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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Défi - Défilé
Defferbach) durchflossen. Erst im obersten Theil, wo
es von den Gletschern des Hochgall (3440 m) und
den Ausläufern des Dreiherrnspitz (Rödtspitze
3492 m) eingesäumt wird, ninnn: es einen groß-
artigen Charakter an. Die Bewobner (2847) wan-
dern zum Teil als Uhren-, Teppich- und Strohhut-
händler in der Welt umher, werden aber, zurück-
gekehrt^ wieder Bauern.
Deft (frz.), Herausforderung.
Defiance (spr. defeiänß), Hauptstadt des gleich-
namigen County im nordamerik. Staate Ohio, süd-
westlich von Toledo, an der Mündung des Anglaize
in den Maumee, am Eriekanal, ist Eifenbabnknoten-
puntt,hat(1890)7694E.,FabrikationvonFaßdauben
und Reifen, Wagen, Papier, Cement, Öfen und Mehl.
Defibreur (spr. -bro'hr), s. Holzstoff.
vsüoients psounia., bei Geldmangel; äeü-
c^i6M6 iiscu- äsücit omne -nia, ("Wo es an Geld
fehlt, fehlt es an allem"), Scherzvers mit Ausein-
anderreißung des Wortes peounia (aus Rabelais'
Gargantua und Pantagruel, III, 41).
Deficit (lat., eigentlich "es fehlt"), im allgemei-
nen Bezeichnung für das Zurückbleiben der Gesamt-
einnahmen gegen die Ausgaben in einer bestimmten
Nechnungsperiode. Der durch die kaufmännische
Bilanz sich ergebende Verlust ist mithin ein D., für
welches sich der Name Nnterbilanz indessen mehr !
eingebürgert hat. Auch spricht man von einem D., !
wenn der wirtliche Stand einer Kasse hinter den !
Ausweisen der Bücher zurückbleibt (gewöhnlich "De-
fekt" genannt). Besondere Verbreitung hat die Be-
zeichnung D. in der Finanzwirtschaft erlangt. Hier
ist unter D. im weitern Sinne der Überschuß der
Ausgaben über die Einnahmen einer bestimmten
Finanzperiode zu verstehen. Ist das Gleiche bereits
im Voranschlag des Staatshaushaltes vorhanden,
so liegt ein budgetmäßiges D. vor; ergiebt es
sich erst (durch Erhöhung der vorausgesetzten Aus-
gaben oder durch Verminderung der erwarteten Ein-
nahmen oder durch beides) während der Durchfüh-
rung des Haushaltsplanes, fo spricht man von
einem wirtschaftlichen D. Zieht sich das D.
durch mehrere Finanzperioden hin, so ist ein chro-
nisches D. vorhanden. Das D. kann im außer-
ordentlichen oder im ordentlichen Etat vorkommen.
Ersteres entsteht, wenn der Überschuß der ordent-
lichen Einnahmen zur Deckung des außerordent-
lichen Bedarfs nicht genügt. Letzteres, das D. im
eigentlichen und engern Sinne, tritt ein, wenn die
ordentlichen Ausgaben durch die ordentlichen Ein-
nahmen des Staates nicht gedeckt werden können.
Ist auch ein D. selbst bei geordneten Finanzverhält-
nissen nicht unter allen Umständen zu vermeiden, so
muß doch die Finanzpolitik dabin gerichtet sein, daß
das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Aus-
gaben nicht gestört wird, bez. daß das eingetretene
D. möglichst bald beseitigt werde, damit es nicht
chronisch wird. Zu dem Zwecke ist entweder Er-
mäßigung der Ausgaben oder Erhöhung der Ein-
nahmen oder beides nötig. Die Erschließung neuer
oder die bessere Ausnutzung vorhandener Einnahme-
quellen ist bei den steigenden Ausgaben das wich-
tigste Gegenmittel, zumal die Veräußerung von
Staatsgütern bald ihre Grenze erreicht und die
Aufnahme neuer Anleihen um fo schwieriger wird,
je länger das D. anhält. Die Ausgabe von Papier-
geld zur Deckung des D. ist nicht zu empfehlen.
Entsteht das D. nur durch außerordentliche Aus-
gaben, so ist noch darauf zu achten, ob diefe Aus-
gaben den Charakter staatswirtschaftlicher Kapital-
anlagen haben, also den Staat entweder in den
Besitz einer dauernden Einnahmequelle setzen, oder
ihm andere bleibende Vorteile verschaffen. Unter
dieser Voraussetzung wird die Deckung des D. nor-
malerweise durch Anleihen zu beschaffen sein. Das-
selbe wird dann in der Regel gar nicht oder doch
nicht vollständig wirklich zu Tage kommen, indem
man es bei der Aufstellung des Vndgets voraus-
gesehen und zugleich schon für entsprechende außer-
ordentliche Einnahmen gesorgt hat. Ist dagegen
das D. durch außerordentliche Ausgaben anderer
Art, z. V. durch einen plötzlich eingetretenen Not-
stand, eine Mobilmachung oder auch durch einen
außergewöhnlichen plötzlichen Ausfall in den or-
dentlichen Einnahmen erzeugt, fo wäre es theore-
tisch vielleicht am wünschenswertesten, das Gleich-
gewicht mittels außerordentlicher Steuerzuschläge
herzustellen; praktisch aber dürfte es am zweck-
mäßigsten sein, eine Anleihe aufzunehmen, die in
einem mäßigen Zeitraume, nötigenfalls mit Hilfe
von Steuerzuschlägen, zu amortisieren wäre. (S.
Budget und Staatsschulden.)
Defigurieren (lat.), verunstalten, entstellen;
Defiguration, Verunstaltung.
Defile, Engpaß, Engweg, Engnis, mili-
tär. Bezeichnung für einen gangbaren Weg durch un-
gangbares Gelände, wie Brücken und Dämme, die
über Gewässer oder durch Weichlandstrecken sühren,
Gebirgsthäler, Hohlwege, Dorfstraßen, Waldwege
u. s. w. Da das D. eine Entwicklung in breiter
Front unmöglich macht, so sind Truppen, die ein
D. passieren, genötigt, die Gefcchtsformation auf-
zugeben und in die Marschsormation überzugehen;
das Durchschreiten eines D. verzögert daher sowohl
den Vor- wie den Rückmarsch und versetzt die Truppe
in einenZustand taktischer Schwäche, welchezunimmt,
je länger und schmaler das D. ist. Diese Schwäche
wird sich am gefährlichsten in dem Augenblick fühl-
bar machen, wenn das das D. durchschreitende Korps
gezwungen ist, unter den Augen des Feindes sich
aus dem jenseitigen Ausgange des D. zu entwickeln
(zu dedouchieren), da hier die Gefahr nahe liegt, daß
die nach und nach einzeln aus dem D. heraustreten-
den Abteilungen von der versammelten Macht des
Feindes angegriffen, in ihrer Vereinzelung geschla-
gen und in das D. zurückgeworfen werden. Die Ver-
teidigung eines D. wird daher in den meisten Fällen
am zweckmäßigsten aus einer rückwärts gelegenen
Vereitschastsstellung bewirkt werden. Eine Aufstel-
lung im D. selbst wird in der Regel nur bei längern
D. genommen werden. Eine solche Aufstellung ge-
stattet zwar zunächst, den überlegenen Gegner mit
geringen Streitkräften aufzuhalten, ist aber stets der
Gefahr der Umgehung ausgefetzt, da schließlich jedes
D.umgangenwerdenkann(wieschondasBeispieldes
Thermopylenkampfes, dieses berühmtesten Dösile'-
gefechtes aller Zeiten, bewiesen hat). Die Verteidi-
gung in das D. zu verlegen wird daher nur dann
ratsam sein, wenn es sich um vorübergehenden Zeit-
gewinn handelt, wie z. V. bei Deckung eines Rück-
zugs oder um den eigenen hinter dem D. zur Zeit
noch vereinzelten Streitkräften die Möglichkeit der
Versammlung zu verschaffen. Soll dagegen mit der
Verteidigung des D. eine endgültige Waffenent-
scheidung verbunden werden, so ist, wie oben gesagt,
die Verteidigung hinter das D. zu verlegen und die-
ses selbst nur dazu zu benutzen, die Entscheidung un-
ter möglichst günstigen taktischen Bedingungen, d. h.