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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deiphontes – Dejean (Jean Françis Aimé, Graf)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Deiphobos'

wurde er von Helena dem Menelaos verraten, der ihn grausam verstümmelte. In diesem Zustande traf ihn Äneas in der Unterwelt an.

Deïphóntes, ein Heraklide, der die Tochter des Herakliden Temenos (s. d.), Namens Hyrnetho, heiratete. Da er von seinem Schwiegervater dessen Söhnen vorgezogen wurde, ermordeten diese den Vater; sie wurden zwar von den Argivern verjagt, gewannen aber später in Argos die Oberhand. D. wanderte hierauf nach Epidauros aus, wo Hyrnetho von ihren Brüdern geraubt und, als D. sie im Kampfe zu befreien versuchte, getötet wurde.

Deipnon, bei den alten Griechen die Hauptmahlzeit zwischen Frühstück (Ariston) und Abendessen (Dorpon), wurde in klassischer Zeit in der Regel gegen Abend gehalten.

Deïpyle, in der griech. Sage die Tochter des Adrastos (s. d.), Gemahlin des Tydeus (s. d.) und Mutter des Diomedes (s. d.).

Deïpylos, ein Sohn des thrazischen Königs Polymestor, der nach der Darstellung einer nach griech. Vorbild gedichteten Tragödie des röm. Dichters Pacuvius dadurch seinen Tod fand, daß sein Vater ihn statt des ihm anvertrauten Polydoros (s. d.), des Sohnes des Priamos, tötete.

Deir, Hauptort von Unternubien, s. Derr.

Deir el-Kamr, s. Der el-Kamar.

Deisidämonie (grch.), die Furcht und heilige Scheu vor den Dämonen.

Deïsmus, eine in England im 17. und 18. Jahrh. herrschende Richtung des verständigen Fragens und Forschens in Rücksicht auf die Religion mit dem Streben, alle positiven Religionen aus der einen natürlichen Religion abzuleiten. Das Gemeinsame des im einzelnen vielgestalteten englischen D., dessen Allhänger Deïsten oder Freidenker genannt werden, ist: Als das Wertvolle an der persönlichen Religiosität erscheint nicht mehr das Fürwahrhalten der einzelnen Dogmen, sondern die Annahme einiger allgemeiner, dem vernünftigen Denken von selbst einleuchtender Sätze, ein sittlich gutes Leben oder die innere Kraft des Herzens; von den verschiedenen positiven Religionen erscheint nicht mehr die christliche als allein wahre, sondern hinter allen Religionen sucht man die eine, allein ganz wahre «natürliche» Religion, welche in allen positiven wenigstens zum Teil enthalten, aber in jeder durch mancherlei Zusätze abgeändert ist. Begründet durch Herbert von Cherbury, Thomas Hobbes u. a. erreicht der englische D. seine Blüte durch John Locke, John Toland, Shaftesbury, Matthew Tindal, Thomas Morgan u. a., während Bolingbroke, David Hume u. a. seine letzten Ausläufer sind. – Vgl. Lechler, Geschichte des englischen D. (Stuttg. u. Tüb. 1841); Pünjer, Geschichte der christl. Religionsphilosophie seit der Reformation (2 Bde., Braunschw. 1880–83).

Deisselberg, Basaltkegel auf der Hochfläche von Paderborn, in die das Eggegebirge in Westfalen übergeht, erhebt sich bei Trendelburg zu 386 m Höhe.

Deïsten, die Anhänger des Deïsmus.

Deister, waldreiche Bergkette zwischen der Weser und Leine, im preuß. Reg.-Bez. Hannover, südwestlich der Stadt Hannover, zieht von Springe in nordwestl. Richtung bis Rodenberg, von dem parallelen Süntel (s. d.) nur durch das Thal der Kaspau getrennt, und erreicht im Höfeler Berg oder Hübler 403, im Beilstein bei Springe 338 m. Bei Bad Nenndorf verflacht er sich. Der D. hat ergiebige ↔ Steinkohlengruben, Sandsteinbrüche und Salzwerke. Am Nordende die Bückeberge (s. d.).

Deister-Leinebahn, eine von einer Privatgesellschaft 1861 beabsichtigte, aber nicht ausgeführte Verbindung der Deister Kohlenwerke mit Hannover.

Deistersandstein oder Wealdensandstein, ein feinkörniger, leichter Sandstein, welcher der untersten Kreideformation des nordwestl. Deutschland (Wealdenformation, s. d.) angehört und von seinem hauptsächlichsten Verbreitungsbezirk, dem Deistergebirge bei Hannover, seinen Namen erhalten hat. D. ist ein ausgezeichnetes Baumaterial und enthält zugleich eine Anzahl bis zu 2 m mächtigerSteinkohlenflöze, auf denen ansehnlicher Bergbau betrieben wird.

Deïtät (lat.), Gottwesenheit, Gottheit.

Deiters, Heinrich, Landschaftsmaler, geb. 5. Sept. 1840 in Münster, wurde 1857 Schüler der Akademie zu Düsseldorf und bildete sich weiter unter Michelis und durch das Studium der Werke Andr. Achenbachs aus. Er besuchte dann Holland, Belgien und Frankreich; doch wählte er die Motive zu seinen Landschaftsbildern mit Vorliebe aus seiner westfäl. Heimat. Eins seiner ersten bedeutenden Gemälde war 1864: Westfälisches Dorf, dem dann folgten: Ansicht von Dordrecht (1866), Holländische Kanallandschaft (1867), Westfälische Wassermühle (1876), Abend im Spätherbst (1877; Museum in Köln), Winterabend (1878; Museum in Bonn), Am Waldbach (1884; Dresdener Galerie), Oktober im Eichenwalde (1888), Auf der Heide (1890).

Dej. hinter lat. Käfernamen bedeutet Pierre François Aimé Aug., Graf Dejean (s. d.).

Dejanira, s. Deïaneira. – D. ist auch der Name des 157. Planetoiden.

Déjazet (spr. -schaseh), Pauline Virginie, franz. Schauspielerin, geb. 30. Aug. 1798 zu Paris, spielte schon als fünfjähriges Kind die Fanchon auf einem Boulevardtheater und erwarb sich zuerst Ruf am Gymnase in der Rolle Bonapartes als Schüler zu Brienne. Vom Gymnase ging sie 1831 zum Palais-Royal über, wo sie 12 Jahre blieb. 1859 erhielt sie vom Staatsminister Fould das Privilegium des Boulevardtheaters Les Folies Nouvelles, das nun ihren Namen führte und wo sie noch 1865 in Sardous ersten Stücken lebhaft applaudiert wurde. Sie starb 1. Dez. 1875 zu Paris. In ihrer guten Zeit war sie in Bezug auf Deklamation, Ausdruck und Darstellung mustergültig. Man schrieb eigene Vaudevilles, in denen sie die Glanzrollen spielte, und die eine besondere, nach ihr benannte Gattung ausmachen. Vorzüglich gelangen ihr die Hosenrollen, worin sie die ganze Lebhaftigkeit ihrer Bewegungen und ihr jugendlich-mutwilliges Temperament entwickeln konnte. – Vgl. Lecomte, V. D., étude biographique (Par. 1866); Duval, V. D. (ebd. 1876).

Dejean (spr. -scháng), Jean François Aimé, Graf, franz. General und Staatsmann, geb. 6. Okt. 1749 zu Castelnaudary, trat in das Heer ein und schloß sich beim Ausbruck der Revolution dieser an. In den franz. Revolutionskriegen (s. d.) zeichnete er sich unter Dumouriez und Pichegru aus und stieg bis zum Divisionsgeneral auf. 1802–9 war er Kriegsminister und entwickelte als solcher ein bedeutendes Verwaltungstalent, bis ihm die schlechte Verteidigung Antwerpens in dem letztern Jahr sein Portefeuille kostete. Nach der ersten Restauration ernannten ihn die Bourbons zum Pair und zum Gouverneur der Polytechnischen Schule, welche Würden er jedoch wieder verlor, weil er während der

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 884.