgegebene, noch unvollendete "Dansk Ordbog" (Kopenh. 1793 fg.) wird von Molbechs "Dansk Ordbog" (2 Bde., ebd. 1833; 2. Aufl. 1854-59) in vielen Beziehungen übertroffen. Molbech bearbeitete auch ein "Dansk Dialektlexikon" (ebd. 1833-41) und ein "Dansk Glossarium" (ebd. 1854). Unter den deutsch-dän. Wörterbüchern sind die von Bresemann (2 Bde., ebd. 1852-55), Grönberg (4. Aufl., 2 Bde., ebd. 1864), Helms (5. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1887) und Kaper (3. Aufl., Kopenh. 1889) hervorzuheben. Ein Wörterbuch der alten Sprache giebt Kalkar ("Ordbog til det ældre danske Sprog, 1300-1700", Kopenh. 1880 fg.), ein etymolog. Wörterbuch Jessen ("Dansk etymologisk Ordbog", Tl. 1, ebd. 1893) heraus. Die ältern dän. Metriker hat C. A. Thorsens "Forsög til en dansk Metrik" (2 Bde., ebd. 1833-34) und von der Reckes "Principerne for den danske Verskunst" (2 Bde., ebd. 1881) weit hinter sich gelassen. - Die Geschichte der dän. Sprache behandeln N. M. Petersen, "Det danske, norske og svenske Sprogs Historie" (2 Bde., Kopenh. 1829-30), Molbech, "Det danske Sprogs historiske Udvikling" (ebd. 1846), L. Wimmer, "Navneordenes bæjning i øldre Dansk. Bidrag til dansk Sproghistorie" (ebd. 1868), Noreen, "De nordiska Språken", S. 39 fg. - Über die dän. Dialekte vgl. Dyrlund, Udsigt over de danske Sprogarter (1857); Hagerup, Det danske Sprog i Angel (2. Ausg. 1867); Lyngby, Bidrag til en sönderjysk Sproglære (1858); Kok, Det danske Folkesprog i Sönderjylland (2 Bde., 1863-67). Vieles bringt die neue Zeitschrift für Volkskunde und Volkssprache "Dania" (Kopenh. 1890 fg.).

II. Litteratur. Von der ältesten dänischen Litteratur ist im Original nichts erhalten. Saxo Grammaticus und der Verfasser der norweg. Thidrekssaga (s. d.) rühmen den Reichtum altdän. Heldenlieder. Ein Teil ist von Saxo ins Lateinische übersetzt, andere haben Reste in spätern Volksliedern zurückgelassen. Die ältesten dän. Sprachdenkmäler sind Provinzialgesetze, fast durchweg Privataufzeichnungen. Erhalten in Abschriften des 14. Jahrh. gehen sie doch bis in den Anfang des 13. zurück. Das älteste ist das Schonische Gesetz ("Skaanske Lov", hg. von Thorsen 1853), das in der erhaltenen Fassung 1203-12 entstanden ist, aber wohl schon im 12. Jahrh. unter Waldemar I. zuerst entworfen wurde. Ihm zur Seite steht das Schonische Kirchengesetz. Nicht viel jünger sind "Valdemars Sællandske Lov" und "Absalons Sællandske Kirkelov" (hg. von Thorsen 1852). Auf dem Reichstage zu Vordingborg 1241 wurde das "Jyske Lov" (hg. von Petersen 1850 und besser von Thorsen 1853) sanktioniert. Gesetze für gewisse Stände werden schon in der ältesten Sagenzeit erwähnt. In ziemlich junger Fassung nur ist Knuts d. Gr. "Witherlagsret" erhalten, das für das königl. Gefolge galt (Kolderup Rosenvinge "Samling af gamle danske Love", 5 Bde., Kopenh. 1821-46). Außerdem gab es viele Gilde- und Zunftstatuten. (Vgl. Pappenheim, Die altdän. Schutzgilden, Bresl. 1885.) - Viel Altnationales ist in den Kæmpe- und Folkevisen erhalten. Überliefert sind diese erst in Handschriften vom 16. Jahrh. ab. Der größte Teil dieser Lieder steht in Form und Inhalt sicher unter deutschem Einflusse. Neben diesen deutschen Liedern sind aber bald echt dän. Volkslieder entstanden, so der Liedercyklus von König Erik Glipping und seinem Vasallen Marsk Stig. Viele dieser Lieder gehören erst der Zeit nach der Reformation an. Die alten Sammlungen von Volksliedern sind durch die mustergültige von Sv. Grundtvig ("Gamle danske Folkeviser", 5 Bde., 1853-90) überflüssig geworden. Das Trefflichste über das dän. Volkslied schrieb J.^[Johannes] Steenstrup, "Vore Folkeviser" (Kopenh. 1891). Sonst bietet die altdän. Litteratur wenig Originales. Hervorzuheben ist Henrik Harpestrengs (gest. 1244) "Lægebog" (hg. von Molbech 1826) und Peter Lolles "Ordspråk", eine Sammlung dän. Sprichwörter (um 1400) mit lat. Übertragung (hg. von Kock und af Petersens (älteste Aufl. 1506; neueste Kopenh. 1889 fg.). Letzteres war ein vielbenutztes Schulbuch. Das Übrige ist fast durchweg Übersetzungslitteratur. So wurde im 15. Jahrh. die "Bibel" (hg. von Molbech 1828) übersetzt, ferner der "Lucidarius" (hg. von Brandt 1849), aus dem Schwedischen die "Eufemiaviser", aus dem Norwegischen die Sagen von Karl d. Gr., nach deutscher Vorlage "Dværgekongen Laurin" von Jep Jensen, "Persenober og Konstantinobis" und "Den kydske Dronning" (hg. von Brandt, "Romantisk Digtning fra Middelalderen", 3 Bde., 1869-77) von dem Priester Michael (gest. 1496) "Jomffrow marie rosenkrantz" nach des Alanus de Rupe "Psalterium beatae virginis" (hg. von Molbech 1836). Desgleichen besitzen wir eine Übersetzung von Mandvilles "Abenteuerlicher Reise" (hg. von Lorenzen, Kopenh. 1882). Auch das Drama zeigt sich in seinen ersten Anfängen; ebenso die Satire. Von den Wissenschaften genoß nur die Geschichte einigermaßen der Pflege. Lateinisch geschrieben erschienen Sven Aagesøns "Chronik" (1187) und vor allem Saxo Grammaticus' (s. d.) "Historia Danica" (1180). An Originalchroniken dagegen ist Dänemark arm. - Vgl. Gammeldanske Kröniker, hg. von Lorenzen (Kopenh. 1887 fg.), und Danske Rimkrönike bis 1478, hg. von Molbech (1825).

Obgleich die lat. Sprache, deren Studium durch die humanistischen Bestrebungen des Reformationszeitalters neu gekräftigt war, der Volkssprache bis in das 17. Jahrh. herab nur wenig Raum ließ, entwickelte sich doch schon durch die Kirchenreformation, deren Vertreter zum Volke in dessen Sprache sprechen mußten, eine dän. Schriftsprache. Christiern Pedersen (um 1480-1554) war der größte Schrift-^[folgende Seite]