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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Danzig (Herzog von) - Daphne
nahm Handel und Wohlstand ab. Die Zustände ver-
schlimmerten sich aber noch im 18. Jahrb. Bei den
poln. Thronftreitigkeiten, in denen D. für (^tanis-
laus Lesczhnski Partei genommen hatte, hatte es
1734 eine vom rnss. Fcldmarschall Münnich gelei-
tete harte Belagerung zu erleiden, die mit ihrer
Eroberung und einer schweren Kontribution^leistung
schloß. Bei der ersten Teilung Polens 1772 blieb sie
zwar freie Stadt, aber alles umliegende Land bis
Tborn hin, die Weichsel und der Hafen kamen unter
prcuß. Herrschaft, der Handel war der Stadt ab-
geschnitten, und die Macht, sich daraus zu befreien,
fehlte ihr. Nachdem Ko'uig Stanislaus Poniatowski
von Polen erklärt hatte, daß er D. seinem Eckicksal
überlassen müsse, und nun Preußen dessen Unterwer-
fung verlangte, kam es zu einem Vertrag, wonach die
Preußen 3. April 1793 in die Stadt einrückten, welche
7. Mai dem König Friedrich Wilhelm II. huldigte.
Nnter Preußens Herrschaft begann D. wieder auf-
zublühen, doch nach dem Ausbruch des franz. Krieges
1806 trafen die ^tadt neue harte Schläge. März
1807 wurde sie von dem Korps unter dem Marschall
Lefebvre umringt und befchossen. Mangel an Muni-
tion bestimmte endlich den Gouverneur, Grafen
von Kalckreuth, 24. Mai zur Kapitulation. Die Be-
satzung verließ 27. Mai die Festung mit Kriegsehren
und der Verpflichtung, ein Jahr lang nicht gegen
Frankreich zu dienen; den Einwohnern ward eine
Kriegssteucr von 20 Mill. Frs. auferlegt und Le-
febvre erhielt den Titel eines Herzogs von D.
Durch den Tilsiter Frieden wurde D. als Freie
Stadt mit einem Gebiete von 2 Lieues, das die will-
kürliche Erklärung Napoleons auf das ganze frühere
Stadtgebiet ausdehnte, unter Frantreicks, Preußens
und Sachsens Schutz anerkannt. Doch tonnte es,
als franz. Waffenplatz, feiner Unabbängigkeit nie-
mals froh werden, da fortwährend ein franz. Gou-
verneur, General Napp, in Garnifon daselbst blieb,
und durch das Kontinentalsystem der Hauptnah-
rungszweig, der Handel mit England, zerstört war.
D. wurde infolge des russ. Krieges 31. Dez. 1812 in
Belagerungszustand erklärt. Inzwischen gelang es
doch den franz. und poln. Truppen des 10. Armee-
korps, sich beim Rückzüge in die Stadt zu werfen.
Ebenso langten noch Verstärkungen aus Spandau
und Magdeburg an, sodah die Garnison 33000
Mann betrug, als gegen Ende Jan. 1813 das russ.
Einschließungskorps,aus 6000 Mann Kosaken be-
stehend, erschien, welches bald durch ein Korps von
7000 Mann Infanterie und 2500 Mann Kavallerie
mit 60 Feldgeschützen, unter dem Generallieutenant
von Loewis, abgelöst wurde. Nach dem Waffenstill-
stände vom 24. Aug. übernahm der Herzog von
Württemberg den Oberbefehl der Belagerungsarmee,
doch erst als ein russ. Geschwader sich von der Lee-
seite der Stadt genaht und die Beschießung begonnen
batte, sah sich General Napp genötigt, die Festung zu
übergeben. Mit dem 3. Febr. 1814 kehrte D. unter
Preußens Oberherrschaft zurück. Nur langsam ver-
mochte sich die Stadt unter preuß. Herrschaft von
den Folgen der schweren Jahre 1807-13 zu er-
holen. Die städtische Verwaltung muhte die äußerste
Sparsamkeit beobachten, um nur die große Ge-
meindeschuld verzinsen und tilgen zu können. Erst
unter dem Oberbürgermeister von Winter (seit 1863)
wurde das Volksschulwesen vollständig reorgani-
siert und namentlich die der Gesundheit der Bewoh-
ner gefährlichen Zustände durch die Wasserleitung
und die Kanalisation der Stadt beseitigt.
Litteratur. Gralath, Geschichte D.s (3 Bde.,
Königsd. 1789-92); Duisburg, Geschichte der Be-
lagerungen und Blockaden D.s (Danz. 1808); ders.,
Versuch einer histor.-topogr. Beschreibung D.s (ebd.
1816); Blech, Geschichte der siebenjährigen Leiden
der Stadt T. von 1807-14 (2 Bde., ebd. 1816);
Loschin, Gcsckichte D.s (2 Bde., ebd. 1822); Döring,
Danziger Bilder (ebd. 1840); Weinreich, Danziger
Chromk (Berl. 1855); Hirsch, D.s Handels- und Ge-
werbsgefchickte (Lpz. 1858); Loschin, D. und seine
Umgebungen (4. Aufl., Danz. 1860); Schultz, D.
und seine Bauwerke (mit 54 Kupfertafcln, 2. Aufl.,
Verl. 1872); Brandstätter, Land und Leute des Land-
kreises D. (Danz. 1879); Gedanensia, Beiträge zur
Geschichte D.s l3 Bockn., ebd. 1879-86); D. in
natnrwissensckastlicber und mediz. Beziehung (Feft-
scbriftzur53. Naturforscherversammlung, ebd. 1880);
Wernick, Führer durch D. (ebd. 1873); Rudolph,
Neuer Führer durch D. und Umgegend (2. Aufl.,
ebd. 1887); Püttner, Danzig (ebd. 1888); Wistulanus,
Geschichte der Stadt D. (ebd. 1891); Pawlowski,
Fremdenführer durch D. (2. Aufl., ebd. 1892); ders.,
Geschichte der Provinzialhauptstadt D. (ebd. 1893);
Köhler, Geschichte der Festungen D. und Weichsel-
münde l2 Bde., Bresl. 1893). ^Joseph.
Tanzig, Herzog von, s. Lefebvre, Francois
Danziger Vucht, Einbuchtung der Oftsee, zieht
sich an den prcusi. Provinzen West- und Ostpreußen
von Nirhöft bis Brüsterort ungefähr 82 1<m breit
hin und zerfällt in die Putziger Wiek zwischen
dem Festlande und der Putziger Nehrung (Halbinsel
Hela), in das Friscke Haff, das durch die Frische
Nehrung von der eigentlichen Bucht getrennt ist
und in das Pillauer Tief. Die Ostküste, die sich
bis Brüstcrort erstreckt, wird Vernsteinküste ge-
nannt. (^. die Einzclartikcl.) Die Tiefe der Bucht,
in die die eigentliche Weichfel mündet, wächst vom
Festland an gegen das ossene Meer hinaus von
6 bis 160 m. Bei Brüsterort, Pillau, Neufahrwasser,
Hcla und Heisternest auf der Putziger Nehrung
fowic bei Nirböft stehen Leuchttürme.
Tanziger Goldwasfer, ein süßer aus verschie-
denen Wurzeln und Kräutern hergestellter Liqueur,
der seit alter Zeit in Danzig bereitet wird und seinen
Namen davon trägt, daß ihm eine geringe Menge von
zu Flittern verriebenem Blattgold zugefügt wird; be-
sonders wird er in der 1598 gegründeten Fabrik
von Isaac Wed Ling Wwe. & Eydam Dirck Heller
("im Lacks") hergestellt.
Danziger Höhe, Kreis im preuß. Neg.-Vez.
Danzig, hat 432,89 <ikm, (1890) 39 763 (19665
männl., 20098 weibl.) E., 45 Landgemeinden und
51 Gnt^bezirke.
Danziger Niederung, Kreis im preuh. Neg.-
Vez. Danzig, hat 475,20 c^m, (1890) 34024(16715
männl., 17 309 weibl.) E., 72 Landgemeinden und
13 Gutsbezirke.
Danziger Tropfen, ein ursprünglich in Dan-
zig bereiteter, auch anderwärts vielfach nachgeahm-
ter, gewürzhafter bitterer Liqueur, welcher als
Grundlage einen dnrck Destillation über Enzian-,
Galgant-, Alantwnrzel, Vitterklee, Tausendgülden-
kraut, Kalmuswurzel, Pomeranzenschalen und
andern Ingredienzien gewonnenen Spiritus hat.
Danziger Werder, fruchtbare Marschgegend
in der Provinz Westpreußen, südlich von Danzig,
zwischen der Weicksel und Mottlau.
I>a.pIinS ^., Pflanzengattung aus der Familie
der Thymeläaceen (s. d.), besteht aus Sträuchern