Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

919

Demawend – Dementia

Demāwend, erloschener Vulkan im nördl. Persien, der höchste Gipfel des Elburs- oder Albursgebirges und ganz Persiens, 5900 m hoch, auf den Gebirgszug des Elburs aufgesetzt. Er liegt in der Provinz Masenderan nordöstlich von Teheran, der mit Schnee ausgefüllte Krater entsendet beständig Schwefeldämpfe. Die Schneegrenze beginnt in 4300 m Höhe. An den Abhängen und am Fuße finden sich heiße Quellen. Der Berg wurde mehrfach bestiegen, z. B. von Tietze und (1891) von Sven Hedin. In dem am Fuße gelegenen Dorf D. hat in den Sommermonaten der pers. Hof sein Zeltlager.

Dembĕa, der nördl. Teil der 1942 m hohen Hochebene des innern Abessiniens, auf welcher der Dembea- oder Tanasee (s. d.) liegt; der südlich und östlich vom See gelegene Teil heißt Begemeder; beides sind Teile von Amhara, dem an Schafen reichsten Alpenlande Abessiniens. In der fruchtbaren, wasserreichen, zum Teil mit Getreide gut bestellten, mit Gräsern bedeckten und an Herden reichen Ebene liegt in 1904 m Höhe die Hauptstadt Gondar.

Dembe wielkie, Dorf im russ.-poln. Gouvernement Warschau, unweit Praga, rechts an der Weichsel, bekannt durch das Gefecht 31. März 1831, in dem die Polen mit 28900 Mann Infanterie, 8000 Reitern und 102 Geschützen das russ. Korps Rosen (20000 Mann) schlugen. Die Russen verloren 8000 Mann, darunter mehr als 7000 Gefangene und 10 Geschütze, die Polen nur 450 Mann. – Vgl. Kunz, Der poln.-russ. Krieg von 1831 (Berl. 1890).

Dembia, Fluß in Senegambien, entsteht aus den beiden Flüssen Kokrima und Kokulo südlich von Labé in Futa-Dschalon und mündet in die Sangareah-Bai des Atlantischen Oceans. In seinem Unterlaufe scheidet der Fluß die Länder Koba im N. und Kapitai im S. Der Thalweg der D. ist eine von den Eingeborenen vielfach benutzte Handelsstraße.

Dembica (spr. -bihza), poln. Dębica, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Ropczyce in Galizien, an der Wisłoka und an der Linie Krakau-Lemberg und der Nebenlinie D.-Rozwadów (99,55 km, Galiz. Karl-Ludwigsbahn) der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 3578 meist poln. E. (etwa 260 Ruthenen), darunter etwa 2400 Israeliten, in Garnison (574 Mann) das 3. Bataillon des 40. galiz. Infanterieregiments «Graf Auersperg» und die 1. und 2. Eskadron des 2. galiz. Ulanenregiments «Fürst zu Schwarzenberg», Post, Telegraph, Bezirksgericht (28 Gemeinden, 37 Ortschaften, 26 Gutsgebiete, 24419 poln. E., darunter etwa 250 Ruthenen); Dampfmühle, Zündhölzchenfabrik und Getreidehandel.

Dembinski, Heinrich, poln. General und Anführer im ungar. Revolutionskriege von 1848/49, geb. 3. Mai 1791 in oder bei Krakau, trat 1809 als Soldat in das 5. reitende Jägerregiment und wurde 1812 während des russ. Feldzuges zum Kapitän ernannt. D. kämpfte bei Leipzig mit, kehrte aber 1815 nach Polen zurück und lebte zurückgezogen auf dem Lande. Der poln. Revolution von 1830 schloß er sich sogleich an, wurde Major, erhielt den Oberbefehl über die mobile Nationalgarde von Krakau, mit der er bei Grochow kämpfte, und später das Kommando einer Kavalleriebrigade, an deren Spitze er bei Kuslew mit ungefähr 4000 Mann sieben Stunden lang den 60000 Mann starken, vom Feldmarschall Diebitsch geführten Feind aufhielt. Nach dieser Waffenthat stieg er zum Brigadegeneral auf. Als Skrzynecki gegen die russ. Garden vorrückte, erhielt ↔ D. den Befehl, die Russen von der Brücke bei Ostrolenka zu vertreiben, was ihm nach 14stündigem Kampfe gelang. Hierauf wurde er zu Gielguds Korps versetzt, trennte sich aber von ihm und faßte den kühnen Plan, sich mitten durch das vom Feinde besetzte Land durchzuschlagen, und erschien Anfang Aug. 1831 mit seiner kleinen Schar in Warschau, wo er zum Oberbefehlshaber ernannt wurde. Nach Warschaus Fall trat D. mit Rybinskis Korps auf preuß. Gebiet über und ging von hier nach Frankreich, wo er bis 1848 zurückgezogen lebte, mit Ausnahme einer kurzen Zeit, während der er 1833 im Dienst des Paschas Mehemed-Ali von Ägypten dessen Truppen in Syrien organisierte.

Nach der Februarrevolution von 1848 beteiligte er sich zunächst an den Slawenkongressen zu Breslau und Prag und folgte dem Rufe der Aufständischen zur Übernahme eines Kommandos in Ungarn. Am 5. Febr. 1849 ward er zum Oberkommandanten der ungar. Hauptarmee ernannt. Die Eifersucht Görgeys sowie seine Unkenntnis des Landes und Volkscharakters untergruben seine Stellung. Nach der Niederlage bei Kápolna (26. bis 28. Febr. 1849) und dem Rückzug hinter die Theiß legte er auf Verlangen des gesamten Offizierkorps den Oberbefehl nieder; doch wurde noch der Frühlingsfeldzug größtenteils nach den von ihm entworfenen Plänen ausgeführt. D. blieb mehrere Monate in der Operationskanzlei zu Debreczin beschäftigt und wurde Juni 1849, beim Herannahen der Russen, mit dem Kommando der ungar. Nordarmee betraut, das er jedoch vor Eröffnung des Sommerfeldzuges niederlegte, weil sein Plan, in Galizien einzufallen, von der ungar. Regierung nicht gebilligt wurde. Er wurde dann als Generalquartiermeister dem neuen Oberfeldherrn Mészáros beigegeben und leitete den Rückzug der Theißarmee bis Szegedin sowie die Schlacht bei Szöreg (5. Aug.). Vor Temesvár wurde er endlich von der vereinigten österr.-russ. Macht geschlagen und sein Heer völlig aufgelöst. D. rettete sich mit Kossuth und den andern Revolutionshäuptern auf türk. Gebiet. Im Juli 1850 begab er sich nach Paris, wo er sich mit der Ausarbeitung seiner «Denkwürdigkeiten über den ungar. Feldzug, 1848 und 1849» beschäftigte und 13. Juni 1864 starb. Über die poln. Revolution hat er früher in seinen «Mémoires» (Par. 1833) sowie in der Schrift «Mein Feldzug nach und in Litauen und mein Rückzug von Kurszany nach Warschau» (hg. von Spazier, Lpz. 1832) Bericht erstattet. – Vgl. Danzer, D. in Ungarn. Nach den hinterlassenen Papieren des Generals (2 Bde., Wien 1873).

Dembowska, Name des 349. Planetoiden.

Démêlé (frz.), Handgemenge, Streit; demelieren, Verwirrtes entwirren, lösen.

Demembrieren (frz., spr. -mangbr-), zergliedern, zerstückeln; Démembrement (spr. -mangbr'máng), Zerstückelung, Vereinzelung.

Demen (grch.), Mehrzahl von Demos (s. d.).

Demenagieren (frz., spr. -nasch-), ausziehen (aus der Wohnung), umziehen; Demenagement (spr. -nasch'máng), Umzug.

Deménfalu, ungar. Name von Demanova (s. d.).

Deménti (frz., spr. -mangtih), das Lügenstrafen; ein D. geben, (einen) Lügen strafen; sich ein D. geben, sich in Widersprüche verwickeln; ein D. erhalten, Lügen gestraft werden. Dementieren, der Unwahrheit zeihen, ableugnen.

Dementĭa (lat.), s. Blödsinn; D. paralytĭca, s. Progressive Paralyse der Irren.