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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsches Heerwesen (Kriegsmarine)

den Reichsbehörden geführten Flaggen, Kommando- und Unterscheidungszeichen s. Deutschland und Deutsches Reich (Abschnitt Flaggen) und die dem Artikel beigegebene Tafel (S. 154): Flaggen des Deutschen Reichs.

Zum Dienst in der kaiserl. Marine ist die gesamte seemännische Bevölkerung des Deutschen Reichs verpflichtet; zu dieser werden gerechnet: Seeleute von Beruf, See-, Küsten- und Hafffischer, Schiffszimmerleute, Maschinisten und Heizer von See- und Flußdampfern. Unter besondern Bedingungen werden auch Nichtseeleute eingestellt als Schiffsjungen, sog. Vierjährige Matrosen, und als Handwerker oder Schreiber. Die Dienstzeit ist derjenigen des Reichsheers entsprechend: Sie beträgt 3 Jahre bei der Flotte (aktiv), 4 Jahre bei der Marine-Reserve und 5 Jahre in der Seewehr ersten Aufgebots, dann bis zur Vollendung des 39. Lebensjahres in der Seewehr zweiten Aufgebots und im Landsturm.

Über Ergänzung des Offizierbedarfs s. Seekadett. Über die Uniformen der Marine s. Uniformierung.

Geschichte. Die Anfänge der deutschen Marine, die aus der des Norddeutschen Bundes und aus der alten preußischen hervorgegangen ist, fallen in die Zeit des Großen Kurfürsten. Dieser schloß 1675 einen Mietsvertrag mit dem holländ. Schiffsherrn Benjamin Raule wegen Überlassung von 3 Fregatten und 2 kleinen Fahrzeugen, lieh sich dazu noch von der holländ. Admiralität 3 Schiffe und errang mit dieser Flotte in dem Kriege gegen Schweden (1675-79) namhafte Erfolge. 1682 errichtete der Große Kurfürst eine brandenb.-afrik. Handelsgesellschaft; 1683 wurde durch den Kammerjunker O. F. von der Gröben, der den Befehl über die beiden Fregatten "Churprinz" und "Mohrian" hatte, die Feste Groß-Friedrichsburg in der Nähe des Kaps der drei Spitzen an der Westküste Afrikas gegründet. Bald nachher wurden auch an andern afrik. Küstenplätzen Handelsfaktoreien, durch Forts geschützt, angelegt. Infolge der Kolonialthätigkeit wurde die brandenb. Marine wesentlich vergrößert. Hauptflottenstation wurde Schloß Gretsyhl bei Emden; es waren (1688) 35 Schiffe mit 210 Kanonen und 40 Fahrzeuge mit 80 Stücken vorhanden. Der Tod des Großen Kurfürsten 1688 war der Wendepunkt in der Entwicklung der Flotte; unter Friedrich III. verfaulte sie buchstäblich, sodaß, als zum Schutz von Groß-Friedrichsburg 1708 doch noch Soldaten nach Afrika geschickt wurden, diese unter holländ. Flagge fahren mußten. Mit Unterzeichnung der Urkunde der Verzichtleistung auf allen Kolonialbesitz 13. Aug. 1720 durch Friedrich Wilhelm I. verschwand die weiße Flagge mit dem roten Adler von dem Weltmeer. Erst unter Friedrich Wilhelm III. tauchten wieder schüchterne Projekte in Preußen zur Gründung einer Marine auf. 1844 wurde in Stettin die Segelkorvette "Amazone" erbaut und armiert, zunächst zur Ausbildung von Navigationsschülern. Bei den Einigungsversuchen 1848 wurde auch der Ruf nach einer deutschen Flotte laut. Es erschienen in diesem Jahre die Broschüren: "Denkschrift über die Errichtung einer deutschen Flotte" vom Kieler Ausschuß an den Hamburger Marinekongreß, "Deutschlands Bundes-Kriegshäfen als Bedürfnis für eine deutsche Kriegsmarine" von Dr. Harleß in Bonn u. a. m. Auch Prinz Adalbert von Preußen schrieb eine "Denkschrift über die Bildung einer deutschen Flotte". Die Frankfurter Nationalversammlung bewilligte 6 Mill. Thlr. zum Ankauf von Schiffen; außerdem sammelte ein Flottenkomitee patriotische Gaben zur Gründung einer Reichsflotte. In dem Kriege gegen Dänemark (1848-50) war die einzige Aktion der deutschen Flotte unter Brommes Leitung die Rekognoscierungsfahrt mit den Dampfern "Barbarossa", "Hamburg" und "Lübeck" von Bremerhaven aus 4. Juni 1849 nach Helgoland zu. In der Nähe der Insel lag in Windstille die dän. Segelkorvette "Valkyrien", mit der einige erfolglose Schüsse gewechselt wurden. Infolge eines engl. Signalschusses aber wurde aus Achtung vor der Neutralitätsgrenze das Gefecht abgebrochen. Weitere Angriffe mußten mit Rücksicht auf die Überlegenheit des dän. Blockadegeschwaders unterbleiben. Da überdies England erklärte, die deutsche Kriegsflagge - schwarz-rot-gelb, den zweiköpfigen Reichsadler auf gelbem Grund in der obern innern Ecke - nicht zu kennen, und solche unbekannte Flaggen in See wie die von Seeräubern behandeln zu wollen, so entschied sich Preußen dahin, seine Kanonenboote und die "Amazone" unter eigener Flagge - weiß, dreieckig ausgezackt, den Schwarzen Adler in der Mitte und das Eiserne Kreuz in der obern innern Ecke - fahren zu lassen. Am 1. März 1849 wurde das Oberkommando der preuß. Marine errichtet und Prinz Adalbert mit der Leitung betraut. Die Seestreitkräfte bestanden außer der "Amazone" aus 2 armierten Raddampfern, "Adler" und "Elisabeth", 21 Ruder-Kanonenschaluppen und 6 Ruder-Kanonenjollen mit insgesamt 67 Kanonen, 37 Offizieren und 1521 Mann. Zur Ausbildung des Personals wurden Offiziere fremder Marinen herangezogen; ein Holländer, Kommodore Schröder, erhielt den Befehl über die Flottille. Das erste Gefecht lieferte der mit 4 Geschützen armierte "Adler" 27. Juni 1849 bei Brüsterort mit der dän. Brigg "St. Croix" von 14 Geschützen; das Gefecht wurde mit Einbruch der Dunkelheit ohne Ergebnis beendet. Nach der Wiederherstellung des Deutschen Bundestages wurde 1852 die deutsche Flotte durch Hannibal Fischer versteigert, wobei die Fregatte "Gefion" und der Dampfer "Barbarossa" in den Besitz Preußens übergingen, das seine Flotte nunmehr allmählich auszubauen begann. 1853 wurde als Central-Verwaltungsbehörde die Admiralität in Berlin errichtet und der Vertrag mit Oldenburg wegen Überlassung des Gebietes von Heppens an der Jade, zum Bau des Kriegshafens Wilhelmshaven (s. d.), abgeschlossen. 1856 unternahm der Prinzadmiral an Bord der Dampffregatte "Danzig" eine Kreuzfahrt nach dem Mittelmeer, um die Rifpiraten an der nordafrik. Küste El-Rif zu strafen; bei Tresforcas fand ein heftiges Landungsgefecht statt, wobei eine steile Felsenküste erstürmt wurde, dann aber unter bedeutendem Verlust vor der Übermacht der Piraten der Rückzug angetreten werden mußte. In die J. 1859-62 fällt die preuß. Expedition nach Ostasien mit den Schiffen "Arkona", "Thetis", "Frauenlob" und "Elbe", wobei der Schoner "Frauenlob" im Taifun verloren ging. Ein zweiter Verlust traf die Flotte 1861 durch den Untergang der "Amazone". Bei Ausbruch des Dänischen Krieges standen, unter Ausschluß der im Auslande befindlichen Schiffe, 3 Korvetten, 20 Dampf-Kanonenboote und 22 Ruder-Kanonenschaluppen und -Jollen Preußen zur Verfügung; Swinemünde war Hauptflottenstation. Am 17. März lieferte der Geschwaderchef Kapitän z. S. Jachmann mit den Schiffen "Arkona", "Nymphe"