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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsche Mundarten

ist das Neger-Holländisch. 5) Zeeuwsch, auf den Inseln Over Flakkee und Goeree, Schouwen, Tholen, Nord- und Süd-Beveland und Walcheren. Charakteristisch ist die Nichtdiphthongierung des alten î, û und ü̂. Die Mundart wird im Norden durch das Holländische, im Süden durch das Vlämische stark beeinflußt. 6) Brabantisch, südlich von der Maas, westlich bis zur Schelde und Lys. Altes î, û und ü̂ ist diphthongiert, a. Nordbrabantisch, politisch zu den Niederlanden gehörig, b. Antwerpisch. c. Südbrabantisch mit der Mundart des Hageland, welche zum Limburgischen überleitet. 7) Vlämisch oder Flandrisch, a. Zeeuwsch-Vlaamsch, um Arel, Ijzendijke, Oostburg, Sluis und Aardenburg, südlich von der Westerschelde; î, û und ü̂ nicht diphthongiert, b. Ostvlämisch (auch um Hulst); î, û und ü̂ diphthongiert, c. Westvlämisch, einschließlich Bailleul, Hazebrouck, Watten, Bourbourg und Dünkirchen in Frankreich; î, û und ü̂ nicht diphthongiert.

Ⅳ. Thüringisch-Obersächsisch [hochdeutsch: 1‒8 mitteldeutsch]. Östlich vom Thüringerwalde und der Wasserscheide von Fulda und Werra; nördlich bis Heiligenstadt, Worbis, Sachsa, Harz, Hettstedt, Cönnern, Bitterfeld, Prettin; östlich bis Torgau und der polit. oberlausitzischen Grenze; südlich bis zum Erzgebirge und bis zu einer Linie Geising-Zschopau-Stollberg-Zwickau-Werdau-Gera-Ziegenrück-Lehesten. Eine geogr. Trennung der thüringischen und der aus ehemals slaw. Boden durch thüring. Kolonisation entstandenen obersächs. Mundart ist nicht möglich, mag man auch als ungefähre Grenze eine Linie Halle-Altenburg angeben. 1) Hess.-thüring. Übergangsmundart an der untern Werra von Creuzburg bis Witzenhausen. Altes î, û und ü̂ nicht diphthongiert. 2) Ringgauisch an der Werra von Salzungen bis Creuzburg, im nördl. Teile gleichfalls mit hess. Elementen gemischt. î, û und ü̂ nicht diphthongiert. 3) Südwestthüringisch, um Eisenach, im Gothaischen, um Erfurt und östlich fast bis Weimar, Kranichfeld und Stadt Ilm. î, û und ü̂ nicht diphthongiert. 4) Südostthüringisch, bis Buttstädt und Naumburg. î, û und ü̂ diphthongiert. 5) Nordthüringisch,nördlich von der Unstrut, östlich bis Allstedt und Wippra. î, û und ü̂ nicht diphthongiert. a. Unterländisch, südöstlich einer Linie Sondershausen-Wippra. b. Oberländisch, südlich einer Linie Walkenried-Stolberg, c. Unterhärzisch, nördlich davon, östlich bis Wippra und Quenstedt, auf im Mittelalter niederdeutschem Boden. Anlautendes g wird wie ch (in «ich») gesprochen. 6) Nordostthüringisch, Mansfeldisch und Nordobersächsisch. Altes î, û und ü̂ diphthongiert. Mansfeldische Mundart herrschte bis vor kurzer Zeit östlich bis zum Petersberg und bis Halle. Thüringisch ist die Mundart um Querfurt, Merseburg, Weißenfels, Naumburg und Eckartsberga. Die Grenzen nach Osten zu sind verwischt. Die obersächs. Mundart von Leipzig gewinnt besonders Elster und Saale abwärts immer mehr Einfluß, a. Nordostthüringisch. b. Mansfeldisch, um Eisleben, nördlich bis Hettstedt und Gerbstedt, südöstlich bis zum Salzigen See, im Mittelalter niederdeutsch. Die Mundart dringt nach Westen vor. Nach Osten zu verliert sie jetzt immer mehr Boden. Anlautendes g wird wie ch (in «ich») gesprochen, c. Nordobersächsisch, nördlich bis Bitterfeld und Prettin, östlich bis Torgau, südlich bis Dahlen, Trebsen, Naunhof, Rötha und Zwenkau. Von dieser Mundart sondert sich das Salische ab, von Schkeuditz und der Elstermündung bis zum Salzigen See, Cönnern und dem Petersberg, eine neue Mundart, die, größtenteils einst niederdeutsch, dann zum Mansfeldischen gehörig, sich durch obersächsische, speciell Leipziger Einflüsse gebildet hat und stetig nach Westen vordringt. Anlautendes g wird wie ch (in «ich») gesprochen. 7) Altenburgisch, eine Übergangsmundart vom Thüringischen zum Obersächsischen. 8) Meißnisch, nördlich bis Borna, Grimma, Oschatz, Strehla und Ortrand. Diese Mundart gewinnt innerhalb des Königreichs Sachsen die Übermacht, a. Südwestmeißnisch (Zwickau bis Chemnitz). b. Nordwestmeißnisch (Borna, Döbeln), c. Südostmeißnisch (Freiberg, Nossen, Meißen, Dresden), d. Nordostmeißnisch (Riesa, Lommatzsch. 9) Anhaltisch, nördlich bis zur Elbe, eine norddeutsche, nicht mitteldeutsche Mundart, welche besonders durch die stimmhafte Aussprache von d und b und die von g als j ihre frühere Zugehörigkeit zum Niederdeutschen beweist. Die Mundart gewinnt im Magdeburgischen mehr und mehr Einfluß. ^[Spaltenwechsel]

Ⅴ. Ostmitteldeutsch: thüring.-ostfränk. Mischmundarten [hochdeutsch: mit Ausnahme von B, 2, a und d mitteldeutsch]. Das thüring.-obersächs. Element ist das überwiegende, besonders zu beiden Seiten des Erzgebirges. Aber auch Franken haben sich, nach Ausweis der Mundart, an der Kolonisation dieses ehemals slaw. Gebietes beteiligt.

A. Erzgebirgisch-Nordböhmisch. Am Nordrande des Erzgebirges, von Graslitz bis Saida, und südlich des Erzgebirges von Joachimsthal bis östlich zum Jeschkengebirge. Das Erzgebirgische, im Westen sich mehr dem ostfränk. Vogtländisch nähernd, wird im Osten und Norden immer mehr durch das Meißnische verdrängt. Zum Erzgebirgischen gehören die Bergstädte Zellerfeld, Clausthal und St. Andreasberg im westl. Harz.

B. Lausitzisch-Schlesisch. 1) Lausitzisch, in der sächs. und preuß. Ober- und Niederlausitz, im Westen bei Mühlberg die Elbe erreichend. a. Oberlausitzisch, b. Niederlausitzisch. 2) Schlesisch, nordwärts bis Grünberg, a. Österreichisch-Schlesisch, nebst der Schönhengstler Mundart um Mährisch-Trübau und den deutschen Sprachinseln in Mähren sowie der Iglauer Sprachinsel. Diese einst mitteldeutsche Mundart ist jetzt ganz österreichisch, also oberdeutsch geworden, b. Gebirgsschlesisch, südlich von Liegnitz, Breslau und Grottkau. Dieser Mundart gehört auch der Südabhang des Riesengebirges an, mundartlich speciell dem Glätzischen nahestehend. Die oberschlesische schließt sich dem Gebirgsschlesischen an. c. Niederschlesisch, das südl. Posen mit umfassend, d. Die jetzt norddeutsche, von schles. Kolonisten gegründete, große hochdeutsche Sprachinsel in Ostpreußen, zwischen Bischofswerder, Marienburg, Elbing, Wormditt, Heilsberg und Wartenburg.

C. Die deutschen Sprachinseln in Nordungarn am Liptauer Gebirge, zum Teil stark verösterreichischt.

Ⅵ. Niedersächsisch (niederdeutsch). Östlich von der niederfränk. und fries. Sprachgrenze bis zur Insel Usedom, ganz Mecklenburg ein-, die Altmark ausschließend, südöstlich bis Magdeburg, Barby, Calbe, Staßfurt, Aschersleben, Ermsleben, Ballenstedt und dem Harz.

A. Nordniedersächsisch, nordöstlich von Emden, Cloppenburg, Vechta, Nienburg, Salzwedel. Das Nordniedersächsische und Westfälische bewahrt die Eigenart des niedersächs. Stammes auch in der Sprache am treuesten. Die von Holstein aus nach der Elb- und Wesermündung übertragene alte nord- ^[folgende Seite]