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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Deutsche Nationalpartei; Deutsche Ostafrika-Linie; Deutschendorf; Deutschenspiegel

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Deutsche Nationalpartei - Deutsche Ostafrika-Linie

Elbe in gemeinsamem Kulte; auf einsamer Insel befand sich ihr Heiligtum («Germania», Kap. 40). Die rhein. Völker verehrten sie als Hludana und Nehalennia (s.d.). Der letztere Name bezeichnet sie wohl als Totengöttin. Vielleicht deckt sich mit ihr auch die Isis, die nach des Tacitus Bericht ein Teil der Sweben verehrte.

Über die Vorstellungen unserer Vorfahren vom Anfang und Ende der Welt und der Geschöpfe erfahren wir nichts; was die nordischen Quellen darüber berichten, gehört in die Nordische Mythologie (s. d.). Nur über den Ursprung des Menschengeschlechts erzählt Tacitus, daß die Germanen den zwiegeschlechtigen Tuisco (s. d.) und dessen Sohn Mannus als Ahnherrn des Volks in Liedern besungen hätten. Nach dem Tode lebte der Mensch im Geisterheere der Hel fort und erschien den Sehenden unter allen möglichen Spukgestalten, die in dem Seelenglauben erwähnt worden sind.

Die Verehrung der übernatürlichen Mächte bestand bei den alten Germanen hauptsächlich im Opfer. Man brachte dieses entweder den Seelen der Verstorbenen, indem man diesen Speisen vorsetzte, was noch in dem Leichenschmaus fortlebt (Seelenkult), oder den Dämonen, indem man Spenden in das Wasser, das Feuer warf, oder auf dem Felde stehen ließ, im Walde aufhing u. dgl., oder endlich der Gottheit. Letztere Opfer waren in der Regel Bundesopfer, verbunden mit Festlichkeit und Gelage. Wir kennen sie nur aus nordischen Berichten, doch lehren uns die in Deutschland noch fortlebenden Gebräuche, daß sie hier auf ganz ähnliche Weise stattgefunden haben. Geopfert wurden entweder Menschen oder Tiere oder Pflanzen. Sie waren natürlich bei den einzelnen Völkern im Hinblick auf die verschiedenen Lebensbedürfnisse verschieden. Zum Teil waren es Unheil abwehrende, zum Teil Glück und Beistand erflehende Opfer. In Deutschland hat es deren vier im Jahre gegeben: das erste im Januar, das zweite im April, das dritte Ende Juni, das vierte Ende September. Das Opfer fand statt in der Nähe des Heiligtums der Gottheit. Dies war entweder ein heiliger Hain oder eine Art Tempel. Die feierliche Handlung leiteten die Priester, die keine Kaste bildeten, sondern aus den Edeln des Gauverbandes genommen wurden. Daneben gab es auch Priesterinnen, Weiber, die sich durch die Gabe der Weissagung auszeichneten; denn Weissagung (s. d.) und Loswerfen war in der Regel mit dem Opfer verbunden. Die Gottheit selbst nahm an den Opfern meist als Götzenbild teil, das nach dem Fest durch die Gaue geführt wurde, damit es das erbetene Glück überall hinbrächte. Während jener Zeit ruhten alle Streitigkeiten; es war eine heilige Zeit.

Litteratur. Jakob Grimm, D. M. (4. Aufl., 3 Bde., Berl. 1875‒78); W. Müller, Geschichte und System der altdeutschen Religion (Gött. 1844); Simrock, Handbuch der D. M. (6. Aufl.,Bonn 1878); Adolf Holtzmann, D. M.(Lpz. 1874); Wolf, Beiträge zur D. M. (2 Bde., Gött. 1852‒54); Mannhardt, Die Götterwelt der deutschen und nordischen Völker (Bd. 1, Berl. 1860); ders., German. Mythen (ebd. 1858); ders., Wald- und Feldkulte (2 Bde., ebd. 1875‒77); ders., Mytholog. Forschungen (Straßb. 1884); A. Kuhn, Mytholog. Studien (Bd. 1, Gütersloh 1886); Schwartz, Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum (2. Aufl., Berl. 1862); ders., Die poet. Naturanschauungen der Griechen, Römer und Deutschen in ihrer Beziehung zur Mythologie (2 Bde., ebd. 1864‒79); ders., Prähistorisch-anthropol. Studien (ebd. 1884); ders., Indogerman. Volksglaube (ebd. 1885); E. H. Meyer, Indogerman. Mythen (2 Bde., ebd. 1883‒85); Laistner, Nebelsagen (Stuttg. 1879); ders., Das Rätsel der Sphinx. Grundzüge einer Mythengeschichte (Berl. 1889); K. Müllenhoff, Über Tuisco und seine Nachkommen (in der «Allgemeinen Zeitschrift für Geschichte», Bd. 8): Weinhold, Über den Mythus vom Wanenkrieg (Berl. 1890); Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart (2. Aufl., ebd. 1869); Pfannenschmid, German. Erntefeste im heidn. und christl. Kultus (Hannov. 1878); Jahn, Die deutschen Opfergebräuche bei Ackerbau und Viehzucht (Bresl. 1884); Kauffmann, D. M. (2. Aufl., Stuttg. 1893); E. Mogk, Mythologie (im «Grundriß der german. Philologie», hg. von H. Paul, Bd. 1, Straßb. 1891); E. H. Meyer, German. Mythologie (Berl. 1891); Herrmanowski, Die Deutsche Götterlehre und ihre Verwertung in Kunst und Dichtung (2 Bde., ebd. 1891). ^[Spaltenwechsel]

Deutsche Nationalpartei, österr. parlamentarische Parteigruppe, die sich 23. Mai 1887 unter Führung Steinwenders unter dem Namen Deutschnationale Vereinigung von dem Deutschen Klub (s. d. und Vereinigte Deutsche Linke) trennte. Später nahm sie den Namen Klub der Deutschen Nationalpartei an. Die Anzahl ihrer Mitglieder betrug anfangs 15; bei den Wahlen 1891 errangen sie 17 Mandate. Ihr Ziel ist Wiederherstellung und Sicherung der deutschen Führung in Österreich im engsten Anschluß an das Deutsche Reich. Obmänner des Klubs sind Dr. Bareuther und Dr. Steinwender.

Deutschendorf, s. Poprád.

Deutschenspiegel, Spiegel deutscher Leute, abgekürzt Dsp., wahrscheinlich von einem Augsburger Geistlichen nach der Mitte des 13. Jahrh. verfaßt, ist in seinem ersten Teile eine freie Bearbeitung des Sachsenspiegels (s. d.) bis Landrecht Bd. Ⅱa. 12, §. 13, von da an lediglich Übersetzung desselben ins Oberdeutsche. Die Umarbeitung wurde vollendet im Schwabenspiegel. Der D. wurde erst 1857 auf der Innsbrucker Universitätsbibliothek aufgefunden; Ausgabe von Ficker, Der Spiegel deutscher Leute (Innsbr. 1859).

Deutsche Ostafrika-Linie, Schiffahrtsgesellschaft zu Hamburg, die 1890 auf Grund eines Vertrags mit dem Reiche, durch den ihr eine jährliche Subvention von 900000 M. zugesichert wurde, zum Zweck einer deutschen regelmäßigen Verbindung mit der deutschen Kolonie errichtet wurde. Noch im selben Jahre machte die Linie fünf Reisen, 1894 unterhält sie mit sechs großen, für den Passagierverkehr eingerichteten Schiffen von zusammen 13985 Brutto-Registertonnen monatliche Fahrten von Hamburg über Rotterdam, Lissabon und Neapel nach Sansibar, den wichtigsten Plätzen Deutsch-Ostafrikas, ferner nach Mozambique, der Delagoabai und Natal und zwischen Sansibar und Bombay. Die Reise nach Sansibar dauert von Hamburg 35, von Neapel 22 Tage, bis Natal 50 bez. 36 Tage. In Verbindung mit dieser Hauptlinie werden mit 2 Dampfern von etwa 800 Registertonnen zwei Zweiglinien, eine nach den deutschen, die andere nach den portug. Küstenplätzen unterhalten. Ein dritter Küstendampfer ist verschollen, wird aber demnächst durch einen neuen ersetzt. Der Verkehr zeigt eine erhebliche Steigerung. Die Einfuhr in Hamburg betrug 1892: von Sansibar 1974000 M., von Deutsch-Ostafrika 384000 M.,