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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deprés - Depression
reservierte Recht auf die Einkünfte für die Zeit feines
Lebens. Auch bezeichnet man mit D. eine bis ins
dritte Glied dauernde Erbpacht.
Deprös (spr.-preh), auch Desprez, Iosquin
(lat. ^0äoeu8 ?r3.t6N8i8), Komponist, geb. um 1450
-55 zu Conde' im Hennegau, erhielt frühzeitig von
dem berühmten Ockenheim musikalifchen Unterricht
und wurde Musikmeister an der Kathedrale von
Cambray. UnterdemPontifikatSiztus'IV. (1471-
84) ging er nach Rom, wo er, als Sänger in der
päpstl. Kapelle angestellt, seinen Ruf als Tonsetzer
fest begründete. Nach dem Tode Mes Papstes
wandte er sich nach Ferrara an den Hof Hercules' I.
von Este, von da nach Paris, wo er bei Ludwig XII.
in Dienste trat und eine Pfründe in St. Quentin
erhielt. Diese vertaufchte er (um 1515) mit einer
andern in seiner Vaterstadt Conde', wo er 25. Aug.
1521 starb. D. war der größte Kontrapunktist vorOr-
landus Lassus und Palestrina; er hatte viele Schüler
und war der überall anerkannte Lehrmeister seiner
Zeit. Seine eine größere Freiheit des Chorsatzes be-
gründenden Kompositionen, hauptsächlich kirchlicher
Art, wurden besonders auch durch den um 1500 auf-
kommenden Musikdruck in ganz Europa verbreitet.
Nachweisbar sind 20 Messen. Zwei davon, "?anA6
lin^na." und "N6886 3, capeiis", sind kürzlich (im
5. Bde. von Ambros' "Geschichte der Musik" und von
der Gesellschaft für Musikforschung im 6. Vde. der
"Publikationen") in Partitur neu herausgegeben.
Kleinere Werke find zahlreich in den neuen Samm-
lungen von Nocklitz, Commer u. s. w. vertreten. Der
Riedelverein in Leipzig hat 1880 zum erstenmal mit
einem Hauptwerke des Meisters und der Votal-
periode überhaupt, dem "8wd^t >lHt6i-" (gedruckt in
Partitur bei Maldeghem und bei Ambros), den ge-
lungenen Versuch gemacht, D. der gegenwärtigen
Praxis wieder zuzuführen.
Vsprs882.ria., f. Kümmelmotte.
Depressieren (frz.), niederdrücken; aus der Presse
nehmen; tief richten (Kanonen, s. Depressionsschuß).
Depression (lat.), Niederdrückung, Geistesab-
spannung, gedrückte Gemütsstimmung. - In der
Astronomie ist D., auch negative Höhe ge-
nannt, der unter dem Horizont fortgesetzte Bogen des
Höhenkreises eines Objekts. Man kann daher z. B.
für einen Stern, der sich 1° unter dem Horizont
befindet, sagen, seine D. betrage 1°, ebenso wie seine
Höhe sei -1°. Rechnet man nach Zenithdistanzen,
so würde die Zenithdistanz des betreffenden Sterns
91° betragen, da die Zenithdistanz im Horizont
gerade 90" ist. Von besonderer Wichtigkeit ist die
D. des Horizonts in der Nautik; sie ist hier gleich-
bedeutend mit Kimmtiefe (s. d.).
In der Geographie nennt man D. einen
tieser als das Meeresniveau gelegenen Landstrich,
es mag diese Lage das Resultat einer Senkung oder
einer Absperrung vom Meere sein. Die umfang-
reichste, die Größe Skandinaviens erreichende D.
ist die des Kaspischen Meers und seiner Umgebung;
der Spiegel dieses Sees liegt 25," in tiefer als der
des Schwarzen Meers. Die tiefste D. ist das vom
Jordan durchflossene Ghor; der Spiegel des Toten
Meers liegt 394 in, der Boden des 398,6 in tiefen
Sees also 792,s m unter dem Spiegel des Mittel-
ländischen Meers. In der Libyschen Wüste befinden
sich ebenfalls mehrere kleine Depressionsgebiete, von
denen das der Oase Siwah (- 32 m) das bekannteste
ist. In derDanakil-Küstenebene am Roten Meer liegt
im SW. der Hamsilahbai die Sumpsfläche Gabala
60 m, ebenda im W. des Golfes von Tedfchura der
Afsal- und Abhebaddsee sogar 174 m unter dem
Spiegel des Noten Meers. Im füdöstl. Algerien
und dem füdöstl. Tunis liegt die langausgedehnte
Region der falzigen Schotts, welche, 23-30 m.
unter dem Spiegel des Mittelmeers gelegen, eine
Fläcbe von fast 6000 hkm bedecken. Die Franzosen
beabsichtigten diese Sumpsseen mittels eines Kanals
vom Meere her in eine Wasserfläche zu verwandeln.
Die Coloradowüste im Gebiete des Unterlauss des
Westcolorado in Nordamerika, in nördl. Verlänge-
rung des Busens von Kalifornien, geht auf 50 Km
92 in unter den Meeresfpiegel hinab. In ihrem
nördl. Ende liegt zwischen Funeral Mounts und
Telefkope Range die im Sommer fast trockne
Scklammfläche des 48 kin langen und 22-29 km
breiten Trockcnsees im Totenthale (- 67 m). -
Auch jede in die Länge gedehnte, wenn auch nicht
unter das Meeresniveau hinabsinkende Strecke zwi-
schen zwei Hochlandschasten nennt man D.
In der Meteorologie nennt man D. Gebiete
niedrigen Barometerstandes. Umfang und Tiefe der
D. ergiebt sich durch Einschreiben der aus gleiche
Höhe (gewöbnlich Mceresniveau) reducierten Baro-
meterstände in eine Karte. (S. Luftdruck.) Alsdann
findet man an einer Stelle ein Minimum des Luft-
druckes, ein barometrisches Minimum, von
dem aus nach allcn Richtungen hin höhere Baro-
meterstände wahrzunehmen sind. Dieser Ort heißt
das Centrum der D. Man verbindet die Orte gleich-
doher Barometerstände durch Linien, die Isobaren
(s. d.). Je nach der Größe des Druckes und dessen
Anwachsen nach außen werden Zahl der Isobaren
und Wahl der Barometerstände bedingt. In vor-
stehender Figur sind erstere von 5 zu 5 mm aezogen.