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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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David I. (König von Schottland) - David Joris
Freischarensührers führte. Von Saul gedrängt,
trat er zu den Philistern über und ward mit der
Stadt Ziklag belelmt. Das Mißtrauen der Philister
verhinderte seine Beteiligung an dem letzten Kampfe
derselben gegen Saul.
Nach Sauls Tode knüpfte D. mit dem Adel des
Stammes Iuda und den Häuptlingen der noma-
dischen und halbnomadischen Stämme südlich von
Bethlehem Verbindungen an, und diese weihten ihn
zum König von Iuda, während die übrigen Stämme
Sauls jüngstem Sohne Eschbaal (Isbofeth) treu
blieben. D. wie Efchbaal regierten als Vasallen
der Philister, bekriegten sich aber gegenseitig. Es
gelang D. nicht nur, sich zu behaupten, sondern
sein Reich zu kräftigen, während das Reich Sauls
durch Uneinigkeit in der königl. Familie zurückging.
Nachdem Eschbaal durch Mörderhand gefallen war,
wählten die israel. Häuptlinge D. zu feinem Nach-
folger, fodah Israel und Iuda wieder vereinigt wur-
den. D. gelang es in mehrjährigen Kämpfen die
Oberherrfchaft der Philister abzuschütteln und in dem
bis dahin kanaanit. Iebus, dem spätern Jerusalem,
dem Neiche eine Hauptstadt zu erobern. Die Edo-
miter, Moabitcr und Ammoniter unterwarf er, auch
aramäische Staaten gaben ihm Tribut. Die israel.
Nation, vor ihm machtlos, in eine große Anzahl
sich oft bekriegender Teile zerfallend und die Beute
ihrer Nachbarn, wurde durch ihn für ein Menschen-
alter die führende in Syrien. In der Stiftung des
israelit. Staates und der Gründung Jerusalems
liegt D.s geschichtliche Bedeutung. Er hat dadurch
auch die Entwicklung der religiösen Ideen aufs
stärkste beeinflußt. Die fpätere Entwicklung der Reli-
gion und des Kultus wäre ohne die Hauptstadt Jeru-
salem, die messianische Hoffnung ohne D.s Königtum
nicht denkbar. Weniger glücklich war D. in feinen:
häuslichenLebcn. Durch Schwäche gegen seine Kinder
hat er sich eine Fülle Unheil zugezogen. Den Thron-
folger Amnon wagte er für die Entehrung der
Thamar nicht zu strafen und zwang fo Absalom
(s. d.), Rache durch Ermordung Amnons zu nehmen.
Nachdem Absalom begnadigt war, stiftete er mit
dem unzufriedenen judäischen Adel eine Verschwö-
rung an, verdrängte D. vorübergehend und be-
schimpfte ihn gröblich. Der Tapferkeit Ioabs, wie
feiner eigenen Schlauheit, verdankte D. die Rettung
aus dieser Gefahr. In seinen letzten Tagen lieh er
sich bereden, Salomo mit Übergehung des rechtmäßi-
gen Thronerben Adonia zum Könige proklamieren
zu lassen, und veranlaßte so den Untergang auch
dieses Solmes. Die nachexilische Auffassung, wie
sie in der Chronik vorliegt, weiß viel von D.s Be-
mühungen um den Kult, insonderheit den Psalmen-
gesana, zu erzählen, durch ihre Überschriften wird die
Mehrzahl der Psalmen auf ihn zurückgeführt, ja
später hat man ihn geradezu als Verfasser des Psal-
menbuches bezeichnet. Dieser Vorstellung fehlt jede
histor. Unterlage; ihr widerspricht der Inhalt und
Zweck der Psalmen ebenso wie alles das, was wir
über D. aus alter Überlieferung wissen (s. Psalmen).
David I., König von Schottland (1124-53),
jüngster Sohn Malcolms III., folgte seinem kinder-
los gestorbenen Bruder Alexander I. auf dem Thron.
Er führte das normänn. Fcudalwesen in Schottland
ein, begünstigte die Kirche und erkämpfte sich als Ge-
nosse des Grafen von Anjou, spätern Heinrichs II.
von England, gegen Stephan von Vlois einige
nordeng!. Besitzungen, die jedoch unter seinen Nach-
folgern wieder verloren gingen.
David H., König von Schottland, s. Bruce,
Robert (Bd. 3, S. 594 a).
DavidKomnenos, Kaiser vonTrapezunt aus
dem Hause der Groß-Komnenen, Sohn Alexios' IV.,
bemächtigte sich 1458 nach dem Tode seines Bru-
ders Johannes IV. (Kalöjohannes) des Thrones
von Trapezunt, der seinem unmündigen Neffen
Alexios V. zustand. Der Eroberungspolitik des
Sultans Mohammed II. war er nicht gewachsen,
und trotz seiner eifrigen Rüstungen und seiner Bünd-
nisse im Orient, denen die Bemühungen Pius II.
im Abendlande zur Seite gingen, sah er sich 1462
genötigt, zu kapitulieren, als Mohammed Trapezunt
zu Lande und zu Wasser einschloß. Er wurde mit
seiner ganzen Familie und den Würdenträgern des
Reichs nach Konstantinopel abgeführt und erhielt
Ländereicn in der Gegend von Adrianopel oder
Serrä in Macedonien angewiesen. Da er in Ver-
dacht kam, eine Empörung gegen den Sultan an-
gezettelt zu haben, wurde er um 1465 mit seiner
Gemahlin und sieben oder acht Söhnen in Konstan-
tinopel hingerichtet. Sein jüngster Sohn Georg soll
sich gerettet haben und Stammvater der Stephano-
pulos (s.d. und Komnenos, Dcmetrios) von Mani
und Corsica geworden sein.
David (armenisch Davith), der Philosoph,
auch der Unbesiegte (auk^ktii) genannt, arme-
nischer Schriftsteller des 5. Jahrh. n. Chr. Seine
Schriften sind (mit denen des Koriun und Mambre)
1833 in Venedig von den Mechitaristen herausge-
geben worden und bestehen teils aus selbständigen
Werten ("Lobrede auf das heilige Kreuz", "Philos.
Definitionen" u. s. w.), teils aus Übersetzungen des
Porphyrius ("NsaFOFö" mit Kommentar des D.)
und Aristoteles ("Xato^oriai" und "I'oi'i Hsrrnö-
ii(M3", beide mit Kommentar des D., Kommentar
zu den "^ual^tika" u. s. w.). - Vgl. Neumann, Ne-
moire 3ui- Ik vio et 168 ouvraZeZ cl6 I). (Par. 1829);
ders., Versuch einer Geschichte der armenischen Litte-
ratur (Lpz. 1830).
David von Augsburg, Mystiker, war Fran-
ziskanermönch, zuerst Novizcnmeister und Lehrer
der Theologie in Regensburg, wirkte seit 1243 in
Augsburg und starb hier 1271 oder 1272. Außer
zahlreichen lat. Schriften, unter denen sein Traktat
"1)6 1iÄ6re8i pimpoi'uin (16 i^iAänno" ihn als einen
eisrigen Verfolger der Ketzer zeigt, sind von ihm as-
cetische Traktate in deutscher Sprache erhalten, die
von seiner nicht gewöhnlichen Beherrschung der-
selben zeugen. Sein Schüler war Berthold (s. d.)
von Negensburg. Daß er auch den Schwaben-
spiegel verfaßt habe, ist eine jetzt aufgegebene Ver-
mutung. - Vgl. Deutsche Mystiker, hg. von Frz.
Pfeiffer, Bd. 1 (Lpz. 1845), und Preger, Geschichte
der deutschen Mystik, 1. Tl. (ebd. 1874).
David von Dinant, Scholastiker, war um 1200
Lehrer der Theologie zu Paris, schrieb eine verloren
gegangene Schrift "(juaterni" (oder HuLttsrumU),
die 1209 von einer Pariser Synode zur Verbrennung
verurteilt wurde. Ein Zeitgenosse von Amalrich von
Bena (s. d.), wurde er vielfach für dessen Schüler
und für einen Mitbegründer des mittelalterlichen
Pantheismus gehalten. - Vgl. Krönlein, Über
Amalrich von Vena und D. von Dinant (in "Theol.
Studien und Kritiken", Jahrg. 1847); Iundt.
I1i8toii'6 cln ^)3,ntli6i8in6 P0Ml3,ii'6 (Par. 1874).
David Joris, eigentlich Ioriszoon, d.h.
Sohn des Georg, ein tzaupt der Wiedertäufer, geb.
1501 zu Brügg/in Belgien, betrieb die Glasmalerei