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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsches Heerwesen (Kriegsmarine)

und "Loreley", sowie einer Kanonenboots-Division dem dän. Ostsee-Blockadegeschwader, bestehend aus dem weit überlegenen Schraubenlinienschiff "Skjold", den Schraubenfregatten "Själland" und "Tordenskjold" sowie den Schraubenkorvetten "Heimdal" und "Thor" ein vierstündiges unentschiedenes Gefecht bei Rügen. Am 14. April führte Prinz Adalbert auf einer Erkundungsfahrt mit der "Grille" ein 2 1/2stündiges Gefecht gegen "Skjold" und "Själland" auf 3-4000 m Entfernung, ohne wesentliche Treffer. In der Nordsee beteiligten sich die preuß. Kanonenboote bei den Unternehmungen des österr. Geschwaders.

Nach der 1. Juli 1867 in Kraft getretenen Verfassung des Norddeutschen Bundes wurde die Bundes-Kriegsmarine unter preuß. Oberbefehl geschaffen und 1. Okt. 1869 die noch jetzt bestehende, der englischen nachgebildete Kriegsflagge auf der Flotte geheißt. Der Neubau einer Anzahl von Schiffen, namentlich Panzerschiffen, wurde in Angriff genommen. Kiel wurde Kriegshafen, und 17. Juni 1869 fand die Taufe des zweiten Kriegshafens Wilhelmshaven statt. Bei Ausbruch des Krieges 1870 besaß die Marine die 3 Panzerfregatten "König Wilhelm", "Kronprinz", "Friedrich Karl", 2 Panzerfahrzeuge, 5 gedeckte Korvetten, 4 Glattdeckskorvetten, 1 Jacht, 3 Avisos, 22 Kanonenboote. (Vgl. Livonius, Die Marine des Norddeutschen Bundes, Berl. 1869.) In der Nordsee hatten die Panzerschiffe die Außenjade, die Panzerfahrzeuge die Unterelbe zu verteidigen; in der Weser waren Kanonenboote stationiert. Oberbefehlshaber der Nordseestreitkräfte war der Vizeadmiral Jachmann. In der Ostsee waren in Swinemünde einige hölzerne Korvetten und Kanonenboote zusammengezogen; im Auslande befanden sich die Korvetten "Hertha", "Arkona", "Medusa" und das Kanonenboot "Meteor". Die Kriegshäfen wurden in notdürftiger Weise durch Minen- und Balkensperren geschützt; Wilhelmshaven war gänzlich ohne Küstenwerke, die Werke des Kieler Hafens erhielten ihre Geschützarmierung erst mehrere Monate nach der Kriegserklärung. Die sehr bald in der Ostsee erschienene franz. Panzerflotte von 12 Schiffen unter Admiral Bouet-Willaumez unternahm keinen Angriff auf Kiel, zeigte sich jedoch an vielen Stellen der Küste bis Neufahrwasser, wo 17. Aug. bei Hiddensee durch Graf Waldersee mit "Grille" und 3 Kanonenbooten einige Schüsse auf das franz. Geschwader abgegeben wurden und 22. Aug. die Korvette "Nymphe" einen Nachtangriff bei Oxhöft auf dasselbe machte, unter Abgabe zweier Breitseiten und schleunigem Rückzug. Auch in der Nordsee fielen nur Schüsse ins Wasser, doch war der Zweck völlig erreicht, mit der geringen Seestreitkraft die bedeutend überlegenen Franzosen von einem Küstenangriff, Landung und Zerstörung von Häfen abzuhalten. Im Auslande kam es zu einem eigentlichen Gefecht nur bei Habana zwischen dem Kanonenboote "Meteor", Kommandant der damalige Kapitänlieutenant, jetzige Viceadmiral Knorr, und dem franz. Aviso "Bouvet" 9. Nov., wobei "Meteor" seinen Groß- und Besanmast verlor, aber dann das Glück hatte, einen Kessel des "Bouvet" zu treffen, wodurch dieser, gefechtsunfähig gemacht, sich nach Habana unter Segel flüchtete.

Nach Gründung des Deutschen Reichs wurde Generallieutenant von Stosch zum Chef der Admiralität ernannt, während Prinz Adalbert Generalinspecteur der Marine bis zu seinem 6. Juni 1873 erfolgten Tode blieb. Die nunmehr "Kaiserliche Marine" wurde nach dem Flottengründungsplane von 1872 bedeutend vergrößert mit einem Aufwand von rund 73 Mill. Thlr. Seitdem erfüllte bis jetzt die Marine ununterbrochen polit. Aufgaben: Schiffe wurden verwendet 1872 zu Repressalien gegen die Republik Haïti, 1873 zur Repräsentation bei der Krönungsfeier in Trondhjem, 1873 und 1874 zum Schutz der deutschen Interessen während der span. Insurrektion, wobei Kapitän zur See Werner das als Pirat zu betrachtende span. Insurgentenschiff "Vigilante" wegnahm. In die J. 1874-76 fällt die wissenschaftliche Expedition der Korvette "Gazelle" (s. d.). 1877 trat Prinz Heinrich von Preußen in die Marine ein. 1878 wurde ein deutsches Geschwader gegen die Republik Nicaragua entsandt, um einem dortigen Deutschen zu seinem Recht zu verhelfen, was ohne Gewalt gelang. Am 31. Mai 1878 wurde beim Dampfen im Geschwader im Kanal bei Folkestone das Panzerturmschiff "Großer Kurfürst" von dem "König Wilhelm" infolge eines durch das Ruderkommando verursachten Irrtums derart gerammt, daß es 15 Minuten nach dem Zusammenstoß kenterte und sank, wobei 5 Offiziere und 264 Mann den Tod fanden. "König Wilhelm" konnte nur mit Mühe vor dem Sinken bewahrt und nach Portsmouth ins Dock gebracht werden. 1881 züchtigte die Korvette "Victoria" die Neger des Ortes Nanakru an der Küste von Liberia für die Plünderung des gescheiterten deutschen Dampfers "Carlos", indem sie den Ort bombardierte, durch Landungskorps die Neger vertrieb und das Dorf in Brand steckte. Ähnliche Züchtigungen führte "Carola" auf den Hermitinseln aus. Frühjahr 1883 wurde Generallieutenant von Caprivi Chef der Admiralität. Während von Stosch durch seine organisatorischen Talente sich besonders verdient machte, indem er eine einheitliche, tüchtige Marineverwaltung schuf, wurde auf dieser Grundlage durch von Caprivi die Kriegstüchtigkeit und Schlagfertigkeit der Flotte, besonders auch in Bezug auf die Küstenverteidigung, gehoben. 1884 strandete im Sturme bei Agger an der jütländ. Westküste die Brigg "Undine", wobei die Besatzung durch die dän. Rettungsstation geborgen wurde. 1885 ging die Kreuzerkorvette "Augusta" in einer Cyklone im Golf von Aden mit der gesamten Besatzung, 9 Offiziere und 214 Mann, verloren. Rege Thätigkeit entfaltete die Marine auf dem Gebiete der Kolonialerwerbungen. Zunächst kam es 20. Dez. 1884 zum Kampfe in Kamerun, an dem sich die Landungskorps von "Bismarck" und "Olga" beteiligten und nach heftigen Gefechten die Hikory- und Joßneger mit Verlust von 1 Toten und mehrern Verwundeten deutscherseits besiegten. 1885 wurde durch ein Geschwader der Sultan von Sansibar zur Anerkennung der Schutzherrschaft des deutschen Kaisers über das Gebiet der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft gezwungen. 1886 hatte "Albatros" ein Gefecht mit den Insulanern auf Neu-Pommern, ebenso "Adler" auf Neu-Mecklenburg. 1887 führten Mannschaften des "Habicht" eine Expedition den Kamerunfluß hinauf aus mit mehrfachen Kämpfen gegen dortige Negerstämme. Am 30. Nov. 1888 wurde zur Schädigung des Sklavenhandels der Araber von dem verbündeten deutschen und engl. Geschwader die Blockade über die Küsten des Sultanats Sansibar erklärt. Neben kleinern Scharmützeln machten die Mannschaften von "Leipzig" (Flaggschiff des Konter-^[folgende Seite]